„Kickl-Bashing“

Altachtundsechziger, Post- und Spätmarxisten aller Schattierungen wissen es natürlich: Wer die Begriffe beherrscht, beherrscht die Inhalte. Und diese Maxime ist offenbar auch Innenminister Herbert Kickl geläufig, wenn er nunmehr aus den Erstaufnahmezentren, wie sie in Traiskirchen oder Kalham bestehen, Ausreisezentren macht. Und wenn er hinzufügt, dass gemäß den Dublin-Regeln der Europäischen Union überhaupt niemand in Österreich einen Asylantrag stellen dürfe, wenn er nicht mit dem Fallschirm lande oder aus dem Flugzeug steige, trifft er überdies mit Sicherheit die Meinung der schweigenden Mehrheit der Bevölkerung
Neben Weltaußenpolitiker Sebastian Kurz, der offenbar in den Spuren Bruno Kreiskys internationales Renommee und Beliebtheit bei der einheimischen Bevölkerung zu erlangen versucht, ist der Innenminister zweifellos die am meisten zitierte, allerdings auch am heftigsten bekämpfte Persönlichkeit der neuen Mitte-Rechts-Regierung und er ist längst zur Hassfigur der linken Opposition und der linksgepolten Mainstream-Medien geworden. Im lachsfarbenen Zentralorgan der Links-Intelligenzija gibt es längst so etwas wie eine eigene, mehrere Seiten umfassende Rubrik „über die Schandtaten Kickls“.
Im selben Maße allerdings, in dem der Innenminister zum xenophoben Mephisto der neuen Mitte-Rechts-Regierung hochstilisiert wird, gewinnt er in der Anhängerschaft der freiheitlichen Regierungspartei an Statur. Er ist nunmehr als Law-and-Order-Minister zum Liebkind der rechten Reichshälfte geworden und zweifellos wird er auch insgesamt im Mitte-Rechts-Elektorat in eben jenem Maße an Beliebtheit gewinnen, in dem er von der linken Opposition attackiert wird.
Während Infrastrukturminister Norbert Hofer das freundliche Gesicht der blauen Regierungspartner darstellt und Heinz-Christian Strache den Staatsmann auf der Reservebank gibt, welcher das Polarisieren wie weiland als Oppositionspolitiker nicht mehr üben darf, spielt der Innenminister die Rolle des konsequenten Umsetzers freiheitlicher Forderungen. Dass er damit die schweigende Mehrheit der Österreicher auf seiner Seite hat, dürfte Faktum sein. Und dass er damit einen Auflagenmacher für den Boulevard darstellt, ist auch klar. Das linke Kickl-Bashing und Kickls politisches Agieren nach dem Motto „Wer mich nicht liebt, soll mich wenigstens fürchten“, ergänzen einander also idealtypisch. Die Opposition und die linken Mainstreammedien haben ihren Buhmann und ihr Feindbild und der Innenminister damit seine Popularitäts-Garantie. Wer letztlich in diesem Spiel der Stärkere bleibt, ist abzuwarten. Fest steht allerdings: Sollte Kickl stürzen, stürzt die Regierung.

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