Politisch korrekte Heuchelei

Was gab es da nicht an Empörung über den Besuch des russischen Staatspräsidenten in den Mainstream-Medien. Unmöglich sei es, einen Despoten zu einer Hochzeit einzuladen und die Kosten, die auf Grund der Sicherheitsvorkehrungen für den Steuerzahler entstünden, schrecklich! Und Österreich sei jetzt keine Vermittler mehr in der internationalen Politik und überhaupt die Außenministerin müsse zurücktreten.
Derlei Schwachsinn wurde zwar nur von der korrupten Regierung in Kiew und von einem völlig unbedeutenden grünen Abgeordneten abgesondert, es reichte aber aus, um in den politisch-korrekten linksgepolten Medien entsprechend breitgetreten zu werden. Und weiter hieß es, das Tänzchen der Außenministerin mit Wladimir Putin und ihr danach zelebrierter Knicks sei eine Unterwerfungsgeste unter den Großrussen gewesen, ein Schaden für Österreichs außenpolitisches Ansehen.
Aber so ist es, die Political Correctness wird immer unsinniger und immer einseitiger, dies konnte man in den vergangen Tagen auch anhand zweier zum Skandal hochgeblasener Aussagen erkennen, die als grauenhaft rassistisch gewertet wurden. Da hat einerseits ein freiheitlicher Stadtrat aus dem niederösterreichischen Amstetten es gewagt, die ÖBB-Werbung für eine Familienvergünstigung mittels eines Bildes, auf dem ein offenbar homosexuelles Pärchen – einer der Partner schwarz – mit einem Baby abgebildet ist, als „grauslich“ zu empfinden. Und wie am Stammtisch, wenn Volkes Stimme so derb spricht, formulierte er, dass hier „ein Neger und eine Schwuchtel“ abgebildet wären. Das allgemeine Entsetzen und die allgemeine Distanzierung – auch die des Urhebers dieser Aussage – ließ nicht lange auf sich warten.
Und dann gab es da eine längere Auslassung einer ÖVP-Abgeordneten im Europäischen Parlament, die der Meinung war, das man Schwarzafrikaner nicht nach Europa zuwandern lassen solle, da diese von ihrer Mentalität und ihrem Arbeitsethos schlicht und einfach nicht in unser soziales und kulturelles Gefüge integrierbar wären. Auch hier allenthalben Entsetzen und Distanzierung und natürlich devote Entschuldigung der Urheberin dieser Aussagen. Nun kann man über die Wortwahl des Amstettener Kommunalpolitikers meinen, dass sie geschmacklos wäre und man kann die Äußerungen der ÖVP-Abgeordneten für unsinnig halten, noch aber ist die freie Meinungsäußerung hierzulande ein verfassungsmäßig verbürgtes Recht und dieses Recht beinhaltet auch die mögliche Äußerung unsinniger oder wenig geschmackvoller Äußerungen und Meinungen. Frei und offen dürfen die Österreicher nämlich ihre Ansichten und Meinungen äußern, Verbote und politisch-korrekte Tabus sollen sie dabei nicht einschränken dürfen. Dies sollte nicht in Vergessenheit geraten.

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2 Responses to Politisch korrekte Heuchelei

  1. Olleresbacher sagt:

    In einem Forum wurde der Ablauf der „Einladung“ so beschrieben:
    Putin wollte diesen Termin für eine Besprechung festlegen.
    Kneissl: Das geht nicht, da heirate ich.
    Putin: Da komme ich.
    Hätte sie ihn vielleicht ausladen sollen?

  2. wbeier sagt:

    Der kulturell/politisch/mediale Komplex ist entschiedener Gegner aller Bewegungen in diesem Lande, die „das Eigene“ fördern und mächtiger Hegemon der öffentlichen Meinung und des freien Wortes.
    Dieser Hegemon ist auch und gerade deswegen in der Lage, das Stöckchen zu halten um diese Regierung jederzeit darüber hüpfen zu lassen.
    Das entscheidende Versäumnis: Allein mit nach Bratwurst und Volksnähe duftender Öffentlichkeitsarbeit und Gesichtswäschen in hochkulturellen Sphären wird man den entscheidenden metapolitischen Raum nicht erobern.
    Wahrscheinlich hätte man sich schon vor Regierungsantritt um diesen vorpolitischen Raum kümmern müssen, dann bräuchte man heute nicht durch jeden Reifen der Dressureliten zu springen und ich erlaube mir einen diesbezüglichen Literaturhinweis an die entsprechenden Kader der FPÖ zu richten: – Gefängnishefte – Antonio Gramsci

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