Gegen die Kriminalisierung des Dritten Lagers

Die Idee des Vizekanzlers und Bundesparteiobmanns der Freiheitlichen, Heinz-Christian Strache, so etwas wie eine Historikerkommission einzusetzen, um sich proaktiv mit jenen Vorwürfen auseinanderzusetzen, die immer wieder – zumeist ausgerechnet vor Wahlen – gegen die freiheitliche Gesinnungsgemeinschaft und das Dritte Lager erhoben werden, ist zweifellos begrüßenswert. Wenn es Institutionen gibt, die zwar im Grunde private Vereine sind, allerdings seit Jahrzehnten mit hohen staatlichen Subventionen arbeiten und deren Hauptziel es zu sein scheint, die freiheitliche Partei und ihr zivilgesellschaftliches Umfeld zu diskreditieren, wäre es zweifellos vernünftig, hier nicht nur passiv zuzuwarten, sondern viel mehr mit eigenen Kräften jene historischen Bereiche aufzuarbeiten, die tatsächlich oder auch nur vorgeblich mehr als nur Schattenseiten der eigenen Geschichte darstellen. Das Gedenkjahr 2018 mit seinen historischen Ereignissen 1848, 1918, 1938, aber auch 1968, bietet zweifellos entsprechenden Anlass dafür.
Nun heißt es natürlich schon, dass Straches Absage an Antisemitismus und Totalitarismus, wie er sie couragiert bei seiner Eröffnungsrede am Wiener Akademikerball tätigte, zwar lieb und nett sei, aber natürlich zu wenig. Und eine Historikerkommission könne ja nur glaubwürdig sein, wenn sie nicht aus Sympathisanten der FPÖ bestünde, sondern aus „objektiven“, außenstehenden Persönlichkeiten. Da wird so getan, als hätte der Bund Sozialistischer Akademiker die Aufarbeitung seiner braunen Flecken ausschließlich durch ÖVP-nahe Historiker tätigen lassen. Und als würde sich die Volkspartei die Rolle des christlich-sozialen Lagers während des Austrofaschismus ausschließlich von Oliver Rathkolb und Anton Pelinka erklären lassen.
Das kann es natürlich nicht sein, dass die FPÖ und das Dritte Lager eine Kommission einsetzen, die ein Scherbengericht über sie veranstalten soll. Es wird eine solche Kommission vielmehr das Vertrauen der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft und des Dritten Lagers und insbesondere auch der Burschenschaften haben müssen. Natürlich sind intellektuelle Redlichkeit und die Maximen wissenschaftlicher Arbeit vonnöten, damit die Kommission und ihr Ergebnis ernstzunehmen sein werden. Dass aber in diese Kommission Historiker, Publizisten und Wissenschafter berufen werden, die Kenntnisse über dieses Dritte Lager und die FPÖ haben, auch Kenntnisse von innen heraus, und die ein gewisses Verständnis für den Untersuchungsgegenstand mitbringen, ist völlig klar. Das Ergebnis dieser Kommission muss schließlich auch von der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft und dem Dritten Lager als solches akzeptiert werden, damit es dann auch zu einer Umsetzung kommen kann, zur Distanzierung nämlich von den angesprochenen Schattenseiten. Natürlich aber sollte man die dezidierten Kritiker und Gegner dieses Lagers und dieser politischen Bewegung zu Wort kommen lassen, ihre Ansichten und auch ihre Anwürfe ernst nehmen und in eine Untersuchung einbeziehen.
Insgesamt aber wird es darum gehen, sich der eigenen Geschichte – auch der jüngeren und jüngsten – offen, ehrlich und vorbehaltlos zu stellen und dort, wo es Aktivitäten und Verhaltensweisen oder auch nur verbale Ausritte gegen den Geist der Humanität und gegen die Prinzipien der österreichischen Verfassung und des österreichischen Rechtsstaats gegeben hat, auch zu benennen, sich davon loszusagen und sie künftig hin zu meiden. Die Vergangenheit kann man bekanntlich ja nicht ändern, den eigenen Weg in die Zukunft allerdings können wir selbst gestalten und diesen sollten wir uns nicht durch Tugendterror von den Gralshütern der Political Correctness und des spätlinken Gutmenschentums diktieren lassen und auch nicht durch die taktischen Machinationen parteipolitischer Gegner.

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