Burschen-Brauch und Anarcho-Folklore

25. Januar 2019

Wieder einmal ist es soweit, der Wiener Akademikerball findet in der Hofburg statt, bei dem sich die nationalfreiheitlichen Kooperationen, darüber hinaus aber auch Anhänger und Sympathisanten der FPÖ zum Walzertakt einfinden. 1952 als Ball des Wiener Kooperationsringes ins Leben gerufen, gibt es die Festveranstaltung also bald 70 Jahre. Sie ist gewissermaßen Burschen-Brauch geworden, Tradition für die Kooperationen, die man gemeinhin pauschalisierend als Burschenschaften bezeichnet.
Auf der anderen Seite ist dieser Ball nunmehr auch schon eine Reihe von Jahren Anlass für eine gewisse Anarcho-Folklore, für Protestveranstaltungen der Linken, an deren Spitze der Schwarze Block immer wieder versucht, in Ansätzen seine Bürgerkriegsträume auszuleben. Die Straßenschlacht ist eben der Wunschtraum für den linksradikalen Revolutionär.
Soweit, so lächerlich! Wenn da nicht die immensen Kosten wären, die diese Konfrontation verursacht. Der Philharmonikerball, der Jägerball, der Blumenball und wie sie alle heißen, die schönen Wiener Traditionsbälle verursachen solche Kosten, die das für den Freiheitlichen Akademikerballnotwendige gewaltige Polizeiaufgebot nun einmal erfordert, nicht. Der Bürger und Steuerzahler kann darüber zu Recht empört sein.
Nur was tun, sollten die Freiheitlichen und die ihnen verbundenen Burschenschafter ihren Ball absagen oder zumindest an einen weniger symbolträchtigen Ort, als es die Hofburg ist, verlegen? Gäbe es rund um das Parkhotel Schönbrunn keine linksextremen Proteste?
Von freiheitlicher Seite erklärt man, man habe so wie alle demokratischen Kräfte im Lande das Recht, in der Hofburg zu feiern. Und die Ballbesucher seien keineswegs Teilnehmer an einem „rechtsextremen europäischen Vernetzungstreffen“, sondern biedere Bürger in Frack und Smoking mit ihren Damen in schmucken Abendroben.
Die Gegendemonstranten hingegen, die mehr oder weniger offen nach wie vor nach der Parole agieren, „unseren Hass könnt ihr haben“, seien die Verursacher der hohen Kosten für die Schutzmaßnahmen.
Absperrungen und etwa 3.000 Polizisten, die aus dem Bundesgebiet herangekarrt werden, Überstunden machen und diverse Zulagen verdienen müssen, kosten eben enorm viel. Und der neue Innenminister ist zweifellos ein Garant dafür, dass diese Schutzmaßnahmen im heurigen Jahr noch effizienter und damit aufwendiger sein werden.
Andererseits wird nunmehr gerade die Regierungsbeteiligung der FPÖ, die zweifellos auch das Motiv für die heurige Rekordzahl an Ballbesuchern sein dürfte, auch eine besondere Motivation für die Gegendemonstranten darstellen. Man könnte der Meinung sein, dass man da endlich ein massives Zeichen setzen könnte. Und das Demonstrationsrecht ist nun mal im freiheitlichen Rechtsstaat ein verbürgtes Grundrecht.
Nicht allerdings das Verhindern von Veranstaltungen Andersdenkender, nicht die Randale, nicht die gewalttätige Konfrontation mit der Polizei, das Anzünden von Autos und das Zerstörern öffentlichen Gutes oder gar das Einschlagen von Auslagenfenstern.
Was also tun? Für die Wiener Polizei wäre es vielleicht am Schönsten, wenn die einen in der Hofburg tanzen können und die anderen in der Prater Hauptallee demonstrieren, allein das dürfte sich so wohl kaum manchen lassen, so bleibt also wohl nur der Appell an Toleranz und Gesprächsbereitschaft unter politischen Gegnern, wie es der amtierende Bundespräsident formulierte: „Man lasse sie doch tanzen …“, was allerdings nicht heißen kann, dass man die anderen, die Vermummten randalieren lassen dürfe.
Zwischen Burschen-Brauch und Anarcho-Randale ist eben doch ein gewaltiger Unterschied.


Uns gegenüber ist alles erlaubt

6. Februar 2013

Da gibt es im Internet eine wochenlange Hetze gegen den Akademikerball der national-freiheitlichen akademischen Korporationen, Aufrufe „die Burschis“ zu schlagen, wo man sie treffe, die Bekanntgabe der Adressen der Verbindungshäuser, um diese entsprechend zu belagern, oder gar, so wie im Vorjahr, zu attackieren und natürlich die Ankündigungen, die Berufs-Anarchoszene brutal und gewalttätig aus Deutschland einzuladen. Die Wiener Polizei hat das alles gewusst und der Verfassungsschutz natürlich auch. Dessen Chef, Herr Gridling – ein an sich durchaus vernünftiger Mann – musste sich am vergangenen Samstag im Journal zu Gast im ORF-Radio eine Viertelstunde nur über den Kampf gegen den ach so gefährlichen Rechtsextremismus auslassen. Dass am Tag zuvor brutale Linksextremisten, die seine Behörde wahrscheinlich alle namentlich kennt und von der sie genau wusste, dass sie nach Wien kommen würden, mehr oder weniger ungehindert biedere Bürger und Steuerzahler überfallen durften, war ihm keine Erwähnung wert.

Gewiss, es wurden tausend Polizisten aus den Bundesländern in Wien zusammengezogen und ein Teil der Innenstadt war für die Demonstranten abgesperrt. Man ließ es aber zu, dass die Demonstrationen just so geführt wurden, dass die Zugänge zur Hofburg, wo der Akademikerball stattfand, locker blockiert werden konnten. Und obwohl die Gäste ohnedies bereit waren, auch kurze Strecken mit dem Taxi zu fahren, war dann zu Ballbeginn auch eine Zufahrt über freigehaltene Straßen nicht mehr möglich. Und wer es dann versuchte, zu Fuß durchzukommen, wurde bespuckt, geschlagen, beschimpft, bedroht und mit diversen Wurfgegenständen bedacht. Die einfachen Polizisten taten was sie konnten bzw. durften. Denn wie die Weisungen von oben aussahen, können wir nur vermuten. Deeskalieren wahrscheinlich. Was aber wohl bedeutete: Die korporierten Ballbesucher sollen selber schauen, wie sie da durchkommen. Und sie mögen sich nicht aufregen, wenn sie ein wenig abbekommen, wo sie doch die Frechheit haben, eine öffentliche Veranstaltung abführen zu wollen. Jedenfalls wurde nirgendwo ein Platz geräumt und das Vorgehen gegenüber den Demonstranten war mehr als defensiv.

Der Wiener Polizeipräsident, ein in der Wolle gefärbter Roter naturgemäß, meinte dann, bei 3.000 Demonstranten, 1.000 Polizisten und 700 Ballbesuchern – woher er das so genau weiß? – wären ein paar Verletzte, ein paar Verhaftete und ein paar harmlose Farbbeutel ohnedies so gut wie nichts. Wer das nicht wüsste, dem fehle der Sachverstand. Dazu dem Herrn Polizeipräsidenten ins Stammbuch geschrieben: Der friedfertige Bürger, der brave Steuerzahler und auch der freigewählten Abgeordnete hat in diesem Lande das Recht, absolut unbeschadet zu einer öffentlichen, legalen Veranstaltung zu gehen. Und dafür hat die Polizei zu sorgen. Demonstrationen, von denen man seit Jahren genau weiß, dass sie in Gewalttätigkeit ausarten, haben nicht bewilligt zu werden. Ungesetzliche Aktivitäten und Gewalttaten haben sofort unterbunden zu werden. Und unangemeldete Zusammenrottungen an nicht freigegebenen Plätzen haben aufgelöst zu werden – und das auch wenn es sich um missliebige Freiheitliche oder national-freiheitliche Korporierte handelt.

Der Herr Polizeipräsident Pürstl aber darf sich gewiss sein, dass er im Kreise der rot-grünen Stadtregierung hämisches Gelächter ernten wird, wenn er über die Vorgänge der vergangenen Freitagnacht berichtet. Und natürlich wird die Strafanzeige des Autors dieser Zeilen gegenüber dem Herrn Polizeipräsidenten in der heimischen Justiz im gegenwärtigen Zustand auch keine sonderlich schwerwiegenden Folgen haben. Herr Pürstl sieht der Anzeige also zu Recht gelassen entgegen. Denn er weiß: Uns gegenüber ist alles erlaubt. Diese Rechtsextremisten – Herrn in Smoking und Frack, Damen in langen Abendroben – sollen sich doch über ein paar Farbbeutel nicht aufregen.