Was wäre im umgekehrten Falle?

Wie wäre es mit einem Gedankenspiel? Nehmen wir an, ein rechtsrechtes Hetzblatt – als solches wird gegenwärtig die Zeitschrift der Freiheitlichen Akademikerverbände „Aula“ allenthalben in den Mainstream-Medien denunziert – würde eine hektographierte Unterlage veröffentlichen, wonach irgendeine Koranschule oder eine Moschee-Verein im Lande in edlem Hocharabisch auf die „ungläubigen Christenhunde“ und auf „unreine Schweinefleisch-Fresser“ und „zionistische Landräuber“ herzieht. Und nehmen wir an, dass sich da sofort eine Empörungsspirale in Bewegung setzt, Österreichs Boulevard-Zeitungen die Meldung groß bringen, eher konservative Privatsender wie der eines Salzburger Energydrink- Vertreibers auch im Fernsehen.
Und nehmen wir weiters an, dass sofort anderntags ein bekannt rechtsorientierter Staatsanwalt im Auftrag eines bekannt rechtsorientierten Richters – beide mutmaßlich Alte Herren einer Burschenschaft (gibt’s überhaupt noch solche?) – eine Hausdurchsuchung bei besagtem Moschee-Verein oder besagter Koranschule durchführen lässt. Begleitet von einem Kamerateam wird dort die Türe aufgebrochen und nach dreistündiger Suche findet man im Keller der Vereinsräumlichkeiten einige alte Kartons mit diversem alten Zeugs, mitgebracht möglicherweise aus der alten Heimat und vergilbtes Papier in arabischer Schrift. Diese kann zwar vorläufig niemand entziffern, mutmaßlich handelt sich aber um islamistische Hetze und um Anleitungen zum Bombenbau für Selbstmordattentäter. So erklären es die rechtsrechten Gazetten, und der Vorsitzende der Koranschule, der im Zivilberuf als Hausmeister beim Grünen Landtagsklub angestellt ist, muss sofort in Zwangsurlaub gehen, und die Staatsanwaltschaft leitet natürlich Ermittlungen wegen Verdachts auf islamistischen Terror ein. Der freiheitliche Innenminister würde von der ohnedies schwachen linken Opposition und die linksliberalen Medien verdächtigt werden, das Ganze, wenn schon nicht veranlasst, so zumindest begünstigt zu haben. Das politische Eintreten seiner Partei gegen die Islamisierung sei ja sattsam bekannt.
Nun aber Spaß beiseite: Ein solches Gedankenspiel wäre natürlich in der österreichischen Realität völlig undenkbar, ja es wäre auch tatsächlich absurd. Umgekehrt allerdings ist genau das in den letzten Tagen vorgefallen: Eine linkslinke Gazette veröffentlicht ein fragwürdig hektographiertes und geheftetes Papierl, das angeblich mieseste antisemitische Liedtexte enthält und obwohl die Beschuldigten versichern – wo bleibt die Unschuldsvermutung? –, dies nicht zu kennen, gibt es prompt anderntags eine Hausdurchsuchung mit Kamerateam, aufgebrochener Türe und dem Auffinden der ominösen Kiste. Das, was bei irgendwelchen islamischen Gemeinschaften im Lande oder gar bei linksextremen Vereinen völlig undenkbar wäre, da Österreich ein liberales Land ist, ist in jüngster Zeit gegenüber den so heftig angefeindeten Burschenschaften durchaus möglich. Ein diffus geäußerter Verdacht und schon schlägt eine – heute auch schon längst von Spät-68ern linksdurchsetzte – Justiz gnadenlos zu. Dass der Besitz historischer Materialien von Nachlässen verstorbener Bundesbrüder in keiner Weise strafbar ist, spielt keine Rolle. Es wird vielmehr ein Bild gezeichnet, wonach viele führende Exponenten der freiheitlichen Regierungspartei, die aus den traditionellen Vereinigungen des Dritten Lagers kommen, in einem Umfeld sozialisiert wurden, das neonazistisch und rassistisch sein müsse.
Die Gefahr besteht natürlich, und auch das bezwecken die Gegner der Regierung, dass nämlich  zwischen dem Dritten Lager, also dem Kernwählerbereichder FPÖ und der Parteispitze, eine Kluft und eine Atmosphäre des Misstrauens entstehen. So nach dem Motto, unter einem sozialistischen Innenminister hatten wir unsere Ruhe, unter einem freiheitlichen werden nunmehr die Verbindungshäuser zwecks Hausdurchsuchung aufgebrochen. Dass die Freiheitliche Partei im parlamentarischen Bereich in jenen Sphären, in denen eine Partei eben tätig sein kann, alles tut, um die historischen Vereinigungen des nationalfreiheitlichen Lagers zu schützen und zu unterstützen, sollte allerdings schon bewusst sein. Möglich ist dies aber nur dort, wo diese Vereinigungen und dieses Lager sich auf den Boden der geltenden Gesetze der Verfassung und des Rechtsstaats bewegt, andernfalls ist sie nicht nur taktisch dazu genötigt, sich zu distanzieren, sondern auch moralisch verpflichtet. Das müssen sich die Vereinigungen des historisch  gewachsenen Dritten Lagersauch vor Augen halten, und genau aus diesem Grunde ist Hygiene im eigenen Haus notwendig, ist eine kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte vonnöten, ist Selbstkritik und Selbstreinigung angesagt.
Die Einäugigkeit aber, mit der da die Mainstream-Medien und allzu zeitgeistige Vertreter staatlicher Institutionen gegen ein traditionelles politisches Lager vorgehen, diese Einäugigkeit darf durchaus auch angeprangert werden. Offenkundig ist nämlich, dass man nicht nur die freiheitliche Regierungsbeteiligung untergraben und möglichstverunmöglichen will, Tatsache ist auch, dass man dieses alte nationalliberale und offenbar für den Zeitgeist so unliebsame Dritte Lager schlicht vernichten will, zu allererst natürlich die akademisch studentischen Kooperationen. Das Ganze läuft also auf einen Existenzkampf hinaus.

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