Der Krieg der Kulturen – asymmetrisch

29. Dezember 2016

Das Jahr 2016 – ein Jahr des metapolitischen Wandels

Im anbrechenden Zeitalter des Chaos gibt es den Kampf der Kulturen in vielerlei Weise. Er ist die unmittelbare brutale und gnadenlose Konfrontation der Zivilisationen, der ihnen nahestehenden Ideologien. Da ist das Aufeinanderprallen der großen Religionsgemeinschaften, insbesondere der islamischen mit der christlichen Welt. Da ist der Kampf zwischen Arm und Reich, zwischen unterentwickelten Mangelkulturen und hedonistischen Wegwerf-Zivilisationen, die im Überdruss des Überflusses vegetieren. Und es ist innerhalb der westlichen Industrie­nationen der sich künftig wohl gnadenlos zuspitzende Kulturkampf zwischen Politisch-Korrekt und dem Establishment auf der einen Seite und den Unangepassten auf der anderen Seite.
Dieser Kampf der Kulturen ist ein Teil der Globalisierung und er ist gleichzeitig ein Aufstand gegen die Globalisierung. Er ist der Existenzkampf der Veränderungsverlierer und noch viel mehr der Überlebenskampf der Globalisierungsgewinnler, die in ihrem Elfenbeintürmen möglicherweise bald nicht nur um ihre Aktiendepots, sondern auch um ihre DNA-Speicher und die Garantiezertifikate für das ewige Leben bangen müssen. Im Zeitalter des Chaos ist der „bellum omnium contra omnes“ nicht mehr die Ausnahme, sondern der Regelfall. Und nachdem laut Heraklit der Krieg „der Vater aller Dinge“ ist, werden in den Verteilungskämpfen der unmittelbaren Zukunft jene überleben, die sich am besten dafür rüsten. Geistig, argumentativ und die eigene ethische Legitimation betreffend, aber auch ganz real, materiell und martialisch waffentechnisch.
Bei zehn Milliarden Erdenbürgern und ständig knapper werdenden Ressourcen, bei elektronischer Omnipräsenz und Omnipotenz ist das sublim gehandhabte Recht des Stärkeren eben zweifellos der letzte ethische Maßstab.
Ob die europäischen Völker angesichts solcher Entwicklung in ihrer Dekadenz – biologisch wie kulturell – auch nur die Kraft zur Teilhabe am Überlebenskampf des 21. Jahrhunderts aufbringen werden, ist zumindest zweifelhalft. Gewiss, die europäischen Völker befinden sich angesichts der Globalisierung, der Massenzuwanderung und der Auswüchse des Neoliberalismus im Notwehrmodus. Sie bringen allenthalben politische Kräfte hervor, die diesen Notwehrmodus artikulieren. Eine neue, diesem Notwehrmodus entsprechende Politik aber, sprich der Durchbruch dieser systemkritischen und systemüberwindenden Kräfte und eine wirklich am Überleben der Völker orientierte Politik derselben, ist längst noch nicht der Fall. Im Gegenteil, jüngste Wahlergebnisse und zu erwartende der unmittelbaren Zukunft deuten darauf hin, dass das Establishment zwar mit dem Rücken an der Wand kämpft, aber mittels medialer Manipulation, machtpolitischer Machination und massenpsychologischer Mechanismen zu überleben vermag.
In unserer kleinen Welt in der Alpenrepublik sind die Wiener Wahl des Vorjahres und die jüngste Bundespräsidentenwahl Belege für diese These. In der Bundesrepublik Deutschland wird es wohl die nächste Bundestagswahl sein, bei der Angela Merkel von der Mutti zur Großmutti der Nation (welcher Nation?) werden dürfte. Und ein politisch korrektes Volksfrontbündnis wird wohl auch Marine Le Pen in Frankreich zu verhindern wissen.
Dennoch war das Jahr 2016 ein Jahr der metapolitischen Wende. Allein zwei internationale Großereignisse, das Brexit-Referendum im Vereinigten Königreich und die US-amerikanische Präsidentschaftswahl machten dies deutlich. „Make America great again“ postulierte Donald Trump im Zuge seines Wahlkampf und meinte damit wohl die Vereinigten Staaten der „WASP“, der „White Anglo-Saxon Protestants“, die er zu retten gedenke. Ob diese angesichts der längst nicht eingedämmten Flut von Latino-Zuwanderern und des Geburtenreichtums der farbigen Bevölkerung eine Chance haben, muss aber auch bezweifelt werden. Dennoch muss Trumps Politik nicht zwangsläufig als bloß „retro“ gewertet werden, da sie sich vielleicht als eine stringente Klientelpolitik für eben diese Bevölkerungs- und Wählergruppe herauskristallisieren könnte, die jenseits der quantitativen Demokratie eine Überlebensbasis nicht im nationalen Gesamtzusammenhang, sondern in einer tribalistischen Sonderentwicklung ermöglichen könnte: Das „weiße Amerika“ als sozioökonomischer und soziokultureller Sonderkörper, der seine Interessen in einem quantitativ-demokratisch längst nicht mehr zu dominierenden Staatswesen zu behaupten vermag.
Und nachdem dieses Staatswesen die einzige militärische Supermacht des Planeten darstellt, ist die Frage, wer dort den dominanten Bevölkerungsbereich darstellt, auch bei tendenziellem Isolationismus der Trumpschen Politik von weltpolitischer Bedeutung. Ob Donald Trump und jene Hardliner, die er offenbar gewillt ist, in sein Regierungsteam zu berufen, in der Folge auch natürliche Verbündete jener Kräfte innerhalb anderer westlicher Industriestaaten darstellen, die für die Erhaltung der soziokulturellen Identität ihrer jeweiligen autochthonen Bevölkerung eintreten, wird sich weisen. Die Chance dazu besteht jedenfalls, und Trumps offen gezeigte Sympathien für die Brexit-Betreiber im britischen Mutterland, aber auch für die konservativ-nationalistische Politik eines Wladimir Putin in Russland deuten zumindest darauf hin. Europäische Politiker wie etwa der Ungar Viktor Orbán, dessen Trump-Begeisterung er ja deutlich und offen gezeigt hatte, scheinen jedenfalls davon auszugehen, dass die neue US-Regierung so etwas wie ein Verbündeter im neuen globalen Ringen um geopolitische und metapolitische Neupositionierung sein wird.
Insgesamt scheint es eine politische und soziokulturelle Naturgesetzlichkeit darzustellen, dass die zunehmende Globalisierung und die Europäisierung als Gegenbewegung so etwas wie eine Stärkung der kleinräumigen, authentischen und autochthonen Elemente nach sich zieht. Einerseits ist es eine Rückbesinnung auf den traditionellen, historisch gewachsenen Nationalstaat, andererseits auf kleinräumige Kommunikations- und Mobilitätsbereiche, die man im weitesten Sinne als „Heimat“ umschreiben könnte, was den Menschen Verankerung, Verwurzelung und Sicherheit im eigenen wohlbekannten Bereich gewährt. „Heimat ist Tiefe, nicht Enge“, hat der verstorbene Grazer Volkskundler Hanns Koren einmal formuliert. Und diese Tiefe, die der Mensch offenbar in seiner kulturellen, aber auch politischen Existenz sucht, stellt den unmittelbarsten und klarsten Gegensatz zur oberflächlichen Weite der Globalisierung dar.
Derlei Tiefenbindung und Verwurzelung ist naturgemäß nicht ganz so einfach erhältlich und erlebbar, Heimat wächst den Menschen also über Generationen, über „Blut, Schweiß und Tränen“ zu und ist durch allzu opportunistische Einwanderung in möglichst lukrative Sozialsysteme innerhalb kürzester Zeit nicht zu erlangen. Im Gegenteil, der Begriff Heimat und deren inhaltliche Qualität werden durch politische wohlfeile Geschenke, wie sie etwa die vielzitierte Willkommenskultur in Deutschland und Österreich darzubringen pflegt, gefährdet, wenn nicht gar entwertet. Entwertet und gefährdet für ihre eigentlichen Inhaber, für jene Menschen, die sie sich erarbeitet und über Generationen und durch lebenslange eigene Mühe erworben haben.
Der asymmetrische Kampf der Kulturen, der auch innerhalb der westlichen Industriegesellschaften stattfindet, ist also in hohem Maße auch ein Kampf um Heimat. Die zuwandernden Menschenmassen suchen natürlich nicht nur nach besseren materiellen Lebensbedingungen, sondern auch nach sozialer und kultureller Beheimatung.
Dieser Kampf ist ebenfalls ein asymmetrischer Kampf der Kulturen, da es bei dieser geistigen Beheimatung natürlich auch um die Religion der Menschen geht. Insbesondere, wenn diese aus Bereichen kommen, in denen Religion noch der zentrale geistige Faktor für das einzelne Individuum darstellt. Wie es in der islamischen Welt noch wesentlich häufiger der Fall ist als in der ehemals christlichen Welt, steht die religiöse Zugehörigkeit beziehungsweise Bedeutung der eigenen Religion im Mittelpunkt des geistlichen Lebens. Bedenkt man überdies, dass der Islam natürlich einen Kampfauftrag beinhaltet, der nicht nur in friedlicher Missionierung, sondern allenfalls auch in gewaltsamer Überwindung der „Ungläubigen“ besteht, so erkennt man klar, dass dieser asymmetrische Kampf der Kulturen sehr leicht einen realen kriegerischen Charakter annehmen kann.
Dazu kommt erschwerend der Faktor, dass die zuwandernden Menschenmassen keineswegs einer einheitlichen Kultur, Ethnie oder Sprachgemeinschaft zuzuordnen sind, sondern ihrerseits eine Vielzahl von Konflikten von ihren vormaligen Heimatregionen nach Europa und in die anderen westlichen Industriestaaten importieren. Der Konflikt zwischen Türken und Kurden ist nur ein Beleg, jener zwischen Schiiten und Sunniten ein weiterer. Man denke überdies an die Aversionen zwischen Indern und Pakistanis und jene zwischen diversen schwarzafrikanischen Stämmen. Hier tun sich in der neuen Zuwanderungsgesellschaft eine Vielzahl von Bruchlinien auf, die das Potential für endlose und vielfältigste Konflikte in sich bergen.
Klar ist aber, dass allen Zuwanderungskulturen gemeinsam so etwas wie ein gewisser aggressiver Charakter gegen die autochthone Kultur und autochthone Bevölkerung innewohnt, und zwar mit einer geradezu zwingenden Eigengesetzlichkeit. Die Verteilungskämpfe der Zukunft, bei denen es um die Ressourcen in Form staatlicher Transfergelder geht, aber auch um kulturelle Präsenz und Dominanz werden also eine Hauptkampflinie haben: jene zwischen Autochthonen und Migranten. Und zusätzlich wird es zahlreiche, einander überschneidende und überlappende Nebenkriegsschauplätze geben, die den permanenten kalten Bürgerkrieg prägen und den heißen zwischenzeitlich immer wieder – so wie wir es etwa in den Pariser Banlieues bereits gehabt haben – zum Ausbruch bringen.
Im Zeitalter des Chaos wird es aber darauf ankommen, wie weit sich Kräfte formieren, die in der Lage sind, neue Ordnungssysteme zu entwickeln und Zonen des sozialen- und kulturellen Friedens aufzubauen. Naturgemäß werden dazu auch historisch gewachsene Institutionen wie die herkömmlichen Nationalstaaten, aber auch supranationale Gebilde wie etwa die Europäische Union beziehungsweise das, was von ihr übrig bleiben wird, genützt werden müssen. Mühsam aufgebaute Strukturen nur zu zerschlagen, ist in diesem Sinne sinnlos und kontraproduktiv! Vielmehr ginge es um den Umbau dieser Strukturen und um deren Nutzbarmachung im Sinne neuer Friedensordnungen in ökonomischer, sozialer und auch machtpolitischer Hinsicht. Weiter existierende supranationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die OSZE und ähnliche, möglicherweise sogar Militärbündnisse wie die NATO, sind unter geänderten Umständen und unter geänderten Machtverhältnissen möglicherweise Trägerorganisationen für Neuordnung und Neuorientierung. Diesbezüglich werden jene politischen Kräfte, die den Notwehrmodus der europäischen Völker artikulieren, gefordert sein, ihrerseits ordnungspolitische Konzepte und metapolitische Wegweisungen zu erarbeiten. Die allzu berechtigte Fundamentalkritik alleine und die bis zur Subversion gehende Abwehrhaltung gegenüber den etablierten Systemen allein ist nur für die Zeiten der Opposition tauglich, nicht für jene der Neuordnung und des Neuaufbaus.
Wie sich die Vereinigten Staaten des Donald Trump entwickeln, wissen wir nicht. Welche Rolle das Vereinigte Königreich als transatlantischer Brückenpfeiler zwischen den USA und den Europäern spielen wird, ist auch ungewiss. Am wenigsten gesichert ist allerdings jene Perspektive, die ursprünglich der europäischen Integration zu Grunde lag, dass dieses sich einende Europa nämlich eine Insel relativen Friedens, relativer Freiheit und relativen Wohlstandes in einer zunehmend chaotischen Welt bleiben sollte beziehungsweise wieder werden müsste.


Odin schläft nur

23. Dezember 2016

Macht das Scheitern des Christentums Platz für vergessen geglaubte Mythen?

Der Untergang des Abendlandes findet statt! Vielleicht anders, als es sich Oswald Spengler vorgestellt hat, mit Sicherheit aber in Bezug auf seine geistige Substanz. Das Christentum als sakraler Kern des abendländischen Geistes scheint jedenfalls dabei zu sein, seine Abdankung zu zelebrieren. Die christlichen Kirchen, repräsentiert durch die katholischen Kirchenfürsten und die protestantischen Obrigkeiten verschiedenster Ausprägung, sind kaum mehr als theologische Kapitulanten, sie haben jenen Gefahren, die das christliche Abendland in den Abgrund treiben, ganz offensichtlich nichts mehr entgegenzusetzen. Da war einmal der Marxismus, der postulierte, dass Religion „Opium fürs Volk sei“: Angefangen von der traditionellen Sozialdemokratie über den Sowjetkommunismus bis hin zur Neuen Linken der Frankfurter Schule hat dieser Marxismus der Religion, speziell dem Christentum, den Kampf angesagt. Und er hat ihn gewonnen, auch wenn er selbst dabei ideologisch scheiterte und im Orkus deshistorischen Vergessens zu landen droht. Der historische Materialismus als Ersatzreligion hat ausgedient. An seine Stelle trat die neue Zivilreligion der Political Correctness.
Doch davor kam noch der Kapitalismus und der mit ihm untrennbar verbundene Hedonismus der Konsumgesellschaft, die sich dem Zangenangriff auf das christliche Abendland anschlossen: Selbstverwirklichung und Selbstbefriedigung, schrankenlose Triebbefriedigung und die Übererfüllung aller materiellen-sinnlichen Bedürfnisse wurden zur Ersatzreligion der Spaß- und Wellnessgeneration. Das „ora et labora“ des benediktinischen Denkens, die Bedürfnislosigkeit und selbstgewählte Armut des franziskanischen Denkens, die alten mönchischen Prinzipien der Triebunterdrückung, christliche Demut und Bescheidenheit, all diese Prinzipien wurden zum Opfer des schrankenlosen Hedonismus, der naturgemäß in einer hemmungslosen Diesseitigkeit stehen musste. Des Abendlandes sakrale Legitimation durch das Christentum hatte da keinen Platz mehr.
Und dazu kam dann eben die vom spätlinken Zeitgeist importierte neue Zivilreligion der Political Correctness, eine Mischung aus Heuchelei und Opportunismus, aus frömmelnder Selbstüberhebung und gutmenschlicher Selbstgerechtigkeit. Dabei ersetzt eitel zelebrierte Fernstenliebe und Allerwelts- Humanismus das Prinzip der christlichen Nächstenliebe. Der Bibelspruch, wonach eher ein
Kamel durch ein Nadelöhr geht als dass ein (Selbst-) Gerechter ins Paradies käme, geriet bei den Hohepriestern dieser neuen Zivilreligion, den Gurus des politisch-medialen-kulturellen Establishments, wohlweislich in Vergessenheit. Eine oberflächliche Verbindung mit dem alten abendländischen Christentum zu dieser neuen Zivilreligion gibt es allenfalls dadurch, dass die meistenKirchenfürsten derselben bereits ebenso huldigen und ihrem Götzendienst frönen. Der „Kampf gegen Rechts“, gegen vermeintlichen „Rassismus“, gemutmaßte Frauen- und Schwulenfeindlichkeit ist europäischen Bischöfen katholischer wie protestantischer Ausprägung längst wichtiger als die Bergpredigt. Am deutlichsten zeigt sich das Scheitern des abendländischen Christentums in unseren Tagen aber anhand des Verhältnisses zur Massenmigration und damit verbunden zum offensiven Zuwanderungsislam.
Es ist längst selbstverständlich, dass die Kirchenoberen gegen jene Parteien und Gruppierungen auftreten, die sich auf der politischen und zivilgesellschaftlichen Ebene gegen die Massenzuwanderung wenden. Was sich etwa in der Bundesrepublik „PEGIDA“ oder die „Alternative für Deutschland“ von seiten der progressiven Kirchenoberen anhören müssen, ist bereits geradezu grotesk, da es sich bei beiden genannten Gruppierungen um solche handelt, die sich demonstrativ für die Erhaltungder christlichen Identität Europas einsetzen. Und wenn ein österreichischer Politiker in seinem Wahlkampf die Formel „So wahr mir Gott helfe“ bemüht, erregt es bei den Kirchenrepräsentanten keine Zustimmung, sondern nur Ablehnung und Argwohn. Deklarierte Agnostiker sind ihnen wesentlich sympathischer.
Die Massenzuwanderung muslimischer junger Männer, die sich in der Folge zunehmend als islamische Fundamentalisten erweisen, und unter denen potentielle islamistische Terroristen und Träger eines fanatischen Christenhasses und Antisemitismus sind, diese Zuwanderung ist den offiziellen Sprechern der Kirchen durchaus angenehm. Sie wird als wünschenswert bezeichnet, als Notwendigkeit im Zeichen der Nächstenliebe. Und auch der achtzigjährige Argentinier auf dem Stuhle Petri sendet diesbezüglich widersprüchliche Signale aus. Zwar sprach er schon davon, dass Integration von Zuwanderern nur stattfinden könne in jenen Maße, in dem sie eine Gesellschaft eben vertrüge, dennoch schwelgt er aber generell in den Floskeln der politisch korrekten Fernstenliebe, wie sie sich in etwa in der bundesdeutschen „Willkommenskultur“ widerspiegelt. Ein Eintreten der Katholischen Kirche – von der protestantischen ganz zu schweigen – für die Erhaltung der historisch gewachsenen europäischen Völker und ihre national-kulturelle Identität ist jedenfalls im Zusammenhang mit der Massenmigration nirgendwo zu hören gewesen.
Und so kapitulieren die christlichen Kirchen in Europa vor einem ebenso offensiven wie fundamentalistischen Zuwanderungsislam, der aus seiner letztendlichen Berufung zur Unterwerfung auch des Abendlandes unter das Wort des Korans kaum ein Geheimnis macht.
Nationale Identität nährt sich zu einem guten Teil aus nationalen Mythen. Die deutsche und damit auch die österreichische Identität unserer Tage ist jene „der Besiegten von 1945“, welche sich in Folge hochkomplexer Unterwerfungsrituale und der Gehirnwäsche von Umerziehung, Pflicht-Antifaschismus und Political Correctness längst zur Identität der „Mitsieger von 1945“ gewandelt hat. Die entsprechenden identitätsstiftenden nationalen Mythen werden dabei auf die „dunkle Zeit“ zwischen 1933 und 1945 reduziert und auf die geradezu rituelle, stets wiederholte Beschwörung deutscher Schuld. Und mutatis mutandis gilt dasselbe wie für die Deutschen natürlich auch für die Österreicher. Dies verhindert den Rückgriff auf nationale Mythen aus den nahezu zwei Jahrtausenden deutscher bzw. protodeutscher Geschichte. Was man im 19. Jahrhundert rund um die deutsche Romantik im Überfluss getan hat, nämlich die Beschwörung nationalerGröße und den Rückgriff auf die germanischen Tugenden, auf die Idee von Kaiser und Reich und auf die großartige deutsche Geistesgeschichte von der Skolastik über die Reformation bis hin zur Klassik verbietet sich damit gewissermaßen. Und dennoch gibt es auch innerhalb der neudeutschen Gesellschaft trotz Ethnomorphose durch Massenzuwanderung, trotz Neurotisierung durch
den Zeitgeist und trotz der allgemeinen Dekadenz so etwas wie ein offensichtliches Bedürfnis nach den Mythen der Frühzeit. Der Massenerfolg literarischer und fiktiver Mythen wie etwa Tolkiens „Herr der Ringe“ oder George R. R. Martins „Games of Thrones“, samt entsprechenden Verfilmungen macht dies deutlich.
Da wird jeweils ein fiktives Mittelalter mit epischen Konflikten, mit gewaltigen Helden, edlen Übermenschen – Tolkiens Elben etwa – sowie im Gegensatz dazu ebenso gewaltigen Kräften des Bösen dargestellt. Und das wird auch von einem Millionenpublikum gierig und fasziniert konsumiert. Dass die germanisch-deutsche Frühgeschichte, etwa der „Kampf um Rom“ der Ostgoten, das Schicksal der Vandalen in Karthago, oder jenes von Alarichs Westgoten, das Leben und Wirken der Karolinger sowie der hochmittelalterlichen Kaiser von Otto dem Großen bis hin zu Friedrich II., dass die Epen der mittelhochdeutschen Literatur, ganz zentral etwa das Nibelungenlied, mindestens ebenso faszinierende Stoffe bieten würden, scheint vergessen zu sein. Massenmedial aufbereitete Darstellung dieser Stoffe mit einer Wirkung wie beispielsweise die Verfilmung des „Herrn der Ringe“ oder die TV-Serie „Games of Thrones“ gibt es schlicht und einfach nicht.
Die Deutschen des 21. Jahrhunderts, die „Mitsieger von 1945“, sollen sich – ob geplant oder zufällig – ihrer heroischen Geschichte und ihrer ursprünglichen nationalen Mythen nicht erinnern.
Angesichts dieser Tatsachen scheint die Rückbesinnung auf diese altdeutschen Mythen nicht nur reaktionär, sondern absolut „retro“. „Gandalf der Graue“ schön und gut, aber Odin – unmöglich! Ned Stark oder Tyrion Lannister aus „Games of Thrones“ klar, warum soll man sie nicht darstellen? Aber Hermann den Cherusker, Karl Martell, Heinrich den Vogler oder Konradin – völlig jenseitig! Oder vielleicht doch nicht so ganz? Germanischdeutsches Freiheitsstreben, das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation als Basis für das spätere Abendland, unser Europa eben, das Spannungsfeld zwischen Kaiser und Reich auf der einen Seite, Papst und Kirche auf der anderen, die deutsche Zwietracht und der ständige Abwehrkampf gegen außereuropäische Aggressoren, ist all das wirklich belanglos für unser heutiges Leben, das heutige Europa und die gegenwärtige Identität der Deutschen? Wer dies glaubt und die Rückschau in den Urgrund deutscher Geschichte und deutscher Identität scheut, soll dies getrost tun. Er beraubt sich selbst seiner Wurzeln. Wir hingegen wollen uns einer heroischen Geschichte entsinnen: Tragischer Figuren von menschlicher Größe und auch solcher von diabolischer Niedertracht. Wir wollen Triumph und Verzweiflung vor unser geistiges Auge zaubern und uns des Traums von Freiheit und Gerechtigkeit entsinnen, den unsere Vorväter in Urzeiten unter Odins Herrschaft träumten und dann später unter dem christlichen Patrimonium des Erzengels Michaels im Gottesreich auf Erden verwirklichen wollten. Ein Traum, der scheiterte, der aber doch die Geschichte Europas nachhaltig prägte.
Nun wäre die Idee des Wiederauflebens der alteuropäischen Kulte und Religionen, etwa jener der alten Griechen, der alten Römer oder auch der alten Germanen zweifellos illusionär. Auch wenn Jugendbücher über „Helden des Olymps“ und Halbgötter Konjunktur haben, auch wenn „Vikings“ ganz im Stile der Sagas der Edda zu Serienhits in den weltweiten TV-Programmen werden, ist die nordische Götterwelt, sind die Asen von Walhalla heute ebenso lebens- und weltfremd wie die Götter des Olymps, die in der Ilias ihr Unwesen treiben.
Die alteuropäischen Kulte also werden es nicht im religiösem Sinne sein, was das Christentum ablösen könnte, sie existieren aber als Mythen im Urgrund des Bewusstseins der europäischen Völker nach wie vor. Und derlei Mythen können, wie gesagt, Identität stiften. Ob sie auch Spiritualität schaffenkönnen, ist eine andere Frage. Das Christentum jedenfalls, und vor allem die dieses Christentum tragenden Kirchen haben durch ihr eklatantes Versagen die Kraft zur spirituellen Erneuerung Europas – zumindest vorläufig – verwirkt.


Vom Ende eines Sisyphos-Wahlkampfes

30. November 2016

Nahezu ein Jahr ist vergangen, seit Norbert Hofer zum freiheitlichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert wurde. Niemand hätte seinerzeit gedacht, dass dieser Wahlkampf so lange dauern könnte und niemand ist wohl auch auf den Gedanken gekommen, dass ihn der dritte freiheitliche Nationalratspräsident in so hohem Maße dominieren könnte. Wie auch immer die Wahl vom 4. Dezember 2016 auch ausgeht, der große Sieger ist auf jeden Fall Norbert Hofer und mit ihm die freiheitliche Gesinnungsgemeinschaft.
Noch nie in der Zweiten Republik ist es vorgekommen, dass bei drei Wahlgängen eine Mehrheit der Österreicher bei einem freiheitlichen Kandidaten ihr Kreuz gemacht hat. Etwa 36 Prozent beim ersten Wahlgang, nahezu 50 Prozent beim zweiten Wahlgang und wohl ähnlich viele, wenn nicht sogar mehr beim dritten, das werden wir ja sehen.
Sollte der freundliche Freiheitliche mit der ebenso verbindlichen wie klugen Rede- und Argumentationsweise tatsächlich in die Hofburg einziehen, ist dies zweifellos eine Sensation, und wir zweifeln keinen Moment daran, dass dies weltweit registriert wird. Natürlich weitgehend mit Häme und mit Hass, denn die etablierten politische Kreise haben nicht nur in Österreich, sondern darüber hinaus auch im Ausland geschafft, dass die Menschen ein Bild von diesen Freiheitlichen und von ihrem Kandidaten haben, das mit der Realität nichts zu tun hat. In Österreich selbst weiß man es besser, sonst würde nicht die Hälfte der Menschen Hofer wählen.
Wenn Norbert Hofer es knapp nicht schaffen sollte, dann ist er zum Opfer des gesamten politischen Systems aller etablierten Parlamentsparteien, der Kirchen, der Gewerkschaften, der Kulturszene, aller etablierten Medien geworden. Dann ist er in einem wahren Titanenkampf ehrenvoll unterlegen. Er hat sich nämlich während dieses ganzen Jahres keinen Fehler geleistet und tatsächlich nichts zu Schulden kommen lassen. Das Schlimmste, das er angeblich gesagt hat – zumindest, wenn man der Interpretation seiner politischen Gegner glaubt – war die Aussage „Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist“, wenn er Bundespräsident werde. Dieses von Hofer zweifellos als Reformversprechen gemeinte Diktum wurde ihm natürlich im Mund umgedreht und als Beleg gewertet, er wolle ein „autoritäres System“ errichten.
Das Gegenteil wird natürlich der Fall sein, Norbert Hofer wird zweifellos ein ehrenwerter, ein duldsamer und toleranter, eben ein freiheitsliebender, ein freisinniger, freiheitlicher Bundespräsident sein. Und vor allem ein menschlicher, einer von uns, einer wie du und ich, ein gelernter Österreicher, ein Patriot, der seine Heimat liebt, der ein ganz normales Leben mit Frau und Kindern führt, der ganz normale Interessen hat, auch einen ganz normalen Beruf ausgeübt hat und zweifellos das Beste tun wird, was in seinen Kräften liegt, um Land und Leuten zu helfen.
Allein, wie er dieses schwierige Jahr des Wahlkampfes gemeistert hat, zeigt bereits, was wir uns von Norbert Hofer erwarten können. Dass er zu guter Letzt doch noch Opfer einer Diffamierungskampagne wurde, ist bedauerlich. Die Faschismuskeule versuchte man wie gewohnt zu schwingen, linke Medienleute und wohl auch die Wahlkampfleitung seines Gegners meinten schlussendlich doch nur wieder nach diesem sattsam bekannten Muster gegen ihn reüssieren zu können.
Aber wie auch immer, der Sieger heißt Norbert Hofer, entweder als Staatsoberhaupt in der Hofburg oder weiterhin im Präsidium des Nationalrats, wobei er dort die realistische Chance hätte, erster Nationalratspräsident zu werden – auch das wäre ein freiheitliches Novum. Und jene Österreicher, die einmal freiheitlich gewählt haben, werden es wohl auch in Zukunft wieder tun, wenn sie sehen, dass dies die einzige Partei ist, die dem politischen System mit all seinen Fehlentwicklungen Paroli bietet.


Wer ist Establishment?

25. November 2016

Die Kommentatoren und politischen Analytiker sind sich weitgehend einig: Donald Trump ist in den USA als Anti-Establishment-Kandidat gewählt worden. Und – wir entsinnen uns – im Präsidentschaftswahlkampf in Österreich hat es genauso geheißen: Alexander Van der Bellen ist der Kandidat der politischen Eliten, des Establishments, Norbert Hofer ist der Kandidat der Menschen, der Durchschnittsösterreicher.

Nunmehr bemühen sich die verschiedenen Helfer und Helfershelfer des grünen Kandidaten darum, darzulegen, dass Hofer sehr wohl zum Establishment gehöre. Er sei schließlich Berufspolitiker und das gewissermaßen ein Leben lang, während der grüne Professor nur wenige Jahre Berufspolitiker gewesen sei und ansonsten einem Zivilberuf nach gegangen wäre.

Dass da Gelächter aufkommt ist nicht verwunderlich. Gewiss, wir wissen, Christian Kern war Bundesbahn-Manager. Dass er aber dort nur von Gnaden der SPÖ auf der Vorstandsebene tätig werden durfte, ist auch bekannt. Er ist natürlich Teil des politischen Establishments, genauso wie ÖVP-Boss Mitterlehner, der zeitlebens Mitarbeiter der Wirtschaftskammer war. Und der Außenminister Kurz hat außer seiner politischen Funktion überhaupt noch nie etwas gearbeitet, Ausnahme ist vielleicht Werner Faymann, der dem Vernehmen nach irgendwann einmal Taxifahrer war.

Aber es stimmt natürlich auch, dass Norbert Hofer als Dritter Nationalratspräsident gegenwärtig Berufspolitiker ist. Allerdings ist er deshalb nicht Teil des Establishments, er ist vielmehr der Vertreter einer non-konformistischen, fundamentaloppositionellen Partei, die sich als Systemalternative, als Gegenpol zum politischen Establishment zu etablierten politischen Kaste versteht und das Gegenteil der herrschenden Zivilreligion der Political Correctness verkörpert. Das wissen die Menschen auch und sie verstehen sehr wohl, warum Van der Bellen der Kandidat des Establishments ist und Hofer nicht.

Und so haben wir es also: Alle etablierten Parlamentspartei, mit Ausnahme des Restteams Stronachs sind für Van der Bellen, natürlich die Gewerkschaften, natürlich die Kirchen, natürlich die gesamte linksgepolte Zivilgesellschaft, natürlich nahezu alle Medien – mit Ausnahme der Zur Zeit. Die Einheitsfront der Van der Bellen-Unterstützer hat sich formiert. Und wie auch immer die Präsidentschaftswahlen ausgehen werden, kurios und belustigend ist es, dass diese Einheitsfront nur die Hälfte für sich zu mobilisieren vermag, die andere Hälfte, die Durchschnittsbürger und, wie wir hoffen, die schweigende Mehrheit, ist für den Kandidaten der politischen Herausforderer, für den Kandidaten der Erneuerung, für den Kandidaten der Systemalternative. Man wird sehen, ob der Trump-Effekt auch in Österreich zieht.


Human-Hypothek statt Human-Kapital

25. November 2016

Überlegungen zu den Kosten der Massenzuwanderung

Spätestens seit den Zeiten des Merkantilismus im 17. und 18. Jahrhundert ist wissen wir, dass eine gut ausgebildete, fachlich, handwerklich oder gar wissenschaftlich qualifizierte Bevölkerung für die Produktivität und die Schaffenskraft eines Landes beziehungsweise eines Volkes von ausschlaggebender Bedeutung ist. Wir sprechen in diesem Zusammenhang vom Human-Kapital.

Und Human-Kapital ist es auch, was sich die klassischen Zuwanderungsländer, etwa die USA, Australien oder Kanada, durch die Einbürgerung von entsprechend qualifizierten Arbeitskräften versprechen. Solche Länder definieren jene Menschen, die sie zuwandern lassen, ganz genau nach Ausbildung, nach beruflicher Qualifikation und nach fachlicher Eignung, insbesondere aber nach den Notwendigkeiten der eigen Wirtschaft und der eigenen Industrie. Wenn Australien Baufachleute brauchte, Kanada Zimmermänner und Maschinenbauingenieure, dann haben die Einwanderungsbehörden dieser Länder in ihren Botschaften in den Zuwanderungsländern sich jene Menschen herausgefiltert, die ihnen dafür geeignet erschienen. Einen historischen Sonderfall bildeten insofern noch die US-Amerikaner, als sie ihren Bedarf etwa an qualifizierten Wissenschaftlern an Atomphysikern und Ähnlichen nach gewonnenem Kriegen aus den Leistungseliten und wissenschaftlichen Fachkreisen besiegter Völker zu decken vermochten. Wernher von Braun und seine Kollegen sind das beste Beispiel für diese Art von fachlich qualifizierter Zuwanderung.

Das Gegenteil davon stellt eine unkontrollierte Massenmigration dar, die aufgrund von kriegerischen Ereignissen oder von Naturkatastrophen stattfindet oder auch schlicht und einfach aufgrund der Verarmung weiter Teile des Planeten. Diese Armutsmigration, die Menschen in Richtung der westlichen Industriestaaten, insbesondere Europas treibt, welche schlicht und einfach bessere Lebensbedingungen oder auch nur bessere Sozialleistungen suchen, ist naturgemäß nicht in der Lage, nach fachlicher Qualifikation der Zuwanderer zu differenzieren. Auch wenn die Willkommenskultur-Bejubler in Politik und Medien uns etwa im Vorjahr glauben machen wollten, dass aus Syrien samt und sonders Ingenieure, Wissenschaftler, Ärzte und Architekten zuwandern würden, sieht die Realität völlig anders aus. Aus soziologischen Untersuchungen wissen wir indessen ganz genau, dass das Gros dieser Zuwanderer, wie sie etwa seit dem vorigen Jahr Europa erreicht haben, fachlich und bildungsmäßig weitgehend unqualifiziert sind. Ja, der Anteil der Analphabeten ist sogar überproportional hoch. Und ein Gros dieser Zuwanderer wird auf lange Jahre völlig ungeeignet sein für den europäischen beziehungsweise deutschen oder österreichischen Arbeitsmarkt.

Überdies wissen wir längst, dass die Kosten für die Aufnahme dieser Menschen wesentlich höher sind, als sie uns schönfärberisch zu Beginn der Massenmigration von den Regierungsverantwortlichen dargestellt wurden. Allein die Erstaufnahme, die Unterbringung, die Versorgung und dann die sogenannte Mindestsicherung in Österreich verursachen astronomische Belastungen für den Staatshaushalt.

In der Folge ist es eine weitere schwerste Belastung für die Sozialsysteme und damit für die Staatshaushalte, wenn diese Menschen integriert werden sollen, die Sprache lernen, Ausbildungen erhalten und überdies das Gesundheitssystem des Gastlandes entsprechend ihren Bedürfnissen nützen. Hunderttausende Menschen in Österreich, Millionen in Deutschland, die niemals in die Sozialsysteme eingezahlt haben und auf Jahre hinaus auch nicht in der Lage sein werden einzuzahlen, kommen in überproportionalem Maße in den Genuss der Segnungen dieser Sozialsysteme. Der Gesundheitszustand der Zuwanderer dürfte ja herkunftsbedingt, kriegsbedingt oder aufgrund der wirtschaftlichen Lage bedingt im Durchschnitt eher schlechter sein als jener der autochthonen Bevölkerung. Dementsprechend müssen sie die Einrichtungen des heimischen Gesundheitssystems auch in überproportionalem Maße nützen, und all das, wie gesagt, ohne in die Systeme auch Leistungen einzubringen.

Geht man realistischer Weise davon aus, dass diese massenhaft Zugewanderten und jene, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch kommen werden – nichts spricht dafür, dass der Zustrom von der Politik wirklich gestoppt wird –, dass also jene Menschen kaum oder nur im geringen Maße in den Arbeitsprozess integriert werden können und damit auch weiterhin keine Leistungen für das Sozialsystem erbringen, weiß man, dass jene Prognostiker, die von hunderten Milliarden an Kosten für die nächsten Jahre und Jahrzehnte ausgehen, recht haben dürften. Ebenso klar ist aber, dass all das zu Lasten des Lebensstandards und der Qualität der sozialen Systeme für die autochthone Bevölkerung gehen muss. Diese immensen sozialen Transferkosten für die Massenzuwanderung werden zwangsläufig der treibende Faktor für die Verarmung der autochthonen Bevölkerung beziehungsweise der unteren Schichten der autochthonen Bevölkerung sein. Die Folge wird eine Mehrklassen-Medizin sein, in der einkommensschwächere Teile der Bevölkerung nur mehr die Minimalversorgung in Anspruch nehmen werden können. Eine weitere Folge wird eine Ausdünnung des Pensionssystems sein, da der Generationenvertrag mangels entsprechender Einzahler kaum mehr funktionieren kann. Ob die Gewährleistung einer minimalsten Altersversorgung auf Dauer für alle Staatsbürger danach gewährleisten sein kann, bleibt abzuwarten. Die Illusion, die gegenwärtig durch die Mindestsicherung gegeben ist, dass schlicht und einfach jeder Mensch aus der Wohnbevölkerung in einem Staat mit einem Mindesteinkommen versorgt wird, gleich ob er arbeitet, ob er Sozialleistungen bezahlt oder nicht, dies dürfte sich tatsächlich als Illusion erweisen.

Die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Oberschicht und Unterschicht, wird damit zwangsläufig immer weiter aufgehen, der Treiber für diese im wahrsten Sinne des Wortes asoziale Entwicklung ist zweifellos die Massenzuwanderung der letzten Jahre, die sich eben in den Jahren und Jahrzehnten, die auf uns zukommen, fortsetzen dürfte. Die etablierte Politik, die all das zu verantworten hat – wenn nicht vielleicht geplant, aber so doch fahrlässig zusehend – muss sich somit den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Verelendung Europas und der westlichen Industriestaaten verursacht hat. Dies allzumal dann, wenn aus ihren Kreisen Politiker neuen Typs, wie etwa der neugewählte US-Präsident, die sich massiv gegen diese Entwicklung richten, als „Rechtspopulisten“ oder gar als „Faschisten“ und „Rassisten“ diffamiert werden. Der etablierten Politik muss in diesem Zusammenhang ins Gedächtnis gerufen werden, dass sie auf die Verfassungen ihrer jeweiligen Staaten und auf das Wohl der autochthonen Bevölkerung der jeweiligen Staatsbürger angelobt sind. Frau Merkel hat laut Amtseid das „Wohl und Weh des deutschen Volkes“ im Auge zu haben und nicht eine nebulos gutmenschelnde Willkommenskultur, das Gleiche gilt für die österreichischen Regierungspolitiker unserer Tage und die meisten etablierten politischen Systeme innerhalb der EU und der westlichen Industriestaaten.

Ob es in einer chaotisch werdenden Welt der Massenmigration, der Kriege, der Bürgerkriege und internationalen Spannungen, der Naturkatastrophen und des Klimawandels eine Rückkehr zu einer geordneten und vernünftigen Migrationspolitik geben kann, die sich an den ökonomischen und sozialen Bedürfnissen der Herkunftsländer, aber auch der Gast- und Aufnahmeländer orientiert, ist mehr als ungewiss. Die „Torheit der Regierenden“, von der Barbara Tuchmann spricht, ist leider zum gestaltenden Prinzip der internationalen Politik geworden, und Hoffnung auf Vernunft beziehungsweise auf rationale Politik erweist sich weitgehend als Illusion. Die politischen Zielvorstellungen politisch korrekter Gutmenschen und Multi-Kulti-Apologeten decken sich mit der tendenziellen Entwicklung hin zum globalen Chaos. Solcherart ist das Prinzip „Laissez-faire, Laissez-passer“ schlechterdings das Motto einer ebenso unfähigen wie konzeptlosen Politik, die allerdings den Kriterien der Political Correctness entspricht. Eine mehr als gefährliche Entwicklung, in der Migration nicht mehr so etwas wie „Human-Kapital“ für die einzelnen Zuwanderungsländer zeitigt, sondern „Human-Hypotheken“ im gewaltigen Ausmaß.


Zwischen Seniorat und Juvenilitätswahn

10. Oktober 2016

Generationenkonflikte und ­Generationen­verträge – eine Betrachtungen

Wie skandierten die 68er so schön: „Traue keinem über dreißig“. Und sie positionierten sich damals als neue linke Jugendbewegung, als weitgehend studentische Protestbewegung gegen das Establishment, gegen die Alten, gegen die Spießer und verzopften Reaktionäre.
Das war im Jahre 1968. Kaum eine Generation davor hat es auch eine Jugendbewegung gegeben, nämlich in den 30er-Jahren die Nazis. Die österreichischen Gauleiter etwa waren im Anschlussjahr tatsächlich alle unter dreißig und Hitler selbst war, als er mit 44 Reichskanzler wurde, auch noch ein vergleichsweise junger Politiker. Auch damals war Jugend alles und ältere Politiker galten als reaktionär, spießig und verzopft. Die jugendbewegten Revolutionäre der 30er-Jahre endeten häufig in den Schützengräben des Zweiten Weltkriegs oder danach vor den Entnazifizierungsgerichten. Die Jugendbewegten der späten 60er-Jahre hingegen schafften den „Weg durch die Institutionen“ und enden gerade in unseren Tagen auf Parlamentssitzen, in Chefredakteursbüros oder Aufsichtsratsfunktionen – wenn sie nicht schon in Pension sind.
Tatsächlich gibt es so etwas wie gesellschaftliche Wellenbewegungen zwischen Zeiten, in denen Jugendkult dominiert und Zeiten, in denen dem Prinzip des Seniorates, der Hochschätzung der weisen Alten, gefrönt wird. Dabei ist Alter in der Menschheitsgeschichte etwas durchaus Relatives und es verschiebt sich zunehmend nach hinten ins wirklich hohe Lebensalter. Lag die durchschnittliche Lebenserwartung in der Jungsteinzeit bei 21 Jahren, das heißt, ein Zwanzigjähriger war alt, so konnte man im altgriechischen Sparta mit siebenundzwanzig Jahren Angehöriger des Areopag, des Rats der Alten werden. Wenn man also all die Schlachten und das Schlachten überlebte, war man als Endzwanziger bereits ein weiser alter Mann. Und die griechischen Philosophen „blühten“ mit vierzig, hatten also mit diesem Alter die Höhen ihrer Schaffenskraft erreicht. Andererseits wurde Konrad Adenauer, der Repräsentant der Nachkriegspolitiker in Deutschland schlechthin, erst mit dreiundsiebzig Jahren Bundeskanzler, um es dann für lange Jahre zu bleiben. Und in der KPdSU der Sowjetunion unter Breschnew galt jeder unter achtzig als Lausbub, so relativ kann Alter sein. Wenn man aber das politische Geschehen betrachtet, so ist es wohl eine Tatsache, dass revolutionäre Phasen der Geschichte, Zeiten des Umbruches also, eher von jugendlichen Exponenten geprägt sind. Im Gegensatz dazu sind Phasen strukturkonservativer Beharrung und ruhiger Entwicklung wohl eher von reifen und langgedienten Persönlichkeiten dominiert. Dabei kann man aber auch feststellen, dass die jungen Revolutionäre häufig in den Jahren und Jahrzehnten danach zu strukturkonservativen Systemerhaltern mutieren und sich durchaus mit Zähnen und Klauen jene Pfründe zu bewahren trachten, die sie als junge Revolutionäre erkämpften. Fidel Castro lässt grüßen.
Auch in der politischen Landschaft Österreichs kann man derlei Entwicklung beobachten. Die heimischen Grünen etwa halten sich zugute, aus der Umweltbewegung der 80er-Jahre zu stammen, wobei sie eher verschweigen, dass die meisten von ihnen aus der neulinken Bewegung der späten 60er- und 70er-Jahre kommen. Viele von ihnen wurden politisiert im Spektrum der linken Sekten von Maoisten, Marxisten und Trotzkisten etc. Das Mäntelchen der Umweltschützer haben sie sich zumeist erst später mit mehr oder minder großer Überzeugung umgehängt. Zweifelsfrei ist jedenfalls, dass sie sich damals in den 70er- und 80er-Jahren mit Recht als Jugendbewegung verstehen konnten. Heute sind die meisten Grünexponenten mit ihrer Partei mitgealtert und sind längst Zierden des neuen linken Spießertums, das sich politisch korrekt bei den diversen zeitgeistigen NGOs und der vielzitierten urbanen Gesellschaft umtut. Ein Musterexemplar dieser Gattung stellt der grüne Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen dar.
Jugendbewegt war aber auch die Gegenseite. Bereits im freiheitlichen Atterseekreis und später in der Haider-FPÖ verstand sie sich als jugendliche Gegenbewegung gegen altnationale und reaktionäre Bildungsbürger. Norbert Steger wollte den Aufbruch der jungen Liberalen repräsentieren, und Jörg Haiders Buberlpartie wurde von ihren medialen Kritikern als Exponenten des sogenannten „Feschismus“ abgestempelt. Aber auch in der heutigen großen Oppositionspartei wird viel von „Verjüngung“ gesprochen. Dabei übersehen jene, die dieselbe verlangen, häufig, dass sie selbst auf die fünfzig zugehen und – schwuppdiwupp – in eigener Person schon recht bald das Pensionsalter vor Augen haben müssen.
Wenn man sich das Problem aber ernsthaft vor Augen führt, muss man sich einerseits eingestehen, dass jugendlicher Schwung, jugendliche Energie, das Frische und Unverbrauchte, durchaus so etwas wie ein politisches und gesellschaftliches Modell sein können. Wie könnte in einer Gemeinschaft Aufbruchsstimmung und Zukunftsoptimismus erzeugt werden, wenn nicht durch junge Menschen und ihrem Streben nach Erfolg und Glück. Dabei mögen Naivität und Unerfahrenheit eine Rolle spielen, zynische Abgeklärtheit und allzu viele schlechte Erfahrungen wären da womöglich nur Bremsfaktoren, die eben jene Aufbruchsstimmung behindern würden. Mit einem Wort: Jugendliche Politiker, jugendliche Manager, jugendliche Führungskräfte müssen wohl an der Spitze eines jeden neuen Aufbruchs stehen.
Im Gegensatz dazu steht die Erfahrung, die Abgeklärtheit, die Weisheit des reifen Menschen, der Verantwortung in der Familie, in den diversen Gemeinschaften, in der Politik und der Gesellschaft trägt. Die eigene individuelle Lebenserfahrung, aber auch die kollektive Erfahrung durch die Kenntnis der Geschichte vermögen die Beurteilung von Problemen und Aufgabestellungen gewiss besser zu ermöglichen, als dies bei jungen Menschen möglich ist. Ob es jetzt in der kleineren Familie stattfindet oder in einem Wirtschaftskonzern, im Bereich der Politik oder anderswo, konservative Gesinnung zielt stets auf die Erhaltung des Bewährten ab. Und das scheint zu den Gesetzlichkeiten des menschlichen Lebens zu gehören, dass man ab einem gewissen Alter Veränderung eher kritisch sieht und eher von Sorgen und Ängsten bewegt wird, dass man Erreichtes verlieren könnte.
Angst ist ein schlechter Ratgeber, könnte man den Alten vorwerfen, die Gier aber auch. Die Gier nach Erfolg und nach Glück, muss man wohl den Jungen sagen. Im Wechsel zwischen beiden Faktoren, im steten Pendelschlag zwischen Verjüngung und Erfahrung, zwischen Neubeginn und Vollendung, liegt also zweifellos eine anzustrebende harmonische, individuelle, aber auch kollektiv gesellschaftliche Entwicklung. Der Jugendlichkeitswahn mancher gesellschaftlicher und politischer Epochen kann ins Verderben führen, das allzu starre Festhalten am Prinzip der Seniorität andererseits muss zur Versteinerung führen, der Wechsel zwischen beiden Extremen und der Kompromiss ist hingegen die Lösung.
Gewiss gibt es immer wieder Generationenkonflikte, die Konflikte zwischen Vätern und Söhnen, zwischen Müttern und Töchtern, es gibt aber auch so etwas wie Generationenverträge – nicht nur zur Erhaltung unseres Sozialsystems oder unseres Pensionssystems, sondern auch zur Erhaltung familiären Zusammenhalts, zur Bewahrung gesellschaftlicher Strukturen, die das Staatsganze, ganze Kulturen zusammenhalten.
Der unausweichliche von der Evolution, der Schöpfung und dem Schicksal vorgegebene Wandel von jung zu alt, von Werden und Vergehen, von geboren werden und sterben zwingt uns Menschen in solche Generationenverträge. Die Sorge der Alten für die ganz Jungen und das Verständnis für ihre Probleme beim Heranwachsen und schließlich umgekehrt die Versorgung der Alten durch die Jüngern, sie bis zum Lebensende hin zu begleiten, all das macht diese Generationenverträge aus und beweist letztlich, dass es eine wirkliche Kluft zwischen Jung und Alt nicht geben kann, da alt einmal jung war und jung zwangsläufig alt werden wird.


Der fatale ­Gewöhnungseffekt

5. Oktober 2016

Mein Gott: Da oder dort gibt es halt eine Vergewaltigung, der flüchtige Täter, ein junger Mann südländischen Typs, täglich liest man davon in der Zeitung. Da und dort rast einer mit seinem Auto in die Menge und brüllt dabei „Allahu akbar“. Eh nur ein frustrierter Elektriker, der gerade entlassen wurde, was ist schon dabei? Gewiss explodiert wöchentlich irgendwo in Europa eine Bombe, wenn es nur eine geringe Opferanzahl gibt, regt das kaum mehr jemanden auf. Ja und die Flüchtlinge, kaum mehr der Rede wert, die Balkanroute ist ohnedies geschlossen, wenn da in Griechenland zwischendurch einmal von den Schutzsuchenden ein Lager angezündet wird, regt sich keiner auf. Und natürlich kommen Schwarzafrikaner über die Grenze von Italien her, ein paar zu Fuß über die Autobahn, die anderen in Zügen, alles kaum der Erwähnung in den Gazetten wert. Und die Marineeinheiten der diversen EU-Staaten fischen nahezu täglich hunderte aus dem Mittelmeer ganz nahe der libyschen Küste und bringen sie nach Italien, wen regt das auf?
Man gewöhnt sich an alles, man stumpft ab, und die uniformierte Wache des Bundesheers in der Maria-Theresien-Kaserne besteht aus Schwarzafrikanern, im Gardebataillon stehen Türken stramm, das Servicepersonal in der Gastronomie spricht zumeist nur mehr gebrochen Deutsch, die Zeitungszusteller des Nachts heben sich in der Dunkelheit kaum von ihrer Umgebung ab und Tschador, Burka und Kopftücher sind alltäglich im Straßenbild, wen regt das auf? Man gewöhnt sich an alles.
Ja und die Kriminalstatistik, was soll so besonderes daran sein? Geklaut, geprügelt und geschossen haben auch die biederen Österreicher. Und dass die Gefängnisse zu Stätten zahlloser verschiedener Migrationshintergründe geworden sind, ja und wen regt das auf? Man gewöhnt sich an alles.
Dieser fatale Gewöhnungseffekt hat die Österreicher längst ergriffen. Und fatalistische Gleichgültigkeit, „Wurstigkeit“ um es auf gut österreichisch auszudrücken, war schon immer ein Überlebensprinzip des gelernten Österreichers. Meckert ein bisschen, findet sich aber achselzuckend damit ab und lässt sich womöglich von der Schönfärberei in den etablierten Medien einlullen. All die vielen Beispiele „gelungener Integration“ beweisen doch: Wir schaffen das. Im Übrigen macht die Regierung eh alles, was sie kann, um das Problem in den Griff zu bekommen, der junge Außenminister, der Kurz, schließt ohnedies alle Zugangswege nach Österreich, und der fesche Bundeskanzler, der Kern, der macht ja gemeinsam mit dem G‘stopften mit dem Verteidigungsminister und mit dem Glatzertem, dem Innenminister, eh alles, was er kann, damit nicht mehr als 38.500 – oder waren es 138.500? – Asyl­anten kommen, das schaffen wir doch locker. Oder etwa nicht?