Die gesicherten Fluchtwege der EU

Josep Borrell, der Hohe Beauftragte der Europäischen Union für die Außenpolitik aus den Reihen der spanischen Sozialisten, hat dieser Tage lauthals verkündet, dass es „gesicherte Fluchtwege“ für Afghanistan in Richtung Europäische Union geben müsse. Borrell, der bereits als Präsident des Europäischen Parlaments für sein mäßiges Auffassungsvermögen bekannt war, soll dabei zwar nur jene etwa 400 Afghanen gemeint haben, die in Kabul unmittelbar für die EU gearbeitet haben. Das Signal, das er aber damit insgesamt an die etlichen Millionen fluchtwilligen Afghanen ausgesendet hat, ist in der Tat fatal.
Ins gleiche Horn stieß die Innenkommissarin der Europäischen Union, die Schwedin Ylva Johansson. Sie, die ursprünglich als Kommunistin in den schwedischen Reichstag gewählt wurde, plädierte heftig für die Aufnahme möglichst vieler Afghanen in der EU und rügte gleichzeitig Österreich wegen seiner diesbezüglichen Unwilligkeit. Dass die Alpenrepublik mit rund 50.000 Afghanen in der Relation zur eigenen Bevölkerung die nach Schweden größte afghanische „Community“ beherbergt, ist der ultralinken EU-Kommissarin natürlich völlig gleichgültig. Die Probleme, die wir hierzulande mit den Afghanen haben, von denen ein guter Teil straffällig wird, sind ja gerade in letzter Zeit sattsam bekannt geworden.
Allenthalben hört man zwar von den politischen Verantwortungsträgern, dass man die gleichen Fehler wie 2015 bei der hauptsächlich aus Syrien kommenden großen Flüchtlingsinvasion nicht wiederholen wolle, tatsächlich allerdings müssten solche gesicherten Fluchtwege über eine Strecke von mindestens 6.000 Kilometer und über ein halbes Dutzend verschiedenster Staatsgrenzen führen, Fluchtwege also, die mit staatlicher und offizieller Hilfestellung mittels öffentlicher Verkehrsmittel zu bewältigen wären. Die Vorstellung, dass die armen Asylsuchenden zu Fuß und abgekämpft nach Europa kämen, ist ja völlig irrig. Da gibt es Flüge und Transporte mittels Bahn, Bus oder sogar Taxis, im schlimmsten Fall organisiert durch hochkriminelle Schlepper. Nunmehr allerdings will offenbar die Europäische Union selbst das Geschäft der Schlepper bewerkstelligen.
Auch wenn man für den österreichischen Innenminister, Herrn Nehammer, nur mäßige Sympathien hegen mag, ist ihm jedenfalls in dieser Frage vollinhaltlich zuzustimmen: Unser Land hat so viele Afghanen aufgenommen und seit 2015 so viel für Flüchtlinge und Asylsuchende geleistet, dass es sich jetzt mit Fug und Recht verweigern kann. Und überhaupt sei darauf hingewiesen, dass die Europäische Union, deren Mitglied Österreich natürlich ist, in Afghanistan politisch und militärisch nicht wirklich aktiv war. Das waren die Amerikaner und die NATO, die in die Pflicht genommen werden könnten, also allenfalls europäische NATO-Staaten. Und auch da wird man es verhindern müssen, dass NATO-Mitglieder wie etwa Albanien und andere Staaten des Westbalkans zum Korridor für afghanische Flüchtlinge werden, die dann natürlich nicht dort bleiben wollen, sondern nach Österreich, nach Deutschland oder nach Schweden weiter wollen.
Nachdem aber unser politisches Schicksal von Politikern eines Formats eines Herrn Josep Borrell und einer Frau Ylva Johansson und einem zunehmend dement erscheinenden US-Präsidenten gemacht wird, dürfen wir uns nicht wundern, dass die Zustände immer schlimmer werden. Zwar gibt es Stimmen der Vernunft wie den amtierenden EU-Ratspräsidenten, den slowenischen Ministerpräsidenten Janez Jansa, der sich entschieden gegen die weitere Aufnahme von Afghanen ausspricht, sowie die Repräsentanten der Visegrad-Staaten, Viktor Orbán und den Polen Kaczynski, sowie in diesem Falle auch den österreichischen Bundeskanzler. Insgesamt aber nimmt die gesamte Migrationsproblematik einen zunehmend unglückseligen Verlauf. Wenn aus allen Krisengebieten dieses Planeten Menschen nach Europa als einer Insel der Glückseligen, wo Milch und Honig fließen, strömen wollen, wird sich die Frage stellen, ob es dereinst nicht „gesicherte Fluchtwege“ für uns, nämlich aus Europa hinaus, wird geben müssen. Die Frage ist nur wohin.
Das Afghanistan benachbarte China oder das unweit von Afghanistan im Norden liegende Russland – warum streben Flüchtlinge nicht in diese großen Länder? Und warum nehmen die reichen Golfstaaten – wie etwa der das äußerst wohlhabende Königreich Saudi-Arabien – nicht seine muslimischen Brüder auf, die da auf der Flucht sind?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: