Denk ich an Deutschland …

Ein Lamento über das einstige Volk der Dichter und Denker

Wie titelte Thilo Sarrazin vor einigen Jahren in seinem ersten Bestseller? „Deutschland schafft sich ab“! Und tatsächlich könnte man sich bei näherer Betrachtung des größten Volks der europäischen Mitte fragen, ob sich dieses Deutschland nicht bereits abgeschafft hat.
Territorial ist es ohnedies nach zwei Weltkriegen amputiert und beschnitten. Zwar hat die kleinstdeutsche Wiedervereinigung von 1990 die alte BRD um die realsozialistische „DDR“ erweitert, verglichen aber mit historischen deutschen Staatlichkeiten, zurückgehend von der Weimarer Republik über das Bismarck-Reich, den Deutschen Bund, die deutschen Fürstentümer im alten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, ist die heutige Bundesrepublik Deutschland zweifellos nur mehr ein Rumpfgebilde.
Und von der demografischen Substanz her umfasst die Bevölkerung der zeitgenössischen Bundesrepublik ohnedies nur mehr 60 Millionen Menschen. Wobei sich Österreicher und Schweizer mehrheitlich ohnedies nicht mehr als Deutsche betrachten. Der Schrumpfungsprozess der „Biodeutschen“ in der Bundesrepublik seit der Wiedervereinigung des Jahres 1990 wird zwar kaum thematisiert, ist aber evident.
Waren es vor 30 Jahren gut 60 Millionen Menschen, die auf dem Territorium des wiedervereinigten Deutschlands lebten, wovon etwa 2,5 Millionen ausländischer Herkunft waren, so sind es jetzt nur unwesentlich mehr, wobei nahezu 25 Millionen Menschen Migrationshintergrund haben. Die Entwicklung im deutschsprachigen Österreich weist ähnliche Relationen auf.
Zusätzlich zu dieser demografischen wie auch territorialen Schrumpfung Deutschlands und des deutschen Volkes kommen psychologische, kulturelle und gesellschaftspolitische Faktoren, die den Befund bestärken, dass sich Deutschland eben abschafft. Beginnend mit der Umerziehung der Nachkriegsjahre über dem Pflichtantifaschismus, den die Frankfurter Schule und die 68er-Generation dem Land bescherten, bis zur politischen Korrektheit unserer Tage und zu Modephänomenen wie „wokeness“ reichen die Faktoren, die aus den Deutschen ein neurotisiertes Volk gemacht haben. Nationaler Selbsthass, Nationalmasochismus eben und Phänomene einer hochdekadenten Gesellschaft, wie kruder Materialismus und blanker Hedonismus prägen das Bild einer überalteten, kinderarmen, wenn nicht gar kinderlosen Gesellschaft, die sich masochistisch in ewiger Sühne – so wird dogmatisch behauptet – für historisch einzigartige Verbrechen inszeniert.
Dazu kommen Kulturbrüche von metapolitisch geradezu letaler Dimension: Der Bildungskanon, der traditionell seit dem 19. Jahrhundert auf der Basis des deutschen Idealismus und der deutschen Klassik die Basis für das deutsche Geistesleben war, ist weitgehend verlustig gegangen.
Das einstige Volk der Dichter und Denker hat sich der Nivellierung durch zivilisatorische Globalisierung und Amerikanisierung unterworfen. Und das einst weltweit beispielgebende deutsche Bildungssystem von den Grundschulen bis hin zu den Universitäten ist längst im internationalen Vergleich drittklassig geworden.
Trotz all dieser höchst bedenklichen Entwicklungen ist die Bundesrepublik Deutschland bis herauf in unsere Tage ökonomisch die führende Macht innerhalb der Europäischen Union geblieben und durfte sich bislang auch in der Rolle des Exportweltmeisters gefallen. Der primäre Motor für diese erfolgreiche Exportwirtschaft war und ist die deutsche Autoindustrie. Nunmehr allerdings, mit dem Bemühen, die deutsche Wirtschaft klimaneutral zu machen, mit dem Ausstieg aus der Kernkraft und aus den fossilen Energien, würden die Kosten für die deutsche Wirtschaft und damit ihre internationale Konkurrenzfähigkeit wahrscheinlich auf kaum zu bewältigende Probleme stoßen. Überdies stellt sich die Frage, ob die demografische Zusammensetzung der künftigen deutschen Wohnbevölkerung, bestehend aus einem Rest von „Biodeutschen“ und Zuwanderungsethnien aus Schwarzafrika, aus dem Nahen und Mittleren Osten und aus anderen Teilen der Dritten Welt, auch künftig noch jene Leistungsfähigkeit aufweisen wird, die den Deutschen historisch zu Recht nachgesagt wurde. Ob das Arbeitsethos der drohenden muslimischen Mehrheitsgesellschaft jenes sein wird, das die protestantisch geprägten Deutschen inne hatten, darf wohl bezweifelt werden.
In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage hinsichtlich der antifaschistischen Staatsräson des neuen Deutschlands: Werden Zuwanderungspopulationen und Menschen mit Migrationshintergrund aus kulturellen und historisch ganz anderen Kulturen die auf Dauer angelegte Sühne der Deutschen für den Holocaust weitertragen? Werden sich Deutschtürken, Deutscharaber und Deutschnigerianer für den Holocaust verantwortlich fühlen und die damit verbundenen Sühneleistungen für Israel und für das Judentum weitertragen? Wohl kaum!
Die gegenwärtigen politischen Zustände in der Bundesrepublik, die nach der trivial-konservativen Ära eines Helmut Kohl und einer Angela Merkel einen Linksruck erahnen lassen, deuten jedenfalls in keiner Weise auf eine Abkehr von all diesen verhängnisvollen Entwicklungen hin. Die Massenmigration wird weitergehen, wenn nicht gar verstärkt werden, die Überalterung der „Biodeutschen“ wird fortschreiten und die Neurotisierung der Gesellschaft, durch politische Korrektheit und andere Modeerscheinungen wird sich zweifellos ebenso fortsetzen.
Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands könnte durch den demographischen Wandel relativ rasch abnehmen. Und die Hinwendung eines links dominierten Deutschlands zu einer Vergemeinschaftung der Schuldenpolitik in der Europäischen Union wird wohl ein Übriges tun, um dem Land ökonomisch das Genick zu brechen. Der daraus resultierende sozioökonomische Abstieg und die Entwicklung des Landes hin zu einer multiethnischen Konflikt- und Ghettogesellschaft mit schweren sozialen Spannungen bis hin zum latenten Bürgerkrieg wären wohl die mittel- und langfristige Folge.
„Denk ich an Deutschland bei der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“, meinte einst Heinrich Heine. Damals waren es unfähige, absolutistisch regierende Fürsten, die das Land und seine Menschen in Geiselhaft hielten. Heute sind es nicht minder unfähige Parteibonzen sowie Brüsseler Eurokraten, die Deutschland dominieren.
Zu Heinrich Heines Zeiten gab es allerdings noch die Hoffnung auf eine Revolution, wie sie dann 1848 wirklich stattfand. Wer sollte hingegen heute
revoltieren?

One Response to Denk ich an Deutschland …

  1. Dr. Rita Kappert sagt:

    Herr Mölzer, Sie haben ja so Recht. Sehr gut formuliert. Ich bedaure diese Entwicklungen sehr, sehe aber auch keine Möglichkeiten, noch zu einer Umkrehr zu gelangen.

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