Ein politischer Rosenkrieg

17. Juni 2017

Ganze fünf Monate müssen also zwischen der Aufkündigung der Koalition und der Neuwahl vergehen. Fünf Monate, die vom Wahlkampf geprägt sind, von gegenseitiger Blockade, von gegenseitiger Vernaderung, vom Tricksen und Fallenstellen jener Parteien, die nach wie vor gemeinsam in der Regierung sitzen. Fünf Monate, in denen für Österreich nichts weitergeht, fünf Monate, in denen das Land nicht wirklich regiert wird, fünf Monate, in denen die politischen Akteure opportunistisch nur auf ihren eigenen Vorteil achten und nicht auf das Wohl des Volkes und des Landes – schöne Zeiten.
Da agiert einerseits ein ziemlich zerzaust wirkender Kanzler, der sein Strahlemann-Image innerhalb nur eines Jahres verloren hat. Sorgen und Schlaflosigkeit machen Tränensäcke und Falten und sogar die Slim-Fit-Anzügen wirken ein bisschen abgewohnt.
Andererseits gibt es da den Jungstar, der so tut, als hätte er mit dem Ganzen nichts zu tun, als wäre er nicht seit Jahren Mitglied dieser Regierung, die so offenkundig versagt hat. Er hält sich vom ziemlich chaotischen Regierungsgetriebe fern und glaubt, solcherart den Vorgang seiner Entzauberung bis zum Wahltag hinauszögern zu können. Offenbar einer, der die Österreicher für ziemlich dumm hält.
In der Mitte sitzt – recht sympathisch, aber ohne Wirksamkeit – als Mediator der schwarze Vizekanzler, der den sich versteckenden Jungstar ersetzen muss.
Und so sollen dann jene Gesetzesvorhaben noch gemeinsam beschlossen werden, die die einstige rot–schwarze-Koalition paktiert hat: Bildungsreform, Homo-„Ehe“, etc. etc. Derweil tagt ein Untersuchungsausschuss, der längst auch nur mehr Teil des Wahlkampfes ist und dem gegenseitigen Anschütten dient.
Und überdies gibt es da, insbesondere in der Sozialdemokratie, die rivalisierenden Gruppen, die sich bis hin zu Tätlichkeiten befehden. Darf man mit den bösen „Rechtspopulisten“, sprich, mit der FPÖ des Heinz-Christian Strache, oder darf man nicht: eine Glaubensfrage für die einstige Arbeiterbewegung. Eine Frage wohl, an der sie auch scheitern dürfte.
Die schwarze Reichshälfte des verborgenen Jungstars tut sich da leichter, sie hängt noch immer der alten Doktrin des längst vergessenen Julius Raab an, der da sagte: „Die werden wir inhalieren“. Kurz und Konsorten glauben offenbar, Strache und die Freiheitlichen mit dem Schmäh nehmen zu können und sie – Wolfgang Schüssel lässt grüßen – als billige Mehrheitsbeschaffer missbrauchen zu können. Ob sie sich da nicht vielleicht irren?
Der Rest der politischen Landschaft jenseits von Freiheitlichen, Sozialisten und den inzwischen ins Türkise gewechselten Kurz-Jüngern spielt eine zu vernachlässigende Rolle. Die Stronach-Partie hat längst aufgegeben. Ihre Wähler werden wohl zu den Freiheitlichen zurückkehren, dem einen oder anderen Vertreter von ihnen mag vielleicht politisches Asyl gewährt werden.
Die Neos des hyperaktiven Strolz kämpfen ums Überleben, vom politischen Phänotypus her wirken sie nämlich bloß wie Platzhalter der türkisen Truppe. Und die Grünen haben nur mehr ein Ziel, nämlich die Freiheitlichen zu verhindern. Von Umweltpolitik keine Rede mehr, nicht einmal die Vertretung von Randgruppen wie bisher ist ihnen noch ein Anliegen.
Und verglichen mit Frau Lunacek hat Frau Glawischnig geradezu noch sympathisch mütterlich gewirkt.
Angesichts dieser Ausgangsposition befinden sich die Freiheitlichen von Heinz-Christian Strache in einer geradezu komfortablen Lage, sich das Ganze erste Reihe fußfrei anzusehen.
Das allein wird aber nicht reichen. Wenn sich im Lande wirklich etwas ändern soll, werden sie in der Tat die besseren Konzepte für das Land und die besseren Politiker für Österreich präsentieren müssen. Auch kein leichtes Unterfangen.


Kriterien- Katalog ­andersrum

15. Juni 2017

Vielleicht diktiert ja die Strache-FPÖ die Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung

Gerade in diesen Tagen mussten die Freiheitlichen des Heinz-Christian Strache wieder einmal erleben, dass sie von den beiden Traditions- und Regierungsparteien der Republik eigentlich nicht wirklich als politische Partner, sondern stets nur als Mittel zum Aufbau einer Drohkulisse, als Erpressungspotenzial gegen die jeweilige andere Partei benutzt werden: In Sachen Bildungsreform tat man vonseiten der Kurz-ÖVP so, als wolle man sich mit den Freiheitlichen einigen, man habe mit diesen wesentlich mehr gemein – um letztlich doch die rote Koalitionskarte zu spielen.
Was hier im Kleinen geschehen ist, haben die Freiheitlichen in den letzten Jahrzehnten wiederholt nach Wahlen im Zuge von Koalitionsverhandlungen erleben müssen. Sie dienten primär für die schwarze Reichshälfte als Erpressungspotential gegenüber der roten, um die Koalitionsbedingungen zu optimieren. Andernfalls könne man ja auch mit der FPÖ.
Und zweimal mussten die Freiheitlichen ja ganz real als Regierungspartner herhalten, und zwar als billige Mehrheitsbeschaffer. Nicht im Jahre 2000, als Haider ÖVP-Chef Schüssel aus der Position des Drittstärksten zum Kanzler machte, wohl aber 1983, als Norbert Steger der Nach-Kreisky-SPÖ die Macht zu retten hatte, und dann später im Jahre 2002, als Herbert Haupt mit der FPÖ den wohlfeilen Mehrheitsbeschaffer gab. Erst war es eine FPÖ mit kaum fünf Prozent der Wählerstimmen, dann eine solche die von 27 auf zehn Prozent geschrumpft war.
Heute hingegen unter Heinz-Christian Strache agieren die Freiheitlichen auf Augenhöhe mit den beiden Alt-Koalitionären und sie haben gewiss aus der Geschichte gelernt, dass dem allzu bereitwilligen Mehrheitsbeschaffer die Gunst des Wählers überaus rasch abhandenkommt. Überdies ist es wohl ein neues Selbstbewusstsein, das die Freiheitlichen auf Grund ihrer jahrelangen Wahlerfolge, ihrer parallel dazu vorhandenen Themenführerschaft und ihrer nach wie vor hervorragenden Position in den Meinungsumfragen haben.
Solcherart werden sie sich wohl kaum von Parteien, die in der Wählergunst abstürzen, Koalitionsbedingungen diktieren lassen. Der viel diskutierte Kriterienkatalog der SPÖ reduziert sich deshalb zur reinen innerparteilichen Nabelschau, bei der der linke gegen den pragmatischen Parteiflügel um die Vorherrschaft ringt. Häupl gegen Niessl, und Kern in der Zwickmühle.

Vielmehr werden also wohl die Freiheitlichen selbst jene Kriterien definieren müssen, unter denen sie bereit sind – sei es als geringfügig schwächerer oder geringfügig stärkerer Partner – in eine Regierung einzutreten. Und da stellt sich nun die Frage, wie ein solcher freiheitlicher Kriterienkatalog aussehen könnte.
Eine Präambel zu einem Koalitionsabkommen, das die freiheitliche Handschrift trägt, könnte etwa nach folgenden Grundprinzipien formuliert werden:
Die österreichische Verfassung und die österreichische Rechtsordnung sind absolut zu wahren. Die Duldung von massenhaften Rechtsbrüchen, wie etwa jene von illegaler Zuwanderung, ist ausnahmslos zu unterbinden. Die verfassungsmäßige Wahrung der Souveränität, der Grenzen und des Gewaltmonopols der Republik ist ausnahmslos zu gewährleisten. Dazu gehört die Grenzwahrung mit allen staatlichen Machtmitteln.
Die österreichische Rechtsordnung duldet die Entwicklung von Parallelgesellschaften mit Sonderrechten wie etwa der Scharia in keiner Weise. Die Integration von Zuwanderern und anerkannten Asylanten ist eine absolute Bringschuld. Zu dieser Bringschuld gehört die vorbehaltlose Akzeptanz der österreichischen Leitkultur und der deutschen Staatssprache.
EU-Verträge, die Teil der österreichischen Rechtsordnung und des heimischen Verfassungsgefüges geworden sind, sind ausnahmslos zu beachten. Brüche der EU-Verträge, wie sie im Zuge der Euro-Rettung vielfach vorgenommen wurden, sind seitens der Republik in Brüssel zu verhindern. EU-Reformen für eine zukunftsfähige europäische Integration zum Erhalt des europäischen Friedensprojekts und der nationalen und kulturellen Identitäten der europäischen Völker sind seitens der Republik unter besonderer Betonung des Prinzips der Subsidiarität zu entwickeln. Auch die Reform der gemeinsamen Währung ist in diesem Sinne voranzutreiben.
Die direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild unter möglichst intensiver Bürgerbeteiligung ist zu entwickeln. Dazu müssen zu allererst Volksbegehren ab einer gewissen Stärke zu verbindlichen Volksbefragungen und Volksabstimmungen führen.
Eine umfassende Verwaltungsreform (im Sinne der Vorschläge, die der Rechnungshof erstellt hat) mit der gleichzeitigen Rationalisierung des österreichischen Föderalismus unter größten Respekt vor der historischen Identität der Bundesländer muss verwirklicht werden, um solcherart umfangreiche Budgetmittel freizumachen.
Das österreichische Sozialsystem ist nach dem Prinzip der primären Staatsbürgerfürsorge zu reformieren. Nicht-Staatsbürger und Zuwanderer erhalten Sozialleistungen unter Maßgabe der von ihnen erbrachten Beiträge für das österreichische Sozialsystem. Staatliche Transferleistungen, die ins Ausland gehen, erfolgen quantitativ nicht in jenem Maße wie es in Österreich der Fall wäre, sondern sind nach dem Residenzprinzip der Höhe der Lebenserhaltungskosten des jeweiligen Landes anzupassen. Das Sozialversicherungssystem wird auf gerechte und ausgewogene Art und Weise vereinheitlicht, die unterschiedlichen Versicherungsanstalten werden zusammengelegt.
Massive Steuersenkungen zur Entlastung des Mittelstandes und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich sind energisch in Angriff zu nehmen. Die kalte Progression ist abzuschaffen. Die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit ist durch intensive Beschäftigungsprogramme im Bereich der öffentlichen Investitionen zu bekämpfen.
Die Finanzierung all dieser Maßnahmen ist durch die zuvor zitierte Verwaltungsreform und Rationalisierung des Föderalismus zu gewährleisten. Ständestaatliche Relikte wie der Kammerzwang sind ersatzlos zu beseitigen.
Eine umfassende Bildungsreform versucht die Qualitäten des österreichischen Schulwesens, wie sie bis hin zu den linken Pseudoreformen und Experimenten ab den 70er-Jahren bestanden hat, wieder herzustellen. Ein differenziertes Schulsystem, das die Leistungsfähigkeit und Begabungen der jungen Menschen berücksichtigt, muss zu allererst die Kenntnis der grundlegenden Kulturtechniken gewährleisten, dann die Identifikation der jungen Menschen mit der eigenen Kultur und schließlich ein umfassendes und solides Allgemeinwissen gewährleisten. Wissenschaft und Forschung müssen absolut unabhängig und frei von staatlichen Zwängen, ideologischen Dogmen, auch jene der Political Correctness, und parteipolitischer Bevormundung entwickelt werden.
Eine positive Zukunft des Landes und das Wohl seiner Bürger, Frieden, Freiheit und Wohlstand für Österreich in einem selbstbestimmten und prosperierenden Europa, das die Einheit in der Vielfalt tatsächlich lebt, muss das Ziel der politischen Arbeit einer Regierung unter freiheitlicher Beteiligung sein. Wenn dies unter dem Motto „Österreich zuerst“ erfolgt, dann ist dies kein chauvinistischer Anspruch, sondern schlicht der politische Arbeitsauftrag im Sinne der österreichischen Bundesverfassung.

Bei der Reformresistenz der beiden Traditionsparteien der Republik allerdings könnte ein solcher freiheitlicher Kriterienkatalog bloßer Wunschtraum bleiben.


Politische Insolvenz

24. Mai 2017

Die Regierung hat also in der Vorwoche aufgegeben, die Koalition ist zerbrochen, und der neue Wahltermin ist fixiert – und zwar auf Initiative der Opposition, denn die Regierung konnte sich nicht einmal mehr dazu durchringen, gemeinsam ihre Zusammenarbeit fristgerecht zu beenden. Nein, sie bedurfte auch diesbezüglich noch der Initiative der freiheitlichen Opposition, der sich die anderen Oppositionsparteien anschlossen. Und so wird also am 15. Oktober des Jahres gewählt.
Nachdem der Wahlkampf somit begonnen hat, und man bemüht ist, dem Wähler politische Arbeit vorzugaukeln, sagen die beiden Scheidungspartner ÖVP und SPÖ natürlich, dass sie weiterarbeiten wollten, dass sie im Parlament noch wichtige Vorhaben finalisieren wollten und dass sie solcherart noch Leistung für der Republik zu erbringen gedächten. Das allerdings sind nur schöne Worte, und wenn Justizminister Brandstetter nunmehr zum Vizekanzler erhoben wurde, ist das auch nur eine Geste, die nicht viel mehr bedeutet, als dass der neue ÖVP-Chef Kurz sich nicht im Windschatten von Bundeskanzler Kern verschleißen lassen will.
Das in der Vorwoche von den beiden ehemaligen Regierungspartnern propagierte freie Spiel der Kräfte im Parlament ist allerdings auch nur ein frommer Wunsch. Es wird nämlich keineswegs dabei bleiben, dass sich im Parlament die vernünftigen Initiativen durchsetzen und die politischen Parteien dafür stimmen. Nein, jede Partei wird den Wahlkampf schon im Auge haben und das tun, was taktisch am Klügsten erscheint – eben das, womit sie glaubt, beim Wähler am ehesten zu punkten.
Insgesamt werden wir also in Österreich fünf Monate – und wenn die Regierungsverhandlungen nach der Wahl lange dauern, nahezu ein Jahr – politischen Stillstand haben und weitergehen wird für das Land gar nichts. Die politischen Konkursverwalter von Rot und Schwarz, angeführt vom Bundespräsidenten – der Herr in der Hofburg wirkt ja längst sehr überfordert – werden für die Republik kaum etwas machen, sondern nur ans Wohl und Wehe ihrer politischen Parteien und der Spitzenposten denken. Das ist aber überaus gefährlich, da wesentliche Reformen und politische Maßnahmen anstehen und das Land nicht im Chaos versinken darf.
Insbesondere in der Zuwanderungs- und Flüchtlingsfrage stehen dringende Entscheidungen an. Zum einen muss man die Europäische Union dazu bewegen, die Mittelmeerroute endlich zu schließen, zum anderen ist das Chaos im Bereich der Integration schnellstmöglich ordnungspolitisch zu regeln. Jene Hundertausenden, die im Zuge des Flüchtlingsfiaskos nach Österreich gekommen sind, werden nämlich zunehmend zur Gefahr für den sozialen Frieden und die innere Sicherheit. Die kommende Regierung bzw. auch jene Kräfte, die von der bisherigen rot–schwarzen Koalition übrig geblieben sind, haben also schnellstens dafür zu sorgen, dass eine weitere Zuwanderung unterbleibt, dass bei jenen, die da sind, das Asylrecht schnellstmöglich überprüft wird, dass jene, die keine Asylberechtigung haben, schnellstens repatriiert werden und dass eine harte Integrationspolitik einzuschlagen ist.
Ganz abgesehen davon gibt es natürlich im Bildungsbereich und in den Fragen des Wirtschaftsstandorts, aber auch in den Bereichen der sozialen Gerechtigkeit – Stichwort: kalte Progression – Handlungsbedarf. Die Regierung wird auch diesbezüglich nicht warten können, bis sich die politischen Dinge bzw. die parteipolitischen Probleme absolut geklärt haben. Neben dem Wahlkampf haben also die politischen Konkursverwalter von Rot und Schwarz und der Bundespräsident dafür zu sorgen, dass das Land weiter regiert wird und nicht im Chaos versinkt. Binnen Jahr und Tag hoffen wir, eine neue Regierung zu haben, möglichst unter massiver freiheitlicher Beteiligung, die die Probleme dann zu lösen haben wird.


Die System-Erhalter

13. Juni 2016

Die System-Erhalter haben alles mobilisiert und sind damit offenbar noch einmal über die Runden gekommen. (Das endgültige Wahlergebnis der Briefwahlstimmen war bei Verfassung dieses Textes noch nicht bekannt.) System-Erhalter, das sind in diesem Falle alle Vertreter des politischen Establishments, der Mainstream-Medien, der Kulturszene, der staatsnahen Wirtschaft und des ebenso vom Staat gegängelten Wissenschaftsbetriebes. Sie alle haben uns wissen lassen, dass der System-Kandidat Alexander Van der Bellen doch zu wählen sei. Und siehe da, 50 Prozent der Wähler, die von ihrem Stimmrecht Gebrauch machten, haben sich vor den Karren dieser Systemerhalter spannen lassen.

Und man hat das Ganze natürlich auch strategisch genau geplant. Mutmaßlich werden sich ein, zwei Tage nach dem ersten Wahlgang die Spindoktoren und Strategen dieser System-Erhaltergruppe zusammengesetzt haben. Da hat man dann beschlossen, wann sich die ÖVP-Alt-Granden Molterer, Riegler, Busek und Fischler für den grünen Kandidaten auszusprechen haben und dann hat man wohl die Frau Griss entsprechend motiviert. Und schließlich hat man es sogar zustande gebracht, den Versager-Kanzler Faymann noch zeitgerecht aus dem Amt zu jagen, um einen vermeintlich charismatischen Nachfolger zu installieren. Solcherart hat man jenen Menschen, die beim ersten Wahlgang gegen eine verfehlte Regierungspolitik protestiert haben, versucht, den Anschein zu vermitteln, diese Regierung sei nun ohnedies ausgetauscht worden, der neue Kanzler würde alles besser machen, und es bestehe nun mehr kein Anlass für eine Protestwahl.

Man hat also jenen Protestwählern, die für Hofer votiert haben, das primäre Motiv genommen und man hat jene Schicht von politisch korrekten Zeitgeistlern, die in erster Linie gewählt haben, um Hofer zu verhindern, eine entsprechende Mobilisierung verpasst.

Tatsächlich ist das Ganze aufgegangen. Die hohe Wahlbeteiligung der Anti-FPÖ-Wähler hat dem grünen Kandidaten genützt und die Zeitgeist-Schickeria hat immerhin rund die Hälfte der gültigen Stimmen für sich vereinnahmen können. Die Gräben, die damit aufgerissen wurden und die jetzt noch vertieft werden, weil die Repräsentanten dieser Zeitgeist-Schickeria ja davon sprechen, dass das ein Kampf gegen den Rechtsradikalismus und den latenten Faschismus der Österreicher sei, diese Gräben werden wohl nicht so schnell zugeschüttet werden. Die System-Erhalter nehmen es also bewusst in Kauf, das Land und seine Bevölkerung zu spalten. Dass diese Spaltung von den Van der Bellen-Fans ausgeht und nicht von jenen des freiheitlichen Kandidaten Hofers ausgeht, steht außer Zweifel.


Meltingpot Österreich?

25. September 2015

Die gegenwärtige Flüchtlingswelle wird das Gesicht Europas verändern, heißt es. Zweifellos auch das Gesicht Österreichs, da allein in diesem Jahr geschätzte 100.000 Menschen, Kriegsflüchtlinge aus Syrien, aber auch Wirtschaftsflüchtlinge aus allen anderen Teilen der Welt, ins Land kommen. Und möglicherweise war das erst der Anfang, und die globalen Migrationsströme bescheren uns auch in den kommenden Jahren auf ähnliche Weise einen gewaltigen Bevölkerungszuwachs. Zusammen mit dem darauf zwangsweise folgenden Familiennachzug wird das für die kleine Alpenrepublik eine völlige Neustrukturierung der ethnisch-kulturellen Zusammensetzung der Bevölkerung nach sich ziehen. Syrer, Iraker, Afghanen, Pakistani, sie werden in größerer Zahl zur Wohnbevölkerung der Republik zählen als die Angehörigen der autochthonen Minderheiten wie etwa die Kärntner Slowenen oder die burgenländischen Kroaten.
Nun hören wir, dass Österreich schon immer multikulturell war. Was sei da seit dem Ende des Römischen Reiches nicht alles an Völkern durchgezogen durch den Alpen- und Donauraum. Nach den Kelten und Romanen seien die diversen Völkerwanderungsethnien germanischen Ursprungs, schließlich die alten Slawen, die Awaren und dann eben auch die Bayern gekommen. Später dann, in der jüngeren Vergangenheit, kam die Donaumonarchie: War das nicht ein Schmelztiegel der alpendeutschen Bevölkerung mit romanischen und slawischen Völkerschaften, mit Magyaren und dem jüdischen Element? Und erst seit 1945, als hunderttausende Vertriebene ins Land kamen, Volksdeutsche zwar aus dem Sudetenland, vom Balkan, aber sicher auch Zuwanderer, ist Österreich also ein klassisches Einwanderungsland?
Richtig ist jedenfalls, dass es in den zweieinhalbtausend Jahren unserer fassbaren Geschichte zahlreiche Überschichtungsprozesse, Zuwanderungs- und Verdrängungsprozesse gab, die schließlich den Homo Austriacus schufen, jenes grantelnde, künstlerisch jedoch hochbegabte, zwischen Opportunismus und Pessimismus schwankende Wesen, das sich mit Fug und Recht als gelernter Österreicher bezeichnen darf. Warum sollten da also nicht jetzt auch orientalische, afroasiatische Elemente hinzukommen, die nach ungarischem Gulasch, böhmischen Knödeln, nach Ćevapčići eben auch Hammelaugen und Couscous hinzufügen werden?
Aber ganz abgesehen von solchem Multi-Kulti-Optimismus gibt es zwischen der aktuellen Zuwanderungswelle – die Asylsuchenden sind letztlich ebenso wie Wirtschaftsflüchtlinge Zuwanderer – und den genannten historischen Migrationsströmen der jüngeren Zeit große Unterschiede: Die Vertriebenen der Kriegs- und Nachkriegsjahre waren großen Teils volksdeutsche Altösterreicher und solcher Art gewissermaßen Angehörige der eigenen Kultur, die im Zuge nationaler Solidarität integriert werden konnten. Und was in der Ära der Habsburger Monarchie die Zuwanderung aus den Kronländern betrifft, so erfolgte diese aus benachbarten, kulturell und konfessionell nahestehenden Gebieten, die durch die gemeinsame Dynastie und eine gemeinsame Staatsidee miteinander verbunden waren.
Heute ist es Massenzuwanderung aus außereuropäischen Bereichen mit völlig fremder Sprache und Kultur, wobei das Faktum, dass die meisten der Zuwanderer Moslems sind, im Hinblick auf eine zukünftige Integration erschwerend hinzu kommt. Überdies sind die Masse der gegenwärtigen Zuwanderer und die Schnelligkeit des Migrationsprozesses selbst in unseren Tagen so dramatisch, dass sich die Frage stellt, ob die autochthone österreichische Gesellschaft noch die Kraft hat, integrativ zu wirken. Sollten nämlich die Integrationsfähigkeit und auch die Integrationsbereitschaft der angestammten Bevölkerung nicht mehr entsprechend gegeben sein, muss sich zwangsläufig so etwas wie eine multiethnische Kasten- und Ghettogesellschaft bilden. Diese wäre weniger durch Multikultur als durch Multikonflikt-Situationen geprägt und ähnlich wie in den Banlieues von Paris oder in den Farbigen-Vierteln der englischen Industriestädte bestünde die Gefahr eines latenten permanenten Bürgerkriegs. Die herkömmliche europäische Rechtsstaatlichkeit, die parlamentarische Demokratie und unsere gewachsenen Sozialsysteme mit Generationenvertrag und gesellschaftsübergreifenden Solidarität müssten in einer solchen Situation nach und nach zusammenbrechen. Sie wären den damit verbundenen Belastungen wohl nicht gewachsen.
Wenn Zuwanderung soziokulturell verträglich sein soll, muss sie quantitativ auf ein vernünftiges Maß beschränkt bleiben, getragen vom Respekt vor den Menschenrechten der Migranten ebenso wie vom Respekt vor der Kultur und dem Gesellschaftsmodell des Ziellandes. Gesellschaftliche Veränderung bringt Zuwanderung allemal. Ethnische Homogenität ist ein ideologischer Traum aus dem 19. Jahrhundert. Die Haltung aber einer gewissen Leitkultur, in unserem Falle also einer österreichischen, ist das legitime Recht der autochthonen Bevölkerung. Und verantwortungsvolle österreichische Politik muss sich in erster Linie diesem legitimen Ziel verpflichtet fühlen.


Wie peinlich darf Politik sein?

17. Dezember 2013

Wir haben eine Regierung – und was für eine: Nachdem wir schon jahrelang den Drang zum absoluten Mittelmaß erlebt haben, wird dies nun noch durch geradezu groteske Elemente angereichert. Gewiß, die beiden absolut charisma-freien Langeweiler, Spindelegger und Faymann, sind wir schon gewohnt. Daß wir nun aber auch noch einen Studienanfänger als Außenminister haben, schmerzt denn doch ein wenig.
Der Vergleich mit unseren bundesdeutschen Nachbarn macht dies umso deutlicher: Dort wird der Routinier und beinharte Außenpolitikprofi Steinmeier Chef des Auswärtigen Amts. Ein Mann, der zweifellos Gehör finden wird in den internationalen Verhandlungen der kommenden Jahre. Bei uns ist das der Herr Kurz, von dem man mit seinen 27 Jahren nicht einmal weiß, welches Studium er vor seinem Amtsantritt als Staatssekretär vor mehreren Jahren begonnen hat, ob er über irgendwelche Fremdsprachenkenntnisse und ob sein außenpolitischer Horizont über das heiter Hauptstadt-Raten hinausgeht. Aber, ein lieber Bub ist er und so fesch …
Daß eben derselbe Herr Kurz in den Umfragen angeblich gut dasteht, sagt nur aus, wie fragwürdig das Gewerbe des Demoskopen ist oder wie dumm die Leut’ sind. Offenbar haben sie genau die Regierung, die sie verdienen. Aber bitte, seinerzeit in der guten alten Zeit der Monarchie hatten wir das ja auch. Kaiser Franz Joseph war ein 18jähriger Rotzbub, als er auf den Thron kam, und Napoleon gute 20, als er General wurde. Warum also nicht auch der Herr Kurz?
Erstens einmal – Spaß ohne – weil er keinerlei Gottesgnadentum für sich in Anspruch nehmen kann wie der alte Habsburger und zweitens, weil bisher niemand auf die Idee kam, ihm Genialität nachzusagen, wie seinerzeit dem Korsen. Können, Wissen, Routine, Erfahrung, Weltläufigkeit, all das ist ihm sicher nicht im überhohen Maße zu eigen. Warum also wurde Kurz Außenminister? Nun, einzig und allein deshalb, weil seine Partei glaubte, einen personalpolitischen Geck setzen zu müssen, sich einen medial verhätschelten Hoffnungsträger zu halten. Einen Hoffnungsträger, den man, nebenbei gesagt, langfristig zum Opfer macht. Denn was wird denn der Herr Kurz in zehn Jahren sein? Noch immer Außenminister oder Konsulent bei der Gazprom oder Landesjägermeister von Niederösterreich? Wahrscheinlich weder noch. Mit Sicherheit ein ausgebrannter Mann mittleren Alters, der den Höhepunkt seines Karrierelebens bereits lange hinter sich hat. Aber vielleicht kommt er dann dazu seine begonnen Studien fortzusetzen.
Ironie beiseite: Juvenilitätswahn der 68er-Generation sollten wir hinter uns haben. Und wenn schon das absolute Mittelmaß regiert, dann zumindest einigermaßen seriöse Menschen mit ein wenig Fachwissen. Wenn die ganze Demokratie Bühne für C-Promis, Korruptionisten in spe und Stehsatz-Repetitoren ist, dann kann man vielleicht gleich zur Monarchie zurückkehren, die war zumindest farbenprächtiger – oder auch zur Anarchie.


Der merkwürdige Herr Strohsack

14. Januar 2013

Die grotesken TV-Auftritte des Austro-Kanadiers, der nunmehr als Heilsbringer – „Ich bin die Wahrheit“ – in die österreichische Politik gegangen ist, mögen dem einen oder anderen so etwas wie anarchische Freude bereiten: Der sagt’s dem Establishment so richtig rein. Dabei droht allerdings unterzugehen, dass eben derselbe Herr Stronach in Punkto Wahrheitsliebe mit den Vertretern des etablierten politischen Systems, gegen das er anzutreten vorgibt, durchaus mitzuhalten vermag. Seine Erinnerungslücken in Sachen Eurofighter-Gegengeschäfte lassen außer Altersdemenz nur diese Deutung zu.

340 Millionen listet das Wirtschaftsministerium dem Vernehmen nach auf, die den Umfang der Gegengeschäfte für den Magna-Konzern ausmachten. Stronach sagt, das seinen alles längst laufende Geschäfte gewesen. Wie auch immer. Die Machinationen, die damals um die Beschaffung des Fluggeräts im Umfeld der Haider-Buben Scheibner und Grasser stattgefunden haben, werden jetzt ja wieder zum Thema für die Korruptionsstaatsanwaltschaft. Dass dabei bislang keiner die Frage stellte, warum das gesamte Haider-Umfeld nach der Knittelfeld-Implosion der Regierungskoalition just im Schatten Stronachs landete, verwundert allerdings. Der damalige Klubobmann von Haiders Gnaden, Peter Westenthaler ging zu Stronach, Grasser hatte ein Rückkehrrecht zu Stronach, wurde allerdings dann ÖVP-Minister, Reichhold wurde Weltraumbeauftragter des Herrn Stronach und der damalige Gatte der Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer hatte dem Vernehmen nach einen lukrativen Konsulentenvertrag. Alles reiner Zufall natürlich.

Und was die Wiederansiedelung des Herrn Stronach in der österreichischen Industrielandschaft in den 90er Jahren betrifft, gibt es da ja auch so manche Frage: Hat sich der Austro-Kanadier den österreichischen Teil seines Konzerns nicht durch den Verkauf der Waffenproduktion aus demselben finanziert? Und gibt es irgendwo einen Überweisungsbeleg der Stronach’schen Milliarden von Kanada nach Österreich? Befragen müsste man da vielleicht bei einem Ebreichsdorf-Aufenthalt die Herren Vranitzky und Streicher, die seinerzeit in verantwortlicher Regierungsfunktion dafür sorgten, dass Herr Stronach den Zuschlag bekam. Fest steht jedenfalls, dass man den Austro-Kanadier mit Fug und Recht der mehr als optimalen Nutzung aller staatlichen Förderungsmöglichkeiten in Österreich zeihen kann – und der besten Beziehungen zur Politik.

Ob sein gegenwärtiges politisches Engagement nicht doch auch einen gewissen, mit Drahtziehern im Hintergrund akkordierten Zweck hat, sollte ebenfalls hinterfragt werden. Sein einigermaßen skurriles Auftreten auf der politischen Bühne hat in den Umfragen seit Jahr und Tag immerhin den Freiheitlichen zehn Prozent gekostet. Und seine Themenwahl – Anti-Euro, Anti-EU etc. – scheint maßgeschneidert aufs freiheitliche Publikum abgestimmt zu sein. Und dass ausgerechnet die Kronenzeitung seine stärkste mediale Stütze darstellt, sagt auch einiges aus.

Abseits aller Mutmaßungen jedenfalls wird das politische Antreten Frank Stronachs ein echter Intelligenztest für die österreichischen Wähler. Wie blöd und wie angefressen muss man eigentlich sein, um einen derartigen Großprofiteur des politischen Establishments just als Systemprotest zu wählen? Um einen Großprofiteur der neo-liberalen Globalisierung just als Protest gegen Europäisierung und Globalisierung selbst seine Stimme zu geben?

Aber wie war das schon bei Hans-Peter Martin, der offenbar eine ähnliche Rolle in den politischen Strategien zu spielen hatte? Jedermann wusste, dass der Mann einen Sprung in der Schüssel hat, 18 Prozent haben ihn aber dann gewählt. Da darf Stronach getrost die absolute Mehrheit anpeilen.