Breivik tickt anders

16. April 2012

Anders Breivik ist kein Wahnsinniger, sagt zumindest ein psychiatrisches Gutachten. Aber wenn er dieser Tage in Oslo vor Gericht steht, dann wegen einer Tat, die man schlicht und einfach nur als wahnsinnig qualifizieren kann. Wahnsinnig grausam, wahnsinnig sinnlos, wahnsinnig von ihrer politischen Dimension her…

Wenn Breivik nicht wahnsinnig ist, muss ihm klar gewesen sein, dass der Massenmord an 77 jungen Menschen bei Niemandem und nirgendwo auch nur das geringste Verständnis und auch nur die klammheimlichste Zustimmung erfahren konnte. Und er muss auch gewusst haben, wem diese Wahnsinnstat politisch schaden würde – katastrophal schaden sogar: nämlich jenen Parteien und Bewegungen, die gegen Massenzuwanderung, Islamisierung und den Identitäts- und Kulturverlust der europäischen Völker auftreten. Den viel geschmähten Rechtspopulisten quer durch Europa also, deren politisch-gesellschaftlichen Diskurs er in seinem Internet-Manifest auch gewissermaßen als Ideologie-Steinbruch verwendete, also der Dänischen Volkspartei, den Schwedendemokraten, dem Vlaams Belang, dem Front National, der Lega Nord, den österreichischen Freiheitlichen und vielen Parteien mehr.

Tatsächlich befanden sie sich alle nach der Irrsinnstat des Anders Breivik in einem Argumentationsnotstand: Da einerseits ein Massenmord, der durch nichts zu entschuldigen, zu erklären, oder zu argumentieren gewesen ist, dort das zitieren von Argumenten in Breiviks Internet-Manifest, die eben auch über Jahre hinaus von rechtsdemokratischer Seite immer wieder verwendet wurden. Es blieb also nur auf das kurze Gedächtnis der medien-hysterisierten Öffentlichkeit zu setzen und die scheußliche Tat des Anders Breivik auszusitzen.

Nun kommt hier keine Verschwörungstheorie, wonach dieser Breivik etwa ein Agent Provocateur, ein Agent eingesetzt gegen Europas Rechtsdemokraten sei. Nein, es soll dies nur eine Reflexion über den Wahnsinn des nicht wahnsinnigen Breivik sein, der wie gesagt gemusst haben musste, was er tat und wem er schadete. In einer tiefschürfenden Analyse war im vergangenen Sommer einmal zu lesen, dass Breivik vielleicht tiefer in den Abgrund geschaut hat, als man oberflächlich annehmen konnte. Dass er nämlich mit seiner Tat genau die genannten politischen Kräfte grundlegend und letal zu schädigen vor hatte, da diese – aus seiner, Breiviks, Sicht – das finale Eintreten des aus eben dieser seiner Sicht auf Europa zukommenden Chaos nur verzögerten, nur hinaus schoben. Und in einer Art Katharsis-Theorie könnte dieser Analyse nach Breivik darauf gesetzt haben, dass dieses Chaos möglichst schnell auf die europäischen Völker zukommen müsse, um diese dem Feuer der Läuterung auszusetzen.

So weit so wirr. Tatsache ist, dass Breiviks Prozess einmal mehr den zuwanderungskritischen und gegen die Islamisierung stehenden Kräften in Europa schaden wird. Der Massenmord eines nicht wahnsinnigen Wahnsinnigen ist eben schlicht und einfach durch nichts zu entschuldigen, entkräften oder erklären.

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