Der Hochadel der Gutmenschen

Es gibt hierzulande nicht nur „Großfürsten der Gutmenschenliga“ (Copyright Gerhard Hirschmann), es gibt einen wahren Hochadel dieser „Gutmenschenliga“. Zu diesem Schluss konnte man kommen, wenn man kürzlich in der „Kleinen Zeitung“ eine Debatte zur sogenannten Flüchtlingskrise verfolgte. Da ließ zuerst Peter Huemer, eine der Ikonen der heimischen Alt-68er-Bewegung, das Publikum wissen, wie gut und bereichernd es doch sei, dass gegenwärtig eine Masseneinwanderung von zuvor ungeahntem Ausmaß stattfinde. Dem folgte eine scharfe Replik des früheren ÖVP-Landesrates Gerhard Hirschmann.
Auf dem politischen Realisten Hirschmann folgend zeigte der seinerzeitige ORF-Anchorman und SPÖ-Abgeordnete Josef Broukal, dass er ebenfalls zum Hochadel der Gutmenschen gehört.
Denn dieser tat in seinem Debattenbeitrag in der „Kleinen Zeitung“ das edelmütige Postulat „helfen statt streiten“ kund und berichtete von seinen Erfolgen als Grundschulmeister für drei junge Afghanen, was beinahe schon Weihnachtsstimmung aufkommen ließ. Allzumal, wenn er uns wissen lässt, dass diese nunmehr Lehrplätze hätten und im dritten Lehrjahr Lohnsteuer bezahlen würden, weshalb „wir dann alles zurückbekommen, was der Staat in sieinvestiert hat“.
Da hat Schulmeister Broukal bei den Grundrechnungsarten offenbar geschwänzt. Dass nämlich die Kosten für Aufnahme, Unterbringung und Integration seiner drei Schützlinge und ihrer vielen hunderttausend Schicksalsgenossen ungleich größere Lasten für den österreichischen Steuerzahler bedeutet, als die Neubürger bei allergrößtem Optimismus in Hinblick auf den Erfolg ihrer Integration erarbeiten könnten, steht längst außer Frage. Ganz abgesehen davon, ob die drei jungen Afghanen nicht so, wie es das jüngste Abkommen zwischen Berlin und Kabul vorsieht, repatriiert werden sollten, um dort ihr Land aufzubauen.
Aber darum geht es hier nicht. Einigermaßen erhellend gibt Josef Broukal vielmehr zu, dass gutmenschliches Helfen seiner Art „Balsam für die Selbstachtung“ sei, dass es also gar nicht so sehr um die „Schutzsuchenden“, sondern um die Befindlichkeit der Helfer selbst geht. Und zu diesem Behufe muss man sich offenbar die Realität gehörig zurechtbiegen. So etwa, dass in der Europäischen Union mit ihren 510 Millionen Einwohnern ohnedies nur eine Million Flüchtlinge zu integrieren sei.
Dass die EU-Kommission dieser Tage selbst erklärt hatte, dass es mindestens 1,5 Millionen seien, die allein zwischen Jänner und November 2015 in die EU gekommen sind, wird da schon ignoriert. Und die hunderttausenden Flüchtlinge, die Österreich mit seinen acht Millionen Einwohnern in diesem Jahr aufgenommen hat, wären ja locker zu bewältigen. Broukal zog den Vergleich zu einer großen Halle mit 800 Menschen, zu denen zehn weitere dazustießen.
Die Realität, dass der österreichische Steuerzahler allein zur Unterbringung dieser hunderttausend zuziehenden Menschen Wohnraum in der Dimension einer Stadt wie Klagenfurt aus dem Boden stampfen muss, wird damit locker überspielt.
Für den Hochadel der „Gutmenschenliga“ wird es auch keine Rolle spielen, dass die heimische Grundsicherung, deren Inanspruchnahme zurzeit wahrlich explodiert, auf Grund fehlender Mittel schlicht und einfach massiv reduziert werden muss. Das wird ja nur die heimischen Bedürftigen treffen und diese werden locker als „Prekariat“, als „Veränderungsverlierer“ abgetan, die ohnedies nur die Wähler der rechtspopulistischen Hetzer sind. Zu helfen ist – allzumal rund um die Weihnachtszeit – eine schöne Sache, die Realität sollte man dabei allerdings auch nicht aus den Augen lassen. Und die sieht so aus, dass es auch unter den Österreichern genug armutsgefährdete Menschen gibt, denen nunmehr oder weniger direkt die gewaltigen neu entstanden Lasten aufgebürdet werden.

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