Somalier in Wien vs. Kärntner Slowenen

Über „Migranten-Communities“ und autochthone Volksgruppen

Eine Meldung dieser Tage in der „Presse“ gibt zu denken. Dort hieß es, dass jüngst in Wien-Fünfhaus ein von Migranten aus Somalia betriebener Imbissstand abgebrannt sei und wenige Wochen zuvor ein Heim der somalischösterreichischen Freundschaftsgesellschaft. Brandstiftung werde vermutet, wobei die Polizei einen – wie stets zuallererst vermutet wird – rechtsextremen Hintergrund ausschließt, allerdings ausländerfeindliche Vorfälle registriert wurden. Sie seien als „Scheiß Ne…“ bezeichnet worden, heißt es aus Kreisen der „somalischen Community“ und diese wurde in der renommierten, konservativen Tageszeitung mit rund 8.000 Personen beziffert.
Und das ist es, was nunmehr zu denken geben sollte: Wenn die „somalische Community“ schon 8.000 Köpfe umfasst, wie viele sind dann in der nigerianischen oder der syrischen oder der afghanischen – gar nicht zu reden von der türkischen? Da handelt es sich zweifelsohne um ethnische Gruppierungen mit einer Stärke von jeweils zwischen 10.000 bis zu 400.000 oder 500.000 Menschen. Und insgesamt dürfte es tendenziell wohl nahezu ein Viertel der Wohnbevölkerung sein, die hier sogenannten „Migrationshintergrund“ hat.
Und all diese ethnischen Gruppierungen – „Communities“, wie das auf Neudeutsch so schön heißt – haben natürlich das Recht, ihre kulturelle und sprachliche Identität zu wahren und müssen ihre Herkunft nicht verleugnen. Und wenn sie in geschlossenen Gruppen leben, wie offenbar bereits in Rudolfsheim-Fünfhaus in Wien, werden sie über kurz oder lang auch Gruppen-Rechte einfordern. Möglicherweise von der öffentlichen Hand subventionierte Institutionen von irgendwelchen Gemeinschaftseinrichtungen, über Würstelstände, wie im gegenständlichen Fall der Brandlegung, bis hin zu Gebetshäusern und Moscheen. Und dabei stellen sich schon einige gewichtige Fragen: Werden diese „Communities“ demnächst auch so etwas wie Volksgruppenrechte beanspruchen?
Wenn wir die Situation und den Umfang der autochthonen Volksgruppen in Österreich betrachten, zeigt sich erst, wie problematisch diese Entwicklung sein könnte: Wenn es tatsächlich 8.000 Somalier in der Bundeshauptstadt gibt, wo ist dann – provokant gefragt – der Unterschied zu jenen etwas mehr als 12.000 Menschen, die im Jahre 2001, laut Wikipedia, in Kärnten Slowenisch als Umgangssprache angegeben haben, also zur autochthonen slowenischen Volksgruppe im Lande gehören? Warum genießen diese umfangreiche und vielfältige staatliche Förderungen, haben ein eigenes Schulwesen und bekommen ihre Existenz legitimerweise auch durch eigene topographische Aufschriften, Ortstafeln eben, dokumentiert?
Nun wissen wir alle, dass beispielsweise diese Kärntner slowenische Volksgruppe seit rund 1.500 Jahren im Land lebt und dass sie noch vor gut einem Jahrhundert in Kärnten ein Vielfaches von  Köpfen aufzuweisen vermochte, wahrscheinlich nur zu einem Teil nationalbewusste Slowenen, aber doch in der Landbevölkerung in der Form des schwebenden Volkstums einen großen Bereich slawischstämmiger Bevölkerung, deren Muttersprache eben slawisch-slowenische Dialekte waren.
Seitdem ist das schreckliche 20. Jahrhundert mit seinen zwei Weltkriegen, Diktaturen und Verfolgung vorübergegangen und dann noch die langen, friedvollen Jahre der Zweiten Republik, die durch ökonomische Zwänge und Auflösung des geschlossenen Siedlungsraums die Assimilierung der Volksgruppe beschleunigte. Und heute sind es eben kaum mehr Kärntner Slowenen als Somalier in Wien. Daraus ergibt sich die geradezu groteske Tatsache, dass wir dramatisch schrumpfende autochthone Volksgruppen im Lande haben, während wir wachsende Migranten-Communities verzeichnen.
Eine höhere Geburtenrate und weitere Migrationsströme werden diese Zuwanderungs-Communities zweifellos stärken. Die Tendenz der autochthonen Volksgruppen zur Assimilation in das muttersprachlich deutsche Kulturgefüge der österreichischen Mehrheitsbevölkerung ist ebenfalls Faktum und dürfte diese weiter schwächen.
Diese Entwicklung muss uns allen, insbesondere aber den Vertreter der autochthonen Volksgruppen im Lande, den Kärntner Slowenen, den burgenländischen Kroaten und wie sie alle heißen,zu denken geben. Insbesondere der sogenannte Volksgruppenbeirat, der vor Jahren beim Bundeskanzleramt eingerichtet wurde und in dem die sechs autochthonen Volksgruppen, die es in Österreich gibt, vertreten sind, sollte diese Problematik im Auge haben.
Um zum Anlass dieser Überlegungen zurückzukommen: Selbstverständlich sind Angriffe auf Einrichtungen oder einzelne Mitglieder irgendwelcher Zuwanderer- Communities auf das Schärfste abzulehnen und auch rechtstaatlich zu bekämpfen! Die gesellschaftspolitisch relevante Frage allerdings, wie viele und wie starke Communities diese Art wir noch im Lande haben wollen, muss auch gestellt werden.
Die zeitgeistigen Verfechter der multikulturellen „Bereicherung“ unserer Gesellschaft übersehen nämlich gerne, welche sozialen Probleme und kulturellen Verwerfungen, ganz abgesehen von den hohen Kosten der Integration, diese Gruppen nämlich für die Republik verursachen.

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