Andreas Mölzer und „Die Presse“

30. März 2017

Geschichte einer kuriosen publizistischen Beziehung

Herr Burkhard Bischof, respektables Mitglied der ebenso respektablen Redaktion des Flaggschiffs der österreichischen Printmedien, also der „Presse“, hat dieser Tage Andreas Mölzer, Herausgeber der Zur Zeit , per E-Mail wissen lassen, dass man von ihm in der Presse keine Gastkommentare mehr nehmen werde.

Grund dafür sei die überaus unfreundliche Qualifizierung einer „respektablen“ „Presse“-Mitarbeiterin in Zur Zeit. Nach näherem Nachsehen wurde man fündig: Zur Zeit-Mitarbeiter Erich Körner-Lakatos hatte über die antigriechischen Ausschreitungen in Istanbul im Jahre 1955 durch die Türken geschrieben und kritisiert, dass diese in einem „Presse“-Beitrag von besagter Redakteurin verharmlost worden seien. Es seien bloß einige Geschäfte geplündert worden und harmlose Übergriffe gewesen. Körner-Lakatos wies darauf hin, dass diese seinerzeitigen Ereignisse in seriösen Zeitungen, wie etwa der „Frankfurter Allgemeinen“ durchaus als ganz realer Terror qualifiziert worden seien und hat dann polemisch die Frage in den Raum gestellt, ob sich „Die Presse“ zur „Stimme Erdogans“ herabwürdigen lasse, und das war Herr Burkhard Bischof dann eben zu viel.

Mölzer Hinweis, dass er zwar Herausgeber der Zur Zeit sei, nicht aber deren Zensor, ändert an den Dingen natürlich nichts und auf die an ihn von Bischof brieflich gestellte Frage, warum er denn überhaupt unbedingt in einem Blatt publizieren wolle, dass seiner Ansicht nach offenbar „die Stimme Erdogans sei“ gab es schon keine Erwiderung. Erklärlich ist dies allerdings, wenn man sich die doch einigermaßen lang andauernde Geschichte der Beziehung zwischen Andreas Mölzer und der „Presse“, vergegenwärtigt.

Treffen mit Otto Schulmeister

Begonnen hat alles mit einem Gespräch im Schwarzen Kameel im Wien der späten 80er-Jahre: Otto Schulmeister, Chefredakteur, später Herausgeber der „Presse“ und Doyen des österreichischen Journalismus, hatte den jungen Grundsatzreferenten und Vorsitzenden des Freiheitlichen Bildungswerks Andreas Mölzer zu einem diskreten Mittagessen eingeladen. Dieses vom jungen Publizisten und Politikberater Mölzer als große Ehre betrachtete Gespräch gipfelte in der Frage Otto Schulmeisters, ob denn Jörg Haider, Mölzers damaliger Chef, „eine catilinarische Persönlichkeit“ sei. Anlass für die damalige Mittagseinladung war Haiders Aussage von der österreichischen Nation als „Missgeburt“, was den durchaus „deutschbewussten“ christlich-konservativen Schulmeister nicht teilnahmslos lassen konnte.

Ein Jahrzehnt später, Mölzer hat  sich indessen bereits mehrfach mit Haider überworfen, schrieb er als FPÖ-Dissident seinen ersten Gastkommentar „Vom Glanz und Elend des Populismus“ für die „Presse“. Haider-Kritik von einem Freiheitlichen, das war gewissermaßen die Eintrittskarte für die etablierten Medien. Und der damalige Chefredakteur Andreas Unterberger, ein hochseriöser und hochgebildeter, wenn auch ein wenig spaßfreier Konservativer, der ein würdiger Nachfolger von Otto Schulmeister und Thomas Chorherr war, lud Mölzer darauf ein; unter der neuen Rubrik „Quergeschrieben“ ständige Kommentare für die Presse zu verfassen – immerhin für ein Honorar von Schilling 1.000,- pro Kolumne und das nahezu wöchentlich.

In dieser Zeit von 1998 bis 2004 war Mölzer auch ständiger Kolumnist der größten Tageszeitung des Landes der auflagenstarken „Kronen Zeitung“. Im Einvernehmen mit dem alten Hans Dichand konnte er da neben seinen „Presse“-Kolumnen wertkonservative und nationalliberale Positionen vor einem Millionenpublikum vertreten und damit am politischen Diskurs der Republik teilnehmen. Bereits durch Mölzers Tätigkeit als Kulturbeauftragter des Landes Kärnten unter dem Landeshauptmann Haider und vollends dann später mit seiner Wahl über einen Vorzugsstimmenwahlkampf ins EU-Parlament im Jahre 2004, wurde diese Kolumnisten-Tätigkeit schwieriger. Mit einer Fülle mit Gastkommentaren konnte er allerdings immer wieder dann hervortreten, wenn er in direkte Konfrontation mit dem Bärentaler geriet, so etwa im Jahre 2005 bei der Abspaltung des BZÖ von der FPÖ. Von der „Presse“ über die „Kronen Zeitung“ bis hin zu „Standard“ und „Falter“ fanden sich da Mölzer‘sche Gastkommentare, ergänzt durch Diskussionsauftritte in den Talkshows von Funk und Fernsehen. Und immer wieder nahm er auch die Gelegenheit wahr, in gewissen Abständen in der „Presse“ zu publizieren. So überlebte er im wahrsten Sinne des Wortes den Wechsel der Chefredakteure. Als Andreas Unterberger in die „Wiener Zeitung“ weggelobt wurde, wurde der ursprünglich von der „Kärntner Kirchenzeitung“ kommende (und schon von damals her wegen des gleichen Drucktermins der „Kärntner Nachrichten“ und der Kirchen Zeitung in der Druckerei Carinthia mit Mölzer bekannte) Michael Maier Chefredakteur. Nach dessen Scheitern kam Michael Fleischhacker den Mölzer schon von der „Kleinen Zeitung“ her kannte und den ihm indirekt Bischof Kapellari als einer der Eigentümer des Styria Verlags als Qualitätsjournalisten empfohlen. Mölzer blieb der „Presse“ treu bis hin zum umtriebigen Rainer Nowak, der der „Presse“-Redaktion nun mehr vorsteht.

Teilnahme am konservativen medial-politischen Diskurs

Und immer war Andreas Mölzer bemüht, an jener Form des tendenziell eher konservativen medial-politischen Diskurses teilzuhaben, der über die „Presse“ eben möglich war. Gewiss als langjähriger Chefredakteur und dann Herausgeber einer eigenen Wochenzeitung verfügte er über eigene publizistische Öffentlichkeit, aber Zur Zeit als nationalliberales und wertkonservatives Nischenprodukt erreicht eben auch nur ein relativ kleines Segment der politischen Öffentlichkeit. Deshalb auch die Bereitschaft Mölzers, darüber hinaus in möglichst vielen anderen Medien Positionen zu setzen.

So waren es also mehrere hundert Gastkommentare, die Andreas Mölzer neben seiner anderen publizistischen Tätigkeit und neben seinem politischen Mandat in der „Presse“ veröffentlichte. Abgesehen von Andreas Unterbergers anfänglichen Schilling  1.000,– honorarfrei und stets unter pflichtschuldigster Bezeugung jener Devotion – was es denn für eine Ehre sei, in der „Presse“ abgedruckt zu werden – die für publizistisch-politische Schmuddelkinder gegenüber den Medien des Establishment eben von Nöten ist.

Und das war’s dann halt. Otto Schulmeister ist tot und mir ist auch schon schlecht.

Andreas Mölzer

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HP Martin: Zu skurril für eine Lachnummer

30. Mai 2009

Der heutige Tag hat wieder einmal sehr interessante Erkenntnisse gebracht.

Unsere Vorwürfe, dass die zahlreichen „Enthüllungen“ über meine Person und die FPÖ Teil einer medialen Hetzkampagne sind, wurden zu 100% bestätigt.
So hatte sich die Zeitschrift „News“ bemüßigt gefühlt „aufzudecken“, dass ich von meinem „Konto 4000“ ua. einige Artikel in der Wochenzeitung „ZurZeit“ finanziert habe. Nachdem dieses „Konto 4000“ in derselben Dotierung jedem EU-Abg. für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung steht, wird damit ganz offensichtlich die widmungsgemäße Verwendung der Gelder dokumentiert. Die Artikel behandeln aktuelle und brisante Themen der EU-Politik. Durch zahlreiche Leserbriefe ist belegt, dass sie besonders gerne gelesen werden.
Somit erfüllen sie ihren Zweck zu 100%. Dass viele Artikel die Vorgehensweisen in der EU kritisch beleuchten und Alternativen aufzeigen, passt den Mainstream-Medien wohl nicht. Und HP Martin sieht offenbar sein „EU-Kritik-Monopol“ in Gefahr…

Selbstverständlich hätte ich – wie die anderen Abgeordneten – meine Gelder auch in den linken Zeitgeistmedien und Gazetten der Gutmenschen investieren können. Dafür werden ich und die FPÖ aber noch zu wenig beschimpft…, die „Volksstimme“ wäre eine interessante Alternative gewesen, aber die gibt es ja leider nicht mehr…und der Falter ist mir dann doch nicht links genug. Ach ja, „NEWS“ wäre noch ein Thema…aber nur wenn deren Chefredakteur in seinem Leitartikel noch zweimal gegen mich hetzt.

Auf jeden Fall ist heute jener „NEWS“-Artikel fast wortident ganzseitig in der „Kronen Zeitung“ erschienen. Der Autor ist – erraten – Hans Peter Martin. Womit man sieht über welche Ecken die Kampagne läuft.

Abgesehen davon, dass nicht einmal die Grammatikfehler und die stilistischen Schwächen beseitigt wurden – was für Martins Qualität als Journalisten spricht – wird jetzt auch klar, wer für „NEWS“ in Brüssel die „Stricherllisten“ führt. Kein Wunder, dass für HP Martin da keine Zeit mehr für sinnvolles Arbeiten bleibt. So ist er uns ja bis dato schuldig geblieben, was er an tatsächlicher politischer Arbeit in den letzten fünf Jahren geleistet hat. Und natürlich auch was mit den 1,5 Mio. Euro an Wahlkampfkostenrückerstattung aus dem letzten EU-Wahlkampf 2004 passiert ist.

Aber nicht nur das. Wenn bis jetzt für eine Lachnummer gereicht hätte, wird`s jetzt richtig skurril. Keiner und ich habe zahlreiche Leser heute bei einer Verteilaktion darauf ansprechen können, konnte bis jetzt eruieren, wo denn der angebliche Skandal dieser Geschichte oder die Pointe derselben liegt.
Vielleicht, so habe ich mir gedacht, liegt es im Detail, z.B. bei den Verfassern der Artikel.
Die meisten wurden von den profunden Juristen Dr. Tomaschitz und Mag. Holzfeind verfasst, die auch meine Mitarbeiter sind. Gerade aus diesem Grund sind sie aber mit der EU-Thematik bestens vertraut. An der Qualität der Artikel kann es also auch nicht liegen. Beide schreiben gegen entsprechendes Honorar neben ihrer Tätigkeit für mich für „ZurZeit“… hat HP Martin Angst, dass sie sich überarbeiten oder plagt in vielleicht Futterneid? In der Tat sind die EU-Töpfe, wenn man sie korrekt abrechnet, nicht so prall gefüllt, dass beide allein von ihrer Assistententätigkeit leben könnten. Da fällt mir ein…irgendein österreichischer EU-Abg. hatte ein Verfahren vor der Betrugsbehörde OLAF wegen zweckwidriger Verwendung von über 160.000 Euro aus der Assistentenpauschale…wer war das doch gleich?…ja, natürlich…HP Martin!, wer sonst?

Trotzdem danke ich HP Martin für seinen Artikel, der bestätigt, dass ich meine Gelder widmungsgemäß und sinnvoll einsetze und der den Autoren für Ihren Fleiss auch eine entsprechende „Publicity“ eingebracht hat. Sie haben es wirklich verdient!
Und wer auch in den nächsten fünf Jahren diese hervorragenden Artikel lesen möchte, dem sei ein Abo von „ZurZeit“ ans Herz gelegt.

Beste Grüße

Andreas Mölzer