Es war einmal…ein katholisches Land

4. April 2012

Dieser Tage feiern wir also Ostern, das – wir entsinnen uns – höchste christliche Fest im Jahreslauf. Schon am Palmsonntag ist der eine oder andere zur Palmweihe mit dem Buschen Palmkatzerln in die Kirche gegangen, am Gründonnerstag hat’s Spinat gegeben, am Karfreitag vielleicht kein Fleisch, dafür aber am Karsamstag in den Alpenländern die Fleischweihe und danach eine zünftige Osterjause. Eier wurden gefärbt, Schinken und Kren verzerrt und der eine oder andere geht am Ostersonntag vielleicht auch in die Kirche. Christliches Brauchtum prägt diese Tage also, vermischt ein wenig mit älteren, heidnischen – der Osterhase lässt grüßen. Ob viele Österreicher dieses Fest allerdings als ein wirklich christliches, als das Gedenken an die Passion, den Tod und die Auferstehung des Messias begehen, ist eine andere Frage.

Österreich das war einmal ein katholisches Land, nicht nur in der Monarchie als der Habsburger Kaiser der wichtigste katholische Fürst des Abendlandes war, nicht nur im Ständestaat, der ein bewusst christlich-katholischer war, auch danach noch, in der Republik bis in die 50-er, 60-er Jahre hinein. Heute ist Österreich vielleicht so etwas wie ein post-katholisches Land. Der Lebensrhythmus wird noch von den vormaligen Bräuchen, den Dogmen und Sakramenten beeinflusst, man lässt die Kinder zum großen Teil noch taufen, man heiratet auch kirchlich und man geht vielleicht ein, zweimal im Jahr, eben zu Ostern und zu Weihnachten zur Messe. Die Austrittswelle aus der katholischen Kirche ist aber ungebremst, nicht erst seit den Missbrauchsvorwürfen. Heiraten wollen am ehesten noch Schwule und katholische Priester. Und eine kirchliche Eheschließung ändert nichts daran, dass jede zweite Ehe im Land geschieden wird. Wie viele Eltern mit ihren Kindern am Abend vor dem Schlafengehen noch beten, weiß man nicht. Ja und dann, wenn einer stirbt, legt man schon Wert darauf, dass ein Priester den Betreffenden unter die Erde bringt.

Was die paar Hunderttausend Protestanten im Lande betrifft, so ist bei ihnen der Verlust des Religiösen nicht minder dramatisch als bei den Katholiken. Gläubig sind hierzulande nur mehr die Muslime und von ihnen gibt es wahrscheinlich schon mehr als Protestanten, nämlich rund eine halbe Million, mit steigender Tendenz. Sie verlangen absoluten Respekt vor ihrem Glauben und ihren heiligen Schriften. Der Katholizismus hingegen, vom Heiland beginnend bis hin zu den Kirchenfürsten, ist längst den Kabarettisten preisgegeben und allenfalls noch Lebensinhalt für alte Muatterln. So schaut’s aus im einst katholischen Österreich.

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