Jubel, Jubel, Jubel!

Österreich sei endlich „wieder in der Mitte Europas angekommen“, titelt etwa eine als „bürgerlich“ geltende österreichische Tageszeitung im Hinblick auf die dieser Tage erfolgte Angelobung der neuen türkis–grünen Bundesregierung. Ganz so, als wären wir zuvor in Zentralasien unter dem Regiment Dschingis Khans gelegen. Als wäre die vormalige Mitte-Rechts-Regierung mit den Freiheitlichen ein Regiment der Barbaren gewesen.
Der Jubel jedenfalls in den Mainstream-Medien über die neue Bundesregierung war ein allgemeiner. Warnende Stimmen, welche die mangelnde Kompatibilität grüner und türkiser Programme anmerkten, waren mehr als zaghaft und zumeist bloße journalistische Pflichtübungen, um irgendwo den Anspruch des Kritischen noch anzudeuten. Insgesamt aber Jubel.
Und erst der Herr Bundespräsident, der war so etwas von zufrieden, vermittelte mit Körpersprache, Gestik und seinen Formulierungen gewissermaßen den grünen Anspruch, den Gipfelpunkt der politischen Evolution für das Land erreicht zu haben. Kogler mochte ein wenig aufgequollen und aufgelöst erschienen sein, Kurz hingegen lächelte wie ein chinesischer Mandarin: aalglatt.
Und so wird es wohl bleiben. Allein die breite mediale Unterstützung scheint so etwas wie ein Garant dafür zu sein, dass uns diese Bundesregierung länger erhalten bleibt. Da gibt es natürlich keine Einzelfälle. Wenn beispielsweise die Anarchos demnächst beim Wiener Akademikerball wieder Krawall schlagen, wird das doch nicht den Grünen angelastet.
Was hat Sigrid Maurer damit zu tun? Und die biografischen tiefroten Flecken der einzelnen Grünexponenten – wer war da nicht alles Maoist, Trotzkist oder revolutionärer Marxist? – spielen sowieso keine Rolle. Und wenn die Justizministerin selbst ein Fall für die Justiz war, ist das auch völlig wurscht. Freude, Friede, Eierkuchen quer durch die heimische Medienwelt.
Man stelle sich das umgekehrt im Hinblick auf die Freiheitlichen vor oder man erinnere sich schlicht und einfach an die Regierungsbildung des Jahres 2017. Da hat der Bundespräsident natürlich irgendwelche bedenklichen politischen Persönlichkeiten abgelehnt. Frau Zadic ist ihm natürlich sehr recht. Da wurde jeder Rülpser aus dem Randbereich des freiheitlichen Lagers als Einzelfall der Regierung vorgerechnet. Und irgendwelche angeblichen „braunen Flekken“ aus der Vergangenheit wurden stets dem freiheitlichen Koalitionspartner zur Existenzfrage gemacht.
Nun ist das anders. Wir sind ja endlich „in der Mitte Europas angelangt“. Wie der Herr Kurz seinen so heftig beschworenen „Mitte-Rechts-Kurs“ beibehalten will, wie er „verfassungskonform“ die Sicherungshaft realisieren will, wie er – zum wievielten Mal eigentlich? – die Balkanroute schließen will und die Seenotrettung im Mittelmeer, diesen „Pull-Faktor“ für Schlepper und illegale Migranten, abdrehen will, all das steht in den Sternen und dürfte wohl nicht viel mehr als eine rhetorische Beruhigungspille für die vormaligen FPÖ-Wähler, die nunmehr Herrn Kurz gestärkt haben, bleiben. Und wie die Grünen schließlich mit einem allgemeinen Öffi-Ticket für ganz Österreich – das, nebenbei angemerkt, pro Jahr auch runde 1.000 Euro kosten wird – denPlaneten retten wollen, ist ebenso fraglich.
Aber allein schon die Tatsache, dass die Klima- Apokalypse nicht so schnell kommt, dürfte von den Grünen als gewaltiger politischer Erfolg auf ihre Fahnen geheftet werden.
Und Sebastian Kurz als Polit-Opportunist der Sonderklasse neben Greta Thunberg lässt sich als der „Held unserer Tage“ feiern.
Jubel, Jubel, Jubel!

2 Responses to Jubel, Jubel, Jubel!

  1. Matthias sagt:

    Die FPÖ wird erstmal beweisen müssen, ob sie ihre erfolgreiche Oppositionspolitik auch gegen eine Regierung fortsetzen wird können, die nicht SPÖ/ÖVP heißt. 100% garantiert ist das jedenfalls nicht.
    Den Grünen fortzuwerfen, sie hätten ihre linken Grundsätze über Board geworfen ist jedenfalls kein guter Anknüpfungspunkt. Vergessen darf dabei auch nicht werden, dass das Projekt, anders als rot-schwarz(Stillstand, Blockade etc), nicht unbeliebt ist, ungemein gehypt wird und Kurz womöglich gegen eine Freiheitliche Wählerrückholung Vorkehrungen treffen wird oder schon getroffen hat. Ein dritter Wiederaufstieg wird meines Erachtens für die FPÖ vermutlich mühsamer zu erkämpfen sein als in rot-schwarzer Oppositionsfortune.

  2. Dr. H. Ernst Pollan sagt:

    Ja, sehr geehrter Herr Mölzer, Jubel allerorten! Am Montag, den 20.1.2020, durfte der Schreiberling Claus Pandi von der mächtigen, sehr mächtigen Kronen-Zeitung nochmals triumphieren: „Ibiza ist ein Glücksfall gewesen; Österreich ist endlich wieder in der Normalität angekommen“.
    Ich behaupte: Wäre der „Glücksfall Ibiza“ nicht gewesen, die veröffentlichte Meinung hätte irgendwas Anderes gefunden: noch irgendein Liederbuch im hinteren Kellerregal, noch irgendein FPÖ-Politiker aus der Gemeinde Hintertupfingen, der irgendwas Unpassendes gepostet, gelikt oder sonstwas hat. Die blaue Regierungsbeteiligung wäre solange unter Beschuss gestanden, bis der smarte Herr Kurz endlich sein „Es geht nicht mehr“ absondern hätte können oder müssen.
    Nein, die blaue Regentschaft hätte so oder so keine 5 Jahre gedauert. Gegen eine vereinigte Medienfront, NGOs, „Kunst-“ und „Kulturszene“ etc. lässt sich auf Dauer keine Politik machen! Und leider natürlich haben es die Blauen ihren Feinden vielerorts sehr einfach gemacht, irgendeine missglückte Wortwahl, irgendein Auftritt oder eine ungenügende „Distanzierung“ von einem missliebigen Verein, das reicht schon für eine gnadenlose Hatz der Guten!
    Seien wir also „froh“: der ORF mit Armin Wolf, die Kronen-Zeitung, der Falter, Profil, nicht zu vergessen das „Ausland“, sie alle werden sich nicht mehr so um die Blauen „kümmern“ müssen, und jene, von Ibiza, Spesenskandalen, Liederbüchern und Anderem geschlagene und bebeutelte Partei darf ihre Wunden lecken und versuchen, wieder auf die Beine zu kommen, aber bitte nur in den Hinterbänken und nie wieder in eine Regierung!! Wir schaffen das nicht!

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