So ein „Trumpel“?

26. Januar 2017

Nun ist er also angelobt, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Weder das politische Establishment, das sich hinter ihrer Marionette Hillary Clinton versammelt hatte, noch die vereinte etablierte Medienlandschaft konnten ihn verhindern. Auch keine Verfassungsklage, keine Neuauszählung und nicht die Gerüchte um angebliche russische Internetmanipulationen und Moskauer Pornos: Donald Trump ist Präsident.
Und schon ist die Hetze in einem Maße losgegangen, die man eigentlich nicht für möglich gehalten hätte. Millionen gingen in den US-Großstädten  auf die Straße, weil sie den nach dem USWahlrecht demokratisch gewählten Präsidenten nicht akzeptieren wollten. Sogenannte Stars und Künstler fühlten sich bemüßigt, einmal mehr öffentlich ihre Abneigung gegenüber dem neuen Präsidenten öffentlich kundzutun. Jene, die vorgeben „anständig“ zu sein, legen also ein merkwürdiges Demokratieverständnis an den Tag. Und auf allen Kanälen quer über den Planeten, in den Gazetten und in den Talkshows finden sich gegenwärtig mehr oder weniger kompetente Experten, die uns erklären, welch Rüpel, welch tendenzieller Analphabet der neue Mann im Weißen Haus sei. Er habe den Wortschatz eines Zwölfjährigen, sei natürlich Rassist und Frauenfeind und unter der gelben Fönfrisur ticke ein hochgefährliches Gehirn, das auch gut für den Dritten Weltkrieg oder den Atomschlag sei. Illustriert werden all die tendenziösen Berichte – die auch in sogenannten Qualitätsmedien erscheinen, die für sich in Anspruch nehmen, „objektiv“ zu berichten – mit Meuchelbildern, bei deren Betrachtung Zweifel über den Geisteszustand des neuen US-Präsidenten aufkommen.
Soweit, so eintönig und auch einfältig, muss man indessen feststellen. Aber auch verräterisch: Man stelle sich vor, dass beispielsweise irgendwelche physischen oder psychischen Defekte eines Mainstream-Politikers von rechter Seite an den Pranger gestellt oder lächerlich gemacht würden. Man stelle sich umgekehrt vor, die ach so bösen „Rechtspopulisten“ würden Millionen mobilisieren und auf die Straße gegen einen demokratischen gewählten Mainstream-Präsidenten mobilisieren. Das wäre dann natürlich menschenverachtend, faschistisch und unerträglich.
Der Hass des politisch-korrekten Establishments auf jeden, der seine absolute Dominanz in Frage stellt oder gar unterläuft, muss offenbar nicht verhüllt werden und er ist grenzenlos. Wir wissen jetzt, nach den Vorgängen rund um die Amtseinführung von Donald Trump, was uns in Europa erwartet, wenn etwa Marine Le Pen in Frankreich die Präsidentschaftswahlen gewinnt oder wenn Heinz-Christian Strache in Österreich Bundeskanzler werden sollte. Da sind es dann zweifellos nicht die bösen Rechten, die den Bürgerkrieg ausrufen, nein, dann werden es von den politisch-korrekten Medien hochgejubelte Massendemonstrationen sein, die natürlich demokratisch legitim sind und nur den durchaus verständlichen Bürgerprotest gegen die Gefahr einer rechten Machtübernahme artikulieren.
Kein Mensch kommt in Österreich beispielsweise von der rechten oder freiheitlichen Seite auf die Idee, gegen die Amtseinführung des Alexander van der Bellen in dieser Woche zu demonstrieren. Niemand mobilisiert die Straße, keiner hetzt die Anhänger des unterlegenen freiheitlichen Kandidaten gegen das neue Staatsoberhaupt auf. Ob es umgekehrt auch so gewesen wäre, darf bezweifelt werden.
Und apropos Aufhetzen: In zwei Wochen werden wir sehen, ob die militante Linke wieder ihren Narrentanz gegen den Wiener Akademikerball rund um die Hofburg veranstalten wird. Alexander Van der Bellen hat ja im Wahlkampf gesagt, man möge die Burschenschaften doch ihren Ball in der Hofburg feiern lassen, was sei schon dabei. Wir werden sehen, wie er sich nunmehr im Amt dazu äußert, wenn der Schwarze Block in Wien wieder marschiert.


Von Kriegsherren und Friedensengeln

12. Oktober 2009

In archaischen Gesellschaften pflegen Volksführer und starke Männer jedweder Art mit Macho-Gehabe aufzutreten, in Uniform oder zumindest schwer bewaffnet. Die Warlords in Afghanistan etwa, die Drogenbarone in Lateinamerika, Guerilla-Führer im lateinamerikanischen Urwald, Aufständische in Zentralafrika, Söldnerführer in allen Krisengebieten dieser Welt, sie repräsentieren diesen Typus. Mit Sonnenbrille und Havanna-Zigarre, allenfalls mit Barett und Tarnanzug, die Uzzi oder Glock im Halfter, Kriegsherren eben.

In dekadenten Gesellschaften wie bei uns im ach so demokratischen und aufgeklärten Europa oder auch in Nordamerika geben sich die Mächtigen politisch korrekt als Friedensengel: immer im Zivil, zumeist überaus leger, im Freizeitlook stets für Verständigung und Ausgleich plädierend, immer die nächste Abrüstungskonferenz im Auge und unermüdlich für den Weltfrieden kämpfend. Und wenn es sich dann noch um Charismatiker handelt, dann haben sie natürlich die ganz großen Visionen, einer völlig anderen, völlig friedfertigen, völlig humanitären Welt. So auch Barack Obama, der relativ frischgebackene US-Präsident, dessen Großtaten sich bislang auf drei, vier größere Reden bei seinem Amtsantritt in Kairo und auch in Europa beschränken.

Bereits diese Großtaten reichten allerdings, um den ersten afro-amerikanischen Präsidenten den bisherigen Friedensnobelpreis zu bescheren. Nun spricht es für ihn, dass er selbst meinte, er verdiene diesen Preis nicht und es spricht auch für die norwegische Nobel-Kommission, dass sie erklärte, er würde nicht für seine Taten, sondern für die Hoffnungen, die er in den Menschen geweckt habe, gewürdigt. Grotesk ist das Ganze aber doch: Da wird demnächst wohl ein Physiker den Physik-Nobelpreis erhalten, weil er die Erfindung eines Perpetuum Mobiles ankündigt, oder ein Mediziner, der die Vision hat, eine Schluckimpfung gegen alle Krebsarten zu entwickeln und ein Analphabet, der davon träumt, den ultimativen Jahrhundert-Roman zu schreiben, für den Literaturnobelpreis.

Aber bitte. Nach den düsteren Jahren der Ära Bush, die weltweit von der Linke als Ära der neo-konservativen Kriegstreiberei gebrandmarkt wurde, ist mit Obama offenbar der Optimismus der Kennedy-Ära zurückgekehrt. Zwar hat er noch keinen einzigen Atomsprengkopf vernichtet, er sprach aber von der Vision einer atomwaffenfreien Welt. Zwar hat er die Truppen aus dem Irak nur nach Afghanistan verschoben und damit keineswegs diesen unseligen Krieg im Mittleren Osten beendet. Und natürlich gibt es die Willkür-Häftlinge und Guantanamo auch noch, aber, Obama hat schöne Worte gefunden und schöne Worte sind offenbar allemal einen Friedensnobelpreis wert.

Sollte Obama diesen Preis nur bekommen haben, weil er der erste afro-amerikanische Präsident ist und damit vor der Weltöffentlichkeit gestärkt werden müsste, wäre dies eigentlich blanker Rassismus.

Einen positiven Nebeneffekt hat diesen Preisverleihung aber auch für den Skeptiker: der so frisch preisgekrönte Friedensengel Barack, wird sich in nächster Zeit wohl schwer damit tun, einen Militärschlag gegen den Iran zu führen. Wenn man die scharfen Töne aus dem Pentagon und aus dem Weißen Haus gehört hat, die da in Hinblick auf Teheran geäußert wurden über die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen durch die Iraner in Hinblick auf deren Atomprogramm, dann muss man darüber froh sein, denn Kriegsdrohung war darin mehr oder weniger offen enthalten. Und nun mit dem Friedensnobelpreis Obamas wird sich die US-Luftwaffe auf den einsatzbereiten Flugzeugträgern im Persischen Golf wohl noch einige Jahre zurückhalten. Immerhin: Das haben die Juroren von Oslo bewirkt.