Die Pharisäer gehen um

22. März 2010

Nun hat der Heilige Vater also seinen Hirtenbrief im Hinblick auf die Mißbrauchsfälle in der irischen Kirche geschrieben. Und siehe da, die zeitgeistigen Medien, die politisch korrekten Kommentatoren, die Gerechten und Allzugerechten, die Ankläger der Kirche, sie sind damit nicht zufrieden. Es sei keine wirkliche Entschuldigung, der Papst würde nur die Kirche verteidigen, den Mißbrauchsopfern werde damit nicht Genugtuung gegeben.

Verwunderlich ist dies nicht. Tatsache ist nämlich, dass der Papst machen kann, was er will, bis hin zur Selbstzerfleischung, es würde dies den politisch korrekten Kirchenkritikern nicht reichen. Während Kaiser Heinrich IV noch im hähernen Gewande vor die Mauern von Canossa ziehen konnte, um seinen Gegner im Bischofstreit, den Mönch Hildebrand im Papstgewand dazu zwingen zu können, ihm zu verzeihen, hat man diese Chance heute nicht mehr. Die Kirche, bzw. ihre noch verbliebene moralische Macht, muss und wird demontiert werden. Ganz gleich wie viel Schuldbekenntnisse die Kirchenfürsten, die Bischöfe bis hinauf zum Papst auch machen würden. Keine Erklärung, keine Entschuldigung, keine Buße wird da auslangen.

So ähnlich ist es mit den antifaschistischen Grundsatzerklärungen freiheitlicher Politiker, im konkreten Falle die der Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz: Sie kann erklären was sie will, es wird den zeitgeistigen Antifaschisten niemals reichen, niemals glaubwürdig genug sein. Ob es im freiheitlichen Falle die Faschismuskeule ist oder im kirchlichen Falle die Mißbrauchskeule, diese wird gnadenlos geschwungen, gilt es doch nicht etwa den Faschismus zu verhindern oder gar künftigen Kindesmißbrauch, nein, es geht darum, die betroffene Institution, also eine mißliebige Oppositionspartei im einen Falle und eine noch immer mit ihren Dogmen lästige Kirche im anderen Falle, zu demontieren.

Wirkliche Probleme werden dabei tunlichst ausgespart. Beispielsweise konnte man im vorwöchigen Spiegel im Bericht über Mißbrauchsfälle in der bundesdeutschen Ebenwaldschule lesen, dass der heute des Mißbrauchs verdächtigte langjährige Schulleiter, der offenbar durch Brutalität und über Jahre andauernde pädophile Übergriffe charakterisiert ist, auch den überregionalen Schuloberen des deutschen Reformschulwesens nicht auffiel. Und so ganz nebenbei konnte man im gegenständlichen Spiegelbeitrag lesen, dass der bundesdeutsche Reformschulpapst der langjährige Lebensgefährte des Herrn Schulleiters ist, dass es sich also um zwei Schwule handelt, wobei der eine die Trennlinie zwischen Homophilie und Pädophilie nicht zu ziehen vermochte. Diese Trennlinie nun ist ein Phänomen, das bei der gegenwärtigen Mißbrauchsdiskussion tunlichst politisch korrekt ausgeblendet wird. Die Tatsache, dass aktive Homosexuelle allzu häufig keineswegs ein Sexualleben mit in Ehren ergrauten Frisuren anstreben, sondern eben den Verlockungen der Knabenliebe erliegen – allzumal wenn sie in diversen schulischen Institutionen, Internaten und dergleichen tätig sind – wird verschwiegen und verdrängt.

Aber so ist das eben. Homosexualität ist schick, „in“ und wird gesamtgesellschaftlich vom politisch korrekten Zeitgeist gefördert. Echter oder auch nur angeblicher Mißbrauch hingegen wird gegenwärtig geradezu hysterisch verfolgt, durchaus mit Recht, aber unter Ausblendung, dass Homophilie und Pädophilie durchaus massive Überschneidungen haben. Aber so ist es eben in der Innenpolitik aber auch in der Kirchenpolitik: Die Pharisäer gehen um.


Missbrauch mit dem Missbrauch

10. März 2010

Eines der dominanten Themen dieser Tage sind die Kindesmissbrauchs-Fälle im Bereich katholisch-kirchlicher Schulen und Institutionen. Da wird quer durch Europa, von Irland über die Bundesrepublik Deutschland bis nach Österreich debattiert, was in kirchlichen Internaten in den 60er, 70er und 80er Jahren an angeblichen und echten Missbrauchs-Fällen vorgekommen ist. Gleich einer Lawine melden sich immer wieder Missbrauchs-Opfer, zum Teil bereits angejahrte Herrschaften, die in ihrer Kindheit offenbar systematischer Päderastie seitens der geistlichen Herren ausgesetzt waren.

Nun ist Kindesmissbrauch wohl eines der verabscheuungswürdigsten Verbrechen, die es in unserer Gesellschaft gibt. Die Gewalt, die da kindlichen Seelen angetan wird, ist schlichthin im Nachhinein nicht mehr gut zu machen. Dennoch scheint es so, als wäre im aktuellen Phänomen des Missbrauchs-Aufdeckens eine gehörige Portion Hysterie verborgen. Man erinnere sich beispielsweise an den, bereits mehr als ein Jahrzehnt zurückliegenden Fall des damaligen österreichischen Kardinals Groër. Was da von einem offenbar psychisch eher verhaltensauffällig gestörten Jüngling über die Internantstätigkeit des früheren Jugenderziehers Groër in einem niederösterreichischen Stift aufgedeckt wurde, war schon mehr als skurril – und das in einem zeitgeistigen, bekannt kirchenfeindlichen österreichischen Wochenmagazin. Bekanntlich hat das gereicht, um den Kardinal ins klösterliche Ausgedinge zu verbannen und der Kirche schweren Schaden zuzufügen.

Dies scheint auch ein gesellschaftspolitisches Ziel der gegenwärtigen Kampagne zu sein. Missbrauchs-Fälle, die 30 oder mehr Jahre zurückliegen sind mittlerweile kaum mehr nachweisbar und hängen wohl auch vom persönlichen Empfinden und den persönlichen Erinnerungen der Betroffenen ab. Nicht, dass man diese leugnen oder verharmlosen dürfe. Tatsache ist aber, dass insbesondere in der, von sexuellen und Überreaktionen geprägten Ära der 50er und 60er Jahre manches überinterpretiert worden sein könnte. Heute jedenfalls ist es so, dass die US-amerikanische Kirche, die irische Kirche, die bundesdeutsche Kirche, die österreichische Kirche Missbrauchs-Fälle eingestehen und untersuchen und damit gleichzeitig Massen-Kirchenaustritte und eine Schwächung der in ihrem Kern noch immer konservativen Institution Kirche in Kauf nehmen müssen. Der Heldenmut der geistlichen Herren, insbesondere der Kirchenfürsten, ist dabei ein durchaus beschränkter.

Nehmen wir beispielsweise den österreichischen Kardinal, der jüngst eine Sühne-Pressekonferenz in Sachen Kindesmissbrauch geben musste. Ihm fiel nichts Besseres ein, als einen medialen Befreiungsschlag zu starten, der darin bestand, sich von der freiheitlichen Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz zu distanzieren. So viel zur politischen Abstinenz der katholischen Kirche in Österreich. Diese besteht leider nur darin, sich politisch korrekt heuchlerisch auf die Seite der Stärkeren zu stellen.

Insgesamt ist es wohl so, dass uns allen die repressive und von verschmitzter und verklemmter Sexualität geprägte Atmosphäre schulischer Institutionen beziehungsweise von Internaten, insbesondere solcher unter kirchlicher Führung, aus früheren Jahrzehnten bekannt ist. Kindesmissbrauch ist aber längst keine alleinige Domäne geistlicher Herren. Wer sich etwa die Berichte aus dem politischen Vorleben des rot-grünen EU-Stars Daniel Cohn-Bendit ansieht, wird von dessen Experimenten mit Kleinkindern hören, die nach heutigem Empfinden ebenso am hart am Kindesmissbrauch vorbei schrammen. Die verklemmte Sexualität zölibatärer Existenzen und die angeblich freie Liebe der 68er-neuen Linken haben da offenbar gewisse Berührungspunkte. Und was schließlich die heutige berechtigte Ächtung des Kindesmissbrauchs betrifft, soll man doch nicht vergessen, dass insbesondere im Bereich der Homophilie es ja keineswegs immer um das spießige Eheleben zweier angejahrter Frisöre geht, sondern auch um das Phänomen der Knabenliebe und, dass Homophilie und Päderastie durchaus gemeinsame Wurzeln haben.

Abgesehen davon aber: es tut der Kirche und auch weltlichen Schulen durchaus gut, sich von rigiden Erziehungsmethoden in der Vergangenheit und von Missbrauchsfällen, dort wo es sie wirklich gegeben hat, zu distanzieren, ja sie auch zu sühnen und das auch im strafrechtlichen Sinne. Wenn das Ganze aber eine politisch korrekte, hysterische Kampagne wird, um etwa verbliebene Restinstitutionen wie die Kirche endgültig zu vernichten, muss man dem doch kritisch gegenüber stehen.