Mediale Schönfärberei kann Integrationsprobleme nicht überdecken

21. Juli 2010

Gegenwärtig gehört es zur politisch-medialen Pflichtübung, die Segnungen der multikulturellen Gesellschaft zu preisen und das real existierende Konfliktpotential der Massenzuwanderung zu verharmlosen. Glaubt man bestimmten Berichten, so leben nur 112.000 Türken in Österreich. Erst später wird der Leser aufgeklärt, dass zumindest eine Viertelmillion österreichischer Staatsbürger einen türkischen Migrationshintergrund haben. Und berücksichtigt man die Zahl der illegal in unserem Land ansässigen Türken, dann muss man von 500.000 Menschen ausgehen.

Die meisten eingebürgerten Türken beharren allerdings auf ihre nationale, kulturelle und auch religiöse Identität. Staatsrechtlich mögen sie Österreicher sein, vom sozialen und kulturellen Verhalten bleiben sie aber Türken. Nicht umsonst hat der türkische Premier Erdogan bei seiner berüchtigten Kölner Rede seinen Landsleuten zugerufen, dass Assimilation ein Verbrechen sei und dass sie ihr Türkentum auch als Zuwanderer in Europa aufrecht erhalten müssten. Dieser Appell fällt mit Sicherheit auf fruchtbaren Boden, bedenkt man etwa, dass es in Österreich lebende Türken gibt, die hier die Staatsbürgerschaft haben, allerdings ihre türkische auch aufrechterhalten und dies sogar zum Preis des türkischen Militärdienstes.

Es ist falsch, Probleme wie türkische Parallelgesellschaften oder Jugendkriminalität, die allzu häufig Ausländerkriminalität ist, zu überdecken. Wenn hier die Zahlen schöngeredet werden, wird dies am realen Problem kaum etwas ändern. Vielmehr läuft das politisch-mediale Establishment Gefahr, im Bewusstsein der breiten Bevölkerung eine weitere Kluft zwischen problematischer Realität und schöngefärbter medialer Interpretation zu erzeugen.