Schluss mit dem Pseudo-Patriotismus!

23. Juni 2016

Ein Plädoyer für das Gladiatorenprinzip im Sport

Spiele der Nationen, Wettkämpfe der Völker, das sind sie längst nicht mehr, jene internationalen Sportereignisse, die sich da unter dem Titel „Olympische Spiele“, „Weltmeisterschaften“ oder, wie gegenwärtig, „Europameisterschaften“ den begeisterten Publikum darbieten. Längst sind es nicht mehr die schnellsten, die stärksten und gewitztesten Söhne der europäischen Völker, die sich hier beispielsweise bei einer Fußball-Europameisterschaft ins Getümmel werfen. Es sind vielmehr „Multikulti-Teams“ (so dieser Tage die Tageszeitung „Die Presse“), die hier aufeinander treffen. Multikulti-Teams, die bestenfalls ein Abbild der zeitgenössischen Zuwanderungsgesellschaften darstellen und einmal mehr deutlich machen, dass der Sport ebenso wie etwa die Pop-Szene ein Mittel sein kann für die Integration und auch den sozialen Aufstieg aus der sozialen Deklassierung und des Migrationsmilieus. Jene patriotischen, wenn nicht gar chauvinistischen Emotionen aber, die bei derlei sportlichen Wettkämpfen frei werden, stellen im Grunde geradezu ein Paradoxon dar. Da werden „Nationalmannschaften“ abgefeiert, die mit der herkömmlichen Nation, für die sie antreten sollen, nur mehr sehr am Rande zu tun haben. Am deutlichsten wird dies, wenn vor dem jeweiligen Spiel die jeweilige Nationalhymne abgespielt wird, die von den Spielern aus den autochthonen Bevölkerungsteilen begeistert mitgesungen wird, während die Spieler mit Migrationshintergrund sie nur allzu häufig tonlos und mit steinerner Miene über sich ergehen lassen. Wenn etwa Alaba und Arnautovic zu „Heimat bist du großer Söhne …“ demonstrativ schweigen, ebenso wie Özil und Boateng dies zu „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland …“ tun, so wohnt dieser Geste beziehungsweise der Verweigerung einer Teilhabe an derselben ein gewisses Maß an Ehrlichkeit inne. Ziemlich deutlich machen die Betroffenen nämlich damit klar, was sie von dem mittels Nationalhymne demonstrierten Patriotismus halten.
Die bereits erwähnten nationalen, patriotischen, chauvinistischen Emotionen, die rund um derlei Sportereignisse entflammen, machen allerdings deutlich, dass es in Menschen – auch in dem auch so aufgeklärten postmodernen Teil unserer dekadenten Gesellschaften – offenbar das Bedürfnis nach nationaler Gemeinsamkeit, nach Identifikation mit der res publica, nach Stolz auf das eigenen Land gibt.
Die jeweilige patriotische Sport-Euphorie allerdings, die ja so weit geht, dass die Teilnehmer sich in den Farben der Nationalfahne kollektiv ins Stadion begeben, sie stellt im Grunde so etwas wie einen Ersatz-Nationalismus, einen Pseudo-Patriotismus dar.
„Panem et circenses“ heißt das Prinzip, nach dem dieser Ersatz-Patriotismus funktioniert. Ein wirkliches bewusstes Pflegen der eigenen nationalkulturellen Identität, ein wirkliches opferbereites Eintreten für das eigene Land und das eigene Volk würde wesentlich mehr verlangen als das Tragenvon rot-weiß-roten Zylindern und das empathische Schwenken von Fähnchen. Und wenn die Herren dieses Ersatz-Patriotismus entweder erst vor kurzem stammende Menschen sind, die der jeweiligen Staatssprache nur radebrechend mächtig sind, wird die Groteske vollends zur Farce. Wie erfrischend ehrlich ist da doch der Vereins-Fußball, da heißen die Vereine „Bayern München“ oder „Borussia Dortmund“ oder „Rapid Wien“, ihre Spieler kommen aber aus der ganzen Welt. Sie werden, je nach Finanzkraft des jeweiligen Vereins, um Millionen zusammengekauft, haben mit dem Sitz des Vereins, dem Herkunftsort, kaum etwas zu tun. Bei Bayern München zeigt man sich zwar in Mannschaftsstärke einmal im Jahr beim Oktoberfest in Lederhosen und die millionenschweren Stürmerwaden werden von bairischen Wadenstrümpfen geziert, das ist aber auch schon alles, was die meisten Stars des Münchner Eliteklubs mit Bayern zu tun haben. Und andernorts ist es genauso.
Dass ein guter Teil der Mannschaften im Vereins-Fußball auch bereits im Eigentum irgendeines Supersponsors steht oder von einem solchen zumindest abhängig ist, ist die Kehrseite der Medaille. Hier ist der Sport ganz offensichtlich ein maßgeblicher Teil einer weltweiten Unterhaltungsindustrie, die Milliarden umsetzt und er versteht es, Menschenmassen nicht nur Zeitvertreib, sondern sogar Lebensinhalt zu bieten. Und die Helden dieses milliardenschweren Sportzirkus, sie funktionieren ausschließlich nach dem Gladiatorenprinzip: Wer am meisten zahlt, hat die besten Spieler und die erfolgreichsten Sportler, er kann Siege verbuchen und wiederum Milliarden dadurch verdienen.
Neben dem Mannschafts-Fußball ist es vielleicht noch die Formel 1 der Autorennen, die ganz offen nach diesem Prinzip funktioniert. Die Rennställe der Superboliden erinnern frappierend an die Gladiatorenschulen im alten Rom. Und ähnlich wie die Gladiatoren riskieren die Formel-1-Piloten sogar noch Leib und Leben, was man etwa von den millionenteuren Fußballstars nicht behaupten kann (und sich auch niemand wünschen würde), und natürlich gibt es da auch so etwas wie einen Rennstall- oder Vereins- Patriotismus. Natürlich gibt es treue Fans, die auch bei jenem Massensport, der nach dem Gladiatorenprinzip funktioniert, ohne jeden nationalen oder patriotischen Zungenschlag loyale Anhänger und treue Förderer und Unterstützer sind. Dieser Vereins-Patriotismus ist ebenfalls wesentlich ehrlicher wie der Pseudo-Patriotismus, der sich bei „Olympischen Spielen“, „Europameisterschaften“ oder „Weltmeisterschaften“ auftut. Gewiss, es gibt auch bei den gegenwärtig ablaufenden Europameisterschaften noch Mannschaften, die prototypisch für ihr Land und ihr Volk stehen. Etwa die „blonden Hünen“ (wie der Kolumnist einer großer österreichischen Tageszeitung begeistert formulierte), die für Island antreten, oder die Spieler der italienischen Squadra Azzurra, die das Absingen ihrer Nationalhymne begeistert wie eine Verdi-Oper zelebrieren und natürlich auch die Vertreter des einen oder anderen kleinen osteuropäischen Landes, dass sich schlicht und einfach keine eingebürgerte Legionäre leisten kann und für Zuwanderer uninteressant ist. Dort mögen noch Nationalmannschaften im wahrsten Sinne des Wortes existieren, insgesamt aber bei den Deutschen, bei den Franzosen, bei den Briten und auch bei den Österreichern sind es „Multikulti-Teams“, um die Terminologie der hochseriösen „Presse“ zu benützen. Es wäre also eine Frage der Ehrlichkeit, mit dem verlogenen Pseudo-Patriotismus bei solchen Spielen Schluss zu machen, die im Grunde unter dem Mäntelchen des Völker- und Nationen-Wettkampfs genauso Gladiatorenwettkämpfe sind, wie sie beim Vereins-Fußball oder bei der Formel 1 stattfinden. Die Fans mögen doch gefälligst mit irgendwelchen Firmenlogos, den Signets von Google oder Facebook, unter der Fahne von Exxon oder Chrysler, vielleicht auch im Zeichen von Volkswagen, auf den Tribünen jubeln. Die nationalen Symbole der historisch gewachsenen europäischen Völker sollen sie doch zuhause lassen. Und anstelle irgendeiner Nationalhymne möge doch „We are the Champions“ oder dergleichen ertönen. Die Marseillese, das Deutschlandlied, God save the Queen muss ja nicht unbedingt bei Gladiatorenspielen ertönen. Brot und Spiele für die Massen, Millionenhonorare für die Gladiatoren selbst, Milliardengewinne für die Sponsoren – und Ablenkung von den wahren Problemen! So funktioniert die ganze Sache und mit den europäischen Völkern, mit den Nationen und ihren Kulturen hat das Ganze verdammt wenig zu tun, lasst uns dies endlich ehrlich zugeben.
eingebürgerte oder aus Zuwanderungs-Ghettos


Ersatz-Kriege

16. Juni 2016

Ohne Kampf und Gewalt, ja ohne Kriege scheinen die Menschen nicht auskommen zu können. Wenn es in unseren westlichen Demokratien in Europa und Nordamerika keine wirklichen Krieg gibt, dann scheinen „Ersatz-Kriege“ dieses Bedürfnis befriedigen zu müssen. Da sind es Amokläufer in den USA, wie jüngst ein US-Afghane, der dieser Tage in einem Schwulenklub einen Massenmord verübte. Oder es sind islamistische Mordkommandos, die den Krieg des Islamischen Staates nach Europa tragen. Dann wieder linksextremistische Anarchos, die sich als organisierte Straßenkämpfer – wie zuletzt in Wien anlässlich der Demonstration der Identitären – gewalttätig gegen Polizei und böse Rechte ins Getümmel werfen. Oder es sind nur Hooligans wie zuletzt in Marseille, als britische und französische Fußballfans aufeinander eindroschen.

Homo homini lupus, der Mensch ist des Menschen Wolf. Ersatz-Kriege und Gewaltexzesse allerorten, und dass in einer ach so aufgeklärten und fortschrittlichen Welt, die mittels Political Correctness und Völkerrecht alle Konflikte und jegliche Gewalttätigkeit unmöglich machen will.

Dabei ist zunehmend das Gegenteil der Fall: Gerade durch die unkontrollierte Massenzuwanderung aus Kriegs- und Krisengebieten importieren wir zehntausende Menschen mit archaischer Gewaltbereitschaft und fundamentalistischen, intoleranten Grundhaltungen. Der US-Afghane mit seinem Sturmgewehr, die eingeschmuggeltem IS-Terroristen in den Flüchtlingsheimen und die brutalisierten arbeitslosen Jugendlichen in den Banlieues von Paris, sie alle haben ein Verhältnis zum Rechtsstaat und zur Gewalt, dass sich mit aufgeklärtem europäischen Denken nicht vereinbaren lässt. Leider gilt das gleiche auch für linksextremistische Anarchos und brutalisierte Primitiv-Hooligans.

Hass und Gewalt drohen ins Herz unserer Gesellschaften einzudringen. Also was tun dagegen? Das Gespräch unter Gegnern wird nottun. Wenn aber die politische korrekte Linke stets gegen den bösen Rechtsextremismus hetzt, ist dies allerdings unmöglich. Wenn man fundamentalistischen Islamismus nach Europa importiert, wird das auch kaum möglich sein. Die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung, dass nämlich jede religiöse Orientierung und auch politisch-ideologische Anschauungen zu tolerieren ist, muss in Europa erhalten werden. Erst auf der Basis eines solchen kulturellen und politischen Ausgleiches wird man auch die Gewaltexzesse bekämpfen können. Terrorismus und Intoleranz und gewalttätiger, religiöser Fanatismus sind allgemein ebenso zu stigmatisieren wie die dumpfe Gewaltbereitschaft von Hooligans. Das Völker verbindende Fest des Sports ist kein Ersatz-Krieg, der für den Ersatz-Patriotismus der Fußballfans geführt werden kann. Das muss klar sein.


Fußball als Ablenkungs-Manöver

25. Juni 2012

Als einer, der sich für Fußball allenfalls bei Europa- und Weltmeisterschaften interessiert, kann man schwerlich einen diesbezüglichen Experten-Statuts für sich behaupten. Eine Meinung dazu und entsprechende Vorlieben aber darf hierzulande, gottlob jeder äußern. Dies, obwohl es in Österreich noch immer ein bisschen riskant ist, sich als Fan der deutschen Nationalmannschaft zu outen. Der Autor dieser Zeilen tut dies gemeinsam mit seinen Söhnen alle zwei Jahre wieder, indem er vor seinem Haus am Kärntner Ossiachersee die schwarz-rot-goldene Fahne aufzieht.

Findige Mitglieder der anti-freiheitlichen Jagdgesellschaft meinen dies als Zeichen eines unverbesserlichen anti-österreichischen Deutsch-Nationalismus deuten zu müssen (so geschehen im Jahre 2006 bei der Fußball-WM in der bunten Illustrierten News). Und sie haben nicht völlig Unrecht. Natürlich sind die Farben schwarz-rot-gold für den deutschbewussten Österreicher in Erinnerung an die Revolution von 1848 und die Ausrufung der Republik im Herbst 1918, bei der auch die deutsche Trikolore gezeigt wurde, ein emotionales Anliegen. Es ist aber auch schlicht und einfach die Tatsache, dass wenn schon keine österreichische Nationalmannschaft in der Lage ist, mitzuspielen, die bundesdeutschen eben ehesten „unsere Leute“ sind. Österreich hat ja aus einem ziemlich Anti-Piefke-Ressentiment prinzipiell für die Spanier, die Italiener oder die Portugiesen die Daumen gedrückt. Oder sind das nur die trivialen und späten Produkte eines anti-deutschen Selbsthasses, den man den Angehörigen der „österreichischen Nation“ nach 1945 anerzog.

Und es ist natürlich auch das effiziente und hervorragende deutsche Spiel, das den Autor dieser Zeilen zum Fan des schwarz-rot-goldenen Fußballs macht. Und die Tatsache, dass die Mannschaft noch weitgehend eine „deutsche“ ist und nicht nur eine Gladiatoren-Auswahl mit Migrationshintergrund.

Insgesamt aber ist diese Fußball-EM natürlich ein groß inszeniertes Ablenkungsmanöver in Hinblick auf die wahren Sorgen Europas. Der Zusammenbruch des Euros geht ungebremst weiter und das EU-Establishment setzt weiter auf Zentralisierung und Gleichmacherei statt zu erkennen, dass die vorschnelle Einführung einer Gemeinschaftswährung eben ein Fehler gewesen ist. In Brüssel ist man mit Blindheit geschlagen und hofft dies durch medial zelebrierte Spiele für die Massen zumindest für eine gewisse Zeit vergessen machen zu lassen. Und auch in Österreich selbst sind die politischen Debatten angesichts des Fußball-Interesses in den Hintergrund getreten. Wer interessiert sich noch für die „Affäre Graf“, wer für den parlamentarischen Untersuchungsausschuss, wer für den Beschluss der Regierungsmehrheit im Parlament über den europäischen Stabilitätsmechanismus? Mit Brot und Spielen lässt sich eben trefflich von den wirklichen Problemen ablenken. Und da sind Fußballmeisterschaften allemal gut dafür.