Am Ende gewinnen die Deutschen!?

5. Juli 2010

Dem Fußballrausch kann sich niemand so recht entziehen, auch hierzulande, wo wir nicht direkt und unmittelbar teilnehmen. Früher waren die Straßen leer gefegt und alles saß vor dem Heimkino, heute ist mit „Public Viewing“ dafür gesorgt, dass auch im öffentlichen Raum vor irgendwelchen Großbildflächen gemeinschaftlich gejubelt und getrauert wird. Und wieder einmal ist es die bundesdeutsche Elf, die für Furore sorgt.

Tatsache ist, dass nur 13 Prozent der Österreicher zur bundesdeutschen Fußballmannschaft halten. Man ist für jeden anderen, für die Brasilianer, für die Argentinier – die beide bereits ausgeschieden sind – nur nicht für die Deutschen. Was leitet sich daraus ab? Selbsthass der Deutsch-Österreicher, Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem großen Bruder, erfolgreiche Umerziehung nach 1945 oder schlicht historische Unkenntnis?

Normalerweise wäre es das Natürlichste vom Natürlichsten, dass man zum großen Bruder hält, wenn man selbst als kleinerer Bruder nicht dabei ist. Dass man für jene die Daumen drückt, die der eigenen Sprach- und Kulturnation angehören. Aber im postnationalen Österreich des 21. Jahrhunderts ist eben nichts normal bzw. natürlich.

Dabei ist die gegenwärtige bundesdeutsche Fußballmannschaft ohnedies ein höchst zeitgeistiges Beispiel einer Multikulti-Truppe: zwei Schwarzafrikaner, ein Türke stürmen da mit und Klose und Podolski werden ohnedies als Polen gehandelt, auch wenn sie in Wahrheit wahrscheinlich biedere Schlesier sind. So brave Durchschnittsdeutsche wie der Jungstar Müller, wie Schweinsteiger, wie Mertesacker, gehören bereits geradezu zur Minderheit in dieser Mannschaft.
Aber wie auch immer. Diese deutsche Mannschaft spielt jedenfalls hervorragend, bietet eine gute Show und kurioserweise die Möglichkeit zu nationaler Identifikation. In Österreich sind es die wenigen bewussten Deutsch-Nationalen – der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Harald Stefan lässt grüßen – die der Meinung sind: „Wir gewinnen“. Und in der Bundesrepublik zeigt sich nahezu so etwas wie eine nationale Euphorie, wie fahnenschwingender Patriotismus, der allerfröhlichsten, allerdings auch allerseichtesten Art und Weise, durchaus erfreulich, aber wenig gewichtig.