Wahlfahrten

Hanno Settele ist ein durchaus intelligenter ORF-Journalist, und längst nicht so überheblich wie der böse Wolf oder so spaßfrei wie Lou L.-D. Auch sein Format „Wahlfahrten“, bei dem er Politiker in den alten Mercedes packt und sie befragender Weise übers Land chauffiert, ist nicht unwitzig (obwohl sich die Frage stellt, ob Setteles Mercedes eigentlich auf einem Tieflader geparkt ist oder ob er tatsächlich beim Selbstchauffieren so herum fuhrwerkt?).
Die Frage stellt sich aber schon, ob derlei halblustige Sendungen dem Ernst der gegenwärtigen Lage und der Würde des höchsten Staatsamtes angemessen sind. Als nächstes werden die Kandidaten für die Hofburg dann bei Kaiser Robert Palfrader vorgeführt oder in irgendeinem Dschungelcamp – „Ich will hier raus“ – getestet.
Aber bitte, die Wahlkampfmanager müssen selbst wissen, was sie ihren Parteien und ihren Kandidaten antun. Und das, was wir bisher gesehen haben, Frau Griss und Herrn Lugner, war ja nicht uninteressant.
Lugner wie gewohnt ein bisschen halblustig, aber doch authentisch. Frau Griss eine in die Jahre gekommene Vorzugsschülerin, die aber dann wie ein Kleinkind bockig wird, wenn man sie nicht ernst nimmt. Und Hanno Settele eben vorarlbergisch-alemannisch hinterfotzig. Durchaus unterhaltsam also.
Die Frage aber, wo der tiefere Sinn der Kandidatur von Frau Griss und Herrn Lugner liegen, diese Frage wurde bei der Settele-Wahlfahrt – wie zu erwarten war – nicht wirklich aufgeworfen. Dass nämlich neben den Parteikandidaten rechts der Mitte, neben dem schwarzen Khol und dem blauen Hofer, mit Lugner und Griss zwei weitere, eher im „bürgerlichen“ Bereich grasende Kandidaten antreten und dass damit rein arithmetisch die Chancen der beiden Linkskandidaten Van der Bellen und Hundstorfer steigen.
Diese Logik will man im ORF offenbar nicht ansprechen, und natürlich weiß jedermann, dass „Mörtl“ unter Umständen ein paar Prozent potentielle freiheitliche Hofer-Wähler für sich vereinnahmen kann, und natürlich weiß man auch, dass die sich so demonstrativ parteifrei gebende Kandidaten Griss bürgerliche Stimmen abziehen dürfte, die möglicherweise in der jetzigen katastrophalen Situation – Stichwort Asylchaos – ansonsten dem freiheitlichen Kandidaten zufielen.
Und genau darum geht es natürlich in Wahrheit: Die FPÖ, die seit Jahr und Tag in den Umfragen stimmenstärkste Partei ist und diesmal mit einem sympathischen jungen Kandidaten zur Wahl zum höchsten Staatsamt antritt, diese FPÖ darf um keinen Preis gewinnen, dazu muss man schon möglichst viele Kandidaten im ersten Wahlgang haben, die nicht den linken Bereich tangieren.
Und wenn der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer doch gute Chancen hat, in die Stichwahl zu kommen, dürfen wir versichert sein, dass wir dann wieder ein Bündnis des gesamten gesellschaftlich-medial-politischen Establishments haben, von den Gewerkschaften über die Kirchen bis hin zur gesamten links gepolten „Zivilgesellschaft“, die eine Einheitsfront gegen den freiheitlichen Kandidaten schmieden werden, damit dieser nicht womöglich in einem zweiten Wahlgang reüssiert. Natürlich hat aus diesem Bereich niemand etwas dagegen, wenn Neo-Heimatschützer Van der Bellen mitsamt seiner ultralinken Entourage in die Hofburg einzöge. So nach dem Motto: Mein Gott, ein paar geläuterte Kommunisten hält die Republik locker aus.
Nach Heinz Fischer und seinem Bruno Aigner, warum sollte da nicht Alexander van der Bellen, flankiert von einigen Ex-Maoisten, Ersatzkaiser in der Hofburg spielen. Nur der Freiheitliche, der darf es nicht werden – zumindest wenn es nach dem Willen des politisch-medialen Establishments geht.
Ob die Österreicher das auch so sehen oder ob sie nicht langsam das Gefühl bekommen, dass auch an der Staatsspitze ein Wechsel stattfinden muss, das werden wir in wenigen Wochen sehen.

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