Renitente Rechte

7. Februar 2012

Sie haben es also tatsächlich gewagt. Polonaise und Quadrille haben sie getanzt. Diese unverbesserlichen Ewiggestrigen, diese Rechtsextremisten und Rassisten, Revisionisten und Radikale. Just in der Hofburg, an diesem geschichtsträchtigen Ort, wo einst der Unsägliche „die Heimkehr seiner Heimat ins Reich“ proklamierte. Und das am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Unerhört und völlig inakzeptabel. Ein wahrer Gewaltexzeß, vergeblich versteckt hinter der Camouflage von Frack, Smoking und Abendkleidern. Nur zu verständlich, daß die antifaschistische Volksseele da rund um die Hofburg ins Rasen geriet. Verständliche Empörung, die sich da äußerte. Und was sind schon einige Pflastersteine, Flaschen und andere Wurfgeschosse, was ist schon die eine oder andere Schaufensterscheibe, womöglich ein brennendes Auto oder ein wegen seiner Ungeschicktheit verletzter Polizist angesichts solch maßloser rechtsextremer Provokation?

Wenn israelitische Kultusgemeinde, evangelischer Bischof und Katholische Aktion, sozialdemokratische Vorfeldorganisationen, die Grünen in geschlossenen Reihen und die wichtigsten Säulen der Zivilgesellschaft – angesichts der rechten Gefahr aus reinem Selbstschutz bisweilen auch vermummt – gemeinsam gegen diese unglaubliche Provokation protestieren, ist ihnen der Mainstream-mediale Flankenschutz gesichert. Geht es doch gegen jene unsäglichen Hetzer von rechts, die da die Oppositionsbänke im Parlament drücken und ihre nicht minder unsäglichen Gäste aus anderen europäischen Rechtsparteien. Allesamt im Klüngel mit den bereits zitierten Rassisten, Rabauken und Rechtsextremisten.

Dieses Hofburggetanze dieser renitenten Rechten gilt es abzustellen, zu verhindern, ja zu verbieten. Und verboten gehören natürlich auch all diese ewiggestrigen Vereine, all diese pervers-homophoben Männerbündler, diese deklarierten Frauenfeinde, die es hier wagen, mit Damen einen Ball zu begehen. Forscht sie aus, denunziert sie, schlagt sie wo ihr sie trefft! Die gerechte antifaschistische Empörung rechtfertigt alles. Die vereinigte Zivilgesellschaft samt und sonders Menschenrechtsorganisationen wissen am besten, daß es Grundrechte wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit für die Totsünder gegen die politische Korrektheit nicht geben kann.