Liebe Leserinnen und Leser!

18. März 2009

Herzlich willkommen auf meinem WebBlog.
Hier erfahren Sie rasch und bequem Neues über meine publizistische Tätigkeit, sowie politische Analysen und meine Beurteilung aktueller Ereignisse.
Nehmen Sie sich die Zeit und kommentieren Sie die Einträge. Ich freue mich auf interessante Argumente und Anregungen.

Ihr Andreas Mölzer


Die Türkei und der Schmiedl

10. August 2016

Werden die Österreicher bei den nächsten Wahlen zum Schmied gehen oder zum Schmiedl? Diese Frage stellt sich, wenn man in diesen Tagen die Worte und das Agieren von Bundeskanzler Kern und Außenminister Kurz analysiert. Beide geben sich plötzlich als leidenschaftliche Abwehrkämpfer gegenüber der Türkei und den Ambitionen Ankaras in Österreich. Kern und Kurz fordern den Abbruch der Beitrittsverhandlungen der Türkei zur Europäischen Union, sie schelten die türkische „Community“, die osmanische innenpolitische Auseinandersetzung in die Alpenrepublik transportiert zu haben, und sie geißeln die Politik von Sultan Erdogan. All das haben die Freiheitlichen seit Jahr und Tag gesagt und getan und wurden dafür als Rassisten, Ausländerfeinde und Hetzer verunglimpft.

Nun gibt es bei den politischen Beobachtungen zwei Lehrmeinungen: Die einen sagen, dass es nunmehr für Strache eng werden könnte, dass die Wähler ihn gewissermaßen nicht mehr bräuchten, da ohnedies die Bundesregierung, an ihrer Spitze der Bundeskanzler und der Außenminister, gegen den Türkei-Beitritt und gegen eine weitere Zuwanderung von Türken eintreten. Die andere Lehrmeinung hingegen besagt, dass die österreichischen Wähler sehr wohl wüssten, wer wirklich und massiv und glaubwürdig gegen das türkische Ansinnen und die türkischen Unverschämtheiten auftreten würde, nämlich die Freiheitlichen, dass diese also der Schmied wären und Kern und Kurz nur die Schmiedl.

Spätestens bei der Bundespräsidentenwahl im Oktober und bei der nächsten Nationalratswahl werden wir wissen, wie es wirklich ist. Prinzipiell aber ist erfreulich, dass in der Frage des türkischen EU-Beitritts und auch in der Frage der Zuwanderungs-Türken und ihrer mangelnden Integration endlich Vernunft in die österreichische Politik einkehrt. Ob diese nun die Folge des freiheitlichen Drucks ist oder durch die schlichte Erkenntnis von Bundeskanzler und Außenminister zustandegekommen ist, muss als zweitrangig betrachtet werden.

Nun müssen den Worten allerdings auch Taten folgen: Man muss entschieden gegen die Doppelstaatsbürgerschaft von in Österreich wohnenden Türken vorgehen. Von jenen, die sich für die österreichische entschieden haben, ist eine vollständige Integration zu verlangen, und man muss in Brüssel bis hin zum Veto gegen die Fortführung der türkischen Beitrittsverhandlungen auftreten. Dies erfordert aber nicht nur parteipolitische Taktik und das Schielen auf die Wählergunst, sondern ist das Gebot der politischen Not.


Landnahme statt Integration

10. August 2016

Die türkischen Parallel­gesellschaften als Erdogans fünfte Kolonne

Österreich und Deutschland sind in den letzten Wochen unversehens zur Bühne für die türkische Innenpolitik geworden. Nach dem offenbar dilettantischen Militärputsch, den Präsident Erdogan zum Vorwand genommen hat, die Türkei in ein autokratisches System umzubauen, haben auch Österreichs Türken ihr wahres Gesicht gezeigt. Nämlich insofern, als sie klargelegt haben, wohin ihre Loyalität gerichtet ist, nämlich auf die Türkei und keineswegs auf ihr neues Heimatland Österreich. Die spontanen und absolut ungesetzlichen Pro-Erdogan-Demonstrationen in Wien und anderen Städten sowie auch in Deutschland sind das deutlichste Indiz dafür. Die empfindlichen Reaktionen der heimischen Politik darauf waren nunmehr ihrerseits der Vorwand für die türkischen Machthaber, samt und sonders Helfershelfer von Erdogan, Deutschland und insbesondere Österreich an den Pranger zu stellen: Man sei rassistisch, ja sogar so etwas wie der europäische Hotspot des Rechtsextremismus.

Nichtsdestoweniger wird in der politikinteressierten Öffentlichkeit Österreichs bis hinein in die etablierten Medien darüber diskutiert, was bei der Integration der türkischen Zuwanderer in Österreich und Deutschland danebengegangen sei. Von Integration könne man ja nicht sprechen, da die Loyalität der osmanischen Zuwanderer ganz offensichtlich der Türkei gelte und nicht den neuen Heimatstaaten. Zunehmend islamistisch geprägte Parallelgesellschaften unter türkischer Dominanz – allesamt Erdogan-Anhänger – sind das prägende Element in dieser Entwicklung.

Die Bereitschaft, sich in die österreichische Gesellschaft zu integrieren, österreichische Sitten und Gebräuche anzunehmen und wirkliche Loyalität gegenüber der Republik zu entwickeln, diese Bereitschaft besteht offenbar in nur sehr unterentwickeltem Ausmaße.

Damit erweist es sich als Illusion, wenn man angenommen hat, die hunderttausenden türkischen Zuwanderer in Österreich würden über kurz oder lang zu integrierten Österreichern, aber eben mit türkischen Wurzeln werden. Sie sind vielmehr Türken geblieben, wenn auch mit österreichischen Pass, wenn nicht gar mit österreichisch-türkischer Doppelstaatsbürgerschaft, was bekanntlich verboten ist und strafrechtlich geahndet wird.

Interessant ist, dass die weitgehend laizistisch geprägten Zuwanderer aus der Türkei, die in den 60er, 70er und 80er Jahren nach Europa kamen, nunmehr in der zweiten und dritten Generation genauso jene Islamisierung mitgemacht haben, wie sie die Türkei derzeit selbst unter der Erdogan-Partei erlebt. Früher waren sie in erster Linie Gastarbeiter, heute sind sie bewusste Muslime, immer weniger bereit, sich dem österreichischen Lebensstil und den europäischen Werten anzupassen.

Somit erweist sich die türkische Zuwanderung als eine Art von Landnahme, durch welche österreichisches oder deutsches Territorium in Europa nach und nach unter türkische Dominanz gerät. Die Aufnahme weiterer Massen von türkischen Zuwanderern, sei es als verfolgte Oppositionelle gegen das Erdogan-Regime oder im Zuge der Visumsfreigabe nach Europa, würde diesen Prozess der Landnahme durch türkisch-islamische Parallelgesellschaften nur verstärken und beschleunigen. Wer dies für Panikmache hält, vergegenwärtige sich die türkisch-osmanische Landnahme in Kleinasien: Dort war es im Zuge des Mittelalters auch nicht so, dass da eine  seldschukische oder dann osmanische Armee einmarschiert wäre, in deren Folge dann Siedler, Bauern und Bürger und andere türkische Menschen gekommen wären.

Nein, es war umgekehrt, Über Jahrhunderte, über Generationen sickerten Familienverbände in das ursprünglich byzantinisch beherrschte Kleinasien ein. Zuerst waren ganze Sippen und Stammesgemeinschaften da und erst danach kamen die seldschukischen und dann die osmanischen Heere, die ein bereits weitgehend türkisch geprägtes Land unter die Herrschaft des Sultans zwangen. Zwar mag sich das 21. Jahrhundert nicht mit dem 12. oder 13. Jahrhundert vergleichen lassen, die Mechanismen türkischer Landnahme sind aber ganz offenbar dieselben. Und die Schwäche unserer dekadenten spät-abendländischen Gesellschaft ist wie jene im untergehenden Byzanz des Spätmittelalters.

Nun sind die Türken in demographischer Hinsicht ein überaus dynamisches Volk, bei tendenziell 80 Millionen – wenn man die Kurden nicht mitzählt etliche Millionen weniger – und davon sind gut 60 Prozent der Menschen unter 20 Jahre alt. Istanbul hat offiziell sechs bis sieben Millionen Einwohner. In Wahrheit leben aber angeblich rund 14 Millionen Menschen in und um Istanbul, und ob da eine Million nach Europa, nach Deutschland oder Österreich geht, fällt da gar nicht sonderlich auf. Im Zuge einer Flüchtlingswelle vor den erdoganischen Säuberungen oder im Zuge der Visa-Liberalisierung wäre aber genau dies der Fall.

Derart dynamisch wachsende Völker, wie es die Türken gegenwärtig sind, zeigen aber erfahrungsgemäß wenig Neigung zur Assimilation in andere Kulturen, nicht einmal die braven Gastarbeiter der 60er und 70er Jahre haben sich assimiliert. Und jetzt erst recht nicht die selbstbewussten Türken unserer Tage, die sich zunehmend ihrer islamischen Identität bewusst wurden und zunehmend ihre historischen osmanischen Wurzeln pflegen. Dergestalt ist die türkische „Community“, wie man die Parallelgesellschaften zeitgeistig verniedlichend nennt, kein Faktor, der sich in eine Gastgesellschaft integrieren will. Sie sind vielmehr Träger einer postmodernen Art von türkischer Landnahme und der Islamisierung. Natürlich nützt sie Recep Tayyip Erdogan als fünfte Kolonne in den europäischen Ländern, die aufgrund ihrer Stärke längst in der Lage ist, Druck auch auf europäische Regierungen zu machen. Die jüngsten Pro-Erdogan-Demonstrationen in Deutschland und Österreich beweisen dies nur allzu deutlich.

Eine zunehmend selbstbewusst und fordernd auftretende türkische Parallelgesellschaft strebt also in Deutschland und Österreich, insgesamt in Europa, nach Einfluss, Mitbestimmung, ja sogar nach Macht. Diese Parallelgesellschaften sind bestens mit dem Herkunftsland, also mit der Türkei, vernetzt, werden politisch größtenteils von dort gesteuert. Und sie sind vor allem der schlagende Beweis dafür, dass die europäischen Illusionen von der Integration der muslimischen, insbesondere türkischen Zuwanderer absolut gescheitert sind.

Türken in Österreich

Laut Statistik Austria lebten mit Stichtag 1. Jänner 2015 115.433 türkische Staatsbürger in Österreich. Davon entfielen 45.220  auf Wien. Zum Vergleich: Die Volkszählungen 1951 und 1961 wiesen gerade einmal 112 bzw. 217 türkische Staatsbürger aus, die zwischen Bodensee und Neusiedler See lebten.

Tatsächlich aber leben Schätzungen zufolge bis zu 300.00 Türken in Österreich. Der Grund dafür sind neben illegal in der Alpenrepublik aufhältigen Türken die Einbürgerungen der vergangenen Jahre – allein zwischen 2005 und 2015 wurde 28.403 Türken die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.

Das Durchschnittsalter der Türken in Österreich ist mit 34,3 Jahren um 9,2 Jahre niedriger als bei den Einheimischen, dafür ist die Arbeitslosenquote mit 19,8 Prozent überdurchschnittlich hoch. Niedrig ist hingegen das Bildungsniveau: 60 Prozent der 25 bis 64-jährigen Türken haben nur einen Pflichtschulabschluss.


Das unberechenbare Volk

2. Juli 2016

Noch am Tage des Referendums in Großbritannien glaubte man aufgrund der Umfragen und der politischen Analysen, dass das Pro-EU-Lager zwar knapp, aber doch obsiegen würde. Anderntags war dann alles anders. Mit solider Mehrheit sprachen sich die Briten für den Brexit aus. Und die EU-Nomenklatura in Brüssel fragte erstaunt: Ja, dürfen sie denn das?
Und so passiert es immer wieder, dass die Demokratie den Herrschenden auf den Kopf fällt. Das unbotmäßige Volk wagt es, anders abzustimmen, als die Mächtigen voraussagen und verlangen. Da heißt es dann fl ugs, dass man zum Opfer populistischer Hetze oder Polemik geworden sei. Und die unverfrorensten Stimmen aus den herrschenden Kreisen meinen gar, dass es eben gewisse Themen gäbe, über die das Volk gar nicht abstimmen dürfe. Der EU-Austritt Großbritanniens sei genau eine solche Angelegenheit gewesen, und nun müssten das die Briten bitter bereuen.
Überhaupt gab es ja im Bereich der EU die merkwürdigsten Verhaltensweisen im Hinblick auf Referenden. Bei den Volksentscheiden über die geplante EU-Verfassung etwa ließ man so lange und häufi g abstimmen, bis das Ergebnis im Sinne der Brüsseler Pseudo-Eliten passte. Wir erinnern uns an die irischen Referenden. Nun scheint man ganz beleidigt zu sein, dass dies in England nicht ebenso möglich ist.
Dann gibt es dann natürlich Themenbereiche, über die man, wie gesagt, gar nicht mehr abstimmen darf. Diese betreffen die grundlegenden Rechte von Menschen und Bürgern, etwa, ob Schwule heiraten oder Kinder adoptieren dürfen – das wird bereits als eine Art Menschenrecht hingestellt, über das sich jedes Referendum selbstverständlich verbietet. Überhaupt heißt es, eine Mehrheit dürfe eine Minderheit nicht schlechter stellen. Ganz so, als wäre es bei einer demokratischen Abstimmung nicht gang und gäbe, dass eben die Mehrheit bestimmt, was die Gemeinschaft und damit auch die Minderheit zu tun und zu lassen hat.
Demokratie ist ein schönes Wort für Sonntagsreden, sie ist ein Vehikel für den eigenen Machterhalt, aber sie darf um Gottes Willen nicht so weit ausarten, dass das Volk wirklich damit erreicht, was es will. Insgeheim denken diese politisch korrekten Machteliten, dass das Volk dumm, ungebildet und einer Mitentscheidung nicht fähig bzw. nicht würdig sei. Die Arroganz einer Oligarchie, die längst zur Ochlokratie, zur Lumpenherrschaft, geworden ist, droht die Demokratie in Europa zu zerstören. Auch aus diesem Grunde muss man die Entscheidung der Briten durchaus verstehen und respektieren. Wenn schon eine Oligarchie herrscht, dann wenigstens die eigene und nicht jene aus Brüssel.


Abschied vom „perfiden Albion“

30. Juni 2016

Überlegungen zum Brexit

Das Vereinigte Königreich will also gehen beziehungsweise die Mehrheit der Wahlberechtigten in England, Schottland, Wales und Nordirland haben sich entschieden, die Europäische Union zu verlassen. Die Erregung zwischen Brüssel und London ist naturgemäß enorm, bei einem guten Teil der Engländer gibt es natürlich so etwas wie einen Katzenjammer, die Schotten, die Waliser und die Nordiren wollen womöglich aus den Vereinigten Königreich austreten, um in der EU zu bleiben und in Brüssel haben sich zuallererst die Hysteriker zu Wort gemeldet. Parlamentspräsident Martin Schulz etwa geifert derart gegen die Briten, dass man da meinen möchte, er wolle demnächst mit einer EU Battle-Group über den Kanal setzen und eine zweite Schlacht von Hastings schlagen, um die Queen mit elektronischer Fußfessel in den Tower of London zu verfrachten und ganz Britannien zu einem EU-Prorektorat zu machen. Tatsächlich will man offenbar in Brüssel auf hart spielen, um den scheidenden Briten das Leben schwer zu machen. Über kurz oder lang wird man allerdings einsehen müssen, dass man sich dabei ins eigene Fleisch schneidet – das gilt insbesondere für die stark nach England expandierenden Deutschen –, und vernünftige Regelungen mit London aushandeln. Warum auch sollte es unmöglich sein. mit den Briten ähnlich konstruktiv zusammen zu leben und zu arbeiten wie mit Schweizern und Norwegern.
So kann man dem Brexit also mit einem lachenden Augen sehen und sagen, die britische Demokratie hat über den EU-Zentralismus gesiegt. Man kann aber auch mit einem weinenden Auge daraufhin weisen, dass damit ein starkes Element aus der Union ausscheidet, das sich immer gegen Zentralisierung, gegen eine allzu politische Union und gegen eine völlige Entmachtung der Mitgliedstaaten gewandt hat. Allein aus dieser Sicht sollte es uns leid tun um die Briten. Und natürlich auch deshalb, weil sie trotz Briten-Rabatts Nettozahler waren und wahrscheinlich nunmehr die übrigen Nettozahler, insbesondere die Deutschen und Österreich, verstärkt zum Handkuss kommen. Ganz abgesehen davon aber stellt sich schon die Frage, ob der Prozess der europäischen Integration nunmehr seinen Höhepunkt überschritten hat und die zentrifugalen Kräfte Oberhand gewinnen. Insbesondere für die patriotischen Freiheitsparteien Europas wie die Wilders Partei in Holland, für den Front National in Frankreich, für die Dänische Volkspartei, für die Lega Nord in Italien, aber auch für die österreichische FPÖ könnte nun die Versuchung groß werden, verstärkt auf dem „populistischen“ Ausstiegsklavier zu spielen. Frexit, Dexit, Nexit oder auch Öxit könnten die politische Debatte der nächsten Jahre beherrschen. Im Falle der österreichischen Freiheitlichen wurde immer klar gesagt, dass ein EUAustritt die ultima ratio wäre, wenn etwa die Türkei aufgenommen würde und sich der Brüsseler Zentralismus unerträglich verstärken sollte. Aber genau um das geht es jetzt, haben die Eurokraten in Brüssel und die Strategen in Berlin, Paris und Rom, insbesondere aber auch die Drahtzieher im Hintergrund der EU doch vielleicht gelernt, dass diese schnellstens und radikal reformiert gehört oder nicht. Die Aussagen von Martin Schulz und Konsorten lassen leider vorläufig auf das Gegenteil schließen, in diesen Kreisen will und will man schlicht und einfachnicht lernen, man will die EU nicht aus der Sackgasse führen, sondern offenbar auf Biegen und Brechen auf dem bisherigen Kurs der Bürokratisierungund der Zentralisierung beharren. Ratspräsident Donald Tusk, Kommissionspräsident Jean-Claude Junckers, Parlamentspräsident Martin Schulz, sie stehen für diese Unbelehrbarkeit der EU-Nomenklatura. Nur wenn diese ihren Kurs und ihr Verhalten nicht ändern, nur dann wird es zwingend Nachahmungstäter für den Brexit geben, nur dann werden auch hierzulande die Freiheitlichen früher oder später von einem Öxit sprechen. Was das neue Verhältnis zwischen den Briten
und den Europäern betrifft, so wird es zweifellos eine englische Option sein, sich wieder verstärkt der anglo-amerikanischen Beziehung zu widmen. Auch das Commonwealth als Erbe des alten Empire wird wohl eine verstärkte Rolle in der britischen Politik spielen. Dessen ungeachtet aber wird London erkennen müssen, dass der europäische Markt, die Handelsbeziehungen zu den EU-Staaten, insbesondere zu Deutschland, weder durch Commonwealth noch durch die US-Amerikaner zu ersetzen sind, und auch wenn England eine Insel ist und nun mehr nicht mehr Teil der Europäischen Union sein will, bleibt das Land doch ein europäisches Land, bleiben die Briten Europäer. Und gerade wenn die regionalen Separatisten in Schottland, in Wales, in Nordirland nun stärker werden und als Gegengewicht zu London eine Orientierung nach Brüssel suchen, gerade dann werden die Briten sehen, dass der Erhalt des Königreichs nicht ohne Kompromisse möglich sein wird, und nicht ohne eine sinnvolle Kooperation mit Europa. Wenn man schon nicht Mitglied im Klub sein will, sollte man zumindestens freundschaftliche Beziehungen zu dessen Mitgliedern pfl egen, vernünftige Umgangsformen entwickeln und für beide Seite sinnvolle Verträge abschließen. Aber so ist es eben: Nationen haben keine Freunde, sie haben Interessen. Die EUMitgliedstaaten haben solche Interessen und die Briten natürlich auch. Wir werden tunlichst darauf achten müssen, hier zu sinnvoller Übereinstimmung zu gelangen. Negative Emotionen gegenüber dem „perfi den Albion“ oder gar Hassausbrüche gegenüber den Engländern, wie wir sie von Martin Schulz wir brauchen können.

England und die EU – ein schwieriges Verhältnis

1960: Als Gegengewicht zur EWG wird auf Initiative Londons die Europäische Freihandelszone (EFTA) gegründet, die keine politische Integration anstrebt.
1963: Der französische Präsident Charles de Gaulle legt sein Veto gegen eine Mitgliedschaft der Briten in der EWG ein. 1973 treten sie schließlich doch bei.
1975: Erst nachdem Premier Harold Wilson die Vertragsbedingungen nachverhandelt
hat, sprechen sich die Briten in einem Referendum mit 67,2 Prozent für einen Verbleib in der Gemeinschaft aus.
1984: Mit den legendären Worten „I want my money back“ (Ich will mein Geld zurück) handelt die konservative britische Premierministerin Margaret Thatcher den sogenannten Britenrabatt aus.
1990: EG-Länder beschließen im Schengener Abkommen die Aufhebung der Passkontrollen an den Binnengrenzen. Großbritannien macht nicht mit.
1991: Der britische Premier John Major kündigt eine europafreundliche Politik seiner Konservativen Partei an, scheitert damit aber parteiintern. Er handelt aus, dass London nicht am Europäischen Währungssystem teilnimmt.
2009: Mit Inkrafttreten des EU-Vertrages von Lissabon kann London wählen, an welchen Gesetzen im Bereich Inneres und Justiz es sich beteiligt. Zudem erwirkt die britische Regierung den Ausstieg aus mehr als 100 Gesetzen aus der Zeit vor dem Lissabon-Vertrag.


Aus den Medien, aus dem Sinn

25. Juni 2016

Ist Alaba in Form oder doch nur ein zweitklassiger Ball-Hiwi, der ohne Ribery nicht in der Lage ist, effektiv zu spielen? Hat Arnautovic ein Haarteil oder ist seine Unsympathler-Frisur tatsächlich aus echtem Eigenhaar? Und Almer, ist er der weitaus beste Torhüter der Welt, weit besser als der Deutsche Neuer und der Italiener Buffon? Fragen über Fragen, die die Nation beschäftigen und die Spalten der Gazetten füllen. Angesichts solch epochaler Bedeutsamkeiten tritt alles andere in den Hintergrund: Sogar die Wahlanfechtung und die Frage, ob die Bundespräsidentenstichwahl wiederholt werden muss. Oder der müde Start des neuen, als Pseudo-Messias gefeierten Bundeskanzlers Christian Kern und die damit verbundene drohende Gefahr von Neuwahlen auch für das Parlament. Und in den Hintergrund treten auch ungelöste Großprobleme wie die Massenmigration oder die Euro- und Staatsschuldenkrise. Letztere, die noch vor Jahr und Tag den weltweiten politischen Diskurs im Zusammenhang mit Griechenland dominierte, scheint überhaupt schon in Vergessenheit geraten zu sein. Ist der Euro noch in der Krise? Braucht Griechenland noch Hilfsmilliarden? Kauft die Europäische Zentralbank noch Staatsanleihen für Milliarden auf?
Banker und Wirtschaftspolitiker werden es schon wissen, aber sie hüten sich offenbar wohlweislich, die Dinge stärker zu thematisieren, denn aus den Medien heißt aus dem Sinn. Dann braucht man die Probleme offenbar nicht mehr wirklich lösen. Dann kann man stattdessen weiter an den langfristigen Zielen der europäischen Gleichschaltung arbeiten, dann muss man nirgendwo den Retourgang einlegen. Und statt die Eurozone zu sanieren, kann man jenes zur Gemeinschaftswährung fl ankierende Projekt weiter treiben, welches offenbar den Drahtziehern im Hintergrund aus verschiedensten Gründen auch wichtig ist: Die Abschaffung des Bargeldes nämlich.
Die großen Euroscheine, der Fünfhunderter etwa – den Zweihunderter gibt es ohnedies kaum real – werden nunmehr tatsächlich aus dem Verkehr gezogen, angeblich um Geldwäsche zu verhindern. Und mittelfristig werden wir wohl alle gezwungen werden, auf Plastikgeld umzusteigen. Damit sind wir in noch höherem Maße kontrollierbar, manipulierbar, lenkbar und ziemlich hilfl ose Manövriermasse für die Mächtigen. Eine schöne neue Welt soll das werden, mit neuen Menschen und neuen Werten. Dabei muss man sich schon die Frage stellen, wer das alles plant. Ist es wirklich nur der einfältige Herr Timmermans und der weinselige Herr Junckers?


Schluss mit dem Pseudo-Patriotismus!

23. Juni 2016

Ein Plädoyer für das Gladiatorenprinzip im Sport

Spiele der Nationen, Wettkämpfe der Völker, das sind sie längst nicht mehr, jene internationalen Sportereignisse, die sich da unter dem Titel „Olympische Spiele“, „Weltmeisterschaften“ oder, wie gegenwärtig, „Europameisterschaften“ den begeisterten Publikum darbieten. Längst sind es nicht mehr die schnellsten, die stärksten und gewitztesten Söhne der europäischen Völker, die sich hier beispielsweise bei einer Fußball-Europameisterschaft ins Getümmel werfen. Es sind vielmehr „Multikulti-Teams“ (so dieser Tage die Tageszeitung „Die Presse“), die hier aufeinander treffen. Multikulti-Teams, die bestenfalls ein Abbild der zeitgenössischen Zuwanderungsgesellschaften darstellen und einmal mehr deutlich machen, dass der Sport ebenso wie etwa die Pop-Szene ein Mittel sein kann für die Integration und auch den sozialen Aufstieg aus der sozialen Deklassierung und des Migrationsmilieus. Jene patriotischen, wenn nicht gar chauvinistischen Emotionen aber, die bei derlei sportlichen Wettkämpfen frei werden, stellen im Grunde geradezu ein Paradoxon dar. Da werden „Nationalmannschaften“ abgefeiert, die mit der herkömmlichen Nation, für die sie antreten sollen, nur mehr sehr am Rande zu tun haben. Am deutlichsten wird dies, wenn vor dem jeweiligen Spiel die jeweilige Nationalhymne abgespielt wird, die von den Spielern aus den autochthonen Bevölkerungsteilen begeistert mitgesungen wird, während die Spieler mit Migrationshintergrund sie nur allzu häufig tonlos und mit steinerner Miene über sich ergehen lassen. Wenn etwa Alaba und Arnautovic zu „Heimat bist du großer Söhne …“ demonstrativ schweigen, ebenso wie Özil und Boateng dies zu „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland …“ tun, so wohnt dieser Geste beziehungsweise der Verweigerung einer Teilhabe an derselben ein gewisses Maß an Ehrlichkeit inne. Ziemlich deutlich machen die Betroffenen nämlich damit klar, was sie von dem mittels Nationalhymne demonstrierten Patriotismus halten.
Die bereits erwähnten nationalen, patriotischen, chauvinistischen Emotionen, die rund um derlei Sportereignisse entflammen, machen allerdings deutlich, dass es in Menschen – auch in dem auch so aufgeklärten postmodernen Teil unserer dekadenten Gesellschaften – offenbar das Bedürfnis nach nationaler Gemeinsamkeit, nach Identifikation mit der res publica, nach Stolz auf das eigenen Land gibt.
Die jeweilige patriotische Sport-Euphorie allerdings, die ja so weit geht, dass die Teilnehmer sich in den Farben der Nationalfahne kollektiv ins Stadion begeben, sie stellt im Grunde so etwas wie einen Ersatz-Nationalismus, einen Pseudo-Patriotismus dar.
„Panem et circenses“ heißt das Prinzip, nach dem dieser Ersatz-Patriotismus funktioniert. Ein wirkliches bewusstes Pflegen der eigenen nationalkulturellen Identität, ein wirkliches opferbereites Eintreten für das eigene Land und das eigene Volk würde wesentlich mehr verlangen als das Tragenvon rot-weiß-roten Zylindern und das empathische Schwenken von Fähnchen. Und wenn die Herren dieses Ersatz-Patriotismus entweder erst vor kurzem stammende Menschen sind, die der jeweiligen Staatssprache nur radebrechend mächtig sind, wird die Groteske vollends zur Farce. Wie erfrischend ehrlich ist da doch der Vereins-Fußball, da heißen die Vereine „Bayern München“ oder „Borussia Dortmund“ oder „Rapid Wien“, ihre Spieler kommen aber aus der ganzen Welt. Sie werden, je nach Finanzkraft des jeweiligen Vereins, um Millionen zusammengekauft, haben mit dem Sitz des Vereins, dem Herkunftsort, kaum etwas zu tun. Bei Bayern München zeigt man sich zwar in Mannschaftsstärke einmal im Jahr beim Oktoberfest in Lederhosen und die millionenschweren Stürmerwaden werden von bairischen Wadenstrümpfen geziert, das ist aber auch schon alles, was die meisten Stars des Münchner Eliteklubs mit Bayern zu tun haben. Und andernorts ist es genauso.
Dass ein guter Teil der Mannschaften im Vereins-Fußball auch bereits im Eigentum irgendeines Supersponsors steht oder von einem solchen zumindest abhängig ist, ist die Kehrseite der Medaille. Hier ist der Sport ganz offensichtlich ein maßgeblicher Teil einer weltweiten Unterhaltungsindustrie, die Milliarden umsetzt und er versteht es, Menschenmassen nicht nur Zeitvertreib, sondern sogar Lebensinhalt zu bieten. Und die Helden dieses milliardenschweren Sportzirkus, sie funktionieren ausschließlich nach dem Gladiatorenprinzip: Wer am meisten zahlt, hat die besten Spieler und die erfolgreichsten Sportler, er kann Siege verbuchen und wiederum Milliarden dadurch verdienen.
Neben dem Mannschafts-Fußball ist es vielleicht noch die Formel 1 der Autorennen, die ganz offen nach diesem Prinzip funktioniert. Die Rennställe der Superboliden erinnern frappierend an die Gladiatorenschulen im alten Rom. Und ähnlich wie die Gladiatoren riskieren die Formel-1-Piloten sogar noch Leib und Leben, was man etwa von den millionenteuren Fußballstars nicht behaupten kann (und sich auch niemand wünschen würde), und natürlich gibt es da auch so etwas wie einen Rennstall- oder Vereins- Patriotismus. Natürlich gibt es treue Fans, die auch bei jenem Massensport, der nach dem Gladiatorenprinzip funktioniert, ohne jeden nationalen oder patriotischen Zungenschlag loyale Anhänger und treue Förderer und Unterstützer sind. Dieser Vereins-Patriotismus ist ebenfalls wesentlich ehrlicher wie der Pseudo-Patriotismus, der sich bei „Olympischen Spielen“, „Europameisterschaften“ oder „Weltmeisterschaften“ auftut. Gewiss, es gibt auch bei den gegenwärtig ablaufenden Europameisterschaften noch Mannschaften, die prototypisch für ihr Land und ihr Volk stehen. Etwa die „blonden Hünen“ (wie der Kolumnist einer großer österreichischen Tageszeitung begeistert formulierte), die für Island antreten, oder die Spieler der italienischen Squadra Azzurra, die das Absingen ihrer Nationalhymne begeistert wie eine Verdi-Oper zelebrieren und natürlich auch die Vertreter des einen oder anderen kleinen osteuropäischen Landes, dass sich schlicht und einfach keine eingebürgerte Legionäre leisten kann und für Zuwanderer uninteressant ist. Dort mögen noch Nationalmannschaften im wahrsten Sinne des Wortes existieren, insgesamt aber bei den Deutschen, bei den Franzosen, bei den Briten und auch bei den Österreichern sind es „Multikulti-Teams“, um die Terminologie der hochseriösen „Presse“ zu benützen. Es wäre also eine Frage der Ehrlichkeit, mit dem verlogenen Pseudo-Patriotismus bei solchen Spielen Schluss zu machen, die im Grunde unter dem Mäntelchen des Völker- und Nationen-Wettkampfs genauso Gladiatorenwettkämpfe sind, wie sie beim Vereins-Fußball oder bei der Formel 1 stattfinden. Die Fans mögen doch gefälligst mit irgendwelchen Firmenlogos, den Signets von Google oder Facebook, unter der Fahne von Exxon oder Chrysler, vielleicht auch im Zeichen von Volkswagen, auf den Tribünen jubeln. Die nationalen Symbole der historisch gewachsenen europäischen Völker sollen sie doch zuhause lassen. Und anstelle irgendeiner Nationalhymne möge doch „We are the Champions“ oder dergleichen ertönen. Die Marseillese, das Deutschlandlied, God save the Queen muss ja nicht unbedingt bei Gladiatorenspielen ertönen. Brot und Spiele für die Massen, Millionenhonorare für die Gladiatoren selbst, Milliardengewinne für die Sponsoren – und Ablenkung von den wahren Problemen! So funktioniert die ganze Sache und mit den europäischen Völkern, mit den Nationen und ihren Kulturen hat das Ganze verdammt wenig zu tun, lasst uns dies endlich ehrlich zugeben.
eingebürgerte oder aus Zuwanderungs-Ghettos


Ersatz-Kriege

16. Juni 2016

Ohne Kampf und Gewalt, ja ohne Kriege scheinen die Menschen nicht auskommen zu können. Wenn es in unseren westlichen Demokratien in Europa und Nordamerika keine wirklichen Krieg gibt, dann scheinen „Ersatz-Kriege“ dieses Bedürfnis befriedigen zu müssen. Da sind es Amokläufer in den USA, wie jüngst ein US-Afghane, der dieser Tage in einem Schwulenklub einen Massenmord verübte. Oder es sind islamistische Mordkommandos, die den Krieg des Islamischen Staates nach Europa tragen. Dann wieder linksextremistische Anarchos, die sich als organisierte Straßenkämpfer – wie zuletzt in Wien anlässlich der Demonstration der Identitären – gewalttätig gegen Polizei und böse Rechte ins Getümmel werfen. Oder es sind nur Hooligans wie zuletzt in Marseille, als britische und französische Fußballfans aufeinander eindroschen.

Homo homini lupus, der Mensch ist des Menschen Wolf. Ersatz-Kriege und Gewaltexzesse allerorten, und dass in einer ach so aufgeklärten und fortschrittlichen Welt, die mittels Political Correctness und Völkerrecht alle Konflikte und jegliche Gewalttätigkeit unmöglich machen will.

Dabei ist zunehmend das Gegenteil der Fall: Gerade durch die unkontrollierte Massenzuwanderung aus Kriegs- und Krisengebieten importieren wir zehntausende Menschen mit archaischer Gewaltbereitschaft und fundamentalistischen, intoleranten Grundhaltungen. Der US-Afghane mit seinem Sturmgewehr, die eingeschmuggeltem IS-Terroristen in den Flüchtlingsheimen und die brutalisierten arbeitslosen Jugendlichen in den Banlieues von Paris, sie alle haben ein Verhältnis zum Rechtsstaat und zur Gewalt, dass sich mit aufgeklärtem europäischen Denken nicht vereinbaren lässt. Leider gilt das gleiche auch für linksextremistische Anarchos und brutalisierte Primitiv-Hooligans.

Hass und Gewalt drohen ins Herz unserer Gesellschaften einzudringen. Also was tun dagegen? Das Gespräch unter Gegnern wird nottun. Wenn aber die politische korrekte Linke stets gegen den bösen Rechtsextremismus hetzt, ist dies allerdings unmöglich. Wenn man fundamentalistischen Islamismus nach Europa importiert, wird das auch kaum möglich sein. Die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung, dass nämlich jede religiöse Orientierung und auch politisch-ideologische Anschauungen zu tolerieren ist, muss in Europa erhalten werden. Erst auf der Basis eines solchen kulturellen und politischen Ausgleiches wird man auch die Gewaltexzesse bekämpfen können. Terrorismus und Intoleranz und gewalttätiger, religiöser Fanatismus sind allgemein ebenso zu stigmatisieren wie die dumpfe Gewaltbereitschaft von Hooligans. Das Völker verbindende Fest des Sports ist kein Ersatz-Krieg, der für den Ersatz-Patriotismus der Fußballfans geführt werden kann. Das muss klar sein.


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