Die Krise hat uns eingeholt

4. Juni 2012

Ach, was haben sie doch groß und wohltönend daher geredet, die EU-Fanatiker und EURO-Phoriker: Es sei doch bloß Angstmache, wenn EU-Kritiker von der Überdehnung der Währungszone gewarnt haben. Es sei nur lächerliche Unwissenheit, wenn die drohende Pleite Griechenlands an die Wand gemalt wurde. Und es sei schlicht und einfach undenkbar, dass ein Land aus der Euro-Zone ausscheiden müsse, geschweige denn, dass der Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung drohen könnte.

Nun spricht man in den Mainstream-Medien längst davon, dass Griechenland so gut wie sicher pleite sei und zum Drachme zurückkehren müsse. Der bundesdeutsche Spiegel, zweifellos ein Leitmedium und die österreichische Presse – angeblich hoch seriös – verkünden durchaus kritisch, dass man auch den Gedanken hegen müsse, dass die Europäische Union ohne eine gemeinsame Währung auskommen sollte. Thilo Sarrazins neues Buch „Europa braucht den Euro nicht“ wird nach anfänglicher Hysterie längst wohlwollend besprochen und als durchaus vernünftig eingestuft und allenthalben scheint man sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es mit dem Euro und damit mit Europa nicht so weitergehen könne, wie bisher.

Spätestens nach der Griechenland Wahl am 17. Juni werden wir wissen, ob es für ein Euroland einen geordneten Staatsbankrott und einen ebenso geordneten Austritt aus der Währungszone mit der damit verbundenen Rückkehr zur nationalen Währung geben kann. Gewiss, alle wissen auch, dass dies ein teurer Spaß für das übrige Europa wird, wohl aber trotzdem die einzige Möglichkeit für Griechenland, sich mittelfristig zu sanieren und für die Eurozone wieder auf die Beine zu kommen. Offen ist allerdings was mit Portugal und Irland und in der Folge mit Spanien und Italien sowie auch Frankreich geschieht. Lässt sich die Gemeinschaftswährung gesund schrumpfen und mittels strenger Budgetdisziplin aller Beteiligten, sowie gepaart mit entsprechenden Wachstums-Konzepten doch noch sanieren? Oder ist der Abmarsch in eine harte Nord-Währung, die letztlich nur von wenigen Staaten rund um Deutschland getragen werden kann, bereits programmiert?

Fest steht allerdings auch heute schon, dass das EU-Establishment in weiterer Zentralisierung bis hin zu einer angeblich „wirklichen politischen Union“ das Heilmittel sieht und nicht gewillt ist, aus der Krise die Lehre zu ziehen: Dass eine Renationalisierung weiter Bereiche auch der Währung die europäische Integration nicht behindern müsste, sondern viel mehr auf einen vernünftigen Weg bringen könnte.