Bildungspflicht oder Recht auf Dummheit?

10. September 2020

Erleben wir das Ende der Schulpflicht in Zeiten der Pandemie?

Seit mehr als einem halben Jahr ist die Schulpflicht hier zu Lande gewissermaßen ausgesetzt. Zuerst gab es nur E-Learning, dann Schulbesuch im reduzierten Schichtbetrieb, demnächst wahrscheinlich denselben, gesteuert mittels skurriler Ampel-Mechanismen und partiellen Schließungen von Schulen. Fest steht dabei jedenfalls, dass das Erreichen von Lernzielen, die Vermittlung von Wissen und Unterrichtsstoff im Zuge dieser Entwicklung nur sehr reduziert möglich war und auch weiterhin sein wird. Engagierte Schüler lernen auch mit Sicherheit weniger, als während des ursprünglichen Normalbetriebs Schüler aus bildungsfernen Familien lernen so gut wie nichts mehr.
Auch das vielgepriesene E-Learning ist zwangsläufig eine halbe Sache, welche den direkten Kontakt von Lehrer zu Schüler nicht zu ersetzen vermag. Auch Universitätsstudien, die ja auch in Zukunft weitestgehend auf E-Learning setzen sollen, können solcher Art nur mehr rudimentär stattfinden. Man denke etwa an universitäre Prüfungen, die über Computer und Internet stattfinden und zumeist ohne dies nur mehr aus Multiple-Choice Tests bestehen. Und diese werden dann mit Hilfe eines zweiten Computers oder des Handys nach zeitgleicher Information durch Wikipedia und Google vom Studierenden absolviert. Eine wirkliche Parodie einer Prüfung.
Diese Entwicklung weist insgesamt darauf hin, dass man die Schulpflicht, die es seit den Tagen Maria Theresias, also seit mehr als 200 Jahren im Lande gibt, gegenwärtig allzu leicht bereit ist, aufzugeben.
Da wird zwar euphemistisch davon gesprochen, dass nunmehr endlich ein Digitalisierungsschub im heimischen Schulwesen stattfindet, dass das Ganze aber gleichzeitig ein massiver Kreativitätsverlust ist, wird ignoriert. Schüler, die auf Handys herum wischen, werden wohl nur mehr in sehr beschränktem Maße Bildung erwerben.
Das Bildungsideal, dass wir im westlichen Abendland seit der Aufklärung pflegen, scheint ja überhaupt zu verblassen. Bereits vor Corona-Zeiten musste man feststellen, dass die Generation Internet zwar unmittelbar Zugang zu einem ganzen Universum von Informationen hat, dass sie aber kaum mehr Bildung, schon gar nicht Wissen, erwirbt.
Der klassische Bildungskanon etwa, den man im deutschen Sprachund Kulturraum in früheren Zeiten zu erwerben pflegte – das Basiswissen in Naturwissenschaften und auch in Geisteswissenschaften, ein Wissen, das über die Grundrechnungsartenund die Grundkenntnisse der Kommunikation weit hinausging, ist ganz offensichtlich obsolet geworden. Tendenzieller Analphabetismus ist im Vormarsch. Ein Analphabetismus, der gerade nochdie Übermittlung kürzester SMS-Meldungen oder WhatsApp-Grüße erlaubt, mehr nicht mehr. Die Fähigkeit zum sinnerfassenden Lesen, zur schriftlichen Wiedergabe eigener Gedanken und zusätzlich noch die Grundrechnungsarten, Kenntnisse also, die seit den Tagen Maria Theresias jeder Bauernknechtin Österreich aufzuweisen hatte, sind heute bei Maturanten und bisweilen sogar bei jungen Akademikern nur mehr ansatzweise vorhanden. Das Lesen von Büchern gilt bei dieser Generation gewissermaßen schon als skurrile Orchideen-Wissenschaft, und das alte klassische Motto „Bildung macht frei“ wird von diesen Menschen wohl zu meist bereits als NS-Wiederbetätigung qualifiziert.
Fallen wir also zurück in Zeiten, da Bildung und Wissen das Privileg einer hauchdünnen Oberschicht, des Adels, oder zu meist nur des Klerus gewesen ist, sind die Mächtigen gar bestrebt das Volkverblöden zu lassen, um es leichter manipulieren und lenken zu können? Es fiele gewiss in den Bereich der Verschwörungstheorien, würde man dies annehmen. Ohne geplant zu sein, scheint es aber so eine Entwicklung tatsächlich zu geben. Das „Recht auf Dummheit“, das es in demokratischen Gesellschaften zweifellos auch gibt, wird in unseren Tagen ganz zweifelsfrei häufiger in Anspruch genommen als das „Recht auf Bildung“, das eben seit der Aufklärung propagiert wurde.
Eine Gesellschaft der Ungebildeten, in der Halbgebildete oder Viertelgebildete bereits seltene Ausnahmen sind, ist natürlich anfällig im selben Maße für Verschwörungstheorien, wie für dogmatische Reglementierung seitens des politisch-medialen Establishments. Und damit sind wir wieder bei der Coronakrise: Einerseits lassen sich die Bürger durch die gezielte politische Kommunikation der Regierung und dem damit verbundenen Verlautbarungs-Journalismus der Mainstream-Medien in Angst und Schrecken versetzen. Ein guter Teil der Österreicher – die Menschen des übrigen Europa dürften da nicht anders reagieren – sind geradezu traumatisiert von dieser gezielten Angstmache der Regierung und damit gleichzeitig bereit, auf ihre Grundrechte zum großen Teil zu verzichten. Ein guter Teil der Gesellschaft ist andererseits – auch mangels kritischen Denkens und profunder Bildung – bereit, den groteskesten Verschwörungstheorien Glauben zu schenken und müssen sich dergestalt als absolut irrationale Corona-Leugnen abstempeln lassen. Diese beiden völlig entgegengesetzten Haltungen in Teilen der Bevölkerung sind also jeweils auch die Folge fehlender Bildung und fehlenden kritischen Denkens.
Das eingangs skizzierte Aussetzen der Schulpflicht durch die Corona-Maßnahmen und das unkritische Bejubeln des E-Learnings und der Digitalisierung der Schule wird die Entwicklung zur absoluten Nivellierung des Bildungsniveaus der Bevölkerung mit Sicherheit unterstützen und verstärken.
Dazu kommt die gesellschaftspolitische Realität, dass bei zunehmendem Anwachsen der Migranten-Parallelgesellschaften und deren Bildungsunwilligkeit die Schulpflicht, wie wir sie seit 200 Jahren kennen, ohnedies sehr stark relativiert wird. Kinder, die der Staatssprache Deutsch kaum mächtig sind, haben die Schulpflicht schon in den vergangenen Jahren nur mehr sehr relativ gesehen. Mit Coronabedingten Schulschließungen und E-Learning werden sie diese in noch geringeren Maße wahrnehmen. Immer wieder angedachte Strafen für Eltern, die für ihre Kinder diese Schulpflicht nicht wahrnehmen, laufen da ohnedies ins Leere.
Nun scheint es so, als würde eine ganze Generation von Schülern nahezu ein Jahr an schulischer Ausbildung verlieren. Bislang galt es allenthalben als kaum aufzuholende Katastrophe, wenn ein Schüler etwa mehrere Monate krankheitsbedingt ausfiel, heute spielt es offenbar keine Rolle. Früher hieß es Nachlernen und den Erwerb des Stoffes durch Nachprüfungen nachzuweisen, heute ist das offenbar völlig gleichgültig. Da wird der Lehrstoff eines ganzen Schuljahres leichterdings ad acta gelegt, es gab kaum Schularbeiten, kaum Prüfungen und auch die Matura des Jahres 2020 dürfte in etwa die Qualität gehabt haben, wie seinerzeit 1944/45 die legendäre Kriegsmatura.
Und der neue Schulbetrieb, der nunmehr auf Österreichs Schüler zu kommt, mit Ampel-geregelter Maskenpflicht, mit ständigem Lüften in den Klassenzimmern, mit dem Abstand halten, singen nur im Freien und ähnlich skurrilen Maßnahmen, dürfte einen geregelten Schulbetrieb zulassen. Da darf man dann schon provozierend fragen, ob man die Schulpflicht nicht insgesamt und auch deklarierterweise abschaffen sollte. Die Masse der Bevölkerung könnte ein verfassungsmäßig garantiertes Recht auf Dummheit wahrnehmen, übermäßige Bildung dürfte man dann wohl als rechtsextrem oder rassistisch brandmarken und die Umstellung von Smartphones, Tablets und Laptops von der Schriftsprache auf rein akustische Signale, oder allenfalls eine simple Bilderschrift, wäre wohl auch rasch zu vollziehen. Schöne neue Welt…