Macht und Ohnmacht, Mensch und Natur

31. August 2021

Von Anbeginn der Menschheitsgeschichte war das vorgebliche Ebenbild Gottes den Naturgewalten ausgesetzt. Angefangen mit der Sintflut des Alten Testaments über das Gilgamesch-Epos bis hin zu den diversen literarischen Berichten über Wirbelstürme, Fluten, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Vom Bericht des Römers Plinius über den Ausbruchs des Vesuvs und die Zerstörung Pompejis bis hin zu den Berichten zum Ausbruch des Krakatau im 19. Jahrhundert reichen die Zeugnisse über die vernichtende Macht der Naturgewalten und des Menschen Hilflosigkeit.
Völlig klar also, dass sich die Angst vor diesen Naturgewalten übermächtig in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingegraben hat und die zeitgenössischen, geradezu hysterischen Warnungen vor der drohenden Klimakatastrophe stehen so in einer historischen Kette der Menschheitsängste vor eben diesen Naturgewalten.
Nun ist es fraglos richtig, dass es gerade in jüngster Zeit wieder zunehmend Wetterextreme und katastrophale Umweltereignisse gibt. Auch hierzulande, in den Breiten des gemäßigten Klimas, häufen sich Starkregen, gibt es Tornados, Vermurungen und Überschwemmungen. All jene, die darin so etwas wie einen natürlichen Zyklus im Wechsel von Warmzeiten und Kälteperioden sehen, wie wir sie in der Erdgeschichte, insbesondere in der Ära der großen Eiszeiten natürlich wahrnehmen mussten, dürften Recht haben. Jene allerdings, die darin vom Menschen verursachte Katastrophen sehen, werden wohl auch nicht Unrecht haben.
Acht Milliarden Menschen, die diesen Planeten wie Pilzbefall einen vom Baum gefallenen Apfel überziehen – mit der in den letzten Jahrzehnten
explosionsartig gewachsenen industriellen Produktion und ihren Abfällen –, zeitigen zweifellos Wirkung in der Natur und wohl auch in der Atmosphäre, die diesen Planeten umgibt. Und dass extreme Wetterereignisse, Starkregen etwa und Überflutungen, auf einem durch die Bevölkerungsexplosion wesentlich dichter besiedelten Planeten wesentliche Auswirkungen haben, ist auch völlig logisch. Und wenn dann dazu noch eine weltweit, gewissermaßen zeitgleich funktionierende Medienberichterstattung, und über die sozialen Medien die Berichte in Echtzeit dazu kommen, ist es wenig verwunderlich, dass der Eindruck entsteht, hier würde einen gewaltige Häufung von Naturkatastrophen stattfinden.
Überhaupt mag das, was wir als Klimawandel oder gar als Klimakatastrophe bezeichnen, angesichts der Erdgeschichte ein absolut vernachlässigenswerter Vorgang sein. Für die Menschheit des 21. Jahrhunderts sind Wirbelstürme, wie jener, der jüngst über Louisiana hinweg brauste oder Flutkatastrophen, die im Frühsommer im Rheinland ganze Dörfer verwüsteten, zweifellos bedrückende und einschneidende Ereignisse. Und sie befeuern ebenso wie Tropentage in den europäischen Großstädten oder Starkregenfälle in den Alpen die medial geschürte Angst vor der vermeintlichen Klimakatastrophe.
Auch gibt es kaum Zweifel daran, dass etwa das verstärkte Abschmelzen der Polkappen und das dadurch gegebene Schwächerwerden des Golfstromes gewaltige globale Veränderungen nach sich ziehen werden. Veränderungen, die durch den Anstieg des Meeresspiegels küstennahe Gebiete bedrohen, Veränderungen, die das Klima Nordwesteuropas und Skandinaviens massiv betreffen werden, Veränderungen, die dicht besiedelte Gebiete in den betroffenen Regionen vor gewaltige Probleme und gewaltige Herausforderungen stellen werden.
Und es mag auch durchaus zutreffen, dass vom Menschen verursachte Faktoren wie der CO2-Ausstoß zumindest teilweise dafür ursächlich sind und das bedeutet natürlich auch, dass der Mensch Maßnahmen setzten kann und wohl auch muss, um diese Ursachen zu bekämpfen. Andererseits aber kann dieser Kampf gegen diese Ursachen wohl auch erst über längere Zeiträume, möglicherweise erst in Jahrzehnten, positive Effekte zeitigen. Das sagt uns die Wissenschaft auch und man wird damit andere Faktoren, wie etwa die Sonnenaktivitäten oder Präzessionsaktivitäten der Erdachse, kaum beeinflussen können.
Und damit sind wir wieder bei den Naturgewalten und bei ihrer vom Menschen, auch von der modernen Wissenschaft nicht beeinflussbaren Macht. Seit der biblischen Vertreibung Adams aus dem Paradiese ist es diese Macht und diese Willkür der Naturgewalten, mit der das menschliche Geschlecht schlicht und einfach zu leben hat. Und das hat sich auch im hochtechnisierten, digitalen 21. Jahrhundert im Grundsätzlichen nicht geändert.
Wir können also den CO2-Ausstoß auf null reduzieren, als Menschheit insgesamt Konsumaskese betreiben und der nach wie vor herrschenden Wachstumsideologie abschwören, all das wird die Macht der Naturgewalten und das Leben auf dem Planeten Erde nicht beenden.
Klar ist dennoch: Das schrankenlose Bevölkerungswachstum der letzten Jahre und Jahrzehnte und die anhaltende Wachstumsideologie, dass nur durch Wirtschaftswachstum – immer mehr, immer teurer, immer höher, immer schneller – alle Probleme der Menschheit zu lösen wären, sind Faktoren, welche die katastrophale Intensität der Naturgewalten entsprechend steigern und verstärken. Das Bevölkerungswachstum der Menschheit einzuschränken und das wirtschaftliche Wachstum von Industrie und Produktion, Ressourcenverbrauch zu mäßigen, ist solcherart gewiss ein Gebot der Stunde.
Die Kehrseite dieser Medaille besteht allerdings darin, dass es offenbar Kräfte gibt im globalen Spiel der Macht, die die aktuelle Angst vor der vermeintlichen Klimakatastrophe nützen wollen, um das, was während der Corona-Pandemie bereits begonnen wurde, weiterzuführen, nämlich die zunehmende Reglementierung der Gesellschaft, die Einschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte und die Schaffung eines paternalistischen, tendenziell autoritären Systems für die Zukunft. Und zu diesem Behufe scheinen das Schüren von Ängsten und die mediale Vortäuschung von geradezu apokalyptischen Entwicklungen geeignete Mittel zu sein. Die Menschen – und das hat die Corona-Pandemie bewiesen – sind durch die Schaffung eines gewissen Pegels an gesamtgesellschaftlicher Furcht bereit, derlei Einschränkungen und derlei autoritäre Tendenzen hinzunehmen. Und selbst, wenn man die Klimaveränderungen und ihre punktuell auch katastrophalen Auswirkungen als Realität wahrnimmt und akzeptieren muss, muss man deshalb nicht bereit sein, Einschränkungen der gesellschaftlichen Freiheit hinzunehmen.
Die pragmatische Vernunft würde es viel mehr gebieten, die ganz realen Auswirkungen dieses Klimawandels im Bereich des Zivilschutzes zu bekämpfen und ihnen präventiv zu begegnen. Der Rückbau der Bodenversiegelung, eine vernünftige Deregulierung von Flüssen und Gewässern, das Errichten von Dämmen und Schutzbauten, Bau von erdbebensicheren Gebäuden oder ähnliches, wie die Verstärkung von Zivilschutzmaßnahmen innerhalb der Zivilgesellschaft, wären das Gebot der Stunde, doch das ist den Apokalyptikern aus den Reihen der politisch korrekten und pseudo-grün orientierten Regierungen natürlich zu wenig. Sie bestehen auf der apokalyptischen Version der finalen Klimakatastrophe, die auf die Menschheit zukommen muss.


Unsere Sehnsucht nach der Apokalypse

11. August 2021

Die Mittelmeerküsten brennen. Unbezwingbare Flammenmeere wüten rings um das „Mare Nostrum“, die Menschen stöhnen unter Hitzewellen rund um 40 Grad Celsius, Metropolen wie Athen und Palermo werden vom Flammenmeer bedroht, die Menschen fliehen massenweise. In den Breiten des gemäßigten Klimas in Mitteleuropa wüten Stürme, und Starkregen verursacht Flutwellen mit katastrophalen Hochwässern und Vermurungen.
Der Weltklimarat diagnostiziert bereits eine Erd­erwärmung von mehr als einem Grad, verursacht durch den Menschen, durch die Treibhausgase, heißt es. Und die eineinhalb Grad, auf die sich die letzte internationale Klimakonferenz festgelegt hat, dürften bald erreicht sein und nahezu drei Grad werden prognostiziert, und damit das Abschmelzen der Polkappen und der großen Gletscherschilde in Arktis und Antarktis. Der Golfstrom drohe angeblich zu erliegen, der so etwas wie die Fernheizung für West- und Nordeuropa ist. Wetterextreme, eiskalte kontinentale Winter und unerträgliche Hitzewellen im Sommer seien daher für Europa zu erwarten und natürlich das Ansteigen des Meeresspiegels, die Überflutung aller weltweit küstennahen Regionen. So hohe Dämme könnten die Holländer gar nicht bauen, um dem begegnen zu können, Bangladesch würde vom Erdboden verschwinden und die Malediven wären allenfalls noch als Taucherparadies für den Tourismus nutzbar. Und Hunderte Millionen Klimaflüchtlinge würden die reichen und bislang noch verschonten Gebiete des Globus ins Chaos stürzen.
Soweit die apokalyptische Vision, die uns in diesen Tagen von den Apologeten der Klimakatastrophe präsentiert wird. Und tatsächlich scheinen die geschilderten Naturereignisse diese Dystopien zu stützen. Die Reiter der Apokalypse sind offenbar unterwegs. Und die Natur, der Planet, sie schlägt zurück, zurück auf eine Menschheit, die durch Überbevölkerung, hemmungsloses Wachstum und ebenso hemmungslosen Ressourcenverbrauch die Potenziale ihres Planeten überfordert hat.
Wie pflegt Roland Girtler, der Altmeister der rot–weiß–roten soziologischen Feldforschung zu sagen: Er fürchte nichts auf dieser Welt, außer die Naturgewalten und den Zorn seiner Frau. Letztere ist uns unbekannt, die Naturgewalten sind das hingegen keineswegs. Sie haben tatsächlich in unseren Tagen einen teilweise apokalyptischen Charakter angenommen. Wobei diese Wahrnehmung auch daran liegen dürfte, dass die Naturkatastrophen schlicht und einfach wegen der Überbevölkerung weit mehr Menschen betreffen als in früheren Jahrhunderten und auch daran, dass wir in einem Zeitalter der globalen medialen Berichterstattung leben, die jede Katastrophe gewissermaßen in Echtzeit kommunizierten.
Apokalyptische Ereignisse allerdings begleiten die Menschheit durch ihre gesamte Geschichte. Zugespitzt könnte man sogar behaupten, dass es so etwas wie eine Sehnsucht des Menschen nach der Apokalypse gibt, dass in gewissen Phasen der Menschheitsgeschichte die Apokalypse geradezu herbeigeredet wird. Wir wissen das vom Urchristentum, das die baldige Wiederkehr des Messias und das Weltengericht herbeisehnte. Wir wissen das von den Ereignissen im Abendland gegen das Jahr 1000 nach Christus, als man wähnte, dass nunmehr das Jüngste Gericht hereinbrechen werde. Und wir können das wiedererkennen in unseren Tagen, in denen der ökologisch grundierte Zeitgeist apokalyptische Dystopien thematisiert.
Das aus dem Griechischen kommende Wort Apokalypse bedeutet wörtlich bekanntlich „Entschleierung“, was im Christentum zum Begriff „Offenbarung“ umgedeutet wurde. Eine Offenbarung, die das Gottesgericht und damit den Weltuntergang, Ragnarök im Altgermanischen, darstellen sollte, und in unseren heutigen Terminologie soll der Begriff Apokalypse wohl die Gefahr radikaler Umbrüche mit katastrophalen Folgen schildern. Dabei gibt es die Vorstellung des Endkampfes zwischen Gut und Böse bereits in den altpersischen Luyken, und im alttestamentarischen Judentum existiert die Vorstellung von einem letztgültigen Weltengericht, auf das hin eine neue Welt erschaffen werde. Und sogar im Koran gibt es jene apokalyptischen Suren, die das Ende aller Tage durch Naturkatastrophen und die „Einhüllung der Sonne“, den Lichtverlust der Sterne und das Beben der Berge (sowie die Vernachlässigung trächtiger Kamele, sic!) schildern.
Doch jenseits theologischer Dystopien war die Menschheitsgeschichte immer wieder von ganz realen apokalyptischen Ereignissen begleitet. Die Bewohner von Nagasaki und Hiroshima dürften den Tag, an dem sie mittels der US-amerikanischen Atombombe der Massenvernichtung ausgesetzt waren, gewiss als apokalyptisch empfunden haben. Ebenso die Bewohner Dresdens im Februar 1945 genauso wie die Insassen der NS-Vernichtungslager rund um Auschwitz. Und sicher empfanden die Menschen im Römisch-Deutschen Reich gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs die Zustände als apokalyptisch. Ebenso wie jene, die sich in den Jahren der großen Pest Mitte des 14. Jahrhunderts dem Schwarzen Tod ausgesetzt sahen. Und so ließen sich zahlreiche Beispiele aus der Menschheitsgeschichte zitieren, die für breite Schichten der Bevölkerung eine ganz reale Apokalypse darstellten, eben die Offenbarung des ultimativen Schreckens.
Und so wie jedes menschliche Individuum seiner ganz persönlichen Apokalypse, nämlich dem eigenen physischen Ende, dem eigenen Tod, nicht zu entgehen vermag, kann die Spezies Mensch als solche apokalyptischen Ereignisse, die immer wieder über sie hereinbrechen, nicht entgehen. Es mag Perioden des Friedens, der Ruhe, der Harmonie geben, sie mögen Jahre, Jahrzehnte, ja Generationen andauern, die großen Katastrophen aber sind dennoch – und das beweist die Menschheitsgeschichte – ganz offenbar unausweichlich. Und sie werden eben auch von der Spezies Mensch auch mitverursacht. In unserer Zeitalter der Überbevölkerung und des maßlosen industriellen Wachstums und des ebenso maßlosen Ressourcenverbrauchs mag es der CO2-Ausstoß sein, der über die Erderwärmung zu apokalyptischen Naturkatastrophen führt. Und diesbezüglich hätte der Mensch natürlich auch die Möglichkeit, durch geändertes Verhalten eben jene apokalyptischen Folgen zu verhindern oder zumindest zu vermindern. Da dies aber nur begrenzt geschieht, stellt sich die Frage, ob es nicht auch so etwas wie einen gemeinsamen Todestrieb der Spezies, ein kollektives Bedürfnis nach Selbstvernichtung gibt.
Dies betrifft ja auch andere apokalyptische Ereignisse der Menschheitsgeschichte, die nicht von den Naturgewalten ausgingen, sondern vom Kain-und-Abel-Syndrom des Menschen, vom unauslöschlichen Drang der Spezies zu Zwist, Mord, Kampf und Krieg. Dass die Kriege der Menschheitsgeschichte bis hin zu den wahrlich apokalyptischen beiden Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts von Menschen verursacht, ausgelöst und geführt wurden, steht ja außer Frage. Da gibt es keine Entschuldigung durch Naturgewalten oder göttlicher Fügung, da liegt die einzige Begründung nur in der wölfischen Natur der Spezies Mensch, die er natürlich durch das Geschenk des freien Willens auch mäßigen oder zähmen könnte.
Tatsache ist jedenfalls, dass die Geschichte der Menschheit auf diesem Planeten von apokalyptischen Ereignissen – naturgegeben oder von Menschen verursacht – begleitet wurde und offenbar auch in der Gegenwart und in der Zukunft begleitet wird. Die Unausweislichkeit, ja Gesetzlichkeit dieser Tatsache, entbindet uns allerdings nicht, von der verdammten Pflicht und Schuldigkeit, dagegen anzukämpfen, sei es durch Pazifizierung der menschlichen Gesellschaft und der menschlichen Natur, durch Friedenspolitik oder auch im Hinblick auf die Naturgewalten durch Umweltschutz, Klimaschutz und Naturschutz allgemein. Zu glauben aber, dass man apokalyptische Ereignisse überhaupt ausschließen würde können durch die Schaffung eines „neuen Menschen“, wie es die Linke möchte, oder durch absoluten Naturschutz, muss Illusion bleiben.


Im Kampf um die Zukunftsthemen

10. Juli 2019

Europaweit lässt sich dieser Tage der Niedergang der Sozialdemokratie konstatieren. Der Zustand der bundesdeutschen SPD, ebenso jener der österreichischen SPÖ, zeigt dies wohl am deutlichsten. Beide Parteien, die über nahezu über 150 Jahre an der Spitze der Arbeiterbewegung standen, krebsen in unseren Tagen in Umfragen bei rund 20 Prozent herum. Und sie sind weit davon entfernt, noch Volksparteien im wahrsten Sinne des Wortes zu sein. Eher schon vertreten sie gewerkschaftliche Restbestände im Bereich von sozialdemokratischen Nostalgikern, Pensionisten und Rentnern eben.
Auch der Niedergang der Sozialdemokratie in südlichen Ländern, wie in Griechenland, wo der ultralinke Tsipras dieser Tage abgewählt wurde, oder in Italien bestätigt dieses Phänomen. Dies ändert allerdings nichts daran, dass die Linke nach wie vor die kulturelle Hegemonie quer durch Europa innehat. Zum einen, weil im zivilgesellschaftlichen Bereich eben nahezu alles links orientiert ist und insbesondere die Medien diese Hegemonie tragen, zum anderen, weil es ja bekanntlich zu einer Art Sozialdemokratisierung vormalig christlichsozialer Parteien wie etwa der CDU gekommen ist. Überdies entspricht dem Niedergang der Sozialdemokratie der Höhenflug der Grünen-Bewegungen. Wiewohl die weitgehend schweigende Mehrheit in den meisten europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland und in Österreich, eher wertkonservativ bis rechts eingestellt sein dürfte, funktioniert das linke Lager wie kommunizierende Gefäße: Wenn die Sozialdemokratie schwächelt, werden die Grünen gestärkt.
Wenn dann eine medial dramatisch hochgesteigerte Hysterie um Phänomene wie den Klimawandel  dazukommt, scheint dieser Höhenflug der Grünen kaum aufzuhalten zu sein. Demgemäß fabulieren die Mainstream-Medien schon von einem Vizekanzler Kogler – dem Chef der österreichischen Grünen in Wien – oder einem Bundeskanzler Habeck in Berlin. Das dürfte zwar Wunschdenken bleiben, tatsächlich aber dürften die österreichischen Grünen, die erst vor zwei Jahren schmählich gescheitert sind, ins Parlament zurückkehren und tatsächlich scheint in der Bundesrepublik Deutschland der grüne Vormarsch nicht zu bremsen zu sein.
Jenseits parteitaktischer Überlegungen allerdings gilt zweifellos, dass der strategische Kampf um die großen Zukunftsthemen auch das Schicksal der politischen Parteien und die künftigen Strukturen der politischen Landschaft im deutschsprachigen Mitteleuropa bestimmen wird. Gegenwärtig ist es der Klimawandel, der zur „Klimakrise“ medial hochstilisiert wird, der die Debatte beherrscht. So wie es in Österreich bei den Parlamentswahlen vor zwei Jahren die Migrations- und Integrationsproblematik war, die die politische Debatte beherrschte, ist es nun die sogenannte „Klimakrise“.
Wenn nun patriotische Bewegungen, wie etwa die Freiheitlichen in Österreich oder die AfD in Deutschland, diese Thematik vollständig der Linken bzw. den Grünen überlassen, wäre dies nicht nur taktisch, sondern auch vom Prinzipiellen her höchst unklug. Zweifellos bleiben die Zuwanderungsproblematik und die innere Sicherheit weiterhin zentrale Themen – insbesondere für die Rechte. Klar muss allerdings auch sein, dass Klimaschutz Heimatschutz betrifft. Und Heimatschutz ist eine genuin-rechte und patriotische Aufgabe. Der sprichwörtliche Mythos vom „Deutschen Wald“, das Streben nach naturnahem und gesundem Leben, das Beschränken auf die eigenen Ressourcen, das Bemühen um Selbstversorgung, ja sogar um Autarkie im eigenen Ernährungsbereich, waren nationale wertkonservative Themen; sie sollten es wieder werden! Und als großes zentrales Zukunftsthema der patriotischen Rechten über den Schutz der eigenen heimatlichen Umwelt – inkludiert natürlich auch das eigene heimatliche Klima – den globalen Natur-, Umwelt- und Klimaschutz unterstützen. Dieses Zukunftsthema darf man nicht der spätmarxistischen Linken überlassen.


Paradigmenwechsel

28. Juni 2019

Noch vor zwei Jahren im Nationalratswahlkampf 2017 war die Migrationsproblematik und alles, was damit zusammenhängt, das politische Thema Nummer eins. Und wohl kaum zufällig hatte der nachmalige Wahlsieger Sebastian Kurz mit seiner türkis umgefärbten ÖVP und der Nutzung der freiheitlichen Kernthemen mit der von ihm angekündigten harten Linie dieser Migrationsproblematik die Wahl gewonnen. Er brüstete sich mit der Schließung der Balkanroute, versprach eine Verschärfung des Asylrechts, konsequente Abschiebungen und predigte den rigorosen Schutz der EU-Außengrenzen. Die Zuwanderung ins heimische Sozialsystem wollte er verhindern und Migranten-Kriminalität schärfstens bekämpfen – alles aus dem Forderungskatalog, den die Freiheitlichen Jahre zuvor bereits erhoben haben.
Heute ist das Thema erstaunlicherweise zweitrangig, obwohl keines der damit zusammenhängenden Probleme gelöst ist. Gewiss, der Ansturm Illegaler auf unsere Grenzen ist zurückgegangen.
Die Problematik aber der schier unmöglichen Integration der hunderttausenden Illegalen, die in den letzten Jahren gekommen sind, die Kulturbrüche und die Überlastung unseres Sozialsystems sind nach wie vor drängende und drückende Probleme unseres Landes. Allerdings scheint es kaum jemanden zu kümmern – und schon gar nicht die Medien und die etablierten Parteien, wenn dann beispielsweise beim Wiener Donauinselfest ein wildgewordener Afghane einen Österreicher absticht. Das ist kein Thema, wo es doch plötzlich die angeblich erreichte Klimakatastrophe ist, die zur causa prima, nicht nur in Österreich, sondern quer durch Europa geworden zu sein scheint. Schülerproteste in den Städten Europas, angeführt von einer schwedischen „Säulen-Heiligen“, und der mediale Tsunami mit zahllosen Horrorberichten über eben diese Klimakatastrophe steigern die politische Diskussion. Was Wunder, dass die Grünen zuallererst in der Bundesrepublik Deutschland politisch abheben. Und auch in Österreich werden sie, die erst vor zwei Jahren aus dem Nationalrat geflogen sind – glaubt man den Umfragen – ein glänzendes Comeback feiern. Welches Spielchen dann unser Staatsoberhaupt Alexander der Grüne dann im Umfeld der Regierungsbildung, für die bekanntlich er den Auftrag erteilt, spielen wird, darf man gespannt abwarten.
Fest steht jedenfalls, dass die politische causa prima für den nunmehr anlaufenden Nationalratswahlkampf eben diese Klimapolitik ist. Demgemäß wollen mehr oder weniger alle Parteien Klimapolitik betreiben. So auch die Freiheitlichen, über die sofort die Häme aus den Mainstream-Medien erklang, dass eine Partei, die Tempo 140 auf den Autobahnen und Raucher-Liberalität fordere, wohl kaum grüne Politik betreiben könne. Dass eben diese Freiheitlichen, nämlich das nationalliberale Lager schon aus dem 19. Jahrhundert Naturschutz als Heimatschutz postulierte, ist den heutigen Zeitgeistjüngern natürlich unbekannt. Abgesehen davon aber stellt sich die Frage, was der geschmeidige Herr Sebastian Kurz angesichts dieses Paradigmenwechsels zur zentralen politischen Problematik machen wird. Wird er so wie 2017, als er den Freiheitlichen ihre Themen schlicht und einfach entwendete, dasselbe im Umweltbereich im Hinblick auf die Grünen versuchen? Seine Glaubwürdigkeit dabei dürfte begrenzt sein. Und die Spendenfreudigkeit aus der Wirtschaft, über deren Dimension wir gerade in diesen Tagen aufgeklärt wurden, dürfte für diese Thematik wohl auch enden wollend sein.
Wird Kurz also weiter auf Law and Order und eine verschärfte Migrationspolitik setzen? Auf Leistungsbereitschaft im Arbeitsleben und im Bildungsbereich? Auf Förderung der heimischen Familien? Und auf Sicherheit, auf Opferschutz und auf verschärfte Verfolgung Krimineller? Oder waren das alles nur freiheitliche Forderungen und Regierungsprojekte, die aufgrund der FPÖ vorangetrieben wurden? So gibt es aufgrund des politischen Paradigmenwechsels für den scheinbar so siegessicheren ÖVP-Chef eine Fülle von Problemen, denen er sich wird stellen müssen. Ob da seine Volkspartei, die er ja nach der Übernahme der Obmannschaft von kaum 20 Prozent in den Umfragen auf ein Wahlergebnis von 32 Prozent trimmte, dann wirklich jene Glaubwürdigkeit bei den Wählern haben wird, die Kurz anstrebt, bleibt abzuwarten. Und ob die Freiheitlichen unter Norbert Hofer, die die angesprochenen Themen sowohl als Oppositionspartei in den Jahren davor als auch in den eineinhalb Jahren ihrer Mitregierung ernsthaft angesprochen und bearbeitet haben, wirklich vom Wähler abgestraft werden, ist ebenso ungewiss. Nur die tausendfach stereotype Wiederholung des Ibiza-Videos und der dort getätigten Aussagen wird das politisch-mediale Establishment, an seiner Spitze die türkise Kurz-ÖVP, nicht über die kommende Nationalratswahl retten. So dumm sind die gelernten Österreicher nämlich nicht.