Vollholler und Mittelmeerroute

Der längst angebrochene Langzeit-Wahlkampf treibt in der frühsommerlichen Hitze seltsame Blüten. Zwar nicht so ordinär wie weiland, als Wolfgang Schüssel den Chef der Deutschen Bank immerhin eine „richtige Sau“ genannt haben soll, aber doch einigermaßen deftig sprach Kanzler Kern davon, dass sein Konkurrent Außenminister Sebastian Kurz „populistischen Vollholler“ verzapfe, wenn er die Schließung der Mittelmeerroute verlangt. Nun wurde das Ganze zwar im vertraulichen Hintergrundgespräch gesagt und wäre eigentlich nicht so tragisch – es zeigt nur, dass die hohen Herren auch nicht sonderlich fein sind, wenn sie so daherreden.
Die Frage stellt sich aber doch, ob es tatsächlich Unsinn (Vollholler soll wohl nichts anderes bedeuten) ist, wenn man diese Mittelmeerroute, über die allein in diesem Jahr schon mehr als hunderttausend Menschen gekommen sind und auf der Tausende ertrinken, schließen will. Die großen Migrationsexperten und politisch korrekten Analytiker sagen natürlich, es ist unmöglich. Warum? Weil Libyen kein sicheres Land sei, in das man Flüchtlinge zurückbringen dürfe. Haben sich diese Flüchtlinge nicht freiwillig nach Libyen begeben? Weil man keine großen Auffanglager bauen könne, diese seien nur Brutstätten für Terrorismus.
Die Parallelgesellschaften und die Ausländerghettos in Europa sind keine Brutstätten für Terroristen? Und weil man das Ganze nach der Genfer Konvention, nach diversen internationalen Rechtsvorschriften schlicht und einfach nicht dürfe. Und diese Rechtsvorschriften sind aufgrund der politischen Notwendigkeit und der Realitäten nicht einfach auch änderbar?
Wie auch immer, Tatsache ist, dass gegenwärtig die europäische Union mit ihrer Mission „Sofia“ Hilfstätigkeit für die Schlepperorganisationen leistet und eine Art Abhol- und Fährdienst nach Europa für hunderttausende Wirtschaftsmigranten organisiert hat. Tatsache ist auch, dass man mit den heutigen Technologien, Satellitenbeobachtung etc. jede Luftmatratze vor der libyschen Küste orten kann. Und natürlich könnte man jeden Flüchtlingstransport vor dem Verlassen der libyschen Gewässer abfangen und zur Umkehr zwingen, wenn man politisch nur wollte. Und selbstverständlich wäre die Errichtung von humanitär betriebenen und abgesicherten Groß-Camps am Südrand der Sahara, finanziert von der EU und betrieben vom Internationalen Roten Kreuz, eine durchaus akzeptable Möglichkeit, um die illegalen Immigranten abzufangen und nach Maßgabe legaler Asylgründe zu sieben. Eine Schließung der Mittelmeerroute ist keineswegs Vollholler. Populistischer Vollholler allerdings sehr wohl ist die Ankündigungspolitik des Herrn Außenministers. Außer schönen Worten und frommen Wünschen – alles abgekupfert von den populären FPÖ-Forderungen der letzten Jahre – hat er nämlich nicht viel von sich gegeben. Was er sagt, macht er allerdings geschickt und positioniert es populistisch.
Vollholler ist es insofern, als er offenbar genau weiß, dass die schönen Worte für einen möglichen Wahlerfolg und ein Umfragehoch reichen, Schritte zur Umsetzung hat der Mann bislang noch nicht gesetzt. Er sonnt sich vielmehr in seinem Ruhm, indem er sagt „ich hab ein Déjà-Vu, als ich die Balkanroute geschlossen habe …“ Er allein hat die Balkanroute geschlossen? War da nicht ein gewisser Herr Orban, waren da nicht die Serben, die Kroaten, die Slowenen, waren da nicht Bulgarien und Rumänien auch beteiligt? Da hat der junge Herr eine Schwebung in Türkis. Aber lassen wir Kurz und Kern weiterstreiten, spätestens bis zum Wahltermin am 15. Oktober dieses Jahres!

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One Response to Vollholler und Mittelmeerroute

  1. Waltraut Kupf sagt:

    Eines ist klar und eindeutig: die Handlanger der internationalen Umvolker (ich benütze diesen Ausdruck ganz bewußt, weil kein anderer den Sachverhalt adäquat wiedergibt) von Merkel über Macron zu Kurz wollen das weitere Überrennen Europas durch exogene Bevölkerungsgruppen. Sie wirken am Konzept von Coudenhove-Kalergi tatkräftig mit. Anders ist nicht zu erklären, warum der Zustrom nicht gestoppt wird, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das alles verdanken wir dem sogenannten europäischen Wert der offenen Grenzen. Ein paar Leuten ist es die generelle Verheerung ihrer Länder wert, wenn sie nur an der Grenze nicht warten müssen. Es nervt auch allmählich die diffuse Vermischung von Europa als Kulturgemeinschaft und Europa als Brüsseler Zentraldiktatur. Wenn ein FPÖ-Politiker inquisitorisch befragt wird, ob er denn etwa gar nicht für „Europa“ sei, so wird meistens beflissen etwas neuerlich sehr Unklares beteuert. Dennoch besteht die letzte Chance darin, die FPÖ bei den Wahlen dergestalt zu stärken, daß der Herr Kern nicht ihr irgendeinen Bedingungskatalog unter die Nase halten kann, sondern allenfalls umgekehrt. Das sind natürlich Wunschträume, die sich aber der Realisierung in dem Maße annähern, in dem es gelingt, Kurz zu enttarnen. Da die Leute aber allem Neuen (und sei es in Wahrheit ein noch so alter Hut) auf den Leim gehen, wird das jede mobilisierbare Kraft erfordern.

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