Die alte Tante SPÖ

Was da am vergangenen 1. Mai auf der Wiener Ringstraße los war, ist in der mehr als hundertjährigen Geschichte der heimischen Arbeiterbewegung beispiellos. Da wurde der als Kanzler amtierende SPÖ-Chef doch von den eigenen Leuten ausgepfiffen und am Reden gehindert. Und nicht erst seither tobt in den Reihen der heimischen Sozialdemokratie eine Obmanndiskussion, was bislang eher als Spezialität der Volkspartei galt. Zweifellos ist man sich unter politischen Beobachtern einig, dass Werner Faymann Geschichte ist, und daran werden die Täfelchen mit „Werner, der Kurs stimmt“, die da ein paar organisierte Fans des Kanzlers zeigten, auch nichts ändern.

Tatsache ist auch, dass die SPÖ fast alle Wahlgänge der vergangenen Jahre, ob auf Bundesebene, ob auf Landesebene oder kommunaler Ebene, verloren hat. Dass man aber nun auf einer bundesweiten Direktwahl mit dem SPÖ-Kandidaten gerade noch bei elf Prozent landete, ist schon wirklich bitter. Und das bei einer Partei, die gegenwärtig noch den Bundespräsidenten und den Bundeskanzler stellt, die also voll an den Schalthebeln der Macht und des Medieneinflusses sitzt. Da mussten die Alarmglocken ja läuten. Aber auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der eigentliche starke Mann der Partei, der sich im vergangenen Herbst bei den Wiener Wahlen gerade noch drüberretten konnte, hat kein Erfolgsrezept. Auch er tut sich sichtlich schwer, die Parteiflügel in der Bundeshauptstadt zusammen zu halten und sich argumentativ über das eigentliche Hauptproblem der SPÖ hinwegzuturnen. Über die Frage nämlich: Wie hält man es mit den Freiheitlichen?

Die nunmehr 30 Jahre alte Vranitzky-Doktrin, dass es von Seiten der SPÖ keinerlei Zusammenarbeit mit der FPÖ geben dürfe, hat nämlich ganz offenbar ausgedient. Dies liegt nicht nur am burgenländischen Landeshauptmann Niessl und seiner rot–blauen Koalition, es liegt vielmehr an den Wählern. Wenn diese scharenweise von Rot zu Blau wechseln, wenn die FPÖ als neue Arbeiterpartei gilt, muss man sich in den Reihen der guten alten Tante SPÖ tatsächlich Gedanken machen, ob man mit dem oppositionellen Konkurrenten nicht doch noch reden sollte.

Natürlich haben die Sozialdemokraten über den Proporz nach wie vor bestimmenden Einfluss in weiten Bereichen der Republik. Als Partei selbst ist die SPÖ aber längst zur Pensionisten-Truppe verkommen. Und ob man mit dieser schrumpfenden Wählerschaft auf Dauer die Machtpositionen im Staate wird halten können, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Aber wie hat Heinz-Christian Strache bei der 1.-Mai-Feier der Freiheitlichen in Linz erklärt: Die eigentlichen Erben Bruno Kreiskys und seiner Politik seien die Freiheitlichen. Weite Teile der einstigen SPÖ-Wählerschaft sehen das ebenso.

Eine Antwort zu Die alte Tante SPÖ

  1. Gerhard Bezauschka sagt:

    Meine Meinung zu Griss (Rechnungshof)
    Anscheinend wurde sie bei ihrer Beschäftigung beim ORF (1969 bis 1974 war Griss als Mitarbeiterin im Landesstudio Steiermark des ORF tätig > Quelle ´Wikipedia´) auf SPÖ geprägt und ich bin der Meinung, das sie von der SPÖ eingesetzt wurde um der FPÖ zu schaden. (Das kann die SPÖ ja gut > siehe Sanktionen, …)
    Welcher NORMALE Mensch würde Hypo-Akten vernichten und vor der Wahl sagte sie anderes als nach der Wahl. (Auch ein Wendehals > So wie es für mich aussieht wurde sie von Faymann geschaffen)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: