Europas Hoffnung liegt im Osten

Eine metapolitische Analyse.

Es ist geradezu skurril, wie es auch im Bereich der Beziehungen zwischen den Nationen so etwas wie einen grundlegenden Paradigmenwechsel geben kann. Nehmen wir beispielsweise unser Verhältnis zu den Völkern des östlichen Europa: Einerseits haben wir mit vielen dieser Nationen historisch in der Habsburger Monarchie eine lange gemeinsame Geschichte, andererseits gab es starke Ressentiments gegen sie. Die Polen betrachtete man lange Zeit als nicht selbstregierungsfähig, die „polnische Wirtschaft“ stand sprichwörtlich für Misswirtschaft, und die historischen polnischen Teilungen zwischen Preußen, Österreich und Russland galten solcherart gewissermaßen als historisch notwendig und legitim. Heute ist Polen das größte und wirtschaftlich stärkste ostmitteleuropäische Land und es wird von einer national-konservativen Regierung regiert. Im Parlament gibt es keine einzige Linkspartei mehr. Überdies hat das Land seit dem EU-Beitritt einen beachtlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung genommen.

Ähnliches lässt sich für Tschechien und die Slowakei sagen. Böhmen war bekanntlich nahezu ein Jahrtausend im Verbund des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen und später Teil der Habsburger Monarchie, dennoch galten die Tschechen als einer der maßgeblichsten zerstörerischen Faktoren für die Donaumonarchie. Die Vertreibung der Sudetendeutschen und ihre bis zum heutigen Tag nicht aufgegeben völkerrechtswidrigen Vertreibungsgesetze, nämlich die Beneš-Dekrete, machten sie nicht sympathischer. Die Slowaken waren zwar immer deutschfreundlicher, ebenso die Ungarn trotz ihrer Habsburg-kritischen Haltung in der alten Donaumonarchie. Dennoch wurden auch dort die Deutschen nach 1945 vertrieben oder diskriminiert.

Die EU-Osterweiterung zu Anfang dieses Jahrhunderts stieß aber weniger aus diesen Gründen, sondern vielmehr aufgrund der vermeintlichen mangelnden ökonomischen Europareife auf unseren Widerstand. Man befürchtete, keineswegs zu ganz Unrecht, dass die Kosten für die sozioökonomische Heranführung dieser Nationen auf den durchschnittlichen EU-Standard für die Nettozahler, also auch für Österreich und für Deutschland, allzu hoch sein könnten.

Heute erweisen sich diese Länder, insbesondere eben Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn als ein Hort der Vernunft in jenen krisenhaften Entwicklungen, die Europa gegenwärtig durchmacht. Ungarn, ebenso von einer national-konservativen Partei regiert, hat als Erstes deutlich gemacht, wie man auf die Masseninvasion von vorgeblich Schutzsuchenden reagieren kann. Ebenso wie Tschechien, die Slowakei und Polen hat man deutlich gemacht, dass man in erster Linie dem eigenen Volk und dessen kultureller Identität sowie dessen nationalen Interessen verpflichtet ist und nicht den Migranten aus aller Welt. Der starke Mann Polens, Jaroslaw Kaczyński, der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman, der slowakische Premier Robert Fico – im Übrigen ein Sozialist – und Ungarns national-konservativer Regierungschef Viktor Orbán, sie haben den Schutz ihrer jeweiligen Nationalstaaten und den ihrer Völker zum Ziel ihrer Politik erklärt und dafür verweigern sie sich sowohl dem Brüsseler EU-Diktat als auch einer polit-pathologischen „Willkommenskultur“, wie sie die Deutschen im Jahre 2015 versucht haben auch den übrigen europäischen Staaten aufoktroyieren möchten.

Diese Haltung, insbesondere jene der Polen und der Ungarn, wurde quer durch Europa von den zeitgeistigen Medien und den Exponenten politisch-korrekter Politik an den Pranger gestellt und diffamiert. Heute, da es wahrscheinlich bereits zu spät ist, sind es eben dieselben Kräfte, die Maßnahmen der ostmitteleuropäischen Staatsmänner nachahmen – ohne sich allerdings bei ihnen für die vorhergegangene Diffamierung zu entschuldigen.

Der bedeutendste osteuropäische Faktor ist aber einer, der nicht zur EU gehört, nämlich Russland, das Russland des Wladimir Putins. Das, was innerhalb der Europäischen Union gegenüber Ungarn und Polen nicht so leicht zu bewerkstelligen ist, nämlich es zu sanktionieren, geschieht gegenüber Russland ohne jede Hemmung. Der Konflikt um die Ukraine aber konnte mit gutem Grund als Vorwand herhalten, um gegenüber Moskau EU-Wirtschaftssanktionen zu verhängen. Den maßgeblichen Kräften in Brüssel und in den westeuropäischen Mainstream-Medien war dieser Anlass nur recht, da man den Russen auch aus ganz anderen Gründen klar machen wollte, dass man ihre Politik missbilligt. Nicht nur ein angeblicher russischer Imperialismus – wenn Russland Russen in der Ukraine schützt ist das offenbar „imperialistisch“ – war es nämlich, sondern die Haltung des Putin-Regimes in anderen nämlich gesellschaftspolitischen Bereichen war und ist es, was für massiven Unwillen sorgt. Wladimir Putin wird nämlich nicht müde, die Dekadenz der Europäer zu geißeln, ihren mangelnden Patriotismus, ihren fehlenden Familiensinn, den Kult um Schwule um Lesben und andere Erscheinungen der Dekadenz mehr. Kein Wunder, dass Putin auch die Haltung der Europäer zur jüngsten Invasion von vorgeblich „Schutzsuchenden“ aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika kritisch kommentiert.

Dazu kommt natürlich, dass Russland unter Wladimir Putin auch in den großen weltpolitischen und geopolitischen Fragen der Zeit eine bewusst konträre Politik zu jener des Westens, der USA und der NATO betreibt. Dies betrifft nicht nur die Ukraine, sondern auch den Nahen Osten, das jüngste russische Eingreifen in Syrien etwa wird natürlich von der USA und ihren Helfershelfern konkret von der Türkei und Israel sowie den Saudis höchst kritisch betrachtet. Und dennoch weiß jedermann, dass nur mit russischer Beteiligung eine Streitbeilegung im Bürgerkriegsland Syrien möglich sein wird.

Gegenwärtig ist es noch so, dass die ostmitteleuropäischen Nationen, eben die Polen, die Tschechen, die Slowaken und Ungarn, gegenüber Russland gewisse Vorbehalte haben. Allzu präsent ist noch die Erinnerung an die Sowjetherrschaft, welche die Völker Ostmitteleuropas im Rahmen des Warschauer Pakts ihrer nationalen Souveränität beraubt hatte. Diese alten anti-sowjetischen Ressentiments, die insbesondere in den baltischen Staaten, aber auch in Polen nach wie vor virulent sind, könnten aber bald bedeutungslos werden, wenn man in Warschau, Prag, Pressburg und Budapest erkennt, dass man ideologisch und gesamtpolitisch mit dem Kreml und Moskau wesentlich mehr gemeinsam hat als mit der EU-Nomenklatura in Brüssel.

Es ist eine alte strategische Konzeption, die es bereits im neunzehnten Jahrhundert, seit der Politik des Eisernen Kanzlers Otto von Bismarck gegeben hat, wonach eine Achse zwischen Berlin und Moskau tragfähige europäische Politik machen könnte. Unter dem Bundeskanzler Gerhard Schröder von der SPD konnte man für kurze Zeit glauben, dass sich hier eine neue enge Beziehung zwischen und dem wiedervereinten Deutschland anbahnen würde. Geblieben ist bedauerlicherweise davon nur Schröders lukrative Tätigkeit für die russische Gazprom, die Berliner Politik hat sich indessen unter Angela Merkel vollständig gegen Moskau gewandt. Die Interessen der US-Amerikaner und der NATO und die Übereinstimmung mit dem Brüsseler EU-Mainstream sind im Berliner Kanzleramt in den letzten Jahren wesentlich bestimmender als ein Ausgleich mit dem Russland Wladimir Putins. Zwar hat Angela Merkel in den Gesprächen von Minsk noch versucht, gemeinsam eine Friedenstrategie für die Ukraine zu entwickeln, indessen ist sie aber mit ihrer grotesken Willkommenskultur vollends zum Paradefall einer volksfeindlichen und anti-nationalen Politik geworden, wie sie eben in Polen, Tschechien, der Slowakei und in Ungarn abgelehnt wird. Und wie sie insbesondere von der politischen Linie des Kremls unter Wladimir Putin bewusst und überaus deutlich konterkariert wird.

In den bedrohlichen Entwicklungen die Europa, insbesondere durch die Massenmigration der letzten Monate durchmachen musste, erweist sich also zunehmend, dass die östlichen Mitgliedstaaten der EU und das benachbarte große Russland als Modelle für eine andere politische Linie, für eine Politik deren Interessen der eigenen Völker an der Erhaltung ihrer Kultur und ihrer nationalen Identität orientiert ist, stehen. Möglicherweise liegt dies daran, dass die Despotie des Sowjetkommunismus diese Völker jahrzehntelang vor der Umerziehung westlicher Prägung abschottete und damit ihre Neurotisierung und die darauf folgende Dekadenz verhinderte beziehungsweis verzögerte. In Deutschland, Österreich im Westen Europas muss man sich für Patriotismus nahezu schon entschuldigen beziehungsweise schämen, in Polen, Ungarn, Slowakei und Tschechien und insbesondere in Russland ist das Gegenteil der Fall. Vielleicht also könnte man sagen ist die Hoffnung für Europas Völker in unseren Tagen wiederrum aus dem Osten kommt.

Eine Antwort zu Europas Hoffnung liegt im Osten

  1. Waltraut Kupf sagt:

    Wer eine rußlandfreundliche Linie vertritt (der ich mich anschließe) muß sich aber dann gleichzeitig von der EU deutlich distanzieren. Diese will ja die Staaten dazu zwingen, eine einheitliche antirussische Linie zu vertreten, wie denn überhaupt für alle Staaten. so unterschiedlich sie in ihren Gegebenheiten und Bedürfnissen auch sein mögen, in hirnrissigster Weise das Gleiche gelten soll. Das Ganze soll dazu dienen, die Einflußsphäre Amerikas gegen Osten auszudehnen. Es sollte daher eine Pufferzone von Nationen geben, die ihre Position frei entscheiden können. Ungarn und Polen sind derzeit die Vorreiter. Was Tschechien betrifft, so hat die EU mit ihren faulen westlichen Werten samt Menschenrechten etc. nichts dazu getan, zumindest die wesentlichsten Passagen der Beneš-Dekrete offiziell annullieren zu lassen. Da spätestens die mittlere Generation mit sämtlichen Gräueln auf beiden Seiten nichts mehr zu tun hat und offenbar guten Willens ist, sollte man diese Dinge zwar nicht vergessen, aber ruhen lassen. (Ich bin übrigens selbst, wenn auch in milderer Form, betroffen.) Besonders lächerlich ist die Gründung einer quasi-Parallelunion durch Varoufakis. Von einer Infektion des Ostens mit den Fäulnisprodukten des Westens halte ich nichts. zuerst müßte der Westen moralisch saniert werden. Wer sich mit Hunden ins Bett legt, kriegt Flöhe.

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