Globalisierung des Protests

20. Juni 2020

Nach „MeToo“ und „Fridays for Future“ nunmehr „Black Lives Matter“

Es ist schon merkwürdig: Nach der Globalisierung des Coronavirus und der damit verbundenen Globalisierung der Angst, manche Kritiker meinen sogar der Hysterie, folgt nunmehr die Globalisierung einer Protestbewegung. Infolge der Massendemonstrationen gegen Polizeigewalt gegen Schwarze in den Vereinigten Staaten finden nun weltweit, insbesondere auch in Europa, Massenproteste zum selben Thema statt. Auch in Österreich waren es dem Vernehmen nach an die 50.000 Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund, die gegen den „Alltagsrassismus“, den es auch hierzulande geben soll, protestiert haben. Kurioserweise unter völliger Missachtung der Regeln, wie wir sie im Zuge der globalisierten Seuche verordnet bekamen: Abstand, Masken und so weiter.
Dass der Ausgangspunkt dieser Protestbewegung, die – juristisch wohl – „fahrlässige Tötung“ eines Schwarzen (dem Vernehmen nach ein unter schweren Drogen stehender, mehrfach verurteilter Schwerverbrecher) in Minneapolis durch brutale und überschießende Polizeigewalt zu verurteilen ist, steht außer Frage. Dass es in den USA immer wieder derlei Polizeigewalt gegen Schwarze gibt, ist auch eine Tatsache. Wenn auch zumeist von unserer Gutmenschen-Community verschwiegen wird, dass die Kriminalitätsrate unter den Schwarzen in den USA eine relativ hohe ist (was auch wiederum nachvollziehbare soziale Gründe hat). Wenn aber nunmehr diese Protestbewegung – vorerst einmal in den USA – regelmäßig in Gewalt ausartet und derzeit sogar zur Denkmalstürmerei verkommt, wird es schon bedenklich.
George Washington war Sklavenhalter, Thomas Jefferson ebenso, also Rübe ab bei den entsprechenden Denkmälern. Christoph Kolumbus entdeckte Amerika und war damit indirekt verantwortlich für die Ausrottung der indigenen Bevölkerung – Rübe ab. König Leopold von Belgien konnte den Kongo sein Privateigentum nennen und ließ diesen mit gewiss wenig feinen Methoden ausbeuten – stoßt ihn vom Sockel seines Denkmals! General Robert Lee befehligte die Südstaatenarmee und kämpfte somit für die Sklavenhalter – reißt sein Reiterstandbild nieder! Winston Churchill war Rassist, devastiert sein Denkmal! Wahrlich merkwürdig, was derzeit in den USA – und nicht nur dort – vorgeht.
Noch grotesker ist es allerdings, wenn derlei Rassismus-Proteste nunmehr auch in Österreich stattfinden. Haben wir nicht in den letzten 20 Jahren rund zwei Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aufgenommen? Hat sie dieses Land nicht geschützt und genährt und unter hohen sozialen Kosten integriert? Bietet es ihnen nicht Ausbildung, Gesundheitsvorsorge und alle möglichen Sozialleistungen, obwohl ihr eigener Beitrag für dieses Sozialsystem zwangsläufig noch in keiner Weise kostendeckend sein kann? Und haben die österreichischen Bürger, die autochthonen Österreicher, nicht weitestgehend gute Miene zu dieser Zuwanderung gemacht, obwohl sie wirklich demokratisch niemals explizit über diese Vorgänge abstimmen durften?
Nun aber prangert man sie des Rassismus an. Merkwürdige Vereine wie „Zara“ registrieren abertausende von Fällen an „Alltagsrassismus“, vorwiegend im Internet, wobei jedes böse oder auch nur blöde Wort, jede politisch unkorrekte Bemerkung bereits als Verbrechen registriert wird.
Übersehen dabei wird, dass es so etwas wie eine anthropologische Tatsache ist, dass der Mensch dem Fremden gegenüber und auch fremden Menschen gegenüber Vorbehalte hat, Ängste, Phobien, und dass sich diese eben auch in Vorurteilen oder gar in ganz konkreter Abneigung äußern. Dies zu verstehen, aber auch durch Aufklärung, durch Verständnis und eben durch Integration abzubauen, ist unsere Verpfl ichtung.
Unsere Pfl icht aber kann es nicht sein, die eigene Kultur, das eigene Sozialsystem und das eigene Gesellschaftsgefüge preiszugeben. Das Wertegefüge etwa der großen muslimischen Zuwanderungsgruppe, die Scharia z. B., oder auch das Lebensgefühl von Zuwanderern aus tropischen Breiten oder deren Arbeitsrhythmus werden den entsprechenden heimischen zivilisatorischen Standards kaum entsprechen. Dadurch auftretende Widersprüche und Konfl ikte sofort als Rassismus der autochthonen Bevölkerung zu interpretieren, ist gefährlicher Unfug. Wenn also jetzt diese globalisierte Protestbewegung unter dem Motto „Black Lives Matter“ zu einer Diffamierungsbewegung der autochthonen Menschen und ihres Lebensstils wird, muss man sich schon fragen, wie lange sich die Österreicher das gefallen lassen werden. Man sollte diese weitere Segnung der Globalisierung, in diesem Falle der Protestbewegungen, also schon einigermaßen kritisch betrachten.
Was allerdings die Vereinigten Staaten und ihr Rassenproblem betrifft, so gibt es zweifellos großen Reformbedarf. Es ist beinahe schon in Vergessenheit geraten, dass die USA zwar im Zweiten Weltkrieg einen Kreuzzug gegen den Rassenwahn des nationalsozialistischen Deutschland führte, dass aber die Rassentrennung in mehreren US-Bundesstaaten erst in den 60er-Jahren abgeschafft wurde. Und die höhere Kriminalitätsrate der afroamerikanischen Bevölkerung ist mit Sicherheit auf deren soziale Benachteiligung zurückzuführen. Dieses Faktum wiederum führt zwangsläufi g zu vermehrten Polizeimaßnahmen, die immer wieder in Gewaltexzessen enden. Wobei die US-amerikanische Exekutive offenbar wesentlich gewaltbereiter ist als die Polizei bei uns in Europa, was wiederum einer gesamtgesellschaftlichen Gewaltbereitschaft entspricht, die sich etwa im breitfl ächigen Waffenbesitz manifestiert. Daran hat auch die acht Jahre währende Präsidentschaft eines farbigen Politikers, nämlich Barak Obamas, nichts geändert. Und der aktuelle Präsident Donald Trump scheint diese Spannung in der US-Gesellschaft noch zu schüren. Warum es aber wegen dieser amerikanischen Probleme in Europa, speziell bei uns in Österreich, zu Anti-Rassismus-Protesten oder gar zu Rassenkrawallen kommen sollte, ist schlicht und einfach unverständlich. Die Globalisierung treibt wahrlich seltsame Blüten.