Hybris und Angst

Manch einer mag in den letzten Tagen nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia und dem medial kolportierten Verhalten des Kapitäns Schettino insgeheim gedacht haben: Na typisch, ein echter italienischer Held. Ein Hasenfuß, der Fersengeld gegeben hat, als es bedrohlich wurde. Nicht zuletzt haben die Medien Schettino ja auch „Kapitän feig“ getauft. Und die vereinzelten Aussagen etwa jener jungen Moldawierin, die sich auf der Brücke befand und ursprünglich verdächtigt wurde, die Gespielin des Kapitäns zu sein oder die des Schiffspfarrers, wonach Kapitän und Mannschaft sich nicht feig, sondern sogar heldenhaft benommen hätten, haben an diesem Bild wenig geändert.

Abgesehen davon, ob es sich dann bei Gericht herausstellen wird, wie es wirklich war, gibt der Fall des Schiffsunglücks und seines Kapitäns doch zu denken: Wie nahe nämlich Hybris und Panik, Größenwahn und kreatürliche Todesangst beieinanderliegen.

Kapitän eines supermodernen, unglaublich luxuriösen Kreuzfahrtschiffs zu sein ist nämlich so etwas wie eine gottgleiche Stellung. Die absolut letzte Instanz auf hoher See, thronend wie Jupiter auf der Brücke, der Star beim Captains-Dinner, umschwärmt von den Passagieren, insbesondere den weiblichen, wie ein Popstar, in eleganter Uniform und stets in Heldenpose. Da kann Hybris nicht weit sein. Und solche Hybris führt dann auch dazu, daß der Gottgleiche in seinem gewaltigen hypermodernen und zweifelsfrei unsinkbaren Schiff auch das eine oder andere waghalsige Manöver fährt, etwa zu nahe am Ufer einer Insel vorbei. Satellitennavigation, die modernste Computertechnik, hochwertigste Materialien und die teuersten Technologien, außerdem darüber thronend die eigene gottgleiche Person, was kann da schon passieren?

Und dann die zu spät erfolgende Erkenntnis, daß der Teufel nicht schläft, niemals. Daß simple Naturgewalten, ein Felsriff etwa, so ganz nebenbei zerstören, zur Hölle schicken, oder schlicht und einfach auf den Meeresgrund wie im Falle von Schiffen üblich. Und dann die daraus resultierende Panik, die schlichte, kreatürliche panische Angst, die vielleicht gerade jenen Menschen besonders unmittelbar erfaßt, der sich zuerst den Göttern gleich wähnte.

Zweifellos gibt es da noch einiges zu klären, was da im Hintergrund passierte. Wie weit etwa die Reederei ihren Kapitän die Anweisung gab, doch ohne Evakuierung anzulegen zu versuchen und damit die fatale Verzögerung auslöste. Oder ob der Kapitän nicht mit seinen Annäherungsmanövern an die Küste tatsächlich Tausenden das Leben rettete, weil er ein Sinken des Schiffes dadurch verhinderte. Und zweifellos wird das vorzeitige Verlassen des Schiffs für den Kapitän strafrechtliche Folgen haben. Ungeachtet dessen aber bleiben der Schiffbruch der Costa Concordia und das Schicksal ihres Kapitäns ein Schulbeispiel für das Kippen von Hybris in Panik, von Größenwahn in Todesangst. Und dies kann nicht nur dandyhaften „italienischen Helden“ passieren, sondern insgesamt dem Menschen an sich.

2 Antworten zu Hybris und Angst

  1. Bloody Mary sagt:

    Ich habe in meinen Jugendjahren als Hostess auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Mir tun alle Beteiligten ganz einfach furchtbar leid. 😥

  2. Alois Weber sagt:

    nix Hybris so wars, auf Kampagne drücken
    http://wirsehenanders.at/

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