Grüner Ungeist

14. August 2012

Wunderbar, diese Grünen! Sie sind offenbar die einzige Partei, in der es noch politische Moral gibt. Die einzige Partei, in der Korruption unbekannt ist. Die einzige Partei, die wirklich für Aufdeckung der Korruptionssümpfe kämpft. Diesen Eindruck erhält man zumindest, wenn man das Agieren des Herrn Peter Pilz im parlamentarischen Korruptionsuntersuchungsausschuss beobachtet hat oder wenn man die Allüren des Herrn Holub und Genossen in Kärnten betrachtet.

Sicher ist jedenfalls, dass diese Grünen sich absolut auf der Höhe des politischen Zeitgeists wähnen, immer Recht haben, sich niemals selbst kritisch hinterfragen müssen, da sie schlicht und einfach vom Mainstream des medialen Zeitgeists getragen werden. Der Verfasser dieser Zeilen konnte vor wenigen Tagen bei einem runden Tisch des ORF zum Kärntner Korruptionsthema mit der Grünen-Chefin Eva Glawischnig debattieren. Im Vorfeld wurde ein Bericht über den neuen FPK-Chef Kurt Scheuch gezeigt, der wie üblich mit seinem Trachtenhalstuch und einem dazu passenden Kärntner Jopperl auftrat. Zu den übrigen Mitdiskutanten – ORF-Moderatorin, Kärntens SPÖ-Chef und ein ORF-bekannter Politologe, alle per DU, selbstverständlich – meinte Frau Glawischnig schnippisch: „Der tragt ja immer ein Halstücherl, wahrscheinlich hat er Halsweh“. Mühsam verkniff sich der Autor dieser Zeilen die Replik, dass Frau Glawischnig ja auch immer einen BH trage, obwohl sie keinen Busen habe. Deutlich wurde ihm allerdings am Beispiel dieser kleinen Nebenbei-Bemerkung von Frau Glawischnig, mit welcher heuchlerischen Selbstgerechtigkeit man von zeitgeistig-grüner Seite über politische Gegner spricht und denkt.

Die Heuchelei scheint überhaupt der bestimmende Faktor des grünen Gutmenschentums zu sein. Für generelles Tempo 30 in Wien einzutreten und gleichzeitig mit dem Elektroauto mit überhöhter Geschwindigkeit über die Autobahn zu brettern macht dies ebenso deutlich, wie die besoffene grüne Kommunalpolitikerin im Wiener Stadtverkehr. Politisch sind derlei Vorkommnisse natürlich harmlos und von geringer Bedeutung. Sie könnten aber doch Indikatoren dafür sein, dass derlei doppelte Moral auch in anderen Bereichen, etwa in jenen der politischen Korruption bei unseren grünen Genossen vorzufinden wäre.

Aber wie steht es schon in der Bibel: eher kommt ein Kamel ins Nadelöhr, als einer dieser (Selbst-)Gerechten ins Paradies. Und irgendwie scheinen die Österreicher ein Gefühl für diese Doppelmoral zu haben, sonst müssten die hochgepriesenen Grünen längst die stärkste Partei im Lande sein.