Christen – Gibt’s die noch?

26. März 2012

Der Papst war nunmehr also in Mexiko und auf Kuba. Zum ersten in einem Land, in dem er von Millionen umjubelt wurde, zum zweiten in einem nach wie vor kommunistischem Staat, in dem „Opium fürs Volk“ allzu lange verfolgt und kriminalisiert worden war. Insgesamt aber war er auf einem Kontinent, in Lateinamerika nämlich, auf dem das Christentum noch ein beherrschender Faktor ist.

In Europa hingegen ist das längst nicht mehr so. Das ehemals christliche Abendland ist längst ein säkularisierter Kontinent geworden. Katholische Länder sind vielleicht noch Polen und Kroatien, im Grunde nicht einmal mehr Spanien und Portugal und Italien. Und natürlich der Vatikan, das ist klar.

Die Schwerpunkte des Christentums liegen also längst außerhalb Europas, auch wenn das Zentrum der Kirche in Rom nach wie vor ein europäisches ist. Dafür wäre die eigentliche Hauptaufgabe dieser römisch-katholischen Kirche eben die Re-Christianisierung Europas, die erneute Missionierung jenes Kontinents, auf dem das Christentum nach seiner Translatio aus dem Heiligen Land entstanden ist, groß geworden ist und auch auf die anderen Kontinente über gegriffen hat.

Neben dem Hedonismus und der absoluten Ent-Sakralisierung durch den Materialismus ist es aber in Europa zweifellos der offensiv und fundamentalistisch vordringende Islam, der das Christentum gefährdet. Die Kirche und ihre Amtsträger werden sich also nicht nur mit der Unglaublichkeit einer materialistischen Welt auseinander setzen müssen, sondern zusätzlich mit der fundamentalistischen Gläubigkeit der Muslime. Einer Gläubigkeit, die auf Einzigartigkeit besteht und deren Radikalität jener des Christentums im Mittelalter entspricht. Die islamische Gesellschaft, die bekanntlich bislang ohne Aufklärung geblieben ist, kann nicht mittels billiger Arrangements und frommer Worte eingebunden oder gar überwunden werden. Ihr wird sich das römisch-katholische Christentum im Kampfe stellen müssen – oder hoffnungslos unterliegen.

Der Logik dieser Erkenntnis ist nichts entgegen zu setzen. In Kenntnis des Kirchenpersonals, angefangen vom zwar hoch intellektuellen aber wohl allzu milden Papst Ratzinger bis hin über die Kardinäle und Bischöfe unseres Landes muss man leider bezweifeln, dass dieser Kampf gewonnen wird. Wahrscheinlich wird er nicht einmal aufgenommen werden. Und so dürfte die einzig wahrnehmbare Reaktion des europäischen Christentums in Bewegungen bestehen, wie sie etwa die heimische Pfarrer-Initiative darstellt: zeitgeistig und angepasst, lasch und lauwarm. Wie aber heißt es in der Bibel: Die Lauen werden ausgespien.

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Auf Kärnten darf man hinhauen – oder?

19. März 2012

Was Griechenland für die EU das sei Kärnten für Österreich, hört man immer wieder insbesondere aus dem Munde von Mainstream-Journalisten. Die Hypo-Alpe-Adria sei ein Fass ohne Boden genauso wie die Griechenland-Entschuldung, ist die Politik des südlichen Bundeslandes ebenso chaotisch wie jene des EU-Südstaates.

So weit so polemisch. Indessen wissen wir nämlich längst, dass die Kärntner Hypo kein Ausnahmefall ist. Die Volksbanken und die Kommunalkredit kosten uns zweifellos mindestens genauso viel und um die niederösterreichische Hypo, die in ähnliche Machenschaften verstrickt sein soll, ist es verdächtig still geworden. Und was schließlich die Politik des Landes betrifft, so weiß der gelernte Österreicher ganz genau, dass diese deswegen attackiert wird, weil sie außerhalb jenes schwarz-roten Machtkartells steht, welches die übrigen Bundesländer beherrscht. Speziell seit sich die Kärntner Freiheitlichen von der orangen Truppe abgewandt haben und wieder in die blaue Heimat zurückgekehrt sind, stehen sie wieder im Mittelpunkt der politisch medialen Kritik des Establishments.

Gewiss, früher waren es die Ideen des schillernden Ausnahmepolitikers Jörg Haider, die Kärnten immer wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses gestellt haben. Heute stehen mit dem Landeshauptmann Gerhard Dörfler, mit dem FPK-Obmann Uwe Scheuch und seinem Bruder, dem Klubobmann Kurt Scheuch, mit den beiden jungen Regierungsmitgliedern Christian Ragger und Harald Dobernig Persönlichkeiten an der Spitze des Landes, die vielleicht weniger aufsehenerregend agieren als seinerzeit der Bärentaler, die aber längst bewiesen haben, dass sie mit solider Sacharbeit und entsprechenden Ideen gepaart mit Durchsetzungsfähigkeit absolut sinnvoll und zukunftsfähig für das Land zu arbeiten vermögen. Und – und das ist natürlich für das politisch mediale Establishment besonders bedenklich – sie zeigen letztlich exemplarisch, dass Freiheitliche auch regierungsfähig sind.

Gerade in Zeiten, in denen die freiheitliche Opposition unter Heinz Christian Strache bundesweit in den Umfragen immer stärker wird und die herrschende schwarz-rote Koalition zunehmend abwirtschaftet, ist es ja das letzte Argument der etablierten Meinungsmacher, dass trotz allem diese Freiheitlichen nicht regierungsfähig seien. Kärnten beweist das Gegenteil. Und selbst mit brutalen politisch-medialen Attacken, mit persönlichen Diffamierungen und mit den permanenten Versuchen, freiheitliche Spitzenrepräsentanten zu kriminalisieren, kann und kann man nicht beweisen, dass dies nicht so sei.

Des Landeshauptmannes Einschwenken auf eine konsensuale Lösung der Ortstafelproblematik, sein Infrastruktur-politisches Agieren in Sachen baltisch-adriatische Achse, die jugendpolitischen Initiativen eines Uwe Scheuch, die Schaffung des modernsten Krankenhauskomplexes unter der politischen Aufsicht eines Kurt Scheuch, die sozialpolitischen Initiativen Christian Raggers und – um ein Beispiel zu nennen – die an der Volkskultur orientiere Kulturpolitik Dobernigs lassen erahnen, welchen Stil freiheitliche Regierungspolitik auf Bundesebene haben könnte. Das permanente mediale Kärnten-Bashing mag zwar den einen oder andere politischen Beobachter irritieren, auf Dauer wird es aber den Erfolg dieses Kärntner politischen Weges nicht verhindern können.


Das „gesunde Volksempfinden“

14. März 2012

Ach ja: „Gesundes Volksempfinden“ darf ja man nicht sagen. Dieser Begriff ist angeblich NS-belastet. Keine Ahnung, welcher verbrecherische Nazi es verwendet hat, auch keine Ahnung, ob es den Terminus zuvor bereits gegeben hat. Sehr wohl weiß man aber, dass es so etwas gibt wie dieses „gesunde Volksempfinden“. Am deutlichsten kann man dies immer wieder daran erkennen, dass auch die Menschen hierzulande, die gelernten Österreicher, keineswegs all das glauben, was ihnen die etablierten Medien vorbeten und keineswegs sklavisch den Meinungen der etablierten Politik hinterher hecheln. Nein. Sie haben ihren eigenen Kopf und der ist bemerkenswert nonkonformistisch.

Nehmen wir etwa die Meinungsumfragen: Da wurde in den letzten Wochen und Monaten geradezu hektisch der Niedergang der Strache-FPÖ herbeigebetet. Mit seinem „Juden-Sager“ im Anschluss an den WKR-Ball habe er sich endgültig demaskiert, als unverbesserlicher Ewiggestriger und ungebildeter Mensch. Und nunmehr würden sich die Menschen abwenden. Tatsächlich waren zwei, drei Wochen hindurch die Umfragen für die FPÖ ein bisschen schwächer, nunmehr hat sich die freiheitliche Opposition wieder auf das Umfragen-Niveau eingependelt, das sie zuvor hatte – ein für die etablierten Medien und Parteisekretariate leider beängstigend hohes. Die Menschen haben sich also nicht beeindrucken lassen von dem heuchlerischen Entsetzen über Straches Aussage.

Und ähnlich ist es im Fall der gegenwärtig debattierten Korruptionsskandale der Republik: Da will und will der gelernte Österreicher nicht glauben, dass das Ganze in erster Linie ein freiheitliches Phänomen sei. Da können die Medien das noch so sehr herbei schreiben, zuletzt etwa Peter Michael Lingens im Profil. Weswegen stand dieser übrigens vor Jahr und Tag vor dem Richter? War es nicht auch Steuerhinterziehung oder dergleichen? Na jedenfalls hat eben diese Profil-Edelfeder wieder nachgewiesen, dass die ganze Korruption ein freiheitliches Phänomen sei. Und siehe da, die Menschen in Österreich glauben es ihm nicht. Und auch nicht den zahlreichen anderen Medien und auch nicht dem rot-schwarz-grünen Einheitspolitikern. Die Österreicher wissen vielmehr, dass es dabei so etwas wie Regierungskriminalität gegeben hat. Dass jene, die im System Haider-Schüssel an den Futtertrögen saßen, sich bedient haben und dass das dieselben waren, die nach der Parteispaltung die FPÖ natürlich verlassen haben und zum viel gepriesenen BZÖ gegangen sind. Und die Österreicher wissen natürlich auch, dass zuvor bei den rot-schwarzen und schwarz-roten Regierungen, bei der roten Alleinregierung und bei der schwarzen Regierung dasselbe gewesen ist. Dort, wo es etwas zu verteilen gibt, mästen sich die Schweine an den Futtertrögen. Und nicht, dass eben diese gelernten Österreicher den heutigen Freiheitlichen messianischen Edelmut zutrauen würden, nein, sie wissen schlicht und einfach, dass diese nicht in der Regierung sind und deswegen auf jeden Fall nicht an der Korruption teilhaben können. So einfach ist das. Ja, ja. Das verbotene und viel geschmähte „gesunde Volksempfinden“ gibt es also doch. Und da mögen die politisch korrekten Heuchler die medialen Mainstreamler und die rot-schwarzen Machtmechaniker darüber schimpfen wie sie wollen. Die Leute wissen schon, was los ist. Gottseidank.


Russland und die Muster-Demokraten

6. März 2012

Putins Wahl, das sei ein Sieg der Korruption, konnte man in heimischen Medien nach dem vergangenen russischen Wahl-Sonntag lesen. Massiven Wahlbetrug habe man erkennen können, die Opposition hätte keine Chance bekommen und die Gegenkandidaten wären samt und sonders nicht mehr als Zählkandidaten gewesen. Der neue / alte Staatspräsident sei insgesamt alles andere als demokratisch gewählt worden.

Es war der deutsche SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder der erklärt hatte, Putin sei ein „lupenreiner Demokrat“. Das ist nun vielleicht tatsächlich ein wenig schöngefärbt. Allzumal der Kreml-Herr sich selbst immer als starken Mann stilisiert hat: der Judoka-Putin, der Jäger-Putin, der russische Naturbursche. All das passt nicht so recht in das Bild musterdemokratischer Bedenkenträger, wie wir sie in Westeuropa kennen. Ob es allerdings deswegen berechtigt ist zu sagen, Putin verfüge über keinerlei demokratische Legitimation, er sei von den Russen nicht gewählt worden?

Tatsache ist, mehr als 60 Prozent, also zwei Drittel der Russen waren und sind für Putin. Tatsache ist auch, dass er sich an die Verfassung gehalten hat und nach zweimaliger Präsidentschaft den Sessel des Staatsoberhaupts geräumt hat – allerdings um sich nun, verfassungskonform, wiederwählen zu lassen. Wäre er ein Diktator, hätte er derlei Formalien wohl nicht notwendig gehabt. Und Tatsache ist, dass er es geschafft hat, das post-kommunistische, krisengeschüttelte Russland in ruhigere Fahrwasser zu lenken.

Jene, die gegenwärtig aus Westeuropa mit dem moralisch erhobenen demokratiepolitisch erhobenen Zeigefinger auf den Kreml weisen, müssen sich allerdings daran erinnern lassen, dass es mit der Demokratie auch im hochgelobten demokratischen Westen, auch in Europa nicht allzu weit her ist. Wo bleibt die Gewaltenteilung zwischen Exekutive und Legislative etwa in der EU, wo der Rat, also die Summe der europäischen Exekutive in den Regierungen die Legislative, das Parlament nämlich, absolut dominiert. Und wo ist der demokratische Souverän, das Volk, wenn wie etwa im Falle Irlands bei Volksabstimmungen so oft abgestimmt werden muss, bis das Ergebnis den Mächtigen in Brüssel in den Kram passt. In Sachen Demokratie haben die Europäer wenig Anlass, auf die Russen des Vladimir Putin mit dem Finger zu zeigen.

Vielmehr sollte man in Brüssel, aber auch in Paris, Berlin, London und Rom darüber nachdenken, auf welche Art und Weise man das geopolitische Bündnis zwischen Europa und Russland, das nach wie vor der größte Flächenstaat der Erde ist, festigt und ausbaut. Bisweilen scheint es in Vergessenheit geraten zu sein, dass Russland schlechthin der optimale geopolitische Partner Europas ist. Die Russen sind ein europäisches und christliches Volk, kulturell blicken sie nach Westen. Sie verfügen über gewaltige Bodenschätze, über ein immenses wirtschaftliches und industrielles Potential und sie sind zweifellos die einzigen Partner, mit deren Hilfe Europa sich gegenüber den US-Amerikanern emanzipieren, gegenüber China und Indien und der islamischen Welt behaupten kann. Dazu werden wir Putin und sein Russland noch bitter notwendig haben.