2022 – Wo bleibt der Optimismus?

14. Januar 2022

Den Jahresbeginn begleiten üblicherweise gute Wünsche und gute Vorsätze. Nun könnte man das Sprichwort zitieren: Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Dennoch ist es schon verwunderlich, dass der heurige Jahreswechsel weitgehend mit düsteren, wenn nicht gar apokalyptischen Prognosen begangen wurde. Da waren alle Gazetten voll, und auf allen Kanälen in Funk und Fernsehen hörte man es ebenso, die Omikron-Mutante habe die Herrschaft übernommen und allein in Europa seien schon mehr als Millionen Menschen infiziert. Sie sei derart ansteckend, dass bereits binnen wenigen Tagen auch hierzulande zehntausende Infizierte zu erwarten seien. Und die zweite Horrormeldung: Die EU-Kommission wolle die Atomkraft als grüne Energiequelle klassifizieren lassen. Und dies, so Österreichs nimmermüde grüne Umweltministerin Gewessler, sei der Weg in den Untergang.
Dass derlei Horror-Meldungen nicht gleich eine Welle Suizide ausgelöst haben, ist schon verwunderlich. Massive Magengeschwüre im breiten Teil der Bevölkerung und Massen-Depressionen dürften aber gewiss die Folge sein, denn wenn das der Realität entspräche, stünde uns der schaurige Höhepunkt der Corona-Pandemie unmittelbar bevor, und mittel- und längerfristig dann die nukleare Verseuchung quer über den Kontinent.
Dabei gäbe es natürlich auch eine andere Lesart der beiden zitierten Phänomene. Von Omikron könnte man beispielsweise sagen, dass es der Beweis sei für die geradezu dramatische Abschwächung des Virus und der durch ihn verursachten Krankheitsfolgen. In den aller, allermeisten Fällen verlaufe eine Infektion mit Omikron symptomlos oder eher wie ein mittlerer grippaler Infekt. Allenfalls sei dessen massenhaftes Auftreten noch eine Gefahr für die Infrastruktur. Der Prozentsatz der Hospitalisierungen oder gar der schweren Verläufe auf Intensivstationen und Todesfälle würde sich anteilsmäßig in hohem Maße verringern. Und damit wäre die Pandemie vorbei, wenn man nur nicht täglich zu hunderttausenden quer über das Land testen würde und darüber in geradezu pandemischem Ausmaße in den Medien berichten würde.
Und was das angebliche „greenwashing“ der Atomenergie betrifft, müsste man doch auch einmal nachfragen, ob sich die betreffende Technologie seit den österreichischen Ereignissen rund um Zwentendorf nicht auch weiterentwickelt hätte und ob etwa die neuesten Typen von Kernkraftwerken, wie sie Frankreich zu bauen beabsichtigt, nicht längst einen weit höheren Sicherheitsstatus aufzuweisen hätten als die alten Atomkraftwerke. Könnte es nicht sein, dass das Restrisiko solcher moderner Anlagen weit geringer ist als der CO2-Ausstoß und andere Umweltschäden von energieschaffenden Technologien konventioneller Art?
Aber bei den grünen Apokalyptikern, die derzeit diesbezüglich in Österreich und in Deutschland das Sagen haben, wird man derlei Einsichten natürlich vergeblich erwarten. Vielleicht sollte man einmal tiefenpsychologisch untersuchen, woher diese Sehnsucht nach der Apokalypse bei den Grünen stammt. Liegt es womöglich daran, dass sie unterbewusst derart traumatisiert sind vom welthistorischen identen Scheitern jener marxistischen Ideologie des real existierenden Sozialismus, deren politisches Erbe die neue Linke der 68er-Generation und danach die ultralinken Grünen angetreten haben, dass sie eben auch das Scheitern einer liberalen Gesellschaft und der freien Marktwirtschaft herbeireden wollen? Was weiß man.
Jedenfalls könnte man den Beginn eines neuen Jahres mit größerem Optimismus begehen, sowohl was die Pandemie, als auch was das Energieproblem und damit verbunden die angebliche Klimakatastrophe betrifft.


Angst oder Hoffnung

22. Dezember 2021

Weihnachten – da war doch einmal etwas. Das war doch nicht nur das heimelige Familientreffen in idyllischer Winterlandschaft, das war nicht nur Kaufrausch inmitten von ­neonerleuchteten Weihnachtsmännern und Duracell-Rentieren, das war nicht nur tausendfach „Jingle Bells, Jingle Bells“ auf allem Sendestationen und den Beschallungsanlagen der Supermärkte. Das war doch einst das Fest der Hoffnung, der Hoffnung auf die Ankunft des Messias, der die Menschheit erlösen sollte, ein Fest, bei dem der Stern von Bethlehem der sündigen, der geplagten, der leidenden Menschheit das Licht des Hoffens bescheren sollte.
Diesmal soll es ein Fest der Angst werden. Angst vor der Omikron-Variante, Angst vor einem neuerlichen Lockdown, Angst vor einer neuen Verschärfung der Corona-Maßnahmen.
London habe wegen Omikron den Notstand ausgerufen. In Corona-Vorzeigeländern breite sich die neue Variante sprunghaft aus und auch hierzulande, in Österreich, gebe es auch Dutzende, wenn nicht gar Hunderte Omikron-Fälle. Und diese Mutante des Virus sei um ein Vielfaches ansteckender als die bisherigen und – der eine oder andere Virologen-Guru – wir müssten mit Zehntausendenden täglichen Infektionen rechnen. Die Mainstream-Medien, die etablierte Wissenschaft und die Politik steigern sich in gegenseitigem Wechselspiel in eine Panik hinein, die das Weihnachtsfest zu überschatten droht. Nachdem die Regierung den Menschen für das neue Jahr mit einem Impfzwang droht, ist allerdings die übelste Meldung im Zusammenhang mit Omikron, dass diese Impfung nur mehr bedingt oder gar nicht dagegen schützt, zumindest der erste und zweite Stich nicht. Und erst der dritte Stich, der sogenannte „Booster“, könnte zumindest zu 70 Prozent vor Infektion mit Omikron bewahren. Ob angesichts dieses ernüchternden Befunds der Impfzwang verfassungsrechtlich auch nur einigermaßen zu halten vermag und vor allem, ob man damit die Impfskeptiker damit noch überzeugen kann, sich das Vakzin zu holen, darf bezweifelt werden.
Nachdem Weihnachten aber das Fest der Hoffnung – und nicht der Angst – ist, könnte man den Menschen durch Politik und Medien vielleicht vermitteln, dass es doch gewisse Indizien dafür gibt, dass die neue Corona-Mutante höchstwahrscheinlich eher mildere Verläufe nach sich zieht. Und unentwegte Optimisten meinen sogar, sie könnte sogar der „Gamechanger“ sein, indem sie zu einer weitgehenden Durchseuchung der Bevölkerung sorgt, ohne gleichzeitig das Gesundheitssystem, Krankenhäuser und Intensivstationen zu überlasten. Wir könntene die Herausforderung dieser neuen Corona-Variante mit Vorsicht und Umsicht, mit Klugheit und gegenseitiger Rücksichtnahme überstehen, ohne neuerliche Maßnahmen, ohne Stigmatisierung breiter Bevölkerungskreise und ohne das Neurotisieren unserer Kinder. Weihnachten ist nämlich – wie gesagt – das Fest der Hoffnung und nicht der Angst.


Panikgesetzgebung

15. Dezember 2021

Da wirft eine Ministerin dem Oppositionsführer vor, dass „Blut an seinen Händen“ klebe, und dieser gibt retour: „Sie habe Mist im Hirn.“ Dass diese beiden Politiker, immerhin zweier relativ großer politischen Parteien, wohl nie mehr konstruktiv miteinander reden werden können, ist klar. Da gab es keine sachliche Auseinandersetzung, keine Meinungsdifferenz, da gibt es nur persönliche Beleidigung und Kränkung.
Und so wie an der Spitze der politischen Pyramide verhält es sich in der breiten Bevölkerung. Da gibt es für die Geimpften wieder Freiräume, der Lockdown ist zu Ende, die Ungeimpften haben weiter Ausgangsverbot. Da sorgt die Regierung offenbar ganz gezielt für die Ausgrenzung immerhin eines Drittels der österreichischen Bevölkerung, und in dieser selbst wachsen die Kluft und die Wut auch.
In Kreisen der Geimpften, so hört man immer wieder, wächst der Groll über die Ungeimpften, denen sie angeblich die Fortdauer der Pandemie zu verdanken hätten. Und für die Fanatiker unter den Ungeimpften sind die Geimpften gewissermaßen totgeweiht, und jene Ärzte, die sie impfen, Mörder.
Und in den Sozialen Medien im Internet, dieser Kampfstätte der ungefilterten und unkontrollierten Meinungs-Brutalos, wächst der Unmut von Tag zu Tag.
Und ebenso auf der Straße, wo es wöchentlich zu gewaltigen Demonstrationen jenes Teils der Bevölkerung kommt, der gegen das Zwangsregime der Regierung auftritt. Auch bei ihnen gibt es an den extremen Rändern Hasserfüllte. Und andererseits schlägt ihnen von den Medien und von den etablierten politischen Bereichen ihrerseits wiederum Hass entgegen.
Eine zunehmend gespaltene Gesellschaft also, und dieser Befund ist nicht neu, er ist jeden Tag in den Gazetten zu lesen und wird von den politischen Exponenten, bis hin zum Bundespräsidenten, häufig bemüht. Doch wer macht etwas dagegen?
Die etablierten Medien schüren diese Konflikte, die Regierungspolitik ist offenbar vom Groll gegen die aus ihrer Sicht Unbelehrbaren geprägt.
Und die Freiheitlichen, die ja in dieser Frage die einzige Opposition sind, sehen in diesem Alleinstellungsmerkmal breite Massen von Wählern, die für sie zu vereinnahmen sind, zu denen sie zuvor keinen Zugang hatten.
Nun ist ein Schneeball – in den Mainstream-Gazetten heißt es ein Eisbrocken –, der auf einen Journalisten bei einer Demo geworfen wird, längst kein Bürgerkrieg, und es ist bewundernswürdig, wie friedlich im Grunde diese Großdemonstrationen mit zehntausenden Menschen verlaufen. Kaum Übergriffe, kaum Sachschäden, kaum Gewalt und auch keine Eskalation von Seiten der Exekutive.
Dennoch ist es für Österreich, das über Jahrzehnte in der Zweiten Republik von friedlicher Konsenspolitik und im Wesentlichen vom parlamentarischen Interessensausgleich geprägt war, ein Novum, dass hier Woche für Woche in der Bundeshauptstadt, aber auch in anderen größeren Städten des Landes Zehntausende gegen die Regierung demonstrieren. Dies kannte man allenfalls in deutlich kleineren Ausmaß von den Donnerstagsdemonstrationen gegen die erste schwarz–blaue Koali­tion unter Wolfgang Schüssel und von den ultralinken Krawallen gegen den Opernball oder den Ball des Wiener Korporationsringes. Nun kommen die derzeitigen Demonstrationen aus der Mitte der Gesellschaft und wohl auch von Rechts gegen die Regierung und gegen die Mainstream-Medien, denen die Demonstranten „Fake News“ vorwerfen.
Das Demonstrationsrecht ist ein demokratisches Grundrecht, und demokratischer Widerstand gegen Zwangsmaßnahmen, wie es die Zwangsimpfung zweifellos ist, ist legitim, ist ein Teil unseres demokratischen Gefüges. Und die Regierung solltebedenken, dass man die Zahl derer, die auf die Straße gehen, wohl mal zehn hochrechnen muss, dass hier für hunderttausend, die demonstrieren, wohl mindestens eine Million im schweigenden Bereich existieren, die genau so denken. Die gegenseitigen Aversionen aber, die Wut, die dahinter steht, die sollte man nicht weiter wachsen lassen.
Diese Spirale gilt es, ehestmöglich zu durchbrechen. In erster Linie ist hier wohl die Regierung in der Pflicht, die schnellstens einsehen sollte, dass sie nicht jene Teile der Bevölkerung, die nicht bedingungslos ihren Maßnahmen folgen, ausgrenzen und diffamieren darf. Und auch die Coronamaßnahmen-feindliche Opposition wäre gut beraten, eine Politik der Vernunft und des Ausgleichs einzuschlagen. Österreich ist kein Land, das auf Dauer von wechselseitigem Aggressionen beherrscht werden sollte.


Andreas Mölzer – In eigener Sache

9. Dezember 2021

Mit 69 Jahren, Teil einer Hochrisikogruppe, nach einer Pankreaskarzinomoperation, mit Diabetes mellitus und dadurch dramatisch geschwächtem Immunsystem habe ich mich im Mai/Juni 2021 zwei Mal mit AstraZeneca impfen lassen. Trotz Einhaltung aller gebotenen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen infizierte ich mich im November nun mit Covid19.
• Einerseits fühlte ich mich wegen der mangelnden Wirksamkeit der Impfung betrogen.
• Andererseits muss ich annehmen, dass ich ohne die Impfung auf der Intensivstation gelandet wäre.
• Zwar konnte ich eine Hospitalisierung vermeiden, hatte aber einen höchst unangenehmen Verlauf mit totaler Schwäche, Fieber und beginnender Atemnot.
• Und ich erhielt dabei keinerlei Medikamentation und keine ärztliche Betreuung, konnte aber doch genesen.

Vor diesen persönlichen Hintergrund beteilige ich mich als Publizist an der politischen Debatte um die Corona-Maßnahmen der Regierung.
• Dabei habe ich in den mir zur Verfügung stehenden Medien („ZurZeit“, „Junge Freiheit“, „Oe24tv“, etc. …) die politische Linie der FPÖ, insbesondere Herbert Kickls „Plan B“ zwar differenziert, aber konsequent verteidigt.
• Das Ende des Zwangsregimes, flächendeckende Antikörper-Erhebung und frühzeitige medikamentöse Behandlung, durchaus verbunden mit positiver Akzeptanz der Impfung – als der „Plan B“ – erscheint mir ein vernünftiges Konzept zu sein.
• Die Impfung ist allerdings kein Allheilmittel und sollte freiwillig und beim Hausarzt erfolgen. Und ein Impfzwang ist wie jede Zwangsmaßnahme abzulehnen. Der demokratische Protest dagegen – auch bei Demonstrationen auf der Straße – ist absolut legitim!

Wenn nun in einer Sendung des ORF („Report“ vom 30. November 2021 und Ö1, Morgenjournal vom 1. Dezember 2021) aus einem halbstündigen Interview, in dem ich genau diese Absichten vertreten habe, einige Halbsätze herausgeschnitten werden, die den Eindruck vermitteln sollen, ich sei für den Impfzwang und gegen den Widerstand gegenüber den Regierungsmaßnahmen, so ist dies absolut irreführend.
• Tatsache ist, dass ich gegen den Impfzwang bin, allerdings auf Grund meines persönlichen Erlebens für eine Steigerung der Impfquote eintrete, um schwere Verläufe möglichst zu vermeiden.
• Tatsache ist weiters, dass ich den Protest und den Widerstand gegen das Corona-Regime der Regierung für absolut legitim und notwendig halte, solange dies friedlich und regelkonform erfolgt.
• Die Nichtbefolgung von demokratisch korrekt zu Stande gekommenen Gesetzen – auch wenn es Corona-Maßnahmen der Regierung betrifft – ist allerdings Rechtsbruch, den ich ablehne!

Was die erste Reaktion der FPÖ-Spitze auf meine solcherart entstellten Aussagen im ORF-Report betrifft, wonach diese „der DNA der FPÖ“ zuwider liefen, so halte ich auf diesem Wege fest:
• Als einer, der beinahe 50 Jahre Mitglied dieser Partei ist und sich von Berufs wegen als Publizist über Jahrzehnte und intensiv mit der dogmengeschichtlichen Einordnung des nationalliberalen Lagers und seiner politischen Parteien befasst hat, bin ich der Meinung, dass die DNA derselben primär auf der Meinungsfreiheit basiert.
• Die FPÖ kann keine linke Kaderpartei sein, bei der jeder Inhalt und jede politische Aussage von irgend­einem Zentralkomitee vorgegeben ist. Und wohin „message control“ führt, hat uns jüngst die türkise ÖVP demonstriert. Bei uns sollten das freie Wort und der tolerante und offene Diskurs herrschen.
• Das Dritte Lager und damit auch die FPÖ waren immer in hohem Maße wissenschaftsaffin. Für die Geisteswissenschaften forderte man daher die absolute Freiheit der Forschung und Lehre. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften wurden in unserem Bereich stets mit großem Interesse diskutiert und rezipiert. Daher sollten sich die Freiheitlichen davor hüten, in ein Klima der Wissenschaftsfeindlichkeit abzugleiten!
• Die Frage der Bürgerrechte und der Einschränkung der Grundrechte durch das Corona-Regime der Regierung als zentrale politische Problematik unserer Tage ist schlechthin die Herausforderung für eine freiheitliche Oppositionspartei. Die Beurteilung von Impfstoffen und Medikamenten hingegen ist nicht Aufgabe einer politischen Partei.


Der Narrentanz der Konformisten

1. Dezember 2021

Über die Versuchungen des Zeitgeists und des Opportunismus

Die meisten Menschen sind gerne „bei den Mehreren“, also bei der Mehrheit, bei denen, die das Sagen haben, die Unterstützung der Medien haben und dem jeweiligen Zeitgeist entsprechen. Die Ausnahme sind nur jene Menschen, die gewissermaßen mit so etwas wie einem Querulanten-Gen gesegnet sind, Nonkonformisten also, Widerspruchsgeister, Nonkonformisten eben. Wenn man das Phänomen im historischen Querschnitt untersucht, dann ist dabei nicht so sehr die Psychologie des Menschen interessant, dieser reagiert im Wesentlichen immer ähnlich, es geht vielmehr darum, welcher Art von Zeitgeist sich der Mensch da opportunistisch und konformistisch unterordnet. Die Verhaltensweisen des Individuums und der Gruppe, von der Familie bis hin zum Volk, zur Nation, folgen jeglichem Muster. Einerseits ist da die Individualpsychologie, andererseits die Psychologie der Massen, die dieses Verhalten bestimmt. Ändern tun sich dabei nur die Uniformen, die Zeitumstände, der gesellschaftliche Hintergrund, der Mensch selbst nur im geringen Maße.
Wenn man heute Aufmärsche aus der Kaiserzeit sieht, die Uniformierung und Disziplin der Menschen, erscheint uns das lächerlich. Wenn wir Heinrich Manns Roman „Der Untergang“ lesen und die „devote Seele“ des Diederich Heßling betrachten, glauben wir in einer gewissen Arroganz, dass solcher Untertanengeist der Vergangenheit angehört und wir so aufgeklärt, tolerant und weltoffen, wie wir uns wähnen, in keiner Weise gefährdet wären, uns ähnlich zu verhalten.
Großer Irrtum. Der Untertanengeist der alten feudalen Gesellschaft, danach die radikale Uniformierung der Menschen in den Ideologien der Zwischenkriegszeit, in Bolschewismus und Faschismus, all das entsprach dem damaligen Zeitgeist und der Verdacht liegt nahe, dass jene Charaktere, die den damaligen Zeitgeist kritiklos frönten, mit dem seinerzeitigen Zeitgeist in der Monarchie oder in der Zwischenkriegszeit auch die totalitären Systemen ähnlich gehuldigt hätten.
Man muss sich nicht Qualtingers „Herr Karl“ zu Gemüte führen, um zu erkennen, in welch hohem Maßen der Opportunismus an den jeweiligen Zeitgeist und den Konformismus die Mehrheit der Menschen in jenen Zeiten motiviert hat, die von uns als düster, dunkel und totalitär qualifiziert werden. Der Faschist in uns als autoritärer Typus mit narzisstischem Charakter mag ein zeitloses menschliches Phänomen sein, Tatsache ist aber, dass der Zeitgeist der 20er und 30er Jahre des vormaligen Jahrhunderts, als Faschismus und Nationalsozialismus in aller Munde war, von jenen Charakteren, die zum Konformismus neigen, mindestens in ebenso hohen Maße mit Begeisterung getragen wurde, wie dies auch für den heutigen Zeitgeist typisch ist.
Eine Zivilreligion wie etwa der Klimaschutz und allgemein die political correctnes funktioniert heute nach ähnlichen Mustern wie der Faschismus als Zivilreligion der 20er Jahre oder der feudale Untertanengeist und vaterländische Patriotismus als Zivilreligion des 19. Jahrhunderts. Da gibt es Dogmen, Kultstätten, Säulenheilige und jede Menge Gläubige, und es gibt natürlich für jede dieser Zivilreligionen, wie heute dem Klimaschutz, so damals für Gott, Kaiser und Vaterland Rituale, Festtage und Veranstaltungen, bei denen das Individuum und die Masse in das jeweilige Gedankengebäude integriert werden. „Black Lives Matter“-Demonstration in irgendeiner US-amerikanischen Großstadt sind gewiss von ähnlich rationalem Denken getragen wie eine Militärparade vor dem Ersten Weltkrieg. Und ein Grünen-Parteitag, in welchem deutschen Bundesland auch immer, ist gewiss von kaum größerem Geist der Toleranz durchflutet als ein NVA-Aufmarsch am 1. Mai im damaligen Ostberlin – könnte man zynisch annehmen.
Tatsache ist, dass die jeweilige Zivilreligion und der jeweilige Zeitgeist, sei nun die political correctnes unserer Tage, der vaterländische Patriotismus der Monarchie oder der Rassismus der NS-Zeit, von der Mehrheit nicht hinterfragt wird und kritiklos als gegeben, als alleinseligmachende Wahrheit akzeptiert wird. Und der Mensch als soziales Wesen, im gewissen Sinne als Herdentier, neigt dazu, sich die entsprechenden Denkweisen in zu hohen Maße zu eigen zu machen, dass Kritik an dieser jeweiligen Zivilreligion und Kritiker derselben als abwegig, wenn nicht gar als verbrecherisch oder geisteskrank empfunden werden. Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist, dass beispielsweise Dissidenten des Sowjetkommunismus nicht im Gulag endeten, sondern auf der Psychiatrie festgehalten wurden. Und auch heute sieht man, dass die Neigung, nach diesem Verhaltensmuster dissidente und nonkonformistische Kräfte zu behandeln, ungebrochen existiert. Die Kritiker der Corona-Maßnahmen etwa in unseren Tagen werden leicht und allzu oft als Aluhut-Träger, Narren und Esoteriker abgetan.
Die Adepten und Jünger des jeweiligen Zeitgeistes hingegen, und in unseren Tagen ist es zweifellos der politisch korrekte Klimaschutz, geht völlig unreflektiert davon aus, dass sie die alleinseligmachende Wahrheit ihr eigen nennen können und dass das, was sie vertreten, in keiner Weise zur Disposition oder zur Diskussion stehen dürfe. Verräterisch ist in diesem Zusammenhang auch die Terminologie. Heute sind es „Klima-Leugner“ und „Corona-Leugner“, die von den Jüngern des herrschenden Zeitgeistes an den Pranger gestellt werden. Die Kriterien der herkömmlichen Logik von These, Antithese und Synthese und die allgemein anerkannten Gesetze der Wissenschaft, wonach jedes Aktion hinterfragt, überprüft und auch kritisiert werden darf, dürfen natürlich im Zusammenhang mit dieser herrschenden Zivilreligion in keiner Weise abgewendet werden. Allein der Versuch dies zu tun, wird bereits als Ketzerei gegen den Zeitgeist empfunden und entsprechend pönalisiert.
Besonders grotesk ist dies deshalb, da wir ja heute nicht im finsteren Mittelalter sind – so glauben wir zumindest. Wenn man aufgeklärt, tolerant, umfassend informiert und wissenschaftsbasiert ist wie wir es heute von uns annehmen, ist es umso grotesker, wenn Dogmen nicht mehr hinterfragt werden dürfen und Glaubenssätze keiner Diskussion unterworfen werden sollen.
Dass im 15., 16., 17. Jahrhundert um theologische Fragen blutige Kriege tobten, ist für uns insofern nicht verständlich, als wir ja davon ausgehen, dass dies dem Zeitgeist vor der Aufklärung entsprach. Dass heute Intoleranz und dogmatisches Verhalten triumphieren, ist hingegen wesentlich schwerer verständlich und erscheint im weitführenden Maße paradox.
Gerade in den letzten Jahrzehnten ist feststellbar, dass diese dogmatische Erstarrung und Verfestigung in den zeitgeistigen Gesellschaftsschichten um sich greift und immer stärker wird. Grüne Zeitgeistjünger und Kulturbolschewisten aller Facetten sind in unseren Breiten längst nicht mehr in der Lage und willens, mit Andersdenkenden zu diskutieren oder sich überhaupt mit ihnen auseinanderzusetzen. Der Faschist, der Rassist, der Antisemit, der xenophobe Nazi und zu guter Letzt eben auch der Corona-Leugner und Klima-Leugner wird nicht mehr als Mensch, geschweige denn als gleichberechtigter Mitbürger empfunden, er gehört viel mehr einer Spezies an, die umerzogen, oder eingesperrt gehört. Demokratischer Pluralismus, eine Vielfalt der Argumente und des Denkens der ideologischen Einstellungen sind längst nicht mehr erwünscht und schon gar nicht mehr denkbar.
Der Narrentanz der Zeitgeist-Konformisten hat die Gesellschaft erfasst – nicht nur im deutschsprachigen Mitteleuropa, wohl auch insgesamt in der westlichen Welt.


Das Panikorchester geigt auf

1. Dezember 2021

Inzidenzen im nahezu astronomischen Bereich, volle Covid-Stationen und berstende Intensivstationen, Lockdown für Ungeimpfte, Lockdown für alle und zu guter Letzt eine neue Viren-Mutation, von der natürlich das Schlimmste und Katastrophalste angenommen wird.
Das Panikorchester, an seiner Spitze die politischen Laiendarsteller, der gräfliche Bundeskanzler, der Hausarzt der Grünen und Turnschuhträger, blies uns gehörig den Marsch. Es ist allerdings ein dissonanter Marsch, den dieses Panikorchester da von sich gibt. Zwölftonmusik, Alban Berg könnte man meinen, schrill, aber auf jeden Fall angsteinflößend.
Die Medien machen brav mit, keine Gazette ohne Corona-Headline, und auf den TV-Sendern ist das Virus längst konkurrenzloser Shootingstar. Und die Menschen lassen sich davon beeinflussen und beeindrucken, so wie man im Sommer kollektiv aufgeatmet hat und meinte, sorglos sein zu können, allzumal uns der damalige Bundeskanzler ja versicherte, dass die Pandemie vorbei sei. So sind die Leute nunmehr wieder in kollektiven Angstkrämpfen verfangen.
Das beste Beispiel ist das neue Virus, benannt nach dem griechischen Alphabet, was für sie schon bedrohlich klingt, wie ein Alien-Monster aus einem Science-Fiction-Film. Und da heißt es sofort, dass es hundert Mal infektiöser ist als die bisherige Variante. Dabei sagte man dieser bereits nach, dass sie ultimativ ansteckend wäre. Das Horrorbild der Nutzlosigkeit der Impfung gegenüber dem neuen Virus wird an die Wand gemalt, ganz so, als wäre es nicht schlimm genug, dass sich zunehmend herausstellt, dass die Impfung insgesamt nur beschränkten Nutzen hat. Und natürlich wird auch sofort angenommen, dass die Krankheitsbilder, die die neue Virusvariante hervorruft, wesentlich schlimmer seien als die bisherigen. Stimmen der Vernunft und die der Tiroler Chefvirologin von Laer verhallten nahezu ungehört.
Fairerweise muss gesagt werden, dass manches an den gegenwärtigen Corona-Zuständen tatsächlich beängstigend ist. Wie etwa kann es ein, dass wir im heurigen November höhere Infektionszahlen haben, als wir sie vor einem Jahr hatten, als noch kein Mensch geimpft war. Und wie kann es sein, dass wir nach zwei Jahren Pandemie noch immer einen Mangel an Intensivbetten und Intensivpflegern haben, wo das reiche Österreich genug Möglichkeit gehabt hätte, Intensivbetten zu beschaffen beziehungsweise anzukaufen und in zwei Jahren wäre es auch möglich gewesen, unter entsprechend guten finanziellen Bedingungen qualifiziertes Pflegepersonal nachzuschulen.
Und da fragt sich der Bürger eben, wie kann das sein, dass das nach wie vor nicht funktionieren kann? Wer ist dafür verantwortlich? Wo sind die Dilettanten in der Regierung, die dafür zuständig wären? Der eine ist ins Burnout geflüchtet und spielt sich nunmehr als Ratgeber und Buchautor auf, der Herr Anschober, an den sich kaum einer erinnert. Und der andere, der vormalige Bundeskanzler, ist in die Papa-Karenz geflüchtet, was ihn wohl vor den Nachstellungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatanwaltschaft nicht schützen wird. Beide jedenfalls, die bis zum Sommer das wesentliche Sagen hatten in der Corona-Krise, übernehmen selbstverständlich keinerlei Verantwortung für all die Fehlentwicklungen.
Und so bleibt den Österreichern eben nur übrig, sich dem dissonanten Konzert des Panikorchesters widerstandslos zu ergeben und sich Tag für Tag die Unsinnigkeiten, Widersprüchlichkeiten und Planlosigkeiten zu Gemüte zu führen, die die hohen Herren aus der Politik bei ihren Pressekonferenzen so zum Besten geben. Der gelernte Österreicher sagt sich bereits, zu Ende sein wird das erst sein, wenn alle infiziert waren und das Virus so vielleicht, wie vor 100 Jahren die Spanische Grippe, irgendwann erschlafft, ermüdet und von selber aufgibt. Die staatlichen Maßnahmen und auch die großen Heilsversprechen der Pharmaindustrie – scheinen jedenfalls nicht, die Pandemie zu einem Ende zu bringen.


Politik in der Quarantäne

17. November 2021

Corona, Corona auf allen Kanälen, in allen Gazetten

Die 2G-Regel, die 3G-Regel, Lockdown und Quarantäne, Impfpflicht – ob für bestimmte Berufsgruppen oder generell – das sind die Fragen, die dieser Tage das Land beschäftigen. Die meisten Menschen haben ob der Vielfalt und der Kurzlebigkeit der Verordnungen längst den Überblick verloren, was erlaubt ist, und was nicht. Was zählen da die Skandale von gestern, wer interessiert sich angesichts der Erregungen von heute noch dafür. Der ruhmlose Abtritt des vormaligen Bundeskanzlers und nach wie vor als ÖVP-Chef Amtierende ist beinahe schon in Vergessenheit geraten. Das erstinstanzliche Urteil gegen den vormaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, die Verurteilung des einstigen Finanzministers Karl-Heinz Grasser, wer entsinnt sich noch des jeweiligen Strafmaßes, wenn ein Skandal den nächsten jagt? Die Betroffenen, insbesondere der türkise Ex-Kanzler, dürften dies sogar als gewisse Erleichterung verspüren. Kaum jemand empört sich, auch nicht in den Medien, ob des ihm vorgeworfenen Fehlverhaltens. Alle reden über den neuen Lockdown und die Spaltung der Gesellschaft in Geimpfte und Ungeimpfte. Allein die Politik schläft nicht, auch nicht in Zeiten der Pandemie und der Seuche. Und insbesondere den jeweiligen Parteistrategen dürfte klar sein, dass unser aristokratisch näselnder Bundeskanzler keine Dauerlösung sein dürfte. Angesichts der Ereignisse rund um den Sturz von Sebastian Kurz halten sich die Sympathie und Kooperationsgemeinschaft zwischen den beiden Koalitionspartnern, zwischen Schwarz–Türkis und Grün, zweifellos in höchst erträglichen Grenzen. Beide Teile dürften vielmehr auf den günstigsten Moment für einen Absprung warten. Und dies ist gegenwärtig für die ÖVP – aufgrund der dramatisch gesunkenen Umfragewerte – sicherlich nicht der Fall. Noch nicht. Sebastian Kurz werkt indessen hinter den Kulissen an seinem Comeback. Das dieser Tage vorgelegte Gutachten eines renommierten Strafrechtlers, das die Vorgehensweise der ultralinken Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zerpflückt, ist sicher ein wesentlicher Schritt dazu. Wieweit er die ÖVP-Granden, insbesondere die Landeshauptleute, überzeugen kann, dass er die einzige Option als künftiger Spitzenkandidat ist, bleibt abzuwarten.
Die Grünen suhlen sich intern zweifellos im Wohlgefühl, in der Causa Kurz obsiegt zu haben. Und wenn der grüne Bundespräsident und der grüne Vizekanzler bei Staatsakten in diesen Tagen die erste Geige spielen, sieht es beinahe so aus, als würde die 10-Prozent-Partei die Republik dominieren. Ein Trugbild, zweifellos.
Die Spindoktoren aber, von SPÖ, Grünen, NEOS und deren journalistische Helfershelfer, arbeiten zweifellos auf eine neue linksorientierte Regierungskoalition hin. So wie in Deutschland, wo SPD, Grüne und Liberale eine Regierungskoalition bilden, soll es auch in Österreich kommen.
Die Sozialdemokraten unter Pamela Rendi-Wagner würden mit grüner Mithilfe und Neos-Assistenz allzu gerne auch hierzulande eine Links-Regierung bilden, wobei dieser Tage verdächtigerweise immer wieder der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig als möglicher Kanzler einer solchen Koalition genannt wird.
Und die Freiheitlichen des Herbert Kickl? Sie sind die einzigen, die den chaotischen Corona-Maßnahmen der gegenwärtigen Regierung Paroli bieten. Ihr Eintreten für Bürgerfreiheiten und gegen Zwangsmaßnahmen ist zweifellos legitim und entspricht der liberalen Tradition des Dritten Lagers. In der gegenwärtigen Situation allerdings laufen sie Gefahr, damit allzu sehr ins Fahrwasser irrationaler Wissenschaftsfeindlichkeit zu geraten, wie sie früher nur von Esoterikern und ähnlichen Menschen gepflogen wurde. Und so ganz am Rande hat sich da in der zweitgrößten Stadt des Landes noch eine Linksregierung der speziellen Art etabliert. Graz hat nunmehr eine von Grünen und Sozialdemokraten unterstützte kommunistische Bürgermeisterin. Und diese hat bei Amtsantritt so ganz nebenbei erklärt, sie wolle die Stadt im Sinne der „besten Traditionen ihrer Bewegung“ führen.
Was meint die Dame mit den „besten Traditionen“ des Kommunismus? Die Säuberungen Josef Stalins in der Sowjetunion in den Dreißigerjahren? Maos Kulturrevolution in China oder Pol Pots Steinzeitkommunismus in Kambodscha? Vielleicht den Panzerkommunismus, der 1968 den Prager Frühling niederwalzte? Oder vielleicht doch nur die Ausstattung der Grazer Substandardwohnungen mit neuen Sanitärgeräten, wie es die KPÖ seit einigen Jahren als Inhaberin eines milliardenschweren Industriekonsortiums locker machen kann?
Fragen, die in Österreich weder die Journalisten noch die Vertreter der Linksparteien aufwerfen. Fragen, die in Tagen des Corona-Chaos auch allgemein wenig Interesse hervorrufen dürften.


Ein Plan, wo alle planlos sind

11. November 2021

Da tritt einer vor die Medien, um in unseren Tagen, in der Zeit der voll aufbrandenden vierten Coronawelle, ein Konzept zur Bewältigung dieser Krise zu präsentieren. Und er meint, dass Impfen gut und recht sei, dass sie auch nütze, aber längst nicht in dem Maße, wie man vor wenigen Monaten, am Beginn der Impfaktion den Menschen versprochen hätte. Dass man allerdings nicht in Supermärkten, Discotheken und Lagerhallen impfen solle, sondern beim Arzt, und jene Menschen, die das freiwillig für sich wollten.
Und zweitens meint er, nicht der Impfstatus sei das, was wichtig sei, sondern der Immunstatus, weshalb man überprüfen solle, wie es um diesen innerhalb der Bevölkerung stünde. Wodurch die Immunabwehr herbeigeführt worden sei, durch vorhergehende Infektion, durch Impfung oder schlicht und einfach durch ein entsprechend starkes Immunsystem, sei zweitrangig. Und drittens meint er, man müsse doch vermehrt in die Entwicklung von Corona-Medikamenten investieren und überdies gebe es solche bereits, die man frühzeitig bei infizierten Patienten anwenden müsse. Es gehe doch nicht an, dass Menschen einen positiven Corona-Test erhielten und dann tagelang zu Hause alleine isoliert bleiben müssten, ohne Behandlung, bis sie dann ins Krankenhaus wegen schwerer Verläufe kämen.
Der, der diese durchaus vernünftigen Überlegungen unter dem Titel „Plan B2“ dieser Tage präsentierte, war der Oppositionsführer Herbert Kickl. Und sofort musste er sich als Scharlatan, Impfgegner und Coronaleugner abqualifizieren lassen. Geradezu reflexartig stießen die Mainstreammedien und die etablierten Parteien in dasselbe Horn, Kickls Plan B sei „B, wie bescheuert“.
In Tagen, da sich kein Mensch mehr auskennt und die längst abgestumpfte Bevölkerung nur mehr widerwillig in den Gazetten die Doppelseiten mit der Berichterstattung über die Corona-Maßnahmen liest, ist Kickls Plan immerhin so etwas wie ein nüchterner und vernünftiger Ansatz, die Dinge in den Griff zu bekommen. Denn eines, das Kickl sagt, stimmt auch: Die Regierung hat offenbar in der Coronabekämpfung längst die Kontrolle verloren. Wie das Kaninchen auf die Schlange starren die Regierenden auf die explosionsartig steigenden Infektionszahlen und verkünden unsinnige Parolen. Über die 3G-Regel über die 2-1/2-G-Regel zur 2-G-Regel, wobei kaum mehr jemand weiß, was all das bedeuten soll.
Was ist denn die Nacht­gastronomie? Das Kaffeehaus nach Einbruch der Dunkelheit oder die Disco um vier Uhr morgens? Welche Veranstaltungen mit wie vielen Leuten mit zugewiesenen Sitzplätzen darf man besuchen – oder auch nicht? Und dann gibt es da noch die diversen Impfempfehlungen? Nach wie vielen Monaten muss man sich denn den dritten Stich holen nach AstraZeneca, nach Johnson, nach Moderna? Da mag sich der gelernte Österreicher denken: „Leck Buckel, habt’s mich gern!“, überblättert die Coronaseiten in den Gazetten und zippt im Fernseher auf den nächsten Sender, wenn der Gesundheitsminister, der Innenminister oder einer der Haus- und Hofvirologen auf den Schirm kommt.
Und genausowenig nimmt er die Versuche des etablierten, politisch-medialen Komplexes wahr, Kickls Plan B lächerlich zu machen. Wenn da etwa geäußert wird, der FPÖ-Chef wolle Entwurmungsmittel für Pferde zur Coronabehandlung einsetzen, dann weiß eben dieser gelernte Österreicher, was er davon zu halten hat. Dass auch Schweine Antibiotika bekommen, sagt nämlich nichts dagegen aus, dass eben diese Antibiotika auch bei Menschen eingesetzt werden. Und dass die Vitamine C, D und Zink das Immunsystem stärken und ein gesundes Immunsystem auch zur Abwehr von Coronainfektionen dienlich sein kann, ist auch durchaus vernünftig. Das wissen die Menschen schon, da können die reflexartigen Abqualifizierungen freiheitlicher Vorschläge nichts daran ändern.


Gamechanger, Booster und Turbobooster

11. November 2021

Die Pharmaindustrie, die Impf-Lobby und wir ­geimpfte Melkkühe

Ach, was hörten wir da an Schalmeienklängen vom Bundeskanzler, vom Gesundheitsminister, von den diversen Virologen und Epidemiologen: Mit der Impfung, da hätten wir den Gamechanger, und für die Geimpften würde dann das ganz normale Leben beginnen. Die Impfung habe gewiss keine negativen Folgen, allenfalls ein wenig Schmerzen im Oberarm und für eine Nacht ein bisschen Kopfweh, und wenn man sie nur habe, wäre man immun, könne sich frei bewegen, weil man mutmaßlich auch niemanden mehr anstecken würde.
Schalmeienklänge und samt und sonders Fehleinschätzungen, wie wir heute wissen. Die Impfdurchbrüche häufen sich, es gibt sogar Tote, die zwei Mal geimpft wurden. Von wegen immun kann keine Rede sein, und es wird wohl nicht lange dauern, bis Geimpfte genauso behandelt werden wie Ungeimpfte: Maske tragen müssen, sich testen lassen müssen und nur unter größten Sicherheitsvorkehrungen in der Öffentlichkeit auftreten werden können.
Nunmehr allerdings gibt es nach dem „Gamechanger“, der die Impfung ja sein sollte, den „Booster“. Die dritte Impfung, die – ex oriente lux – nach israelischen Studien ganz sicheren Schutz gegen das Coronavirus bieten solle und – so hört man schon weniger überzeugend – auch nachhaltig und lange wirksam sein solle. Zuerst hieß es, nur gefährdete Personen, solche über 65, sollten sich den dritten Stich holen, und das auch erst nach sechs bis neun Monaten. Jetzt heißt es, dass bereits ab 18 dieser dritte Stich sinnvoll sei und auch möglichst rasch konsumiert werden solle. Die Neben- oder Folgewirkungen dieses dritten Stichs seien nicht schlimmer als die des zweiten, heißt es. Eine Meldung, über die man wohl nicht wirklich erfreut sein kann, wenn man so hört, was es an Impffolgen nach diesem zweiten Stich gegeben hat.
Aber bitte, wir kleinen Schafe in der großen Hammelherde – oder vielleicht sind wir auch nur Lemminge – werden nunmehr ein drittes Mal zum Arzt oder in die Impfzentren pilgern und uns den Stich geben lassen. Aber bereits heute müssen wir uns ja sagen lassen, dass allein dieser dritte Stich die vierte Corona-Welle, in deren Anfang wir stehen, nicht wirklich wird bekämpfen können. Was wird also trotz dieses dritten Stichs auf uns zukommen, und bleibt dies der letzte Stich, wird es einen vierten, fünften oder sechsten Stich geben müssen? Fragen über Fragen, die einem schon den Angstschweiß auf die Stirn treiben können.
Und über die Kosten der ganzen Sache redet überhaupt niemand mehr. Die letzte hörbare Meldung war es wohl, dass Pfizer die Kosten für seinen Impfstoff deutlich erhöht hat, und nachdem nun gewisse Konkurrenzimpfstoffe gar nicht mehr geimpft werden, muss man jene glücklich preisen, die sich vor zwei, drei Jahren Pfizer-Aktion angeschafft haben. Sie dürften wohl inzwischen Millionäre sein, denn das Milliardengeschäft, das allein dieser Pharmakonzern macht, muss wohl einzigartig sein. Und da stellt sich dann die Frage, ob ein solcher Konzern mit seinen unglaublichen Marketing-Mitteln nicht wohl einen kräftigen Einfluss auf die Politiker, auf das Heer der Virologen und Epidemiologen, die wir so über die Medien tagtäglich vorgesetzt bekommen, nimmt. Ein Einfluss, der gewiss nicht darauf abgestellt ist, dass der Impfwahn möglichst bald vorüber ist, sondern der es wohl im Auge haben dürfte, dieses Milliardengeschäft Jahr für Jahr, Saison für Saison fortzu­führen.
Und da wird einem dann schon ein wenig mulmig. Sind wir da wirklich Versuchskaninchen für ein in Wahrheit nicht völlig erprobtes Medikament, wie es der blaue Oppositionschef Kickl formulierte? Der Autor dieser Zeilen als AstraZeneca-Patient muss eigentlich schon fest davon ausgehen.
Dieser Impfstoff, den man am Anfang auch als genauso gut und sicher gepriesen hat wie alle anderen, auch jenen von Pfizer/Biontech, wird schon nicht mehr verimpft. Warum wohl? Doch nicht einfach deshalb, weil er kaum ein Zehntel dessen kostet, was ein Pfizer/Biontech kostet? Das allein kann es doch nicht sein! So locker gehen doch selbst unsere Politiker mit den Steuermitteln um.
Allein, die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht ist der dritte Stich, der sogenannte Booster, wirklich das Allheilmittel, vielleicht sind wir dann auf Jahre, wenn nicht gar Lebenszeit immun und die multinationalen Pharmakonzerne spenden einen Gutteil ihres Billionen-Gewinns für karitative Zwecke (wie wär’s mit dem Einsatz dieser Mittel für den Klimaschutz?).
Wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt, und den Glauben ans Christkind dürfen wir uns in der sich nähernden Weihnachtszeit – ob mit Corona-bedingtem Lockdown oder nicht – ganz einfach nicht nehmen lassen.


Unsere Sehnsucht nach der Apokalypse

11. August 2021

Die Mittelmeerküsten brennen. Unbezwingbare Flammenmeere wüten rings um das „Mare Nostrum“, die Menschen stöhnen unter Hitzewellen rund um 40 Grad Celsius, Metropolen wie Athen und Palermo werden vom Flammenmeer bedroht, die Menschen fliehen massenweise. In den Breiten des gemäßigten Klimas in Mitteleuropa wüten Stürme, und Starkregen verursacht Flutwellen mit katastrophalen Hochwässern und Vermurungen.
Der Weltklimarat diagnostiziert bereits eine Erd­erwärmung von mehr als einem Grad, verursacht durch den Menschen, durch die Treibhausgase, heißt es. Und die eineinhalb Grad, auf die sich die letzte internationale Klimakonferenz festgelegt hat, dürften bald erreicht sein und nahezu drei Grad werden prognostiziert, und damit das Abschmelzen der Polkappen und der großen Gletscherschilde in Arktis und Antarktis. Der Golfstrom drohe angeblich zu erliegen, der so etwas wie die Fernheizung für West- und Nordeuropa ist. Wetterextreme, eiskalte kontinentale Winter und unerträgliche Hitzewellen im Sommer seien daher für Europa zu erwarten und natürlich das Ansteigen des Meeresspiegels, die Überflutung aller weltweit küstennahen Regionen. So hohe Dämme könnten die Holländer gar nicht bauen, um dem begegnen zu können, Bangladesch würde vom Erdboden verschwinden und die Malediven wären allenfalls noch als Taucherparadies für den Tourismus nutzbar. Und Hunderte Millionen Klimaflüchtlinge würden die reichen und bislang noch verschonten Gebiete des Globus ins Chaos stürzen.
Soweit die apokalyptische Vision, die uns in diesen Tagen von den Apologeten der Klimakatastrophe präsentiert wird. Und tatsächlich scheinen die geschilderten Naturereignisse diese Dystopien zu stützen. Die Reiter der Apokalypse sind offenbar unterwegs. Und die Natur, der Planet, sie schlägt zurück, zurück auf eine Menschheit, die durch Überbevölkerung, hemmungsloses Wachstum und ebenso hemmungslosen Ressourcenverbrauch die Potenziale ihres Planeten überfordert hat.
Wie pflegt Roland Girtler, der Altmeister der rot–weiß–roten soziologischen Feldforschung zu sagen: Er fürchte nichts auf dieser Welt, außer die Naturgewalten und den Zorn seiner Frau. Letztere ist uns unbekannt, die Naturgewalten sind das hingegen keineswegs. Sie haben tatsächlich in unseren Tagen einen teilweise apokalyptischen Charakter angenommen. Wobei diese Wahrnehmung auch daran liegen dürfte, dass die Naturkatastrophen schlicht und einfach wegen der Überbevölkerung weit mehr Menschen betreffen als in früheren Jahrhunderten und auch daran, dass wir in einem Zeitalter der globalen medialen Berichterstattung leben, die jede Katastrophe gewissermaßen in Echtzeit kommunizierten.
Apokalyptische Ereignisse allerdings begleiten die Menschheit durch ihre gesamte Geschichte. Zugespitzt könnte man sogar behaupten, dass es so etwas wie eine Sehnsucht des Menschen nach der Apokalypse gibt, dass in gewissen Phasen der Menschheitsgeschichte die Apokalypse geradezu herbeigeredet wird. Wir wissen das vom Urchristentum, das die baldige Wiederkehr des Messias und das Weltengericht herbeisehnte. Wir wissen das von den Ereignissen im Abendland gegen das Jahr 1000 nach Christus, als man wähnte, dass nunmehr das Jüngste Gericht hereinbrechen werde. Und wir können das wiedererkennen in unseren Tagen, in denen der ökologisch grundierte Zeitgeist apokalyptische Dystopien thematisiert.
Das aus dem Griechischen kommende Wort Apokalypse bedeutet wörtlich bekanntlich „Entschleierung“, was im Christentum zum Begriff „Offenbarung“ umgedeutet wurde. Eine Offenbarung, die das Gottesgericht und damit den Weltuntergang, Ragnarök im Altgermanischen, darstellen sollte, und in unseren heutigen Terminologie soll der Begriff Apokalypse wohl die Gefahr radikaler Umbrüche mit katastrophalen Folgen schildern. Dabei gibt es die Vorstellung des Endkampfes zwischen Gut und Böse bereits in den altpersischen Luyken, und im alttestamentarischen Judentum existiert die Vorstellung von einem letztgültigen Weltengericht, auf das hin eine neue Welt erschaffen werde. Und sogar im Koran gibt es jene apokalyptischen Suren, die das Ende aller Tage durch Naturkatastrophen und die „Einhüllung der Sonne“, den Lichtverlust der Sterne und das Beben der Berge (sowie die Vernachlässigung trächtiger Kamele, sic!) schildern.
Doch jenseits theologischer Dystopien war die Menschheitsgeschichte immer wieder von ganz realen apokalyptischen Ereignissen begleitet. Die Bewohner von Nagasaki und Hiroshima dürften den Tag, an dem sie mittels der US-amerikanischen Atombombe der Massenvernichtung ausgesetzt waren, gewiss als apokalyptisch empfunden haben. Ebenso die Bewohner Dresdens im Februar 1945 genauso wie die Insassen der NS-Vernichtungslager rund um Auschwitz. Und sicher empfanden die Menschen im Römisch-Deutschen Reich gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs die Zustände als apokalyptisch. Ebenso wie jene, die sich in den Jahren der großen Pest Mitte des 14. Jahrhunderts dem Schwarzen Tod ausgesetzt sahen. Und so ließen sich zahlreiche Beispiele aus der Menschheitsgeschichte zitieren, die für breite Schichten der Bevölkerung eine ganz reale Apokalypse darstellten, eben die Offenbarung des ultimativen Schreckens.
Und so wie jedes menschliche Individuum seiner ganz persönlichen Apokalypse, nämlich dem eigenen physischen Ende, dem eigenen Tod, nicht zu entgehen vermag, kann die Spezies Mensch als solche apokalyptischen Ereignisse, die immer wieder über sie hereinbrechen, nicht entgehen. Es mag Perioden des Friedens, der Ruhe, der Harmonie geben, sie mögen Jahre, Jahrzehnte, ja Generationen andauern, die großen Katastrophen aber sind dennoch – und das beweist die Menschheitsgeschichte – ganz offenbar unausweichlich. Und sie werden eben auch von der Spezies Mensch auch mitverursacht. In unserer Zeitalter der Überbevölkerung und des maßlosen industriellen Wachstums und des ebenso maßlosen Ressourcenverbrauchs mag es der CO2-Ausstoß sein, der über die Erderwärmung zu apokalyptischen Naturkatastrophen führt. Und diesbezüglich hätte der Mensch natürlich auch die Möglichkeit, durch geändertes Verhalten eben jene apokalyptischen Folgen zu verhindern oder zumindest zu vermindern. Da dies aber nur begrenzt geschieht, stellt sich die Frage, ob es nicht auch so etwas wie einen gemeinsamen Todestrieb der Spezies, ein kollektives Bedürfnis nach Selbstvernichtung gibt.
Dies betrifft ja auch andere apokalyptische Ereignisse der Menschheitsgeschichte, die nicht von den Naturgewalten ausgingen, sondern vom Kain-und-Abel-Syndrom des Menschen, vom unauslöschlichen Drang der Spezies zu Zwist, Mord, Kampf und Krieg. Dass die Kriege der Menschheitsgeschichte bis hin zu den wahrlich apokalyptischen beiden Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts von Menschen verursacht, ausgelöst und geführt wurden, steht ja außer Frage. Da gibt es keine Entschuldigung durch Naturgewalten oder göttlicher Fügung, da liegt die einzige Begründung nur in der wölfischen Natur der Spezies Mensch, die er natürlich durch das Geschenk des freien Willens auch mäßigen oder zähmen könnte.
Tatsache ist jedenfalls, dass die Geschichte der Menschheit auf diesem Planeten von apokalyptischen Ereignissen – naturgegeben oder von Menschen verursacht – begleitet wurde und offenbar auch in der Gegenwart und in der Zukunft begleitet wird. Die Unausweislichkeit, ja Gesetzlichkeit dieser Tatsache, entbindet uns allerdings nicht, von der verdammten Pflicht und Schuldigkeit, dagegen anzukämpfen, sei es durch Pazifizierung der menschlichen Gesellschaft und der menschlichen Natur, durch Friedenspolitik oder auch im Hinblick auf die Naturgewalten durch Umweltschutz, Klimaschutz und Naturschutz allgemein. Zu glauben aber, dass man apokalyptische Ereignisse überhaupt ausschließen würde können durch die Schaffung eines „neuen Menschen“, wie es die Linke möchte, oder durch absoluten Naturschutz, muss Illusion bleiben.