Rote Nelke – blaue Blume

23. Januar 2019

Geschichtspolitik als Wegweiser für große gesellschaftspolitische Entwicklungen sollte man nicht unterschätzen. In diesen Tagen etwa wird der 100. Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zelebriert. Die bundesdeutsche Linke, angeführt von Sahra Wagenknecht, die sich gewissermaßen als Reinkarnation von Rosa Luxemburg versteht, tut dies mit einigem Pomp, der in den heimischen Links-Gazetten – wie dem lachsfarbenen Blatt – breitfl ächig abgebildet wird.
Nun war die Ermordung der beiden radikalen Sozialisten durch Freikorpskämpfer in Berlin mit mutmaßlicher Hintergrundbeteiligung des sozialdemokratischen Militärministers Noske zweifellos ein verbrecherischer Akt politischer Brutalität. Vergessen sollte aber dennoch nicht werden, dass die beiden nach dem Vorbild der bolschewistischen Revolution in Russland den Kommunismus im chaosgebeutelten Nachkriegsdeutschland einführen wollten. Ein System, das gerade in diesen Jahren Millionen Tote im Osten zu verantworten hatte. Aber Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind eben linke Märtyrer.
Wie Geschichtspolitik auf der anderen Seite aussieht, kann man wieder einmal an einem marginalen Vorfall in Linz ablesen. Dort wagt es in der Ballbroschüre des Burschenbundballs, einer Veranstaltung der Korporationen, ein Inserent zu formulieren: „… so bleiben wir doch treu“. Gewiss ein Zitat aus dem alten Freiheits- und Vaterlandslied Max von Schenkendorfs, „Wenn alle untreu werden“, das bekanntlich in studentischen Korporationskreisen seit bald 200 Jahren gesungen wurde und wird. Eine Anzeige wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung und entsprechende Distanzierungen ließen nicht lange auf sich warten, da dieses Lied doch angeblich das „Weihelied der SS“ gewesen sei.
Nun gilt es gewiss, Distanz zu halten zu all dem, was von den Nazis seinerzeit instrumentalisiert und missbraucht wurde. Aber alles als Wiederbetätigung im NS-Sinne zu inkriminieren, was damals propagiert wurde – von der Kirchensteuer bis zum Muttertag – oder damals eben auch im Gebrauche stand, ist nicht mehr und nicht weniger als polemisches Gschwurbel mit der Faschismuskeule. Ein Lied bleibt ein Lied, allzumal wenn es ein historisch viel Älteres ist.
Die Solidarisierung allerdings mit Symbolfi guren des Bolschewismus, der neben und parallel zum Hitlerfaschismus eine der menschenverachtendsten und massenmörderischsten Phänomene der Weltgeschichte darstellt, ist auch eine bedenkliche Sache. Gleichsetzung und Relativierung helfen uns natürlich im Hinblick auf diese schrecklichen historischen Erscheinungen nicht weiter. Politisch-korrekte Heuchelei allerdings genausowenig.