Migranten-Fußball

6. Juli 2018

Dass die Nationalmannschaft eines schwarzafrikanischen Landes bei dieser Fußball-WM in Russland im Falle eines Torerfolges oder gar eines Sieges ein gemeinsames Tänzchen im zentralafrikanischen Modus zum Besten gibt, ist verständlich und durchaus lustig. Dass dies die Stars der französischen Nationalmannschaft tun, ist hingegen grotesk. Und es macht uns deutlich, wie fragwürdig der Begriff „Nationalmannschaft“ in unseren Tagen geworden ist.
Einerseits gibt es natürlich wirkliche Nationalmannschaften, die Russen etwa oder die Kroaten, die es beide wider Erwarten gegen große Favoriten ins Viertelfi nale geschafft haben. Ihre Mannschaften bestehen tatsächlich und unzweifelhaft aus autochthonen Russen und Kroaten. Interessanterweise auch die Mannschaften von der Iberischen Halbinsel, die Spanier und die Portugiesen, die trotz großer Favoritenrolle allerdings gescheitert sind. Andere Europäer allerdings, die schmählich gescheiterten Deutschen, die bislang erfolgreichen Belgier, die Dänen und eben die Franzosen, aber auch die Schweizer: In ihren Mannschaften ist der Migrationshintergrund der Spieler in zumeist überproportionalem Maße (im Vergleich zur Wohnbevölkerung der jeweiligen Länder) vertreten.
Ob bei den Schweizern überhaupt ein Alpenalemanne oder nur Albaner spielen, ist dem Autor dieser Zeilen jetzt nicht geläufi g. Und ob die im Zeichen der Trikolore antretenden Schwarzafrikaner aus ehemaligen französischen Kolonien stammen, weiß er ebenso nicht. Auffällig ist es jedenfalls, dass nur noch die Ost- und Südosteuropäer Mannschaften mit autochthonen Spielern haben, während das westliche Europa mit Ausnahme der Iberischen Halbinsel Migrantenfußballer aufmarschieren lässt. Woran das nun liegt, dass so viele schwarze Fußballstars die Spielfelder bevölkern, wagen wir an dieser Stelle nicht zu analysieren.
Der zweifellos zunehmende Prozentsatz an schwarzafrikanischer Wohnbevölkerung in den betreffenden europäischen Staaten allein ist als Erklärung nicht ausreichend. Zu mutmaßen, dass es einen biologischen Grund gäbe, dass etwa Schwarzafrikaner schneller laufen könnten als Weiße, wäre zweifellos rassistisch, und die Erklärung, dass eben die Buben in diversen Zuwandererghettos der Pariser Banlieues oder der Londoner Vorstädte wesentlich häufi ger auf der Straße kicken würden als weiße Wohlstandseuropäer, ist alleine auch nicht ausreichend.
Wahrscheinlich sind es alle Faktoren zusammen oder ist auch die simple Möglichkeit, über den Sport, speziell über den Fußball, einen sozialen und ökonomischen Aufstieg zu schaffen. Dass das Ganze allerdings mit einer „Nationalmannschaft“ im klassischen Sinne nur mehr wenig zu tun hat, dürfte jedem Beobachter, der nicht völlig von den Dogmen der Political Correctness verblödet ist, klar sein.

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Am Ende gewinnen die Deutschen!?

5. Juli 2010

Dem Fußballrausch kann sich niemand so recht entziehen, auch hierzulande, wo wir nicht direkt und unmittelbar teilnehmen. Früher waren die Straßen leer gefegt und alles saß vor dem Heimkino, heute ist mit „Public Viewing“ dafür gesorgt, dass auch im öffentlichen Raum vor irgendwelchen Großbildflächen gemeinschaftlich gejubelt und getrauert wird. Und wieder einmal ist es die bundesdeutsche Elf, die für Furore sorgt.

Tatsache ist, dass nur 13 Prozent der Österreicher zur bundesdeutschen Fußballmannschaft halten. Man ist für jeden anderen, für die Brasilianer, für die Argentinier – die beide bereits ausgeschieden sind – nur nicht für die Deutschen. Was leitet sich daraus ab? Selbsthass der Deutsch-Österreicher, Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem großen Bruder, erfolgreiche Umerziehung nach 1945 oder schlicht historische Unkenntnis?

Normalerweise wäre es das Natürlichste vom Natürlichsten, dass man zum großen Bruder hält, wenn man selbst als kleinerer Bruder nicht dabei ist. Dass man für jene die Daumen drückt, die der eigenen Sprach- und Kulturnation angehören. Aber im postnationalen Österreich des 21. Jahrhunderts ist eben nichts normal bzw. natürlich.

Dabei ist die gegenwärtige bundesdeutsche Fußballmannschaft ohnedies ein höchst zeitgeistiges Beispiel einer Multikulti-Truppe: zwei Schwarzafrikaner, ein Türke stürmen da mit und Klose und Podolski werden ohnedies als Polen gehandelt, auch wenn sie in Wahrheit wahrscheinlich biedere Schlesier sind. So brave Durchschnittsdeutsche wie der Jungstar Müller, wie Schweinsteiger, wie Mertesacker, gehören bereits geradezu zur Minderheit in dieser Mannschaft.
Aber wie auch immer. Diese deutsche Mannschaft spielt jedenfalls hervorragend, bietet eine gute Show und kurioserweise die Möglichkeit zu nationaler Identifikation. In Österreich sind es die wenigen bewussten Deutsch-Nationalen – der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Harald Stefan lässt grüßen – die der Meinung sind: „Wir gewinnen“. Und in der Bundesrepublik zeigt sich nahezu so etwas wie eine nationale Euphorie, wie fahnenschwingender Patriotismus, der allerfröhlichsten, allerdings auch allerseichtesten Art und Weise, durchaus erfreulich, aber wenig gewichtig.