Die zwangsläufige Radikalisierung

Wir alle kennen das Phänomen, dass da bescheidene und arbeitswillige Menschen islamischen Glaubens nach Europa gekommen sind – zunächst als Gastarbeiter und gar nicht als Zuwanderer. Und dann in der zweiten und dritten Generation gibt es da plötzlich Islamisierung und Radikalisierung. Die Kinder jener Gastarbeiter, die Zuwanderer wurden und die sich als sozial Benachteiligte empfinden müssen, weil eben wirkliche Integration aus den islamischen Parallelgesellschaften heraus nicht funktioniert, finden ihre Identität zunehmend in der Religion und zwar in ihrer radikalsten Form. Was Wunder, dass die meisten Attentäter der letzten Jahren und Jahrzehnte in Europa geborene Muslime waren. Aus den Slums der britischen Großstädte, aus den Banlieues von Paris und den Salafistenvierteln Brüssels.
Ihre Eltern und Großeltern, die nach Europa gekommen sind, insbesondere auch jene aus der Türkei, waren häufig wenig religiöse Menschen, die in der kemalistischen Türkei ohne große Beziehungen zur Religion aufgewachsen sind. Auch jene Aleviten die aus Syrien kamen, waren alles andere als radikale Moslems. Und wahrscheinlich trifft dies auch auf eine Vielzahl von gegenwärtigen Kriegsflüchtlingen aus Syrien zu, die keineswegs Anhänger des Islamischen Staates sind, sondern viel mehr Opfer desselben. Was die zweite und dritte Generation der dem Islam zuzuzählenden Zuwanderern nach Europa betrifft, so sieht es allerdings eben anders aus, insbesondere jene, die die Integration nicht geschafft haben, die den Zugang zu höherer Schulbildung und zu beruflichen Karrieren nicht gefunden haben und in den Parallelgesellschaften rund um die Gebetshäuser und Moscheen verharren, sie stellen das soziologische Biotop für den radikalen Islamismus dar. Gewiss, in der breiten Masse bleiben sie wohl auch harmlos und unauffällig, da und dort gab es aber dann doch auch in Österreich, welche die glaubten in den Heiligen Krieg des IS nach Syrien ziehen zu müssen, oder solche, die wie in Frankreich, vermeinen ihr Seelenheil als mörderische Selbstmordattentäter zu suchen.
Ein gemäßigter Euro-Islam, eine europäische Variante des mohammedanischen Glaubens der gewissermaßen die europäische Aufklärung nachvollzieht und die Trennung von Staat und Kirche akzeptiert und den Menschen- und Frauenrechten gegenüber aufgeschlossen zeigt und Homosexualität nicht mehr als abartiges Verbrechen betrachtet, ein solche Variante des Islam erweist sich zunehmend als schöne Illusion. Sie mag da oder dort bei muslimischen Aufsteigern, bei jener nicht allzu großer Anzahl tatsächlicher syrischer Ärzte und Ingenieuren bei türkischen Großgastronomen und Großhändlern, die es in die heimische Seitenblicke-Gesellschaft geschafft haben, eine solche Form des Islam geben, der breiten Masse der muslimischen Neubürger in Europa ist diese Form ihres Glaubens allerdings fremd geblieben.
Und die einflussreichen islamischen Glaubenszentren rund um die großen Moscheen in Ägypten oder in Saudi Arabien sie predigen ohnedies zunehmend radikale Formen des Islams. Die saudischen Wahhabiten, die in Europa immer stärker werdenden Salafisten, sie dürften einen solch gemäßigten Euro-Islam wahrscheinlich noch heftiger hassen und bekämpfen als die christlichen Ungläubigen.
Wie weit jene Form zwangsläufiger Radikalisierung, die wir bisher bei der zweiten und dritten islamischen Zuwanderergeneration beobachten konnten, auch nun mehr die Menschen erfassen wird, die zu hunderttausenden in den letzten Monaten nach Europa, insbesondere nach Österreich und Deutschland geströmt sind, eintreten wird, wissen wir nicht. Nachdem die Massenzuwanderungsströme in Parallelgesellschaften und eigenen Ghettos wohnen und verbleiben werden, muss man wohl davon ausgehen, dass diese Erscheinung dort in noch radikalerem und schnellerem Ausmaße zu beobachten sein wird. Wenn das so ist, dürfte die jüngste Terrorwelle in Frankreich nur ein schwacher Anfang dessen gewesen sein, was auf Europa zukommt.

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