Das Forum der Republik

Der Heldenplatz und sein genius loci

Bei der Zweiten Türkenbelagerung Wiens im Sommer 1683 war es just der Raum vor der Wiener Burgbastei, wo die opferreichsten Kämpfe des Osmanischen Heeres gegen die Verteidiger stattfanden.
Etwas mehr als ein Jahrhundert später, im Jahre 1809, besetzte Napoleon die Reichshaupt- und Residenzstadt. Vor ihrem Abzug sprengten die französischen Truppen Teile der Stadtbesfestigung, darunter die Burgbastei. Deren Reste wurden bis 1819 entfernt, wodurch der äußere Burgplatz entstand. Im Zuge der Errichtung der Ringstraße wurde dann dieser Burgplatz unter Kaiser Franz Joseph als Teil eines gewaltigen Kaiserforums konzipiert. Dieses wurde jedoch nie vollendet. Aufgestellt wurden allerdings die beiden Reiterdenkmäler, die Anton Dominik von Fernkorn  geschaffen hatte. Das ältere ist dasjenige des Erzherzog Karls, des „Kämpfers für Deutschlands Ehre“ , das 1860 enthüllt wurde, das jüngere ist die Reiterstatue Prinz Eugens, die später fertiggestellt wurde.
Just 140 Jahre ist es nunmehr her, dass im Jahre 1878 dieser imperiale Raum den Namen „Heldenplatz“ bekam, eben wegen der beiden habsburgischen Kriegshelden, deren Denkmäler den Platz zieren. Den Abschluss dieses Heldenplatzes bildet bis zum heutigen Tag das äußere Burgtor, das schon im Jahre 1824 errichtet wurde und als Denkmal für die Soldaten der Napoleonischen Kriege gedacht war. In der Folge sollte es zu einem Denkmal für alle Kriegsgefallenen werden. Dies war wohl auch der Grund, warum der Wiener Korporationsring in der Zweiten Republik sein Totengedenken vor der Krypta des äußeren Burgtors abhält. Der Ballhausplatz später war von Anbeginn Raum großer staatlicher Festakte und militärischen Zeremoniells. Ursprünglich jedenfalls war er Raum für imperiale Selbstdarstellung der Habsburger-Monarchie.
In der Republik sollte der Heldenplatz  so etwas wie ein Staatsforum  werden. Die Ausrufung  der Republik fand zwar noch eher auf der Ringsstraße, im Raum vor dem Parlament statt, bereits im Ständestaat allerdings gab es große Veranstaltungen auf dem Heldenplatz, wie etwa beim Katholikentag in den 30er Jahren.
Vollends zum symbol befrachteten Raum wurde der Heldenplatz, als der Braunauer am 15. März des Jahres 1938 am Balkon der Neuen Burg vor den versammelten und jubelnden Massen den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkündete und „Vollzugsmeldung vor der Geschichte“ machte. Hunderttausende Österreicher waren es, die damals euphorisch über die Richtung Großdeutschlands jubelten. Der Terror des NS-Regimes und die Tragödien sollten den „Ostmärkern“ die Jubelstimmung allerdings bald austreiben. Und nach 1945 wurde der Heldenplatz beziehungsweise seine Rolle in den Märztagen des Jahres 1938 zu so etwas wie einem blinden Fleck im österreichischen Selbstverständnis und Geschichtsbewusstsein.
In der Zweiten Republik findet am Heldenplatz anlässlich des Staatsfeiertags am 26. Oktober regelmäßig eine Großveranstaltung des Bundesheers statt. Dabei wird traditionell die Angelobung der Jungmänner unter Präsenz des Bundespräsidenten vorgenommen und immer wieder gab es auch eine Leistungsschau der österreichischen Armee.
Nachdem im Jahre 2012 unter dem Denkmal des toten Soldaten im äußeren Burgtor ein verstecktes NS-Pamphlet gefunden wurde und man auch die Namen von SS-Leuten der Totenbücher enthüllte, ließ das zuständige Bundesheer die Gedenkräume leeren. Dies mochte auch im Zusammenhang mit dem Totengedenken des Wiener Korporationsrings gestanden sein, das insbesondere von linker Seite heftig kritisiert worden war.
Man behauptete dabei, dass Wiener Korporationen nicht der Toten gedächten, sondern vielmehr den Untergang des Dritten Reiches und die Kriegsniederlage betrauern würden.
Um dies zu konterkarieren, ließ der sozialistische Verteidigungsminister im Jahre 2013 anlässlich des Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 2013 erstmals eine Mahnwache des Bundesheeres für die Opfer des Nationalsozialismus aufmarschieren. Zusätzlich fand, angeregt vom Mauthausen Kommitee und den Wiener Symphonikern, ein Fest der Freude mit einem großen Festkonzert statt. Nunmehr ist der Heldenplatz der Raum für die drei provisorischen Pavillons, in denen das österreichische Parlament wegen  der Renovierung des historischenParlamentsgebäudes für etliche  Jahre tagen muss. Auch in diesem Zusammenhang erweist sich der Heldenplatz als zentraler politischer Raum der Republik. Geschichtsbeladen, aber auch offen für die Bürger des Landes. Der ORF bringt am 15. März des Jahres eine große Dokumentation über den Heldenplatz.

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