Österreich, alles in allem ein gutes Land…

29. Juni 2018

Können wir es erhalten?

Gesetzt den Fall, ein beliebiger Erdenbürger könnte sich heute, zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes, also im Frühjahr des Jahres 2018, aussuchen, auf welchem Flecken dieses Planeten er gerne leben möchte, so müsste er eigentlich auf Österreich kommen. Alles in allem, von der Landschaft, von den Menschen, von der Kultur, vom Sozialsystem, vom Rechtsgefüge, von der Lebensqualität und allen anderen Kriterien her ist unsere Heimat wahrscheinlich jener Flecken auf diesem Planeten, der am lebens- und liebenswertesten ist. Und das nicht nur für den gelernten Österreicher, der seine Heimat mit einer gewissen Zwangsläufigkeit liebt, sondern tatsächlich nach objektiven Kriterien.
Nach wie vor ist die heimische Naturlandschaft schlicht und einfach zauberhaft. In erster Linie ist Österreich ein Bergland. Nun sind die Alpen das am meisten und lückenlosest durchsiedelte Hochgebirge der Erde. Vor allem im bajuwarischen Bereich hat die bäuerliche Siedlung den alpinen Raum hoch bis über die Waldgrenze durchdrungen. Bergbauern und noch höher gelegene Almwirtschaft haben dieses Hochgebirge, das sich auf österreichischem Territorium an die 4.000 Meter erhebt, kultiviert. Die Ebenen und Flusstäler des Landes sind nicht minder reizvoll. Das fruchtbare Alpenvorland, welches das nördliche Salzburg, Oberösterreich und Niederösterreich prägt, die Ebenen des Marchfeldes und des Weinviertels, das größte inneralpine Talbecken in Kärnten mit seinen Seen und sanften Hügeln, darin verstreut wie Perlen Dörfer und Landstädte.
Diese erlesene Naturlandschaft und ihre Kultivierung ist von Zersiedlung und schrankenlosem Zubetonieren gefährdet. Das Bauernsterben stellt überdies die alpine Kulturlandschaft in Frage, da es schlicht niemanden mehr geben wird, der Hochwälder und Almen kultiviert und bearbeitet. Und die Abwanderung aus den ländlich geprägten Tälern, den Dörfern und kleineren Städten des flachen Landes bedingt ebenso den sukzessiven Verlust der kultivierenden Kraft durch den Menschen.
Droht also eine Zukunft, in der die österreichische Landschaft von verlassenen und verödeten Almen, von ungepflegten Wäldern, dafür aber von auswuchernden Ballungsräumen, brutal zugebauten Seen, von zu Tode gestauten und regulierten Flüssen, dafür aber von verödeten Tälern, Dörfern und Landstädten geprägt ist? In den letzten Jahrzehnten gab es zahllose Programme zur Rettung und Belebung des ländlichen Raums – sowohl auf EU-Ebene als auch auf nationaler österreichischer Ebene. Die Ausdünnung und Verödung dieses ländlichen Raumes schreitet dennoch offenbar unaufhaltsam voran. Dass damit die kultivierte Naturlandschaft Österreichs gefährdet ist, steht außer Frage.

„Österreich – eine Provokation“

Unter diesem Titel werden die Texte, die Andreas Mölzer im letzten halben Jahr zum Thema Österreich geschrieben hat, im Herbst in umfangreicherer und tiefschürfenderer Form als Buch erscheinen. Dieser Text ist der letzte in dieser Reihe.
Das Buch wird über www.ZurZeit.at/Buchladen zu beziehen sein

Dem gegenüber steht das massive Zubetonieren weiterer Fläche des Landes durch Straßen, Industriebauten und Gewerbegebiete sowie eine Zersiedelung, die im Umfeld der Ballungsräume allzu häufig planlos und ohne die Schaffung von quasidörflichen Strukturen vonstattengeht. Während die Täler veröden, wuchern die Vorstädte. Rund um Wien, rund um Linz und Graz, in Kärnten zwischen Villach und Klagenfurt, rund um die Stadt Salzburg und auch um Innsbruck und Bregenz wachsen Vorortsiedlungen ohne Gesicht, ohne Kultur, ohne die Möglichkeit zu menschlicher Kommunikation und vor allem ohne jeglichen architektonisch-baukulturellen Reiz. Ob diese Entwicklung noch zu stoppen ist oder umkehrbar wäre?
Und die Menschen? Was ist mit den Bewohnern dieses nach wie vor schönen Landes? Der autochthone Österreicher mit seinen weitgehend bajuwarischen, in Vorarlberg auch alemannischen sowie in Niederösterreich und im Burgenland auch fränkischen Wurzeln, mit den vielfältigen Einsprengseln aus anderen, benachbarten Nationalitäten, die aus der Monarchie stammen und mit den autochthonen Volksgruppen ist alles in allem ein liebenswerter  Menschenschlag. Begabt und kreativ, aber auch zum Kulturpessimismus und zur Miesmacherei sowie zu Vorurteilen neigend, zweifellos auch mit negativen Eigenschaften behaftet, die allerdings durch eine gewisse Skurrilität auch liebenswert wirken können. Heute ist tendenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung von ausländischer Herkunft. Die Gastarbeiterzuwanderung seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und die Massenimmigration, wie sie erst in den Jahren 2015 und 2016 einen apokalyptischen Höhepunkt erreicht hat, sind die Ursachen für diesen großen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund. Familiennachzug und eine höhere Geburtenrate der Zuwanderungsbevölkerung dürften diesen Anteil in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch dramatisch steigern und die Gefahr, dass die autochthone Bevölkerung zur Minderheit im eigenen Land werden kann, ist ganz real gegeben.
Natürlich war Österreich, sowohl die Erste und Zweite Republik als auch das alte Habsburgische Österreich, ein Ein- und Zuwanderungsland. Im Hochmittelalter war es die deutsche Ostsiedlung, die das ursprünglich keltoromanisch und slawisch dünnbesiedelte Land durchdrang. In späteren Jahrhunderten war es der stete Zuzug aus den westlichen, nördlichen deutschen Territorien, der durch die Anziehungskraft der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien bedingt war. Vor dem Ersten Weltkrieg waren es massenhaft Menschen, die in den nicht-deutschen Kronländern der Monarchie kein Auskommen zu finden glaubten, und nach dem Zweiten Weltkrieg war es die Vertreibung der Volksdeutschen, die hunderttausende Neubürger nach Österreich schwemmte.
Die gegenwärtige Zuwanderung allerdings schwemmt Menschen aus allen Teilen der Welt, häufig auch aus nicht europäischen Bereichen, der Dritten Welt insbesondere, aber auch Menschen aus Anatolien und aus anderen islamischen Weltgegenden nach Österreich. Die Motive für ihre Migration, seien es nun tatsächliche politische und religiöse Verfolgung oder das bloße Streben nach einem ökonomisch besseren Leben, sind vielfältig.
Die moralische und rechtliche Berechtigung, nach Österreich zu kommen, variieren ebenso. Abgesehen davon aber ist es eine Tatsache, dass sich hier erstmals seit Jahrhunderten eine die kritische Masse längst übersteigende Anzahl von Menschen im Lande gesammelt hat, die nicht aus der genetischen Nachbarschaft des europäischen Umfelds stammen, sondern eine völlige Veränderung der biologisch-ethnischen Struktur der Bevölkerung mit sich bringen könnten und überdies von ihrem kulturellen, häufig auch religiösen Hintergrund kaum mehr in unsere Gesellschaft integrierbar, geschweige denn, assimilierbar sind. Da es sich bei diesen Zuwanderern allerdings auch nicht um eine homogene Gruppe handelt, sondern um viele Ethnien und Zuwanderer, ist die Bildung von Parallelgesellschaften, von verschiedensten „Communities“ und Ghettos mit all den sozialen und ökonomischen und sicherheitspolitischen Problemen, die damit verbunden sind, unausweichlich.
Ob also der künftige Österreicher ein ethnisch-kulturelles Amalgam aus der autochthonen Bevölkerung und den diversen Zuwanderungspopulationen von weitgehend südländischem Aussehen, einer Umgangssprache, gemischt aus Pidgin, Englisch und Türkisch-Deutsch sein wird oder ob es zu einer segregierten Gesellschaft kommt, in der sozial und kulturell abgegrenzt einerseits die autochthone Bevölkerung, andererseits die Zuwanderungsethnien in verschiedensten Gemeinschaften nebeneinander und gegeneinander leben, wir wissen es nicht! Wenn in der Bundeshauptstadt Wien die Kinder unter zehn Jahren bereits zu 70 Prozent Migrationshintergrund haben, muss jedenfalls klar sein, dass es in den kommenden ein, zwei Jahrzehnten, also im Grunde im Zeitraum einer Generation, österreichweit zu einer massiven Veränderung der Bevölkerungsstruktur kommen wird. Ob damit der liebenswürdige Volkscharakter, wie er sich in Österreich historisch entwickelt hat – und das sind jetzt natürlich Klischees – erhalten bleiben wird, ist eine andere Frage.
Und damit sind wir bei der Kultur und beim sozialen Gefüge. Natürlich hat Österreich bereits in vergangenen Jahrhunderten vielfältige kulturelle Einflüsse von außen aufgenommen.
Dass tschechisches, slowakisches und polnisches Kulturgut, magyarische Einflüsse, solche vom Balkan und natürlich auch aus dem benachbarten Oberitalien in die österreichische Kultur, in das österreichische Geistesleben eingeflossen sind, dass dieses in hohem Maße von jüdischen intellektuellen Kulturschaffenden mitgeprägt wurde, steht außer Zweifel. Ebenso bewusst sollte uns allerdings sein, dass es „reichsdeutsche“ Einflüsse sonder Zahl gibt, die im alten Österreich, aber auch heute, in der Zweiten Republik, wirkmächtig geworden sind. All das hat jedenfalls das österreichische Geistes- und Kulturleben wesentlich geprägt.
Durch die massive Zuwanderung aus Bereichen, die nicht aus dem mitteleuropäischen, benachbarten Umfeld stammen, dürfte sich das aber nunmehr nachhaltig ändern. Moslemische Werthaltungen und die Einflüsse aus archaischen, nach wie vor patriarchalisch organisierten Gesellschaften könnten unser durch Christentum und Aufklärung nachhaltig geprägtes Geistesleben massiv beeinflussen. So wie im Gesundheitsbereich Keuchhusten und Kinderlähmung nahezu ausgerottet waren, gab es seit vielen Generationen keine Zwangsheirat, keine zu Blutrache gesteigerten Familienfehden und ähnlich Archaisches in unserer Gesellschaft. Nun sind all diese Phänomene zurückgekehrt. Ehrenmorde, Zwangsheiraten, Entrechtung der Frauen und ähnliches sind in den islamischen Parallelgesellschaften an der Tagesordnung, wie es auch übrigens im Gesundheitsbereich wieder das Auftreten von Krankheiten gibt, die man längst vergessen hatte, wie Tuberkulose und ähnliches.
Ob die schöpferische Potenz, die Kreativität dieser Zuwanderungspopulationen ein ähnliches Niveau erreichen wird, wie es im Laufe des jahrhundertelangen Kulturschaffens der autochthonen österreichischen Bevölkerung zustande gebracht wurde, ist ebenso fraglich. Und ob islamische Intellektuelle hierzulande eine Rolle spielen könnten, wie es die jüdischen in der Monarchie und in der Zwischenkriegszeit taten, darf wohl auch bezweifelt werden. Letztlich aber ist noch nicht abzusehen, wie fruchtbar in kultureller und geisteswissenschaftlicher Hinsicht die gegenwärtigen Überschichtungsprozesse sein werden. Kommt es zu einer „Fellachisierung“ der österreichischen Bevölkerung durch überbordende Zuwanderung, Familiennachzug und Kinderreichtum  der Bevölkerung mit Migrationshintergrund  oder können sich durch Integration und Assimilation neue fruchtbare, zivilisatorische und kulturelle Phänomene entwickeln?

Die österreichische Kultur, das österreichische Geistesleben, werden sich verändern.

Was das Sozialgefüge im Lande betrifft, so dürfte unser österreichisch gewachsenes Sozialsystem, das auf der – horribile dictu – „Volksgemeinschafts-Ideologie“ und auf dem Gedanken der Solidargemeinschaft fußt, schon rein mathematisch-statistisch nicht haltbar sein. Der diesem Sozialgefüge zugrunde liegende Generationenvertrag ist nämlich nur dann tragfähig, wenn tatsächlich über Generationen in ein gemeinsames Sozialsystem eingezahlt wird, wenn dafür generationenübergreifend Leistungen erbracht werden. Nur dann ist ein Gesundheitssystem, ein Pensionssystem und die Fürsorge für sozial und beruflich schwächere Schichten und für unverschuldete Armut und Not Geratene gewährleistet. Wenn ein guter Teil oder sogar der Großteil der Gesellschaft neu zu diesem Sozialsystem hinzukommt ohne generationenübergreifende Leistungen dafür zu erbringen, dafür aber überproportional solche Leistungen in Anspruch nimmt, muss dieses Sozialsystem zwangsläufig kollabieren.
Damit fragt sich, ob in einer ethnisch-kulturell segregierten Gesellschaft, die durch Ghettobildungen und Parallelgesellschaften gekennzeichnet ist, nicht auch ein Mehrklassensozialsystem und ein Mehrklassenbildungssystem überhandnimmt. Die alte harmonische und offene Gesellschaft, die Österreich  in den Jahrzehnten der Zweiten Republik prägte, scheint damit Geschichte zu sein.  Trotz all dieser bedenklichen Entwicklungen, die nicht nur möglich, sondern eher sogar wahrscheinlich sind, ist Österreich nach wie vor ein gutes Land.
Vielleicht das Beste in Europa, vielleicht eines der besten auf diesem Planeten. Ein Land, in dem wir leben wollen, für das wir zu arbeiten und zu kämpfen bereit sind. Nicht der typische Pessimismus des gelernten Österreichers sollte uns dabei bewegen, sondern Dankbarkeit für das Gute, Realismus im Hinblick auf die Gefahren und ein optimistischer Glaube in die Fähigkeiten und in das Potential von Land und Leuten. Trotz alledem …

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Ganz Österreich ist ein Hütteldorf

3. Juni 2018

Kulturlandschaft – zersiedelt, zubetoniert, zerstört

Vielleicht sind es romantische Wunschträume und irreale Bilder, die man sich von der Schönheit der historisch gewachsenen Kulturlandschaft, wie sie einmal war, macht. Gewiss, die Städte waren von Mauern und Gräben, Wehrtürmen und häufig prunkvoll gestalteten Toren eingefasst, gotische oder barocke Bürgerhäuser gruppierten sich um einen Stadtplatz, der mit Kirche oder gar Kathedrale und Rathaus prunkte.
Die Dörfer waren Kleinode, die Bauernhöfe im alpinen, bajuwarischen oder fränkisch geprägten Stil. Und Burgen und Schlösser lagen wie Perlen verstreut im Lande. Soweit das idealisierte Bild der Vergangenheit. In Wahrheit allerdings stank es fürchterlich in den Städten, es gab keine Kanalisation, Fäkalienfässer standen vor den Häusern, Senkgruben und Plumpsklos dominierten diese unsere Kulturlandschaft bis weit über den Zweiten Weltkrieg hinaus. Die Straßen und Gassen in den Dörfern waren morastige Löcher. Wenn es regnete, und es regnete immer, versank man im Schlamm. Aber wie auch immer, es war jedenfalls eine Kulturlandschaft. Eine Baukultur mit dem unverwechselbaren Stil der Alpen- und Donauländer, geprägt vom jeweils baulich-kulturellen Zeitgeist, von der Gotik, von der Romantik, dann vom Barock, Rokoko und so weiter.
Und heute, nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die kaum von Kampfhandlungen, vielmehr vom Bombenterror der angloamerikanischen Luftangriffe hervorgerufen wurden und den noch viel schlimmeren Zerstörungen des Wiederaufbaus, des Wirtschaftswachstums und der Zeitgeist-Architektur heute sieht unser Land zwischen Bodensee und Neusiedler See zwar relativ wohlhabend und wohl auch sauberer als in früheren Zeiten aus, es ist aber zersiedelt und zubetoniert und die historisch gewachsene Kulturlandschaft ist weitgehend zerstört.
Angeblich sind es bis zu zwanzig Hektar, also die Fläche von dreißig Fußballfeldern, die täglich in Österreich zubetoniert und damit baulich versiegelt werden. Fläche, auf der man nie mehr etwas anbauen wird können, Fläche, die für die Nahrungsmittel- Produktion des Landes verloren gegangen ist.
Das Phänomen dabei ist, dass immer neue Gewerbe- und Industriehallen errichtet werden, während viele alte leer stehen und vor sich hin verrotten. Ebenso werden ständig neue Wohnblöcke und Satellitenstädte errichtet, während in den historischen Innenstädten Wohnraum ungenutzt leer steht und ebenso verkommt. Nun ist zwar die Wohnbevölkerung in Österreich wegen des Massenzustroms von Migranten zwischen zehn und zwanzig Prozent gewachsen und der höhere Bedarf an Wohnraum dürfte weitgehend darauf zurückzuführen sein, dennoch ist die Ausweitung von Wohnsiedlungen eine ungleich größere und man fragt sich, wer dies eigentlich benötigt.
Die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum ist also nur durch die Zuwanderung begründbar. Dennoch werden die Speckgürtel rund um die großen Ballungszentren weiter zubetoniert und in Zeiten instabiler Börsen gilt „Betongold“, also die Investition in Wohnraum, nach wie vor als lukratives Geschäft. Was hier an Bauten entsteht, der Stil, in dem gebaut wird, ist allerdings seit Jahren von einem platten architektonischen Utilitarismus geprägt. Zunehmend prägen Betonkisten mit Stahl-Glas-Fassaden das Bild von Vorstädten und Zwischenräumen zwischen den Ballungsräumen. Parallel zur Verödung des ländlichen Raumes entstehen in den Ballungsräumen Satellitenstädte ohne Struktur und ohne Plan, wird die Landschaft zersiedelt, ohne dass dabei auch jene Faktoren entstehen, die menschliche Gemeinschaft eben nötig hat, nämlich Dorfplätze, Gasthäuser, Kirchen, Zentren und menschliche Treffpunkte. Das Bild der österreichischen Kulturlandschaft, das solcherart entstanden ist, ist von Widersprüchlichkeit, Konzept- und Geschmacklosigkeit geprägt. Da haben wir einerseits die historisch gewachsenen städtischen und dörflichen Strukturen, die allerdings häufig nach den Kriegszerstörungen durch einen allzu billigen und allzu pseudomodernen Wiederaufbau ergänzt wurden. Und dazu gibt es Wohnsiedlungen mit einem kunterbunten Chaos von Baustilen: Da gibt es Architektenvillen aus der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Sie sind aber – leider – die Ausnahme.
Dann gibt es Häuser im Lederhosenstil mit alpin bemühten Walmdächer. Dazwischen Bungalows im Stil der 70er- und 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Und nunmehr zunehmend Bauten mit Flachdächern und sich selbst als „Niedrig-Energie-Häuser“ stilisierende Zündholzschachteln. Und all dies ohne eine erkennbar sinnvolle Flächenwidmung, ohne dass dörfliche Strukturen entwikkelt werden und ohne städtebauliche Gesamtkonzeption.
Ganz Österreich ist also Hütteldorf. Nun prägen Bauten das Land, die zwischen San Francisco und Wladiwostok weltweit ähnlich ausschauen. Die agierenden Architekten sind Konformisten, wie man sie kaum in einem anderen Bereich findet. Ursächlich waren einmal die gewaltigen Kriegszerstörungen: Wer sich Städte wie Wiener Neustadt, Villach oder Knittelfeld ansieht, die am stärksten vom Bombenterror betroffen waren und die stärksten Zerstörungen aufzuweisen hatten, der weiß, dass die Verletzungen bis heute nicht wirklich vernarbt sind. Die Erfordernisse eines auf das Existenzminimum reduzierten Wiederaufbaus vom Wohnraum haben in den unmittelbaren Nachkriegsjahren keine sehr schöne neue Bausubstanz geschaffen.
Das danach kommende Wirtschaftswunder in den 50er- und 60er-Jahren hat für Kaufhausketten und Banken Platz gemacht, die zwar dann häufig mit teureren Materialien, deswegen aber keineswegs geschmackvoller gebaut haben. Der österreichische Denkmalschutz, der einen historisch authentischen Wiederaufbau auch weitgehend verhindert hat, tat ein Übriges. Erneuerte historische Stadtkerne, wie sie etwa in Polen in Städten wie Breslau in einer zweiten Wiederaufbauphase völlig historisch getreu renoviert wurden, gab und gibt es in Österreich nicht. Wer wie der Kärntner Uhrenproduzent Riedl etwa eine historische Burg sanieren und restaurieren will – im konkreten Fall etwa die Ruine Taggenbrunn bei St. Veit –, der darf zwar einen Glasbeton-Kobel in das gotische Gemäuer stellen, dieses aber historisch getreu wiederaufzubauen, ist ihm untersagt.
Ein weiterer destruktiver Faktor für Österreichs Kulturlandschaft ist der Massentourismus. Was zwischen Bergen und Seen da in den letzten Jahrzehnten gebaut wurde, ist ebenso ein bedauerlicher Beitrag zur Verschandelung des Landes. Der Klimawandel in den Alpen, die überbordende Vielzahl von Liftbauten und Skipisten und die für den Tourismus vermeintlich erforderlichen Hotelbauten und Apartment-Häuser zerstören die alpine Naturlandschaft.
Insgesamt ist Österreich nach wie vor ein schönes Land. Die Verbauung und das Zubetonieren habe aber eine Dimension angenommen, die dringend gestoppt gehört. Bodenrecycling wäre angesagt, um den Raubbau der vergangenen Jahrzehnte umzudrehen. Und gleichzeitig ginge es um eine Revitalisierung der historischen Alt- und Innenstädte, um den grenzenlosen Neubau sinnloser Satellitenstädte und hässlicher Massenwohnsiedlungen unnötig zu machen. Wohnungsleerstände gehören aufgelöst, was wohl auch mit einem Mietrecht zu tun hat, das eindeutig nachteilig für die Hauseigentümer ist und spätsozialistischen Vorstellungen folgt.
Österreichs Kapital als Tourismusland ist eine unzerstörte Naturlandschaft. Sie gilt es zu erhalten, beziehungsweise wieder herzustellen. Österreichs Kapital als Kulturnation ist eine historisch gewachsene, liebevoll gepflegte und erweiterte Kulturlandschaft und ein niveauvoller Städtebau. Hier gilt es, die historische Substanz zu erhalten und zu revitalisieren und zeitgenössische Erneuerungen von einem platten und allzu häufig wechselnden Zeitgeist zu befreien. Dies wären die Erfordernisse! Allein die Hoffnung auf ihre Realisierung ist gering.


Die einzige Alternative

17. September 2013

Ach, wir kennen das zur Genüge: Die Freiheitlichen seien eine Partei, die außer ausländerfeindlicher Hetze nichts zu bieten habe. Ihre Spitzen-Repräsentanten seien Haßprediger, sachlich fundierte Konzepte für die Zukunftsentwicklung des Landes hätten sie nicht zu bieten und ihr Parteichef sei „nur ein Zahntechniker“.

Ganz abgesehen davon, daß Zahntechniker ein ehrenwerter Beruf ist und Heinz-Christian Strache als zwar junger, aber doch längstdienender Parteiobmann der österreichischen Parlamentsparteien über große Erfahrung und beachtliches Wissen verfügt, muß man sich folgende Frage stellen: Wenn diese Freiheitlichen wirklich so unbedarft, so dümmlich ahnungslos und politisch unbrauchbar wären, wie das seitens ihrer Kritiker aus den etablierten Parteisekretariaten und Medien immer heißt, warum bekämpft man sie dann so heftig? Warum werden sie ausgegrenzt, diffamiert, kriminalisiert in einem Maße, wie keine andere Partei im Lande? Da muß es doch gute Gründe für dieses paradoxe Phänomen geben.

In der Tat: Heinz Christian Straches FPÖ ist die einzige Partei im Lande, die eine System-Alternative bietet. Eine Alternative zum politisch korrekten Konzept der multikulturellen Gesellschaft, eine Alternative zur sklavischen Unterwerfung unter die Globalisierung und die Europäisierung. Und das Plakat „Liebe deinen Nächsten“ hat politische Sprengkraft, wenn man den Nachsatz liest: Die Nächsten, das sind für uns die eigenen Leut’, die eigenen Familien, die eigenen Gewerbetreibenden, der eigene Mittelstand, die eigen Bauern, die eigene Kultur, die eigene Heimat.

Da wird nicht haßgepredigt gegen irgendwen, sondern emotionale Zuwendung gegenüber dem eigenen Volk kundgetan. Kein Wunder, daß die Linke mit ihrem chronischen nationalen Selbsthaß, daß die rot-schwarze Altparteien-Mafia mit ihrer kritiklosen Brüsselhörigkeit Sturm dagegen läuft. Leichterdings hat man diese Nächstenliebe-Kampagne gleich zu Beginn als blasphemische Heuchelei anzutun. Die Österreicher selbst allerdings, zumindest jene, die als freiheitliche Wähler in Frage kommen, dürften sehr wohl verstanden haben, was damit gemeint war.

Wie auch immer, der 29. September des Jahres wird es weisen. Und den Vielen, die aus Überdruß am politischen System bekanntlich bereit wären, auch eine Vogelscheuche zu wählen, die es denen da oben so richtig zeigt und daher dem kanadischen Onkel Frank ihre Stimme geben wollen, sei es ins Stammbuch geschrieben: Denkt doch einmal darüber nach, warum die etablierten Medien und Parteisekretariate just die Partei des Heinz-Christian Strache so heftig verleumden und befehden und nicht Herrn Stronach. Das muß doch auch einen Grund haben! Richtig, eben dass Straches Freiheitliche die einzige Alternative darstellt und anbietet. Wie bereits gesagt …


Nagelprobe für die EU

14. Mai 2012

Im Nachhinein Recht zu haben, ist wenig befriedigend. Feststellen muss man aber dennoch, dass wir und andere EU-kritische Kräfte seit Jahr und Tag gesagt haben, dass man Griechenland aus dem Euro entlassen und die Rückkehr zur nationalen Währung ermöglichen müsse, um das Athener Problem auf den Weg der Lösung zu bringen. Nunmehr sind auch nach und nach die großen Eurokraten dabei, dies zu kapieren. Zu danken ist dies der Uneinsichtigkeit der griechischen Politik. Zwar sind die beiden alten Parteien, Sozialdemokraten und Christ-Konservative, nach wie vor gewillt, das EU-Spardiktat zu erfüllen, haben aber keine Mehrheit mehr und alle linken und rechten Protestparteien sagen „Nein“ zum Sparen. Besonders grotesk ist dabei die Haltung des links-radikalen Wahlsiegers, der sagt: „wir sparen nicht, wir zahlen nichts zurück, dabei tun wir Brüssel den Gefallen und bleiben im Euro.“ Man wisse ja im Kreise der EU-Granden wie teuer ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro kommen werde. Dies erspare Athen gnädigerweise den übrigen europäischen Mitgliedsstaaten.

Soweit so unverschämt. Unverschämt ist aber auch das, was man von Seiten der EU-Mächtigen von Griechenland will: nämlich neu zu wählen. Es ist dies die alte Brüsseler Methode, die man bereits aus Irland kennt: so oft abzustimmen, bis das Ergebnis den Eurokraten passt. Ein seltsames Demokratieverständnis.

Politische Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die griechische Misere nach Neuwahlen nur verstärkt wäre und dass die Gegner des Sparprogramms im noch höheren Maße die griechische Landschaft dominieren könnten. Neuwahlen sind also sinnlos. Stattdessen sollte man sich endlich dazu entscheiden, den Austritt des Landes aus der Eurozone und den geordneten Staatsbankrott zu vollziehen. Das Ende mit Schrecken ist dem Schrecken ohne Ende allemal vorzuziehen. Und eines muss ja klar sein: Griechenland bleibt ein Teil Europas, geographisch und kulturell. Es bleibt auch Mitglied der Europäischen Union! Warum denn nicht? Es gibt doch genug Länder, die den Euro nicht haben und sehr wohl gute Europäer sind. Man denke an die Schweden, an die Polen oder an die Briten.

Mit einer gewissen zwingenden Logik wird Griechenland somit gegenwärtig zur Nagelprobe für die Union. Ist man in Brüssel in der Lage, begangene Fehler anzuerkennen und einmal einen Schritt zurück zu tun?

Wie wir wissen gibt es eine Fülle von politischen Bereichen, in denen ein solcher Schritt zurück im Rahmen der EU sinnvoll und notwendig wäre: Nicht nur im Bereich der Währungsunion, etwa auch im Bereich der Landwirtschaftspolitik. Warum ist man nicht in der Lage, Agrarförderung wieder zu nationalisieren, um das Überleben der europäischen Bauern im nationalen Bereich zu ermöglichen? Und warum ist man generell nicht willens, das Subsidiaritätsprinzip konsequent anzuwenden: Das was die Nationalstaaten erledigen können, sollen Nationalstaaten erledigen. Und nur jene Bereiche, die wirklich europäische Themen sind, sollen von Brüssel geregelt werden. Griechenland jedenfalls kann nur genesen, wenn es den eigenen nationalstaatlichen Weg einschlägt und zum Drachmen zurückkehrt. Das wissen wir indessen alle.


Österreichs wahre Bestimmung?!?

26. Juli 2010

Ein kluger Kopf hat in der Zwischenkriegszeit einmal gemeint, dass es für die Erben der Türkenbezwinger nicht würdig sei, bloß „ihr Vorgärtlein gegen Eintrittsgeld feilzubieten“. Und er meinte damit, dass das sich damals als deutsch fühlende Österreich nicht nur ein Tourismusland sein könne, dass die Bestimmung der Alpenrepublik nicht bloß darin bestehen dürfe, seine Landschaft, seine Menschen und seine Kultur für fremde Besucher feilzubieten. Heute, ein Menschenalter später, haben wir die Frage, wozu dieses Österreich gut sei, längst ad acta gelegt. Dass es auch so etwas wie ein Alpen-Disneyland ist, dessen wirtschaftliches Gedeihen sehr wohl im hohen Maße von der Tourismus-Wirtschaft abhängt, steht indessen außer Zweifel. So richtig deutlich wird uns dies natürlich in der sommerlichen Hochsaison, wenn die Politik – gottlob: endlich – Pause macht und die Fragen des Badewetters bzw. über das Gebaren der High Society bei den diversen Festspieleröffnungen im Mittelpunkt des Interesses steht.

Zuerst zum Wetter: Bekanntlich reden alle darüber und keiner tut etwas dagegen. Wie könnte man auch. Obwohl wir wissen, dass Temperaturen bis zu 40 Grad für unsere Breiten alles andere als normal sind. Die Klimaerwärmung findet statt, wir stöhnen unter der Hitze und möglicherweise werden wir demnächst unsere Lebensgewohnheiten an sie anpassen – wie in Sizilien, wo um die Mittagszeit niemand auf der Straße ist, niemand arbeitet.

Anders ist es bei den sommerlichen Kultur-Events des Landes. Da könnte die Republik der Bürger durch die ihn repräsentierenden Politiker sehr wohl Einfluss nehmen. Gut wär dies auch im Bereich der Intendanten-Bestellung, der Finanzierung und dergleichen mehr. Heraus kommt dabei – was vielleicht bei der Qualität der österreichischen Kulturpolitik ein Wunder ist – nach wie vor beeindruckendes. Die Salzburger Festspiele, die Bregenzer Festspiele, die vielen kleinen Festivals im Lande bieten nach wie vor Theater, Operette, Musical auf einem Niveau, das sich weltweit sehen lässt. Diverse Ausstellungen quer durch die Republik, die Sonderschauen in den Museen weisen Österreich nach wie vor als Land der Hochkultur aber auch des zeitgenössischen Kunstschaffens aus. Hier kann der Einheimische ebenso wie der ausländische Tourist Kunst genießen, bewundern, konsumieren wie kaum anderswo.

Österreich also doch in erster Linie ein Land, in dem Museumswärter und Skilift-Billeteure, Bademeister und Segellehrer ihr Unwesen treiben? Ein Land der Soubretten und der Heurigensänger? Gewiss ein falsches Bild, eine Charakterisierung, die den vielen Millionen fleißig arbeitenden, sich an die Gesetze haltenden, brav ihre Steuern zahlenden Bürgern des Landes nicht gerecht wird. Im politischen Sommerloch bei 37 Grad im Schatten, wenn alle nur daran denken, wo sie das nächste kühlende Gewässer finden und das nächste kühle Bier, mag es aber erlaubt sein, dieses Bild von Österreich zu zeichnen.