Macht und Ohnmacht, Mensch und Natur

31. August 2021

Von Anbeginn der Menschheitsgeschichte war das vorgebliche Ebenbild Gottes den Naturgewalten ausgesetzt. Angefangen mit der Sintflut des Alten Testaments über das Gilgamesch-Epos bis hin zu den diversen literarischen Berichten über Wirbelstürme, Fluten, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Vom Bericht des Römers Plinius über den Ausbruchs des Vesuvs und die Zerstörung Pompejis bis hin zu den Berichten zum Ausbruch des Krakatau im 19. Jahrhundert reichen die Zeugnisse über die vernichtende Macht der Naturgewalten und des Menschen Hilflosigkeit.
Völlig klar also, dass sich die Angst vor diesen Naturgewalten übermächtig in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingegraben hat und die zeitgenössischen, geradezu hysterischen Warnungen vor der drohenden Klimakatastrophe stehen so in einer historischen Kette der Menschheitsängste vor eben diesen Naturgewalten.
Nun ist es fraglos richtig, dass es gerade in jüngster Zeit wieder zunehmend Wetterextreme und katastrophale Umweltereignisse gibt. Auch hierzulande, in den Breiten des gemäßigten Klimas, häufen sich Starkregen, gibt es Tornados, Vermurungen und Überschwemmungen. All jene, die darin so etwas wie einen natürlichen Zyklus im Wechsel von Warmzeiten und Kälteperioden sehen, wie wir sie in der Erdgeschichte, insbesondere in der Ära der großen Eiszeiten natürlich wahrnehmen mussten, dürften Recht haben. Jene allerdings, die darin vom Menschen verursachte Katastrophen sehen, werden wohl auch nicht Unrecht haben.
Acht Milliarden Menschen, die diesen Planeten wie Pilzbefall einen vom Baum gefallenen Apfel überziehen – mit der in den letzten Jahrzehnten
explosionsartig gewachsenen industriellen Produktion und ihren Abfällen –, zeitigen zweifellos Wirkung in der Natur und wohl auch in der Atmosphäre, die diesen Planeten umgibt. Und dass extreme Wetterereignisse, Starkregen etwa und Überflutungen, auf einem durch die Bevölkerungsexplosion wesentlich dichter besiedelten Planeten wesentliche Auswirkungen haben, ist auch völlig logisch. Und wenn dann dazu noch eine weltweit, gewissermaßen zeitgleich funktionierende Medienberichterstattung, und über die sozialen Medien die Berichte in Echtzeit dazu kommen, ist es wenig verwunderlich, dass der Eindruck entsteht, hier würde einen gewaltige Häufung von Naturkatastrophen stattfinden.
Überhaupt mag das, was wir als Klimawandel oder gar als Klimakatastrophe bezeichnen, angesichts der Erdgeschichte ein absolut vernachlässigenswerter Vorgang sein. Für die Menschheit des 21. Jahrhunderts sind Wirbelstürme, wie jener, der jüngst über Louisiana hinweg brauste oder Flutkatastrophen, die im Frühsommer im Rheinland ganze Dörfer verwüsteten, zweifellos bedrückende und einschneidende Ereignisse. Und sie befeuern ebenso wie Tropentage in den europäischen Großstädten oder Starkregenfälle in den Alpen die medial geschürte Angst vor der vermeintlichen Klimakatastrophe.
Auch gibt es kaum Zweifel daran, dass etwa das verstärkte Abschmelzen der Polkappen und das dadurch gegebene Schwächerwerden des Golfstromes gewaltige globale Veränderungen nach sich ziehen werden. Veränderungen, die durch den Anstieg des Meeresspiegels küstennahe Gebiete bedrohen, Veränderungen, die das Klima Nordwesteuropas und Skandinaviens massiv betreffen werden, Veränderungen, die dicht besiedelte Gebiete in den betroffenen Regionen vor gewaltige Probleme und gewaltige Herausforderungen stellen werden.
Und es mag auch durchaus zutreffen, dass vom Menschen verursachte Faktoren wie der CO2-Ausstoß zumindest teilweise dafür ursächlich sind und das bedeutet natürlich auch, dass der Mensch Maßnahmen setzten kann und wohl auch muss, um diese Ursachen zu bekämpfen. Andererseits aber kann dieser Kampf gegen diese Ursachen wohl auch erst über längere Zeiträume, möglicherweise erst in Jahrzehnten, positive Effekte zeitigen. Das sagt uns die Wissenschaft auch und man wird damit andere Faktoren, wie etwa die Sonnenaktivitäten oder Präzessionsaktivitäten der Erdachse, kaum beeinflussen können.
Und damit sind wir wieder bei den Naturgewalten und bei ihrer vom Menschen, auch von der modernen Wissenschaft nicht beeinflussbaren Macht. Seit der biblischen Vertreibung Adams aus dem Paradiese ist es diese Macht und diese Willkür der Naturgewalten, mit der das menschliche Geschlecht schlicht und einfach zu leben hat. Und das hat sich auch im hochtechnisierten, digitalen 21. Jahrhundert im Grundsätzlichen nicht geändert.
Wir können also den CO2-Ausstoß auf null reduzieren, als Menschheit insgesamt Konsumaskese betreiben und der nach wie vor herrschenden Wachstumsideologie abschwören, all das wird die Macht der Naturgewalten und das Leben auf dem Planeten Erde nicht beenden.
Klar ist dennoch: Das schrankenlose Bevölkerungswachstum der letzten Jahre und Jahrzehnte und die anhaltende Wachstumsideologie, dass nur durch Wirtschaftswachstum – immer mehr, immer teurer, immer höher, immer schneller – alle Probleme der Menschheit zu lösen wären, sind Faktoren, welche die katastrophale Intensität der Naturgewalten entsprechend steigern und verstärken. Das Bevölkerungswachstum der Menschheit einzuschränken und das wirtschaftliche Wachstum von Industrie und Produktion, Ressourcenverbrauch zu mäßigen, ist solcherart gewiss ein Gebot der Stunde.
Die Kehrseite dieser Medaille besteht allerdings darin, dass es offenbar Kräfte gibt im globalen Spiel der Macht, die die aktuelle Angst vor der vermeintlichen Klimakatastrophe nützen wollen, um das, was während der Corona-Pandemie bereits begonnen wurde, weiterzuführen, nämlich die zunehmende Reglementierung der Gesellschaft, die Einschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte und die Schaffung eines paternalistischen, tendenziell autoritären Systems für die Zukunft. Und zu diesem Behufe scheinen das Schüren von Ängsten und die mediale Vortäuschung von geradezu apokalyptischen Entwicklungen geeignete Mittel zu sein. Die Menschen – und das hat die Corona-Pandemie bewiesen – sind durch die Schaffung eines gewissen Pegels an gesamtgesellschaftlicher Furcht bereit, derlei Einschränkungen und derlei autoritäre Tendenzen hinzunehmen. Und selbst, wenn man die Klimaveränderungen und ihre punktuell auch katastrophalen Auswirkungen als Realität wahrnimmt und akzeptieren muss, muss man deshalb nicht bereit sein, Einschränkungen der gesellschaftlichen Freiheit hinzunehmen.
Die pragmatische Vernunft würde es viel mehr gebieten, die ganz realen Auswirkungen dieses Klimawandels im Bereich des Zivilschutzes zu bekämpfen und ihnen präventiv zu begegnen. Der Rückbau der Bodenversiegelung, eine vernünftige Deregulierung von Flüssen und Gewässern, das Errichten von Dämmen und Schutzbauten, Bau von erdbebensicheren Gebäuden oder ähnliches, wie die Verstärkung von Zivilschutzmaßnahmen innerhalb der Zivilgesellschaft, wären das Gebot der Stunde, doch das ist den Apokalyptikern aus den Reihen der politisch korrekten und pseudo-grün orientierten Regierungen natürlich zu wenig. Sie bestehen auf der apokalyptischen Version der finalen Klimakatastrophe, die auf die Menschheit zukommen muss.


Wenn der Mensch Gott spielt

28. März 2011

Er solle sich die Natur Untertan machen, heißt es im Alten Testament über das Verhältnis des Menschen zu seiner materiellen Umwelt. Offenbar aber gibt es da Grenzen, dort wo unsere Spezies wähnt, gottgleich sein zu können, dort lauert dann die Katastrophe. Nukleartechnologie als Freisetzung titanischer Urgewalten einerseits und Gentechnologie als manipulative Veränderung des Schöpfungsplans andererseits sind offenbar solche Bereiche.

Der Horror von Fukushima macht uns in diesen Tage deutlich, dass wir allesamt Zauberlehrlinge sind, wo wir doch wähnten, gottgleich gewaltige Kräfte entfesseln zu können. Hilflos stehen die finanzstärksten Konzerne und die modernste Technik vor außer Rand und Band geratenen Atomreaktoren. Vergeblich keuchen die Manager und Spitzentechniker der Nuklearkonzerne „Besen, Besen sei’s gewesen“. Mit mitleidloser und unabänderlicher Konsequenz vollziehen sich physikalische und chemische Prozesses, derer der Mensch mit all seiner Technik des 21. Jahrhunderts nicht mehr Herr werden kann.

Und ähnlich könnte es uns in der Gentechnologie ergehen, wo unser Eingreifen in das evolutionär entstandene Leben, allenfalls pflanzliche, tierische oder gar – da sei Gott wirklich vor – menschliche Monster erzeugt. Die geradezu naiv anmutenden Schreckgeschichten von Frankenstein und Co. demonstrieren uns nur die untergründigen Ängste der Menschheit vor derlei Entwicklungen.

Aber natürlich gibt es auch weitere Bereiche, die sich menschlichen Eingriffen bislang entziehen und deren Steuerung uns vorenthalten bleiben sollte. Was ist mit den Sonnenaktivitäten, den großen geologischen Abläufen, denen unser Planet unterworfen ist, dem weltweiten Wettergeschehen, den furcht- oder unheilbringenden Meeresströmungen wie die Golfströmung, können, sollen, dürfen wir Menschen in diese Phänomene eingreifen? Beherrschen wir gegebenenfalls das, was es dabei an Nebenwirkungen geben kann? Auch in diesen Bereichen mutete es frevelhaft an, derlei Erscheinungen dem menschlichen Willen und unserem kurzfristigen Nutzen und Frommen unterwerfen zu wollen.

Und damit wirft sich eine weitere Frage auf: Gibt es einen strafenden Gott, der das Öffnen der Büchse der Pandora über uns kommen lässt, oder ist es nur das unendlich komplizierte Gefüge des Universums, der Evolution und der Natur, das jedwede Störung bestraft? Fragen, die wir nicht beantworten können und wohl auch nicht sollen, sie werfen sich allerdings auf, wenn wir Katastrophen erleben, wie etwa jene in Japan.

Das Erdbeben, das im 18. Jahrhundert Lissabon vernichtete warf noch die Frage der Theodizee auf, also die Frage, wie ein allwissender und allgütiger, gleichzeitig allmächtiger Gott all dieses Leid, das dabei über Unschuldige kam, zulassen könne. Leid, das damals wirklich unschuldig über die Menschen kam. Die Eingriffe des modernen Menschen in seiner Wissenschaft in die letzten Abläufe von Natur und Schöpfung könnten diese Frage heute beantworten. Solche Eingriffe tragen in sich nämlich den Kern des Frevels.