Antifa-Liturgie

Da hat am vergangenen Wochenende das jährliche Mauthausen-Gedenken stattgefunden. Ein Gedenken, das nur recht und billig ist, da es zweifellos im Hinblick auf die historische Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus und deren Opfer keinen Schlußstrich geben kann. Es ist auch recht und billig, daß dort die Repräsentanten der Regierung anwesend sind, wobei man beim einen oder anderen schon das Gefühl hat, daß er die zur Schau gestellte Betroffenheit eher als Pflichterfüllung denn als moralischen Auftrag empfindet. Weniger recht und billig ist da schon, daß bei den diversen Reden natürlich – auch das ist beinahe schon Routine – stets auf die freiheitliche Opposition und auf das Dritte Lager hin gehackt wird. In diesem Jahr speziell auf das Totengedenken der national-freiheitlichen Studentenverbindungen auf dem Wiener Heldenplatz, bei dem bekanntlich der FPÖ-Chef hätte sprechen sollen.

Derselbe war bekanntlich verhindert, was jene zeitgeistigen Wortspender und Mundwerksburschen, die sich über seinen möglichen Auftritt im Vorfeld maßlos empört hatten, mit Triumph erfüllen dürfte. Hat man dem FPÖ-Obmann doch zuvor ins Stammbuch geschrieben: Wer bei den bösen Burschenschaftern, die bekanntlich am 8. Mai immer wieder den Untergang des Dritten Reichs betrauerten, auftrete, könne sich die Ambitionen auf jegliches höheres Staatsamt in der Republik Österreich abschminken.

Nun wurde es zwar sattsam erklärt, daß die studentischen Verbindungen am 8. Mai am Heldenplatz aller Opfer des Zweiten Weltkriegs gedenken, natürlich auch jener, die durch die Verbrechen des Nationalsozialismus zu Tode gekommen sind. Allerdings auch der Opfer aus dem eigenen Volk, der gefallenen und vermißten Soldaten, der im alliierten Bombenterror umgekommenen Greise, Frauen und Kinder, der bei der Flucht und Vertreibung aus dem Osten zu Tode gekommenen Altösterreicher – alle sie im weiteren Sinne natürlich auch Opfer des Nationalsozialismus und des von diesem entfesselten Kriege. Auch für dieses Opfergedenken kann es natürlich keinen Schlußstrich geben. Und dieses Erinnern stets in den Geruch der nationalsozialistischen Wiederbetätigung und der unverbesserlichen ewig Gestrigkeit zu stellen, ist eine polemische Sauerei.

Diesem polemischen Pseudo-Antifaschismus nicht auf dem Leim zu gehen, wäre für die freiheitliche Opposition und für die dahinter stehende Gesinnungsgemeinschaft von großer Bedeutung. Wer den polemischen Trug der etablierten Kräfte in solchen zentralen Fragen nachgibt, hat schon verloren. Wenn beispielsweise der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf wie von ihm vielfach verlangt – auch von der Nationalratspräsidentin Prammer – seine Mitgliedschaft bei seiner Burschenschaft Olympia aufgegeben hätte, wäre dies nicht nur persönlich von ihm eine politisch-moralisch-ideologische Bankrotterklärung gewesen. Es wäre Bankrotterklärung des gesamten Dritten Lagers. Und genau solche Bankrotterklärungen wünscht sich der politische Gegner. Und es wäre irrig zu glauben, daß man nach solchen Bankrotterklärungen vom politischen Establishment eher geduldet wäre bzw. die Chance erhielte, in eine Regierung zu kommen.

Erinnern wir uns an das Konstrukt des Andreas Khol vom „Verfassungsbogen“. Er erklärte in den 90er Jahren die Haider-FPÖ befinde sich außerhalb eines von ihm nicht näher definierten Verfassungsbogens. Er nahm sich auch nicht die Mühe wirklich zu erklären, warum dies so sei. Zurückgenommen hat Andreas Khol diese Ausgrenzung der FPÖ nicht weil Jörg Haider irgendeine brave, politisch korrekte, entsprechend antifaschistische Erklärung abgegeben hat – solche Erklärungen hat er im übrigen in einer Vielzahl abgegeben – sondern erst als die Freiheitlichen bei Wahlen stärker als die ÖVP waren. Als die ÖVP mit freiheitlicher Hilfe trotz hoher Wahlverluste im Herbst 1999 in der Folge den Bundeskanzler stellen durfte, waren die Freiheitlichen des Jörg Haider plötzlich wieder innerhalb des Khol‘schen Verfassungsbogens.

Auch in unseren Tagen wäre es mit Sicherheit gleich: Die Freiheitlichen des Heinz-Christian Strache werden keineswegs politisch und gesellschaftlich akzeptiert werden, wenn sie irgendwelchen zentralen Inhalten, Tradition oder ideologischen Überzeugungen abschwören, sie werden nur dann akzeptiert werden, wenn sie vom Wähler entsprechend stark legitimiert sind. Darum ist es gut und recht, wenn das Dritte Lager weiter aller Opfer des Zweiten Weltkrieges gedenkt und sich keineswegs einreden läßt, daß dies Nazi-Nostalgie sei. Und es ist gut und recht, daß führende Repräsentanten der FPÖ weiter zu ihren studentischen Kooperationen stehen und zu deren deutsch-romantischen Traditionen. Und es ist gut und recht, daß die FPÖ im neuen Parteiprogramm sich wieder auf die deutsche Volks- und Kulturgemeinschaft berufen wird, weil dies eine edle Tradition des alten national-liberalen Lagers ist. Eine Tradition, derer man sich nicht schämen muß. Wer daraus NS-Verherrlichung schließen will, beweist nur die eigene Unbildung.

Die billige Polemik der Gegner, die mangelnde historische und dogmengeschichtliche Bildung vieler zeitgeistigen Wortspender und eigene Ängstlichkeit, das ist es, was einer rot-weiß-roten Reformpartei, die fest in deutscher Kultur, in patriotischer Heimatverbundenheit und in sozialer Verantwortung verwurzelt ist, zur Gefahr werden kann. Das und nur das.

6 Antworten zu Antifa-Liturgie

  1. Franz L. sagt:

    Ich finde es wichtig, dass man auch soviele Jahre nach der Katastrophe der Opfer gedenkt. Doch sollte die Gesellschaft aufhören, immer wieder die FPÖ als Sündenbock aüf den Nationalsozialismus zu nehmen. Die Verantwortlichen sind tot oder verurteilt…mehr kann man nicht mehr tun. Die jetzigen Funktionäre sind wohl kaum Schuld am Geschehenen weil zu jung.

  2. O. S. Wald sagt:

    Straches überraschende Absage ist nicht problemslos. Denn leicht könnte sie als Zurückweichen vor dem linkslinken Tugendterror ausgelegt werden und damit der rot-grünen Jagsgesellschaft in die Hände spielen. Außerdem ist es gerade nach der inhaltlichen Beliebigkeit der Haider-Jahre von besonderer Bedeutung, daß die FPÖ Gesinnung zeigt – und sei der Gegenwind von üblicher Seite noch so stark.

  3. Horusauge sagt:

    Mit Feigheit gewinnt man keine Wahlen, eher schon mit Glaubwürdigkeit und Zielstrebigkeit.
    Diese Aktion war unsäglich dumm, denn nun wird die Hetzjagd erst richtig losgehen – schließlich zeitigte sie ja Erfolg!

    Entweder nicht teilnehmen, dann aber auch nicht vorher zusagen, oder eben zur Zusage stehen und ein Zeichen setzen.

    Der größte Fehler ist es, sich spalten zu lassen – divide et impera ist uralt und ebenso bewährt.

    Strache hat zugelassen, daß man nun eine offene Flanke hat – möge es der letzte Fehler dieser Art gewesen sein, sonst zerbröselt die Partei wieder einmal.

  4. Andreas K. sagt:

    Sehr korrekt, doch muss ich auch wie einige andere die Nichtteilnahme Straches kritisieren. Man kann Zeichen setzen und die setzt man dann wenn alle Richtung Mauthausen pilgern und über die bösen Rechten urteilen, dann sollte der Anführer einer Partei hinter dem mindestens ein Drittel der Bevölkerung steht, dieses Drittel das Heimat und Volk liebt, jenes Drittel das nicht der Gehirnwäsche der Marxisten und Zionisten unterzogen wurde, sondern eigenständig denken und urteilen kann, diesem Drittel sollte er zeigen, ja wir, nämlich Strache und die Fpö vergessen nicht auf unsere Väter und Grossväter die für Führer, Volk und Vaterland, damals sicher mit besten Wissen und Gewissen gekämpft hatten, die Erde Blut getränkt bis zum letztem Tropfen mit Waffengewalt gegen die Besatzer und nicht Befreier, verteidigt hatten. Wirklich schade, dass man vielleicht wegen der politischen Korrektheit und weil man in der Regierung eines Tages seinen Platz sucht, die Freiheit dafür opfert. Wir freiheitlichen Bürger in Österreich, Deutschland und in ganz Europa wollen das unsere freiheitlichen Volksvertreter das tun, was sie immer schon taten. Schwimmt weiter gegen den Strom, lasst euch vom Mainstream der Einheitsbreiparteien nicht unterjochen. Wir sind da , mehr als ihr jemals geglaubt habt. Wir stehen hinter euch, viele trauen sich öffentlich nicht nur irgendetwas zu sagen, weil der Terror der Rotgrünfaschisten extrem ist. Kommt aber dann der Wahltag, geht es denen an den Kragen und die Fpö wird aufsteigen. Lieber Andreas Mölzer, bitte bleiben sie wie sie sind, ein hervorragender Politiker , in Eu und Österreich und Hc Strache und alle anderen fordere ich auf, bleibt beim Volk. Mit dem Volk im Rücken steigt ihr auf, verlässt euch die Treue des Volkes so werdet ihr fallen in die Tiefe der Bedeutungslosigkeit! MKG Andreas Keltscha

  5. Günter Kohl sagt:

    Schade, das Strache nicht gesprochen hat. Was macht er nächstes Jahr? Nochmal zusagen, und dann kommt wieder extrem kurzfristig etwas dazwischen, wäre wohl mehr als unglaubwürdig. Nicht sprechen, obwohl er es heuer schon vorhatte, ebenfalls. Die linken Feinde des deutschen Volkes reiben sich schon die Hände…

  6. Bloody Mary sagt:

    Warum werden die Konzentrationslager so pfleglich behandelt? Brauchen wir die noch einmal? 😉

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