Blauer Neustart

Die Ära Strache ist endgültig zu Ende, er hat sich vollständig aus der Politik zurückgezogen, ist nicht mehr Mitglied dieser Partei, und seine Gattin wird wohl auch kein Nationalratsmandat bekommen. Damit ist diese Phase der Freiheitlichen gewissermaßen Geschichte, so wie zuvor die Ära Haider, die Ära Steger und die Ära Friedrich Peter. An den Nachwirkungen allerdings wird die freiheitliche Gesinnungsgemeinschaft wohl noch lange zu leiden haben. So wie nach wie vor Korruptionsprozesse aus der Ära Haider laufen, so werden die Spesenexzesse des vormaligen Parteiobmanns, aber auch die Hintergründe der kriminellen Kampagne, die gegen ihn gefahren wurde, die Gerichte im Lande wohl noch lange beschäftigen. Das Dritte Lager aber, die nationalfreiheitliche Gesinnungsgemeinschaft und die FPÖ als Dritte Kraft im österreichischen Parlament mit immer noch 16 Prozent der Stimmen, hat deshalb noch längst nicht ausgedient.
Sie muss weiter ihre Wähler vertreten und sich den Problemen stellen, für deren Lösung sie gewählt wurde: Sie muss für die Erhaltung der ethnisch-kulturellen Identität des Landes, wie sie historisch gewachsen ist, und weiterhin gegen Massenzuwanderung eintreten.
Sie muss Recht, Ordnung und Sicherheit im Lande einfordern und sie muss das Panier der Freiheit – die der individuellen und jene des Gemeinwesens – hochhalten.
Zu diesem Zwecke aber muss sie sich politischmoralisch neu gründen. Sie muss Regeln ziehen und diese auch knallhart einhalten. Die Missstände, wie sie zuvor in der Ära Strache und in der Ära Haider aufgetreten sind, müssen verhindert werden.
Die Bereicherung von Mandataren und Funktionären muss schlicht und einfach unmöglich sein, Korruption durch größtmögliche Transparenz und bestmögliche Kontrolle absolut undenkbar werden. Und das Eintreten für die wirklichen freiheitlichen Inhalte und weltanschaulichen Grundsätze muss gewährleistet sein. Ob man zu diesem Zweck auf die bisherigen politischen und strategischen Rezepte setzen kann, ist zu hinterfragen. Sowohl die Haider-FPÖ als auch die Strache-FPÖ waren Rechtsparteien, die ihrem jeweiligen Spitzenmann medial und propagandistisch absolut in den Mittelpunkt gestellt haben und diesen mit einer gewissen Art und Weise von blauem Starkult populär gemacht haben. Dieser Starkult impliziert aber offenbar auch die Versuchung des betreffenden Parteichefs, die moralischen Grundsätze zu vergessen und das Parteiwohl wie ebenso das Staatswohl dem eigenen Ego hintanzustellen. Weder Jörg Haider noch Heinz-Christian Strache waren bzw. sind schlechte Menschen, sie unterlagen nur – ganz offenbar – zumindest in gewissen Teilbereichen, den Versuchungen, die ein solcher Starkult eben mit sich bringt.
Vielleicht sollten die Freiheitlichen nunmehr auf eine kameradschaftliche und eher kollektive Führung setzen. Vielleicht sollten sie allzu populistische politische Ansagen vermeiden und sich eher sachpolitisch orientieren.Vielleicht sollten sie – im Fall des Falles – zwar harte Oppositionspolitik, aber doch staatstragend und nicht fundmentalistisch betreiben. Die Freiheitlichen waren und sind für andere rechtspatriotische Parteien quer durch Euroopa Vorbild.
Insbesondere die deutsche AfD müsste einiges lernen aus der Entwicklung der österreichischen Freiheitlichen. Wenn man den politischen Auftrag der Wähler im Sinne von Recht und Freiheit, Patriotismus und Wahrung der historisch gewachsenen Identität des eigenen Volkes wahrnehmen will, muss man höchsten moralischen und ethischen Standards genügen. In wesentlich höherem Maße als dies die Vertreter anderer politischen Gruppierungen müssen. Die Verfolgung, Denunziation und akribische Beobachtung der nonkonformistischen Parteien wie die FPÖ, aber auch ihre europäischen Schwesterparteien sind nämlich gnadenlos. In diesem Sinne sollten Österreichs Freiheitliche einen weiteren Lernprozess durchgemacht haben und einen politischen Neustart versuchen. Im Sinne des Landes und seiner Menschen.

2 Responses to Blauer Neustart

  1. Waltraut Kupf sagt:

    Mit besonderen charakterlichen Lichtgestalten ist in der Politik nicht zu rechnen, da helfen die schönsten Postulate nichts. Was man allenfalls noch erhoffen könnte, sind wasserdichte Kontrollsysteme (die allerdings von Leuten, die keine weiße Weste haben, zu verhindern getrachtet werden wird) und zweitens soviel ratonales Denken, daß nur mit absoluter Untadeligkeit und Unerpreßbarkeit langfristiger Erfolg zu erwarten ist. Anscheinend zittern jetzt diejenigen, die Strache seine Benefizien genehmigt haben, was ja auch eine Rolle spielt. Es ist verständlich, daß die Wähler sich teilweise von der FPÖ abgewendet haben, es müßte aber der Angelpunkt zu einer glaubwürdigen Selbstreinigung gefunden werden. Besser als die nicht erfolgversprechende Neu-Etablierung von politischen Eintagsfliegen diverser Weltverbesserer wäre es, auf dem bestehenden Restsockel neu aufzubauen. Ich kenne die Akteure zu wenig, da ich schon lange aus der FPÖ ausgetreten bin, der Versuch einer Neuaufstellung sollte aber gemacht werden. Vor allem sollte Konsens darüber herrschen, ob man wirtschaftsliberal (sprich EU-freundlich) oder national (sprich EU-skeptisch) sein will. Ein bißchen schwanger sein kann man nicht.sein.

  2. Matthias sagt:

    Nach der Abspaltung des BZÖ und der Übernahme der FPÖ durch HC Strache wäre es durchaus möglich gewesen, der Bevölkerung einen überstandenen Reinigungsprozess glaubhaft zu überliefern. Die Distanzierung gegenüber Personen wie Grasser, Meischberger und Co machte ebenfalls einen guten und glaubwürdigen Eindruck. Erstes Unbehagen löste meines Erachtens diesbezüglich die Rückholung der Kärntner Freiheitlichen im Jahre 2010 mit unmittelbar danach wegen Korruption rechtskräftig verurteilten Personen aus. Durch diese Fusion ist Korruption durch ehemalige Haider Günstlinge wieder zur FPÖ gerückt. Diese Tatsache wurde von den Gegnern der FPÖ sehr schlecht kommuniziert, weshalb dies deren Erfolg kaum beeinträchtigte. Mit den Ereignissen der letzten Wochen und Monate hat sich aber leider gezeigt, dass der im Jahre 2005/2006 tradierte Reinigungsprozess in keiner Weise stattgefunden hat und dieser der FPÖ daher noch bevorsteht.

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