Liebe Leserinnen und Leser!

18. März 2009

Herzlich willkommen auf meinem WebBlog.
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Ihr Andreas Mölzer


USA – Riese auf tönernen Füßen

26. Januar 2023

Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des Ostblocks in den Jahren nach 1989 verblieben die Vereinigten Staaten von Amerika bekanntlich als einzige wirkliche Supermacht auf dem Planeten. Das heißt sie waren der einzige politische und militärische Faktor, der immer, also jederzeit und allerorts, rund um die Erde in der Lage war, ihre Interessen in politischer und nötigenfalls auch militärischer Hinsicht durchzusetzen. Keine andere Macht, weder das geschwächte Russland noch das aufstrebende kommunistische China, war in der Lage, machtpolitisch und militärisch gegen die USA anzukommen.
Dass diese Rolle als einzige Supermacht, derer sich die USA in den letzten drei Jahrzehnten erfreuen durfte, keineswegs immer erfolgreich oder gar siegreich ausgeübt wurde, ist eine andere Sache. In den Kriegen im Nahen Osten, am Horn von Afrika und schließlich in Afghanistan agierten die USA trotz ihrer politischen Allmacht und der militärischen Stärke weitgehend glücklos. Und ob sie sich in der gegenwärtigen militärischen Auseinandersetzung in der Ukraine, wo die angegriffenen Ukrainer im Grunde ja für die US-Amerikaner einen Stellvertreterkrieg mit den Russen führen, durchsetzen werden, ist auch mehr als ungewiss.
Tatsache ist allerdings, dass die USA nach wie vor die größte Volkswirtschaft der Welt sind. Und nun, nach dem Ende der Coronakrise, ist das Wirtschaftswachstum bereits wieder so stark, dass die Experten vom stärksten Wirtschaftsaufschwung seit 40 Jahren sprechen. Das Bruttoinlandsprodukt der USA beträgt gewaltige 23 Billionen Dollar, und der größte Teil der Inlandsproduktion wird von privaten Unternehmen erwirtschaftet, wobei die Regierung das wirtschaftliche Geschehen vergleichsweise gering beeinflusst. Nach wie vor eine der wichtigsten Grundlagen der Wirtschaft des Landes sind seine natürlichen Ressourcen. Die USA sind bekanntlich reich an Bodenschätzen und haben einen unermesslichen Vorrat an fruchtbaren Böden für die Agrarproduktion. Überdies hat das Land ein schier unerschöpfliches Potenzial an Arbeitskräften mit entsprechend hoher Produktivität, die gleichzeitig wieder als Konsumenten fungieren.
Und in Zeiten des Krieges, wie er gegenwärtig in Osteuropa tobt, machen insbesondere die Rüstungskonzerne der USA die gewaltigsten Gewinne. Überhaupt ist politische Hilfe, die die USA irgendwelchen Verbündeten – in diesem Falle der Ukraine – gewähren, stets auch mit wirtschaftspolitischen Überlegungen gekoppelt. Im aktuellen Fall fließt wohl das meiste der Milliarden-Hilfen für die Ukraine auf dem kurzen Weg direkt in die US-Rüstungsindustrie.
Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika nähert sich zur Zeit der Zahl von 340 Millionen. Davon sind kaum mehr 60 Prozent weiße Amerikaner mit europäischer Abstimmung. In Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA, sind die Weißen bereits in der Minderheit. Die Latinos machen bereits nahezu 20 Prozent der Bevölkerung aus. Etwa 13 Prozent der Bevölkerung sind Schwarze, also rund 40 Millionen Menschen. Und etwa ein Viertel der weißen Amerikaner, also etwa 58 Millionen Menschen, geben an, deutscher Abstimmung zu sein. Damit sind die Deutschstämmigen die größte ethnische Gruppe unter den Amerikanern europäischer Abstammung, noch vor den Iren, den Engländern und den Italienern. Die Ureinwohner Nordamerikas, also die indigene oder indianische Bevölkerung, machen kaum mehr 1,3 Prozent aus. Allein dieses Verhältnis von Ureinwohnern zur Gesamtbevölkerung ist im Grunde der Beleg für einen der größten Völkermorde der Menschheitsgeschichte.
Naturgemäß sind die USA ihrer Geschichte nach ein klassisches Einwanderungsland. Die große Bevölkerungsmehrheit, mit Ausnahme der Indigenen, besteht eben aus Einwanderern, beziehungsweise stammt von solchen ab. Der Druck durch illegale Migration, insbesondere aus dem lateinamerikanischen Bereich, ist aber überaus groß. In Erinnerung ist noch der dramatische Ansturm von tausenden Lateinamerikanern aus El Salvador, Guatemala und Honduras, die sich in Fußmärschen bis zu 2000 Kilometer weit durch Mexiko in Richtung der US-amerikanischen Südgrenze bewegten. Die Reaktion der damaligen US-Regierung unter Donald Trump war die Verlegung tausender Soldaten an die mexikanische Grenze und ein Außerkraftsetzen des bis dahin geltenden Asylrechts. Außerdem ließ Präsident Trump bekanntlich an der mexikanischen Grenze eine Grenzbefestigung errichten, die den massiven Ansturm illegaler Latino-Migranten bremsen sollte.
Die USA drohen also allein durch die Tatsache, dass die aus Europa stammende Bevölkerung zunehmend in eine Minderheitenposition gerät, zu einem Staat mit Dritte-Welt-Charakter zu werden. Was ursprünglich die Stärke der USA ausmachte, nämlich die multinationale Zuwanderungsgesellschaft, bestehend meistens aus dynamischen und leistungswilligen jungen Menschen aus Europa, droht nunmehr durch das Überhandnehmen von Afroamerikanern und Latinos zur Gefahr zu werden. Zunehmend entwickeln sich nämlich so Parallelgesellschaften, die neben der politischen und sozialen Spaltung der US-Gesellschaft ein weiterer desintegrativer Faktor sind. Ethnische Gettos und Armenviertel stehen so in zunehmender Anzahl den durch private Sicherheitsdienste abgesperrten und abgesicherten Nobelvierteln gegenüber.
Überhaupt ist es die Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft mit ihrer sozialen aber auch ideologischen Dimension, die wohl als die größte Gefahr für die USA gelten kann. In politischer Hinsicht manifestiert sich diese Spaltung zweifellos im Gegensatz zwischen den Republikanern des Donald Trump und den Demokraten des amtierenden Präsidenten Joe Biden.
Die bis zum heutigen Tag aufrecht erhaltenen, aber nicht wirklich bewiesenen Behauptungen, dass Trump der Sieg in den letzten Präsidentschaftswahlen gestohlen wurde, durch Machinationen und Manipulationen, und die Empörung bei den Trump-Anhängern machen dies deutlich. Der indessen zu gerichtlichen Anklagen geführte Sturm auf das Kapitol gilt für die Demokraten und ihre Befürworter als demokratiepolitisches Menetekel. Und umgekehrt ist der harte Kern der Republikaner offenbar nicht bereit, die Legitimität der Präsidentschaft Joe Bidens anzuerkennen.
Eine weitere Dimension der gesamtgesellschaftlichen Spaltung der USA liegt im Gegensatz zwischen der städtischen Bevölkerung, wie sie an der Ostküste, aber auch in Kalifornien lebt, und dem ländlichen Amerika. Die Bevölkerung der Staaten im mittleren Westen hin zu den Rocky Mountains und im Osten hin zu den Appalachen tickt völlig anders als etwa die Menschen in New York oder Los Angeles. Überdies gibt es natürlich nach wie vor die Spaltung zwischen Nordstaaten und Südstaaten. Der alte Gegensatz, der im 19. Jahrhundert im Bürgerkrieg gipfelte, findet sich nach wie vor im völlig anderen Lebensgefühl des Südens im Gegensatz zu jenem der Nordstaaten.
All diese Faktoren zeigen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika ein Riese auf tönernen Füßen sind. Die zentrifugalen Kräfte, sowohl im Hinblick auf die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung als auch im Bereich der politisch-ideologischen Gegensätze sind so stark, dass der Gesamtstaat auch im Hinblick auf seine weltpolitische Potenz zwangsläufig mit massiven Einbußen und einer dramatischen Schwächung rechnen wird müssen. Die USA sind außenpolitisch ein typisches Imperium, das an geographischer, militärischer und somit auch machtpolitischer Überdehnung leidet und dadurch wohl auch mittel- und längerfristig massiven Schaden nehmen wird. Und im Inneren ist das Land trotz seiner Wirtschaftsleistung offenbar nicht einmal mehr in der Lage, die Infrastruktur, Straßen, Brücken, Bahnlinien, Elektrifizierung und Ähnliches, auf den Stand des 21. Jahrhunderts zu bringen. Geschweige denn die sozialen Probleme zu lösen, was allein schon die Tatsache beweist, dass es nach wie vor keine wirkliche Krankenversicherung für die Masse der einkommensschwächeren Amerikaner gibt. Ein Riese also auf tönernen Füßen.


Panzer-Krieger

26. Januar 2023

Der ukrainischer Präsident Selenski hat längst aufgehört, den Westen um Waffen zu bitten. Nein, er fordert sie längst. Insbesondere von den Deutschen will er nunmehr zumindest 360 Kampfpanzer vom Typus Leopard 2. Diese seien unverzichtbar, um das ukrainische Kriegsziel, nämlich die Rückeroberung aller von den Russen besetzten Gebiete, einschließlich der Krim, bewerkstelligen zu können.
Eine breite Front der Staatschefs nahezu aller EU-Staaten, dazu Englands und der USA, sowie fast alle politischen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland selbst befürworten die Lieferung von Panzern. Einzig Bundeskanzler Olaf Scholz und seine SPD zögern. Insbesondere Scholz selbst scheint die Panzer-Lieferung um jeden Preis vermeiden zu wollen und nimmt bislang Schelte aus allen Bereichen hin. Er sei ein Zögerer und Verhinderer und gewissermaßen nicht solidarisch mit den Ukrainern, also beinahe so etwas wie ein Putin-Versteher.
Offenbar scheint der deutsche Bundeskanzler so zu denken wie es die Kritiker der Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine tun. Sie sind nämlich der Ansicht, dass der Kreml den Einsatz von westlichen Angriffswaffen, insbesondere schwerer Kampfpanzer, als offene Kriegserklärung verstehen könnte. Und dann würde der Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Ukraine wohl zum globalen Krieg zwischen Russland und der NATO.
Im Gegensatz zu Scholz tun sich insbesondere die bundesdeutschen Grünen mit martialischen Tönen und der Forderung, schnellstmöglich alle möglichen schweren Waffen an die Ukraine zu liefern, hervor. Einstige Pazifisten wie die Frau Baerbock und der Herr Habeck oder der bayerische Grünen-Chef Hofreiter werden so zu den massivsten Kriegstreibern. Aber auch die Christdemokraten unter ihrem neuen Parteichef Friedrich Merz stehen dem in nichts nach. Auch sie sind vorbehaltlos für die Lieferung des Wunder-Panzers Leopard 2.
Da ist es nachgerade noch ein Glück, dass offenbar das Pentagon auch noch im Zweifel ist, ob die Lieferung von Angriffspanzer nicht einen offenen Konflikt zwischen NATO und Russen auslösen würde. Bislang war es nämlich das Ziel der Amerikaner, Russland durch eine Niederlage im Ukraine-Krieg auf Dauer militärisch zu schwächen, einen offenen Krieg aber zwischen Russland und der NATO wollte man bisher definitiv vermeiden. Zu groß erschien die Gefahr, dass damit tatsächlich ein Weltkrieg ausbrechen würde.
Angesichts des großen und allgemeinen Drucks, der gegenwärtig für die Lieferung von Kampfpanzer an die Ukraine entsteht, ist es aber zweifelhaft, ob Bundeskanzler Scholz und die vernünftigen Kräfte und im Pentagon dem auf Dauer widerstehen. Die Stimmen in der Bundesrepublik, wonach auf jeden Fall Leopard 2 geliefert werden, mehren sich bedenklich. Irgendwie scheint es so, als würden hier irgendwelche ehemaligen ultralinke Pazifisten und postmarxistische Friedensmarschierer neuerdings von Panzerschlachten in der ostukrainischen Tiefebene Träumen.


Mit Verlaub, Herr Bundespräsident … ein offener Brief von Andreas Mölzer

26. Januar 2023

„Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein A…loch“, schleuderte der grüne Gesinnungsfreund unseres gegenwärtigen Staatsoberhaupts, Joschka Fischer, seinerzeit dem von der CDU gestellten Präsidenten des Deutschen Bundestags in einer Parlamentssitzung entgegen.

So weit wie der einstige linksextreme „Street Fighter“ und nachmalige deutsche Außenminister wollen wir nicht gehen. Allerdings wollen wir unserem frisch angelobten Staatsoberhaupt doch zurufen: Mit Verlaub, Herr Bundespräsident, Sie wollten doch ein Präsident für alle Österreicher sein! Und nun erklären Sie im ORF-Interview im Vorfeld ihrer Angelobung, dass sie nur Wert legen würden auf eine „gute Nachrede seitens der vernünftigen und intelligenten Österreicher“, zu denen sie die Sympathisanten und Wähler der Freiheitlichen Partei offenbar nicht zählen. Dieser Schluss ergibt sich nämlich denklogisch aus ihrer Aussage, den FPÖ-Chef im Falle seines Wahlsiegs entgegen aller Usancen der Zweiten Republik nicht mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Sie wüssten schon, dass sie sich damit „nicht nur Freunde machen“, aber sie wollen „kein feiger Präsident“ sein.

Nun müssen Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident, selbst beurteilen, ob es von großem politischen Mut zeugt, wenn man eine nahezu ein Drittel der Wähler umfassende Gruppe von Bürgern ausgrenzt, weil sie eine andere Weltanschauung hat als die eigene. Für einen in die Jahre gekommenen Grünen mit explizit linker Prägung ist es gewiss verständlich, wenn man nationalliberale Ideologie und die gegenwärtig fundamentaloppositionelle Politik der Freiheitlichen ablehnt. Für das Staatsoberhaupt der demokratischen Republik Österreich aber, für einen Bundespräsidenten, der nach eigener wiederholter Bekundung die Gräben in unserer Bevölkerung überwinden und die Spaltung der Gesellschaft bekämpfen will, ist eine solche Haltung unverzeihlich.

Zwar ist die verfassungsrechtliche Rolle des österreichischen Bundespräsidenten durch die Verfassungsreform von 1929 eine relativ starke. Und er hat ja tatsächlich, so wie seinerzeit der Kaiser in der K.u.K-Monarchie das Recht, die Regierung zu ernennen und auch zu entlassen. Ob er aber tatsächlich aus demokratiepolitischer Sicht legitimiert wäre, eine in demokratischen Wahlen siegreiche Partei von der Regierungsbeteiligung auszuschließen, ist mehr als fraglich. Und das Beispiel aus der jüngeren österreichischen Geschichte, nämlich die Regierungsbildung des Jahres 2000, demonstriert, dass Parteien mit einer entsprechenden parlamentarischen Mehrheit auch gegen den Willen des Staatsoberhauptes in der Lage sind, eine Regierung zu bilden.

Was nun jene Argumente betrifft, die Sie, Herr Bundespräsident, im gegenständlichen ORF-Interview ins Treffen geführt haben, um ihre Vorbehalte gegen die FPÖ und ihren Bundesparteiobmann zu begründen, so sind diese bei näherer Betrachtung auch in keiner Weise haltbar. Sie haben erklärt, dass sie eine „europafeindliche Partei“, die überdies den Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht verurteile, nicht auch noch fördern wollten.

Nun ergibt jede auch nur einigermaßen objektive Analyse der freiheitlichen Programmatik und der realen freiheitlichen Politik, dass die FPÖ zwar massiv EU-kritisch eingestellt ist, aber dezidiert und deklariert für die europäische Integration als solche eintritt. Und dass sich die freiheitliche Vision von diesem integrierten Europa wesentlich von der gegenwärtigen Brüsseler EU-Realität und auch von den zentralistischen Plänen für „Vereinigte Staaten von Europa“ unterscheidet, kann keineswegs als Beleg für Europafeindlichkeit gewertet werden. Vielmehr handelt es sich dabei um die Vision eines starken und selbstbewussten Europas der Vaterländer, der souveränen Nationen und der in ihrer Kultur und Identität gesicherten Völker und Volksgruppen, in guter Nachbarschaft in den historisch gewachsenen Regionen des Kontinents zusammen lebend.

Und was den Ukraine-Krieg betrifft, so waren es die Freiheitlichen und ihr Parteiobmann, die als einzige die Einhaltung und Betonung der verfassungsmäßigen österreichischen Neutralität gefordert haben. Und auch wenn seitens der FPÖ in Hinblick auf die Entwicklung hin zum Ukraine-Krieg und in Bezug auf dessen Hintergründe ein Gehör beider Seiten eingefordert wurde, gibt es keine einzige Stellungnahme, die den russischen Angriffskrieg als solchen gut geheißen hätte.  

Wenn dies im Zuge der innenpolitischen Auseinandersetzung und der parteipolitischen Polemik von FPÖ-kritischen Medien und politischen Mitbewerbern anders dargestellt wird, kann das den Bundespräsidenten nicht von seiner Pflicht entbinden, überparteilich und möglichst objektiv zu urteilen und zu handeln.

Deshalb, sehr geehrter Herr Bundespräsident, überdenken Sie Ihre gegenständlichen Aussagen und versuchen Sie doch wirklich, ein Präsident für alle Österreicher zu sein — auch für jene, die sich der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft zugehörig fühlen!


Glanz und Elend des ­Föderalismus

19. Januar 2023

Braucht Österreich neun Bundesländer?

Die Republik Österreich hat bekanntlich ebenso wie die benachbarte Bundesrepublik Deutschland ein föderalistisches System. Im Gegensatz zu zentralistischen Staaten, wie es etwa Frankreich ist, ist dieser Föderalismus ein Erbe der alten deutschen Kleinstaaterei, der territorialen und machtpolitischen Zerrissenheit des deutschen Volks- und Kulturraums. Und so sind unsere heutigen Bundesländer Erben uralter Territorien, die ihrerseits politische und kulturelle, aber auch ökonomische Zentren hatten. Der eigentliche Segen dieser föderalistischen Gliederung des Gesamtstaates ist, dass es damit auch mehrere geistige Zentren gibt. Während etwa in Frankreich das gesamte Geistesleben in Paris konzentriert ist, haben föderative Staatlichkeiten vielfältige geistige Zentren. Im deutschen Sprachraum war es nicht nur die alte Kaiserstadt Wien, es waren vielmehr ebenso Weimar und Hamburg, München und Prag, Dresden und Köln ebensolche geistige Zentren.
Was nun Österreichs Bundesländer betrifft, so gibt es in der Alpenrepublik eine wesentlich kleinräumigere föderative Gliederung als vergleichsweise etwa in der Bundesrepublik. Allein Bayern ist als Bundesland bevölkerungsreicher als der österreichische Gesamtstaat. Dennoch sind Österreichs Länder historisch gewachsene Identitäten, die ihren Bewohnern Zugehörigkeit und Prägung gewähren.
Die Schattenseiten dieses österreichischen Föderalismus sind eine aufgeblähte, nämlich verneunfachte Bürokratie, sind verneunfachte ineffiziente Strukturen mit der Möglichkeit zu verneunfachter Korruption und Freunderlwirtschaft. Und die demokratischen Vertretungskörper in den Ländern, also die Landtage, haben im Grunde kaum mehr legislative Kompetenzen, da diese entweder beim nationalen Parlament oder bereits bei der Brüsseler Zentrale liegen. Sie vermögen zumeist für ihre Sitzungen kaum mehr entsprechende Tagesordnungen zustande zu bringen.
Nichtsdestotrotz bieten die österreichischen Bundesländer ihren Bürgern ein hohes Maß an kultureller Identifikation und auch an politischer Teilhabe. Gerade die geringere Größe der österreichischen Bundesländer ermöglicht unmittelbare Bürgerbeteiligung am politischen Diskurs und bei den politischen und ökonomischen Entscheidungsprozessen. Zwischen der heimatlichen Kommune und dem Gesamtstaat, der im österreichischen Fall ja auch nicht allzu groß ist, bietet das Bundesland eine ideale zwischengelagerte Größe für den Aufbau und die Struktur der Republik.
Und überdies sind diese österreichischen Bundesländer gewissermaßen Objekte des Lokalpatriotismus und einer eigenständigen, historisch gewachsenen und auch kulturell fundierten Identität, die sich im Dialekt, im Brauchtum und in regionalen Einheiten manifestiert. Kärntner, Steirer, Salzburger, Tiroler und Vorarlberger haben eine ebenso unverwechselbare Identität, wie Oberösterreicher und Niederösterreicher sowie die Burgenländer. Und jedes dieser Bundesländer hat seine eigene Geschichte und spielt eine eigene Rolle in der Entstehung und im Gefüge des Gesamtstaates.
Ober- und Niederösterreich, das war das österreichische Kerngebiet entlang der Donau, welches durch die bajuwarische Kolonisation im Mittelalter entstand. Diese Region bildete das Kerngebiet der babenbergischen Herrschaft und danach der habsburgischen. Von hier aus fand die Ausweitung dieses Herrschaftsgebiets über den gesamten Ostalpenraum und danach über Böhmen, Ungarn, den Balkan und Oberitalien statt. Der Namen und der Begriff Österreich wurzelt hier im Raum entlang der Donau.
Die Länder Inner-österreichs waren wieder ein anderer Fall. Da war zuerst einmal das alte Karantanien, das sich weit in den steirischen Raum erstreckte. Daraus entstand im zehnten Jahrhundert das Reichsherzogtum Kärnten, danach das Herzogtum Steiermark, das Herzogtum Krain und die Grafschaft Görz. Salzburg war als Fürsterzbistum des Primas Germaniae ein eigener Fall, der erst spät zu Habsburg kam. Und die Grafschaft Tirol und die Territorien des späteren Vorarlbergs rundeten diese habsburgischen Erbländer im Alpen- und Donaubereich ab. Zusammen mit dem Gebiet des vormaligen Deutsch-Westungarns, das als Burgenland erst nach der Republikgründung zu Österreich kam, bildeten diese historisch gewachsenen Länder unser heutiges Staatswesen.
Nun wurde erst jüngst die Frage aufgeworfen, ob es nicht vorteilhafter für die Verwaltung der Republik wäre, wenn man drei Großterritorien schaffen würde, zu denen die Bundesländer zusammengefasst würden, um solcherart die Administration zu vereinfachen und den österreichischen Föderalismus effizienter zu machen. Man könnte doch die westlichen Bundesländer Vorarlberg Tirol und Salzburg in einem Territorium vereinigen, Kärnten, Steiermark und das Burgenland in einem weiteren und Ober- und Niederösterreich mit Wien.
Bei näherer Betrachtung erweist sich dieser Vorschlag sehr rasch als realitätsfern. Die Bindung der Bewohner des jeweiligen Bundeslandes an ebendasselbe wäre viel zu stark, um derlei Reformen zu ermöglichen. Die Tiroler ließen sich niemals, oder nur mit stärksten Widerständen, von Salzburg aus administrieren und die Kärntner würden gegen ein Grazer Regiment gewiss revoltieren, ebenso wie die Ober- und Niederösterreicher nicht zurück unter die Wiener Zentralverwaltung wollten. Der zweifellos mit einer solchen Zusammenlegung gegebenen Steigerung an Effizienz der Verwaltung stünde ein noch viel größerer Widerstand der betroffenen Menschen entgegen. Außerdem würde die Unmittelbarkeit der Bürgerbeteiligung im Bereich von Politik und Wirtschaft massiv darunter leiden, da die jeweiligen Zentren dieser Großterritorien wesentlich weiter entfernt von den Menschen wären als heute die gegenwärtigen Hauptstädte der Bundesländer.
So ist also die gegenwärtige Gliederung der Republik in neun Bundesländer ein ziemlich unumstößliches und von den Bürgern selbst wohlgelittenes Faktum, an dem auch die immer wieder aufkeimende Kritik am heimischen Föderalismus kaum etwas ändern dürfte. Gerade die Umstände der Globalisierung und der weltweiten zivilisatorischen Nivellierung, aber auch die Europäisierung all unserer Lebensumstände durch die EU bedingen eine Rückbesinnung auf unsere regionalen Wurzeln. Und dafür ist die Verortung der Menschen in ihren heimatlichen vertrauten Bundesländern zweifellos der ideale Ort.
Im Vergleich zu den anderen österreichischen Bundesländern ist das größte Land, nämlich Niederösterreich, welches zur Zeit wegen der anstehenden Landtagswahlen gerade im Fokus der politischen Aufmerksamkeit steht, so etwas wie ein Sonderfall. Historisch war es einfach das Umland der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien. Es war weitgehend bäuerlich geprägt, bäuerlich auch durch die Leibeigenschaft, die vielleicht bis heute mentalitätsprägend war. Außer Wien gab es keine größere Stadt und die industriell bedeutende Region im Süden des Landes war ausschließlich auf die Metropole hin orientiert.
Mit der Trennung von der Bundeshauptstadt stellte sich dann zuerst einmal die Frage, wo die administrative Zentrale des Landes liegen sollte. Ob St. Pölten wirklich bedeutender als Wiener Neustadt, Krems oder Amstetten ist, kann schwer gesagt werden. Und die Entwicklung St. Pöltens hin zu einer wirklichen Landeshauptstadt kann ja bis zum heutigen Tag nicht als abgeschlossen betrachtet werden. Und überhaupt leidet das größte österreichische Bundesland nach wie vor an einer gewissen Marginalisierung durch die Großstadt Wien.
Dennoch ist Niederösterreich so etwas wie ein österreichisches Kernland, das als Kernland der christlich-konservativen Partei auch besonderes politisches Gewicht hat. Und damit haben politische Weichenstellungen in Niederösterreich auch für die Entwicklung der Republik insgesamt besonderes Gewicht.


Die Abgründe derlinken Kultur-Schickeria

19. Januar 2023

Da gibt es einen beliebten heimischen Schauspieler der jüngeren Generation – Burgtheater-Mime, TV-Star und Darsteller des jungen Kaiser Franz Joseph in einem für den Auslands-Oscar nominierten Film – und plötzlich poppt ein ungeheurer Pädophilie-Skandal auf. Obwohl in der heimischen Kulturszene seit Jahr und Tag handfeste Gerüchte über die abartigen Neigungen des Schauspielers kursierten, gab es keine Konsequenzen.
Erst jetzt, da der bevorstehende Gerichtsprozess bekannt wurde, kam die Entlassung aus dem Burgtheater, den Stopp seiner TV-Serien und die Distanzierung seitens der Kulturpolitik. In den sozialen Medien und bei den Postings in den linken Gazetten gibt es aber immer wieder verhaltenes, kaum verhülltes Verständnis für den geständigen Pädophilen. Und die linke Kultur-Schickeria schweigt sich aus, warum sie den betreffenden Kollegen über Monate mehr oder minder gedeckt hat. Ganz so, als wäre das Ergötzen am sexuellen Missbrauch und der Qual von Kindern ein Kavaliersdelikt, eben nur ein „digitales Delikt“.
Ganz abgesehen von der sich darin manifestierenden Heuchelei des zeitgeistigen Kulturbetriebs beweist dies auch die Schizophrenie, die sich im Hintergrund der linken Gesellschaftspolitik insgesamt verbirgt. Bis in die Achtziger-Jahre gab es nämlich Tendenzen innerhalb der linken Szene, auch bei den sich gerade gründenden Grünen, die Pädophilie zu enttabuisieren, wenn nicht sogar zu legalisieren. Man entsinne sich nur der seinerzeitigen Äußerungen des Parade-Grünen Daniel Cohn-Bendit. Und erst vor zehn Jahren veröffentlichten die bundesdeutschen Grünen den Bericht einer Arbeitsgruppe, in dem es hieß: „Wir bedauern zutiefst, dass die grüne Partei in ihren Anfangsjahren pädosexuellen Aktivisten und ihren Positionen Raum gelassen hat.“ In diesem Bericht wurde erklärt, dass es Anfang der Achtziger-Jahre innerhalb der Grünen Vorstöße gab, das Sexualstrafrecht zu ändern und „die Strafbefreiung einvernehmlicher Sexualität zwischen Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern“ zu erwirken.
Dies kann natürlich weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung für das Verhalten des am medialen Pranger stehenden Schauspielers sein. Es ist aber eine mögliche Erklärung für die zwiespältige Reaktion der linken Kultur-Schickeria, für ihr Wegschauen und die nunmehr zu registrierende halbherzige Verniedlichung dieser Delikte. Ein weiteres Phänomen in diesem Zusammenhang ist die von der Linken so massiv befürwortete Sexualisierung der Kinder bereits im Kleinkindalter und die daran anschließende Gender-Ideologie.
Jede Kritik an dieser Frühsexualisierung wird von der Linken als „antifeministisches Narrativ“ bezeichnet. Wer den gegenwärtigen Wahn, wonach man sein Geschlecht beliebig wählen, beziehungsweise auch wechseln könne, kritisiert, gilt als Rechtsextremist oder zumindest als Reaktionär.
Zurück zum inkriminierten Schauspieler: Dessen pädophile Sucht und sein Sammeln von zehntausenden Dateien mit pädophilen Inhalten dürfte einerseits wohl einem psycho-sexuellen Krankheitsbild entsprechen. Andererseits kann diese in keiner Weise entschuldigt werden, indem darauf hingewiesen wird, dass er dies bloß medial und digital ausgelebt habe und kein einziges Kind angegriffen oder insultiert hätte. Zweifellos hat er nämlich indirekt die durch die Herstellung der pädophilen Materialien erfolgten Verbrechen an den betreffenden Kindern unterstützt und mitfinanziert. Wie all das strafrechtlich zu bewerten ist, werden wir in dem Gerichtsverfahren hören.
Aber ganz abgesehen von diesem widerlichen, individuell für den vom Sockel gestoßen Schauspieler wohl auch tragischen Einzelfall, sollte dies Anlass sein, der breiten Öffentlichkeit klarzumachen, wie viele Widersprüche und wie viel Widernatürliches in den derzeit von der Spätlinken propagierten Gesellschaftsmodellen enthalten sind.
Die Versuche, die menschliche Natur biologisch wie psychisch zu vergewaltigen, wird auch durch zeitgeistige Erscheinungen wie Gendern, Wokeness und ähnlichen Irrsinn nicht gelingen.


Österreich als EU-Rebell?

23. Dezember 2022

In Brüssel hat man sich vermutlich in den letzten Tagen verwundert die Augen gerieben angesichts der Meldungen und Stellungnahmen, die da aus Wien zu den aktuellen Fragen der Europäischen Union gekommen sind. Da hat man sich doch tatsächlich gegen den Schengen-Beitritt Rumäniens und Bulgariens ausgesprochen und ein Veto eingelegt. Und dann hat Österreichs Regierungschef Karl Nehammer beim jüngsten EU-Gipfel tatsächlich auch noch ein Tabu gebrochen und sich für den Bau von Befestigungsanlagen an den EU Außengrenzen ausgesprochen.
Nehammers Argument, dass die europäische Asylpolitik absolut gescheitert ist und dass Österreich mit etwa 100.000 Asylansuchen im laufenden Jahr und noch einmal so vielen Ukraine-Flüchtlingen die Grenze des Erträglichen längst überschritten hat, ist zweifellos stichhaltig. Richtig war allerdings auch der Einwand seiner Kritiker, die darauf hinweisen, dass die Balkanroute, die in diesem Jahr bei Migranten ja wieder so beliebt war, kaum über Bulgarien und Rumänien, sondern vielmehr über den Westbalkan und Serbien verläuft, sodass der Schengen-Beitritt der beiden Länder also mit der Massenmigration kaum zu tun habe.
Dass aber der ÖVP-Bundeskanzler, der ja mit den Grünen in einer Regierungskoalition steht, auch noch die Errichtung von Grenzmauern und Grenzzäunen an den EU-Außengrenzen in den Raum stellte, sorgte denn doch für massive Verwunderung. Immerhin könnte dieser österreichische Vorstoß dazu führen, dass Brüssel nunmehr Geld für derlei Projekte zur Verfügung stellt, was es bislang strikt verweigert hatte.
Insgesamt aber waren sich politische Beobachter und Medien-Berichterstatter schnell darüber einig, dass die österreichische Haltung in erster Linie innenpolitisch motiviert war. Die im Dauer-Umfragetief befindliche ÖVP glaubt offenbar, wieder auf das Erfolgsrezept des Jahres 2017 zurückgreifen zu müssen. Damals hatte der ÖVP-Chef Sebastian Kurz bekanntlich mit dem Kopieren freiheitlicher Inhalte zur Zuwanderungsfrage den Wahlsieg erlangt. Heute scheint es so – glaubt man den Umfragen – dass die Freiheitlichen wegen der Asyl- und Migrationsproblematik wieder massiv im Aufwind sind, während die ÖVP bei kaum mehr 20 Prozent steht und ihr grüner Regierungspartner kaum 10 Prozent zu verbuchen hat. Und um diesem Trend entgegenzuwirken, versucht die Volkspartei entsprechende Signale auszusenden.
Was aber die Brüsseler Zentrale der Europäischen Union betrifft, so mögen sich die dort angesiedelten Eurokraten gefragt haben, ob die „Ösis“ größenwahnsinnig geworden wären und ob man in Wien tatsächlich glaube, auf der europäischen Ebene so großes Gewicht zu haben, um in diesen Fragen die politische Linie bestimmen zu können. Und tatsächlich wird man bei einem EU-Sondergipfel. der wohl bald nach Jahresbeginn stattfinden wird, zweifellos das Einknicken der Österreicher in der Frage des Schengen-Beitritts von Rumänien und Bulgarien sehen können. Und ob Brüssel wegen der Wiener Proteste tatsächlich zu einer stringenten Asyl- und Zuwanderungspolitik findet, darf auch bezweifelt werden.
Und solche Zweifel darf man im Hinblick auf die Auswirkungen auf die österreichische Innenpolitik haben. Ob die gelernten Österreicher tatsächlich ein zweites Mal auf die Show-Politik der ÖVP in Sachen Zuwanderung hereinfallen, ist sicherlich zweifelhaft.


Ethno­morphose als neue Realität

23. Dezember 2022

Am letzten Adventsonntag des Jahres versammelten sich Millionen Österreicher, so wie wahrscheinlich ein guter Teil der Weltbevölkerung, vor dem Fernsehschirm, um das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar zu verfolgen. Dieses war an Dramatik kaum zu überbieten, da die Argentinier genauso wie die bisherigen Weltmeister, die Franzosen, ihre jeweiligen Superstars Messi und Mbappe aufgeboten hatten. Nach der Zwei-zu-Null-Führung Argentiniens zur Halbzeit holte Frankreich auf und selbst das Nachspiel endete unentschieden. Also Elfmeterschießen.
Und dabei kam es – zumindest für die österreichischen Fernsehzuseher – zu einem kurzen Moment, der einen nachdenklich werden lassen muss: Als die Argentinier, an ihrer Spitze Messi, ihre Siegeselfmeter schossen, schwenke die Kamera kurz über die gespannt gemeinsam verharrende französische Mannschaft. Und der ORF-Kommentator meinte dabei, dass sich nun herausstellen würde, wer Sieger bliebe in diesem Wettkampf zwischen „Europäern und Lateinamerikanern“.
Die abwartende französische Nationalmannschafts bestand aber samt und sonders aus Spielern mit offenbar schwarzafrikanischer Herkunft. Im Zuge des Spiels hat man nämlich die wenigen weißen französischen Nationalspieler durch schwarzafrikanische Reservisten ausgetauscht. Und der einzig verbliebene Weiße in der französischen Nationalmannschaft war der Tormann, der sich gerade den argentinischen Elfmeterschützen zu stellen hatte.
Nun sind die dunkelhäutigen französischen Nationalspieler zweifellos hervorragende Fußballer und gewiss auch französische Staatsangehörige. Dass aber die Fußball-Nationalmannschaft eines europäischen Staates ausschließlich aus Sportlern schwarzafrikanischer Herkunft besteht, ist denn doch auffällig. Auffällig auch deshalb, weil die gegnerische Mannschaft, nämlich die Argentinier, durchwegs aus weißen, weitgehend spanischstämmigen Spielern besteht. Wobei angemerkt werden muss, dass Lionel Messi selbst Spross italienischer Migranten ist.
Jetzt ist uns schon bewusst, dass allein das Nachdenken über dieses Phänomen den Verdacht des Rassismus erweckt. Allein, es muss erlaubt sein, über die Tatsache nachzudenken, dass speziell im europäischen Fußball zunehmend Spieler mit schwarzafrikanische Migrationshintergrund Karriere machen.
Zuerst einmal liegt den Grund dafür ganz einfach darin, dass es eben zunehmend schwarzafrikanische Menschen auch in Europa gibt. Die Ursache dafür liegt natürlich in der Migration. Des Weiteren mag es daran liegen, dass Schwarzafrikaner genetisch, biologisch, wenn man so will, über eine bessere körperliche Disposition verfügen, die ihnen schnelleres Laufen und akrobatisches Ballgefühl ermöglicht. Aber auch diese Erwägung kann bereits als Biologismus oder gar Rassismus gesehen werden. Und schließlich steht fest, dass eine Sportkarriere für viele Menschen mit Migrationshintergrund eine der wenigen Möglichkeiten für sozialen Aufstieg darstellt. Mbappe beispielsweise stammt aus den Pariser Banlieues und deren Unterschicht-Milieus. Und nun ist der strebsame Sohn eines Einwanderers aus dem Kamerun und einer Algerierin, der bereits mit 17 Abitur machte, ein Weltstar und vielfacher Millionär.
Damit ist er natürlich nicht nur ein Symbol für gelungene Integration und dafür, dass sich Migration – womöglich auch illegale – nach Europa lohnt, sondern auch das Wunschbild vieler junger Menschen aus prekären gesellschaftlichen Schichten, die von Reichtum und sozialem Aufstieg träumen. Und genau damit sind Sportstars wie die schwarzen französische Nationalspieler auch Trugbilder. Trugbilder, die hunderttausenden jugendlichen Migranten aus fernen Ländern, auch aus Schwarzafrika, vorgaukeln, man könne in Europa, im Land wo Milch und Honig fließt, zu Ruhm und Reichtum kommen. Und das, obwohl es sich dabei vorwiegend um Analphabeten handelt, die kaum in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft Europas integrierbar sind, zumeist nur die Parallelgesellschaften und Subkulturen bereichern.
Für die autochthonen Menschen und Völker Europas zeigt dieses Phänomen aber, dass die Veränderung der ethnisch-kulturellen Struktur des alten Kontinents, also die Ethnomorphose, bereits weit fortgeschritten ist. Wenn man bei Fußball-Nationalmannschaften als Indikator bleibt, ist Frankreich nicht das einzige Beispiel. Die Niederländer, die Skandinavier und speziell auch die Deutschen verfügen über ähnlich multikulturelle Teams. Während die deutsche Nationalmannschaft, die 1954 „das Wunder von Bern“ vollbrachte und Weltmeister wurde, noch weitgehend aus ausgemergelten ehemaligen Wehrmachtssoldaten und Heimkehrern aus der Gefangenschaft bestand, geben heute auch häufig Spieler mit Migrationshintergrund den Ton an.
Und Nationalmannschaften, die nur oder zumindest vorwiegend aus Angehörigen der autochthonen Bevölkerung bestehen, gibt es zumeist nur mehr in den Ländern des östlichen Europas oder auch interessanterweise im romanischen Bereich. Dies liegt natürlich auch daran, dass es in eben diesen Ländern wesentlich weniger Bevölkerung mit Migrationshintergrund gibt als in Deutschland, Frankreich, Skandinavien oder eben auch Österreich.
Tatsache ist jedenfalls, dass auch in europäischen Ländern mit großen Migrations- und Integrationsproblemen Xenophobie und die Ablehnung von Ausländern im Bereich des Sports kaum stattfindet. Im Gegenteil, Spitzensportler mit Migrationshintergrund werden auch in solchen Ländern zu Publikumslieblingen. Bayern Münchens Alaba ist diesbezüglich wohl eines der bekanntesten Beispiele.
Und so trägt das Phänomen der multikulturellen Sportstars mit Migrationshintergrund ganz wesentlich zum Gewöhnungsprozess der autochthonen Bevölkerung an diese Ethnomorphose bei. Während die zunehmende Stärke von Parallelgesellschaften, bestehend aus Zuwanderungsethnien, illegalen Migranten und zumeist auch Islamisten, in der autochthonen Bevölkerung auf heftige Ablehnung stößt, ebenso wie die illegale Migration selbst, sind die Leistungen von Sportlern mit Migrationshintergrund ein starkes Argument für das Akzeptieren der Entwicklung hin zur multikulturellen Gesellschaft. Und dies wird natürlich auch von deren Propagandisten aus politisch korrekten und linken Kreisen weidlich genutzt.
Allzumal dann, wenn es wie im Falle von Nationalmannschaften um die Identifikation eines ganzen Landes mit den betreffenden Sportlern geht, stellen diese gewissermaßen das Land und seine Bevölkerung selbst paradigmatisch dar. Nun werden die Franzosen sich samt und sonders gewiss nicht als Nachkommen schwarzafrikanischer Migranten fühlen. Charlemagne, Henry Quatre, Louis Quatorze, Napoleon und Charles de Gaulle sind ihnen da als Ahnenreihe wohl noch wichtiger. Allein das Gefühl aber, dass hier eine Fußball-Nationalmannschaft mit schwarzafrikanischem Migrationshintergrund die Grand Nation hervorragend vertreten hat, wird seine Wirkung nicht verfehlen.
Europäische Nationalmannschaften im klassischen Sinne fanden wir noch weitgehend bei den Spaniern oder etwa bei den Kroaten vor. Bei Letzteren endete jeder Namen auf „ic“. Und Modric und Konsorten wann auch sehr erfolgreich und boten als Mannschaft ein überaus sympathisches Bild. Insgesamt aber scheint es so, als würden jene europäischen Nationen mit kolonialer Vergangenheit wie die Briten und Franzosen und die beliebtesten Zuwanderungsländer wie Deutschland, Österreich und die Skandinavier, nicht nur im Bereich des Spitzensports, sondern insgesamt von der Bevölkerungsstruktur in Zukunft ein anderes Bild bieten als die ärmeren EU-Staaten der östlichen und südlichen Peripherie.
In diesen Bereichen ist diese Ethnomorphose offenbar zur unumkehrbaren Tatsache geworden.


Schwarzer Konkurs, roter Konflikt, blauer Höhenflug

18. Dezember 2022

Wenn man den Umfragen Glauben schenkt, kann sich die schwarz–grüne Bundesregierung auf kaum mehr 30 Prozent der heimischen Wähler stützen. Und auch die bis vor kurzem in eben denselben Umfragen so dominante SPÖ ist im permanenten Rückgang begriffen. Die Freiheitlichen profitieren, sie sind bereits seit Wochen in nahezu allen Meinungsumfragen die stärkste Partei im Lande.
Während sich die schwarze Kanzler-Partei darin gefällt, Scheinaktivitäten gegen den Zustrom illegaler Migranten zu setzen, indem sie etwa den Schengen-Beitritt von Bulgarien und Rumänien verhindert, haben die Freiheitlichen als einzige Partei diesbezüglich eine glasklare Linie. Und das offensichtliche Unvermögen der Bundesregierung, die Energiekrise und die nahezu schon galoppierende Inflation zu bekämpfen, tut das ihrige. Immer, wenn es Österreich und den Österreichern schlecht geht – so könnte man überspitzt sagen –, geht es der freiheitlichen Oppositionspartei gut, da die Mehrheit der Menschen im Lande dann in der FPÖ den letzten Nothelfer zu erkennen glaubt.
Es sind aber nicht zu sehr irgendwelche politischen Großtaten oder besondere Leistungen der freiheitlichen Opposition, die diesen Höhenflug in den Umfragen verursachen, sondern eher die Schwäche der politischen Konkurrenz. Die ÖVP ist ja in erster Linie damit beschäftigt, den eigenen politischen Konkurs zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Immer neue Erkenntnisse der Korruptionsermittler und ständig neue politische Fehlleistungen sorgen dafür, dass die nach wie vor stärkste Parlamentspartei des Landes wohl auf Dauer im Tief verbleiben wird.
Und die Sozialdemokratie, die bis vor kurzem noch geglaubt hat, dass Frau Rendi-Wagner schon sehr bald im Kanzleramt residieren wird, sie verliert auch zunehmend an Sympathien. Dies zu allererst wohl wegen ihrer unklaren Haltung in der Migrationsfrage und wegen des Dauerkonflikt zwischen dem burgenländischen Landeshauptmann und der Parteichefin. Diese Auseinandersetzung geht soweit, dass sich die Spitzen der SPÖ gegenseitig sogar vorwerfen, keine echten Sozialdemokraten zu sein. Und der lachende Dritte bei diesem Streit ist natürlich der freiheitliche Parteichef. Aber wie auch immer, Tatsache ist, dass die Freiheitlichen bereits im Jahre 2015, bei der letzten großen Migrationswelle, über Monate hindurch in den Umfragen die stärkste Partei des Landes waren.
Die gegenwärtige Situation erinnert an die damaligen Umstände. Bei den Nationalrats­wahlen zwei Jahre später wurden sie dann doch nur zweite, da ihnen die Volkspartei unter Sebastian Kurz das Thema Zuwanderung wegzunehmen vermochte. Ob das gegenwärtige Umfragehoch für die FPÖ bis zum wahrscheinlichen Wahltermin im Jahre 2024 anhalten wird, ist ungewiss. Die Chancen stehen aber besser als im Jahre 2017, da die Glaubwürdigkeit von ÖVP und SPÖ in der Migrationsproblematik keine große ist.
Um auch noch die gegenwärtige Lage der kleinen Parteien des Landes, also der Neos und der Grünen zu beleuchten, ist zu sagen, dass deren Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die Grünen haben es nicht geschafft so etwas wie einen Regierungsbonus zu erwerben, sie scheinen vielmehr als Verhinderungs-, Verbots- und Reglementierungspartei zunehmend an Sympathien zu verlieren. Zynisch könnte man meinen, es bestünde die Hoffnung, dass sie so wie im Jahre 2017 aus dem Parlament fliegen könnten.
Jedenfalls scheint es so, als würde nach den nächsten Wahlen kaum eine Regierungskoalition ohne die FPÖ möglich sein. Sollten die gegenwärtigen Umfragewerte tatsächlich das künftige Wahlergebnis abbilden, so wäre eine Zweierkoalition ohne die FPÖ unmöglich, möglicherweise auch keine Dreierkoa­lition. Und Viererkoalitionen wären wohl politisch kaum zu realisieren. So scheint es also, als wäre der dieser Tage geäußerte Anspruch des FPÖ-Chefs, doch Bundeskanzler werden zu wollen, gar nicht so unrealistisch.


Von Termiten und von Freiherrn

18. Dezember 2022

Von der Prägung des Menschen durch seine Behausung

Wer beispielsweise die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong kennt oder die Plattenbauten im postkommunistischen Teil Osteuropas oder auch neue Super-Hochhäuser in den Golfstaaten, der weiß, dass die Menschen, die dort leben – Tausende oft in nur einem Bau –, im Grunde wie Ameisen in einem Ameisenhügel, wie Termiten in einem Termitenbau leben müssen. Dicht gedrängt, Tür an Tür, Mauer an Mauer, in kleinsten Wohneinheiten und doch voneinander isoliert. Weitgehend anonym, nicht einmal den unmittelbaren Nachbarn kennend und doch gezählt, nummeriert, kontrolliert und von der jeweiligen Obrigkeit absolut überwacht.
Dass der Mensch, das Individuum, welches unter solchen Umständen sein Leben zu verbringen hat, gewisse Eigenschaften und Verhaltensweisen entwickelt, die eben dieser Wohnsituation entspringen und ihr auch entsprechen, ist völlig klar. Einerseits wird er das wenig individualisierte Selbstgefühl des Massenmenschen entwickeln, andererseits die Vereinsamung und persönliche Marginalisierung desselben erleiden. Individuelle Selbstbestätigung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, Kreativität und Zivilcourage sind durch eine so geartete Wohn- und Lebenssituation zwangsläufig unterentwickelt. Das im Kollektiv des Termitenbaus lebende und dadurch auch geprägte Menschenwesen stellt zweifellos die willige und formbare Manövriermasse für jedwede Form von Manipulation und obrigkeitsstaatlicher Lenkung dar. Der Massenmensch, der in den Megacitys der Zukunft in solchen Termitenbauten lebt, dürfte allerdings in den kommenden Jahrzehnten die breite Mehrheit der Menschheit ausmachen. Die Landflucht und das Zusammenströmen der Menschen in gewaltigen Ballungsräumen werden zwangsläufig dazu führen.
Bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts lebte die Mehrheit der Menschheit im ländlichen Raum, in kleinen Dörfern oder gar in Einzelgehöften und in kleineren Städten. Die Entwicklung dieser Megacitys, insbesondere in der Dritten Welt, hat erst mit der Bevölkerungsexplosion der letzten Jahrzehnte eingesetzt. Die Menschheit mit tendenziell zehn Milliarden Köpfen wird also nicht mehr verstreut über die breite Fläche des Planeten leben, sondern zentriert in den großen Ballungsräumen dieser Megacitys. Dies ergibt sich auch aus der Logik des Erwerbslebens und der Arbeitssituation der Menschen in der Zukunft. Wenn bis zum Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert Ackerbau und Viehzucht, also die Landwirtschaft, die primäre Erwerbsquelle der Menschen darstellten, und sie ihr Dasein als Bauern und Landarbeiter fristeten, musste der Industriearbeiter zwangsläufig im Umfeld der Fabriken und Industrieanlagen wohnen und leben. Und der Massenmensch der Zukunft, der, wenn er nicht arbeitslos ist, als Dienstleister weitgehend über das Internet und soziale Medien in den Produktionsprozess eingegliedert sein wird, muss in diesen Megacitys seinen Lebensraum finden und gestalten.
In den vielen Jahrtausenden davor allerdings hat der Mensch den Weg zur Zivilisation, seine kulturelle Evolution, in einer Wohnsituation und Lebensweise beschritten, die dem Individuum Raum und Platz zu Entfaltung geboten hat. Natürlich hat es auch in der Antike Großstädte gegeben, in denen sich Menschenmassen in Wohnsilos, wie etwa im alten Rom oder in Karthago zusammenballten, die Mehrheit der Menschen lebte allerdings damals auf dem Lande, sei es als Bauern oder als Sklaven in Latifundien. Deshalb musste die Wohn- und Lebenssituation der Menschen noch lange nicht komfortabel oder gar luxuriös sein. Die Sklavenquartiere der Antike und die Bauernkaten der Leibeigenen im Mittelalter waren sicher alles andere als luxuriös. Damals wie heute kam es auf den sozialen Status an, auf den Stand und das Vermögen, ob man reich oder arm, Bürger, Bauer oder Bettler war. Das Bild, das wir von der Geschichte von Philemon und Baucis kennen, wo die lieben alten Leute idyllisch in einer Hütte leben, hat natürlich mit der seinerzeitigen Realität kaum etwas zu tun.
Dennoch verfügte das menschliche Individuum über Raum und Platz. Der Mensch ist ein soziales Wesen, wenn man so will ein Herdentier, er benötigt aber auch so etwas wie ein eigenes Territorium. Dieses mag klein und begrenzt sein, es ist aber – so lehrt uns die Verhaltensforschung – notwendig, um als Persönlichkeit ohne die Entwicklung von Psychosen überleben zu können.
Nun hat die Aristokratie in der Geschichte des Abendlandes stets die Möglichkeit gehabt, sich privilegierte Lebensräume und eine entsprechende Wohnsituation zu schaffen. Schlösser und Burgen boten das feudale Umfeld für Repräsentation und Hofhaltung, nicht zu vergessen ist auch die militärische Komponente, die auch den Adel immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit dazu zwang – etwa bei Belagerungen diese Schlösser und Burgen – in einer beengten, unerfreulichen Wohnsituation zu leben.
Mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft im Spätmittelalter und in der Neuzeit verlagerte sich die Wohnsituation der Menschen zuerst einmal in kleinere, dann in zunehmend große Städte. Und dabei war es natürlich eine Frage des sozialen Status und des Vermögens, wie großzügig der Wohnraum für den jeweiligen Bürger und seine Familie, sowie sein Gesinde bemessen war. Gotische Fachwerkhäuser und danach Stadtpalais aus Renaissance und Barockzeit mögen feudal und großartig wirken, sie alle aber verfügten weder über fließendes Wasser noch über entsprechende Sanitärbereiche für die menschliche Notdurft oder das menschliche Reinigungsbedürfnis.
Erst in der Wohlstandsgesellschaft, wie sie sich im Zuge des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieges entwickelte, konnten sich die Menschen zunehmend den Traum vom Eigenheim – die typischen Häuslbauer in Österreich etwa – in großer Anzahl leisten. Zuvor hatten nur schwerreiche Bürger und Aristokraten die Möglichkeit, sich Villen in den Vororten der Städte bauen zu lassen, nunmehr konnten auch Kleinbürger und Arbeiter bescheidene Einfamilienhäuser errichten. Und damit sind wir beim Wunschtraum des durchschnittlichen Mitteleuropäers und insbesondere des Österreichers, nämlich dem Häuschen mit eigenem Garten.
Dieser Wunschtraum mag darauf zurückzuführen sein, dass die meisten Menschen in unseren Breiten über wenige Generationen zurück von Bauern oder zumindest auf dem Lande lebenden Menschen abstammen. Sie mögen mit dem eigenen Häuschen vielleicht einen unterschwelligen Wunsch nach Rückkehr zur alten, einstigen Lebensweise verwirklichen. Und zweifellos entspricht das Streben nach dem Eigenheim samt Garten, Gartenzaun und möglichst Swimmingpool auch der Erkenntnis, dass sowohl der Einzelmensch als auch die Familie mit Eltern und Kindern damit über einen geschlossenen und sicheren Wohnraum mit Bewegungsfläche im Garten, auch Fläche für mögliche Selbstversorgung mit Lebensmitteln verfügen. Und instinktiv wissen die Menschen wahrscheinlich auch, dass eine Wohn- und Lebenssituation dieser Art individuelle Selbstentfaltung, gesunde Lebensweise und ein glückliches Familienleben ermöglicht.
Nun kann natürlich nicht jedermann – schon gar nicht auf einem Planeten mit mehr als acht Milliarden Menschen – ein „Freiherr“ sein. Die Illusion als „freier Mann auf freier Scholle“ leben zu können, kann nicht für alle Realität werden. Dies ist allein wegen der zunehmend hohen Kosten für Eigenheime nur mehr in geringem Maße möglich. Und überdies gibt es natürlich auch das Problem, dass durch den typischen Häuslbauer die Landschaft zunehmend versiegelt und zubetoniert wird. Dennoch bleibt der Wunsch nach dem Eigenheim im Grünen eine zentrale Hoffnung die meisten Europäer und vor allem der Österreicher. Und überdies bleibt es eine Tatsache, dass Menschen die in einer solchen großzügigeren naturnahen Wohn- und Lebenssituation ihre Existenz verbringen, schlicht und einfach andere Verhaltensweisen und eine andere Mentalität entwickeln als jene, die wie anonyme Termiten ihr Leben fristen müssen.


Von den ­Chancen der Verarmung

12. Dezember 2022

Das, was gegenwärtig hierzulande, aber auch darüber hinaus in ganz Europa und wohl insgesamt in den westlichen Industriestaaten geschieht, ist ein Prozess der breitflächigen Verarmung. Inflation, Rezession, massiver Schwund der Kaufkraft, Verminderung des Sparvermögens und die Entwertung anderer Vermögensbereiche führen dazu, dass wir alle schrittweise, aber spürbar und mittel- und längerfristig deutlich ärmer werden. Der Mittelstand sinkt herab ins Prekariat, das von staatlichen Zuwendungen und Transferleistungen abhängig ist. Das vormalige Prekariat droht vollends zu verelenden. Nur die Superreichen werden noch reicher.
Ein solcher Prozess der Verarmung ist schmerzhaft und mit Verzicht, Verlust und Gefühlen des Versagens, individuell und gesamtgesellschaftlich, verbunden. Dieser Prozess der Verarmung führt allerdings denklogisch zur Armut. Und Armut bietet dann Perspektiven, die insgesamt nicht nur negativ sein müssen. Zumal in einer Gesellschaft, die dekadent und hedonistisch geworden ist und nur mehr krudem Materialismus frönt.
Man denke zurück an jene Zeiten, in denen in unseren Breiten nach der Überwindung der unmittelbaren Not der Nachkriegszeit zwar Armut herrschte, allerdings Aufbruchstimmung und Optimismus. In den Fünfziger-Jahren, in denen sich das Wirtschaftswunder erst ankündigte, waren wir Österreicher und die Deutschen, die Besiegten von 1945 also, weitgehend arm. Der Dichter Gregor von Rezzori meinte in einem seiner Bücher: „Was waren die Deutschen im Jahre 1945 doch für ein schlankes Volk.“ Heute sind die Deutschen, die Österreicher, und gerade die einkommensschwachen Schichten, das Prekariat, von Fettleibigkeit bedroht, ähnlich wie die sozialen Unterschichten in den USA. Armut könnte also schon rein vom Physischen her zu einer gewissen Gesundung der Menschen führen.
Und wie einfach war das Leben in den besagten Fünfziger-Jahren! Da besaß man keinen Kühlschrank, und die Milch, die vom Bauern oder vom Milchgeschäft in der Blechkanne geholt wurde, wurde zwischen die Fenster gestellt zur Kühlung. In der Früh schöpft man den Rahm ab, der dann am Sonntag als eine Nachspeise, Schlagsahne, verzehrt wurde. Und Fernseher gab es auch noch keinen. Und wenn, dann waren die ersten in irgendwelchen Gaststätten, die man gemeinsam besuchte, um Heinz Conrads „Servus die Madln, Servus die Buam“ zu schauen. Und zumeist war es nur ein altes Röhren-Radio, aus dem Nachrichten und Volksmusik ertönten. Und ein Auto besaß dann vielleicht die einzige etwas wohlhabendere wohlhabenderen Familie im gesamten Viertel, und wenn, dann war es ein alter VW Käfer.
Wenn man mit den Kindern in den benachbarten Wald spazieren ging, kam kaum jemand nach Hause ohne ein Bündel Fichtenäste, die dann im Keller aufgehackt wurden, um den Kanonenofen zu heizen. Und für den Winter hatte man einen 50-Kilo-Sack Kartoffeln in eben demselben Keller und zehn Krautköpfe oder ein Schaffel Sauerkraut. Am Sonntag gab es ein Huhn oder Fleischleibchen und Schnitzel nur an hohen Feiertagen. Ansonsten Sterz und Kaffee, keinen echten natürlich, Kaiserschmarrn und Palatschinken mit selbst eingekochter Marillenmarmelade.
Alles einfach, aber ohne chemische Zusätze, also gesund! Das Leben war bescheiden und von Dürftigkeit gekennzeichnet. Hungern musste man aber nicht mehr und frieren ebenso wenig. Und vor allem: die Menschen waren glücklich und optimistisch, denn sie hatten das Gefühl, es müsste bergauf gehen.
Und heute, in unseren Tagen, ist es genau umgekehrt: Wir leben in einer dekadenten übersättigten Gesellschaft, saturiert und übergewichtig, von Wohlstandskrankheiten bedroht und von tiefem Pessimismus durchdrungen. Alle wissen, es geht bergab, es kann nur bergab gehen, und die Menschen sind natürlich unglücklich.
Wie oft hören wir alle die Aussage: Es muss den Leuten erst wirklich schlecht gehen, damit sich etwas ändert. Das soll wohl heißen, dass es erst zur Katastrophe kommen muss, bevor die Läuterung der Gesellschaft eintritt. Unsere gegenwärtige sozioökonomische Station ist nun in den meisten Fällen wohl noch keine als solche empfundene Katastrophe, der schmerzhafte Prozess der Verarmung aber könnte und sollte denselben Effekt erzielen: So etwas wie eine Läuterung der Gesellschaft, der Menschen und des staatlichen Gemeinwesens, eine Rückbesinnung auf das, was wichtig ist im Leben: Freundschaft, Liebe, Empathie, Hilfsbereitschaft und eben Gemeinschaftsgefühl.
Die historische Erfahrung allerdings lehrt uns auch etwas anderes: Auf die Katastrophe in den frühen Dreißiger-Jahren mit der Weltwirtschaftskrise und massenhafter Arbeitslosigkeit folgte keineswegs eine Läuterung der Gesellschaft im Sinne von Gemeinsinn und humanitärer Einstellung, nein, es folgte dann darauf der Totalitarismus des NS-Regimes und des Faschismus und es folgte der Weltkrieg und die Katastrophe. Krisenerscheinungen und Verarmungsprozesse führen also häufig dazu, dass das Böse, die Abgründe im Menschen, geweckt werden. Soweit zumindest die historische Erfahrung des vorigen Jahrhunderts.
Vielleicht kommt es aber darauf an, auf welche Art und Weise das Gesundschrumpfen der Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems vonstatten geht: Ob es ein Prozess der Verelendung ist oder eine bewusste Hinwendung zu Demut, Verzicht und Konsumaskese. Mittels eines bewussten und in positiver Einstellung vollzogenen Prozesses des Zurückfahrens des materiellen Wohlstands und des Ressourcenverbrauchs könnte man die Weckung des Bösen in der Gesellschaft und in den Menschen wohl vermeiden. Der Klimaterrorismus, wie ihn sektoide Gruppen wie die „Letzte Generation“ üben, ist da wohl der falsche Weg. Es gilt vielmehr, Überzeugungsarbeit bei den Menschen und in der Gesellschaft zu leisten, wonach der Wachstumsfetischismus, wie wir ihn in den letzten Jahrzehnten, im Grunde seit Beginn der Industrialisierung, kennen der falsche Weg ist.
Nun könnte man meinen, dass all die grünen Umweltschützer und Klima-Apokalyptiker mit ihren Bestrebungen und Aktionen Recht hätten und im Sinne einer solchen sinnvollen neuen Armut agieren würden. Wenn, ja wenn, hinter deren Aktivitäten nicht ganz andere Ziele stünden, nämlich jene der grundsätzlichen Gesellschaftsveränderung, der Schaffung des „neuen Menschen“ und ganz allgemein ultralinke Gleichmacherei und autoritäre Vorschrifts- und Verbotskultur.
Natürlich ist es keine Frage, dass Demut vor der Natur und Bescheidenheit bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen des Planeten angebracht wäre. Und zweifellos ist die Überbevölkerung mit mehr als acht Milliarden Menschen eine der zentralen Ursachen für Umwelttod, Artensterben und die verschiedensten ökologischen Katastrophen. Eine Wiederkehr des Marxismus aber im grünen Gewande, ein Revival des Kommunismus unter ökologischem Vorzeichen ist keineswegs geeignet, diese Probleme zu lösen und für Umwelt- und Klimaschutz zu sorgen.
Auch kann es nicht angehen, unter dem Vorwand des Klimaschutzes demokratische Mechanismen auszusetzen. Und auch eine völlige Abschaffung der freien Marktwirtschaft kann nicht die Lösung sein. Demokratie und Marktwirtschaft in sozialer und ökologischer Verantwortung sind unverzichtbar für eine offene Gesellschaft. Und eine solch offene Gesellschaft kann durchaus auch ohne Wachstums­fetischismus mit einer neuen Art der Bescheidenheit und des Konsumverzichts, in Demut vor den natürlichen Lebensbedingungen des Planeten existieren. Armut, im wohlverstandenen Sinne wäre also durchaus eine Chance für unsere Gesellschaft.