Der 8. Mai – Sinn und Unsinn

Sie seien „besonders aus der Welt gefallen“, jene Korporationsstudenten, die da am 8. Mai jährlich auf dem Wiener Heldenplatz ein Totengedenken begehen. Dies schrieb dieser Tage ein ebenso prominenter wie kompetenter und an sich auch grundvernünftiger österreichischer Journalist in der dem Vernehmen nach seriösesten Tageszeitung des Landes. Sagen wollte er damit, dass ein Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkriegs schlicht und einfach nicht mehr zum Zeitgeist passe.

Dass gleichzeitig in diesen Tagen die Befreiung jedes einzelnen NS-Konzentrationslagers in breiter Öffentlichkeit mit entsprechendem Medienecho begangen wurde, ist ihm offenbar nicht aufgefallen. Nun soll dies nicht heißen, dass entsprechende Trauerfeiern, die der Opfer der NS-Tyrannei gedenken, nicht absolut notwendig und legitim seien. Wenn aber dies nach 66 Jahren noch angebracht ist, muss es auch gestattet sein, der Opfer des Zweiten Weltkriegs insgesamt und damit natürlich auch jener des eigenen Volkes zu gedenken.

Nicht mehr und nicht weniger tun die waffenstudentischen Korporationen jährlich am Heldenplatz. Sie betrauern nicht die Niederlage des Dritten Reiches, wie es von Seiten der linken Tugendterroristen stets heißt, sie bedauern auch nicht die Niederlage der Deutschen Wehrmacht, sie ehren schlicht die Opfer. Jene, die ohne persönliche Schuld in diesem Völkerringen ihr Leben lassen mussten.

Nun kann man das zweifellos als „freiheitliche Folklore“ bezeichnen, wie es besagter Kommentator auch tat, es aber leichterdings in den Bereich des Skurrilen abzuqualifizieren, könnte sich als zeitgeistiger Trugschluss erweisen: Natürlich ist die Kriegsgeneration rein biologisch gesehen im Abtreten begriffen. Jene, die den Zweiten Weltkrieg zumindest noch als Kind erlebt haben, sind 70 Jahre und älter. Demnach gibt es aber kaum eine Familie im Lande – sieht man von den Zuwanderern ab – die in diesem mörderischen Völkerringen nicht Opfer, Gefallene, Vermisste, Verwundete zu beklagen hätte oder aus der nicht der eine oder andere Großvater, Großonkel in den militärischen Formationen des Großdeutschen Reiches gedient hätte. Und diese österreichischen Familien werden großteils ein gewisses Verständnis haben, dass man auch dieser Schicksale gedenkt.

In Hinblick auf das Gedenken und auf die Verantwortung für die Opfer des Nationalsozialismus kann es keinen Schlussstrich geben, hörten wir dieser Tage aus dem Munde der Nationalratspräsidentin. Das ist gut und richtig. Es gibt aber auch keinen Schlussstrich im Hinblick auf die Trauer für die Opfer aus dem eigenen Volk.

Die Opfer sind im Tode aber auch im posthumen Gedenken nämlich alle gleich: Das grausam zu Tode gebrachte jüdische Kind in einem NS-Vernichtungslager ebenso wie jenes deutsche Kind, das im Zuge von Flucht und Vertreibung bei Kriegsende aus dem Sudetenland umkam. Der russische Kriegsgefangene, der im deutschen Kriegsgefangenenlager krepierte, genauso wie der gefangene SS-Soldat der in den von der US-Army eingerichteten Lagern im Frühling 1945 in den Rheinauen der Ruhr erlag. Wir dürfen nicht nur, wir müssen ihrer gedenken. Da können die politischen Beobachter sich darüber ironisch auslassen soviel sie wollen und da können die Analytiker einmal mehr behaupten, dass all dies dem FPÖ-Chef bei der Stimmenmaximierung nicht helfen werde. Es ist vielleicht nicht opportun, aber es ist moralische Verpflichtung! Und das ist gut so!

Advertisements

11 Responses to Der 8. Mai – Sinn und Unsinn

  1. derbub sagt:

    Danke für diese sehr treffenden worte! es ist nicht einzusehen, warum immer nur von einer seite entschieden werden darf, was gut und was böse ist und das eben immer nur von der linken!
    darf ich daran erinnern, dass zb auch viele, die im widerstand waren, ebenfalls an der fornt ihr leben lassen mussten – auch das sind opfer, deutsche opfer! warum darf man ihnen nicht gedenken?

  2. mrs.poppins sagt:

    Und wieder einmal stehen wir da, wo wir in den vergangenen 66 Jahren schon sooft gestanden sind: Opfer waren nur unter den anderen!
    Es gab auch deutsche und österreichische Opfer. Es gab Regimegegner, Opfer von Partisanen, Opfer der Russen, auch Familien und Kinder wurden zu Opfern der Alliierten Angriffe – aber darüber zu sprechen, das darf niemand!
    Denn wer Opfer war, wird von der IKG und der Linken entschieden und damit genug! Eine Frechheit, wie ich finde!

  3. O. S. Wald sagt:

    Jetzt soll man also der eigenen Opfer nicht mehr gedenken dürfen. Es sei nur daran erinnert, daß unzählige Wehrmachtssoldaten nicht aus Freiwilligkeit und Begeistung an den Fronten des Zweiten Weltkriegs gekämpft haben und daß sich unter den deutschen (und österreichischen) Zivilopfern nicht nur NS-Sympathisanten befunden haben.

  4. Gerhard Ziegler sagt:

    Richtig ist, daß der Krieg ein großes Unglück und Leid für alle war, die in diesen Orkus mit hineingezogen wurden, ob sie wollten oder nicht. Einem Gedenken ist nichts entgegenzuhalten; Entgegenzuhalten ist allerdings dem immer wieder aufkeimenden „Umbetrachten“ der Geschichte seitens manchen Freiheitlicher, auch Korportierter, die allgemein geschichtlich belegte Tatsachen bestensfalls „neu aufrollen“, schlimmstenfalls negieren wollen. Nicht nur, daß es unsinnig ist – damit schädigen sie auch das Gedenken an die tatsächlichen Opfer.

  5. bertha sagt:

    Den Menschen den Opferstatus abzuerkennen, mit denen man vielleicht nicht einer Meinung ist oder war finde ich eine bodenlose Frechheit.
    Manchmal muss man Gegebenheiten und Geschehnisse so hinnehmen wie sie sind um in der Zukunft nicht wieder die selben Fehler zu machen. Aber heute noch Sündenböcke zu suchen, für Dinge die nicht mehr zu ändern sind und vor vielen Jahren geschehen sind, finde ich unfair. Auf diese Art erziehen wir unsere Kinder nämlich von Haus aus dazu, Feinde zu sein…

  6. Andreas Mötzer sagt:

    Und wieso wird dann am 8. Mai der Opfer gedacht und nicht am 1. September, wo ja das sinnlose Töten begonnen hat, oder am 12. März, denn wenn der Anschluss nicht gewesen wäre gäbe es ja keine österreichischen Opfer. Aber Nein, man muss ja am Tag des Unterganges trauern.

  7. heine sagt:

    Man fragt sich schon, wer hier Polemik betreibt?

    Da schreibt ein Herr Mölzer doch glatt über die Opfer des „eigenen Volkes“ (sic!) und verteidigt dazu noch (deutsch-nationale (!)) Burschenschafter, die zum Totengedenken aufmarschieren? Nun auf Definitionen will ich hier nicht näher eingehen, dennoch ein Wort zur Thematik.

    Tradition in Ehren – doch gerade am Land findet sich so gut wie in jedem Ort eine Gedenktafel, die an Gefallene und Opfer der einheimischen Familien erinnert. Es wäre schön, wenn dies endlich für alle Opfer zutreffen würde, oder? Hier wäre auch noch Handlungsbedarf gegeben.

    Mein lieber Herr Mölzer, wahrlich jedes Opfer des Nationalsozialismus ist eines zuviel.

    Dennoch ist der Massenmord an den Juden und unzähligen Andersdenkenden/Unschuldigen ein unvergleichliches Verbechen an der Menschlichkeit – leider auch getragen von vielen Österreichern (u.a. in deutscher Uniform)

    Daher ist der 8. Mai, der Tag der Kapitulation eines Verbrecheregimes, als Tag der Befreiung zu sehen und damit besonders diesen Opfern zu widmen! Wenn also – samt „entsprechendem Medienecho“ – berichtet wurde, ist das imho nur GUT UND RICHTIG! Desto mehr, umso besser!

    „Deutschtümelei“, Burschenschafter und „völkische/nationale“ (sic!) Diktion ist daher leider an diesem Datum (wenn nicht überhaupt) – aus gutem Grund – fehl am Platz. Selbst wenn es nur ein schaler Beigeschmack ist, er passt nicht in diese Zeit. Da sagt mir, und mein Großvater war im Krieg, die Grundvernunft:

    Wehret den Anfängen! Solch ein Verbechen soll nie wieder geschehen! Der 8. Mai soll die Kapitulation eines Verbecherregimes und die Befreiuung, fernab von Nationalem, feiern! Das fordert in meinen Augen der „Anstand“!

    • heine sagt:

      Na, dieser Blog scheint ein Problem mit kritischen Gedanken zu haben – oder gibt es hier ein technisches Problem mit der Freischaltung?

      • Leider gab es tatsächlich ein technisches Problem, für das ich mich recht herzlich entschuldigen möchte! Konstruktive Wortmeldungen sind jederzeit erwünscht!
        Herzlichen Gruß

  8. Bloody Mary sagt:

    So könnte man sagen. Als ein deutscher Verlag 1983 ein stark autobiographisches Jugendbuch über den 2. Weltkrieg von mir herausbrachte, fuhren der Verleger Langen-Müller und ich zur German Bookfair nach New York. Das Buch eines Judenbuben aus Rußland hatte der Verlag in ähnlicher Aufmachung (hardcover) auch im Gepäck. Welches Buch wurde für eine amerikanische Übersetzung angekauft? Dreimal dürfen Sie raten!
    OT Eben sah ich ein Video von Herrn Mölzer im SOSheimat-Blog, wo sich dieser „glühende Europäer“ Gedanken über einen EU-Austritt macht. Die FPÖ nähert sich zu spät diesem Thema an. Stadler von der BZÖ ist zuvorgekommen! 😆 😀

  9. Bloody Mary sagt:

    Die Überschrift von meinem obigen Kommentar hat gelautet: „Opfer sprechen niemals deutsch!“ Ist irgendwie verschütt gegangen. Daran anschließend: „so könnte man sagen“. Entschuldigung 😳

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: