Wo Gott wohnt

Es war von Anfang an klar: Die rot-schwarze Schrumpfkoalition kommt geradezu zwingend wieder zustande. Die Verhandlungen konnten nichts anderes sein als Schein-Gefechte, das immer wieder angedrohte Scheitern nichts anderes als Komödie. Gefährlich war einzig und allein die Möglichkeit, dass bei den inszenierten Verhandlungskrisen irgendetwas aus dem Ruder hätte laufen können, dass da die gegenseitigen Antipathien eine Eigendynamik hätten entwickeln können.

Nun aber steht die Koalition (selbiges musste man zumindest bei Redaktionsschluss am vergangenen Montag annehmen) und zwei rot-weiß-rote Polit-Titanen haben dafür gesorgt. Nein, nicht Herr Lopatka und Herr Darabos, die beiden Kanalarbeiter der Koalition, nein, auch nicht Herr Faymann und Herr Spindelegger, die turbo-charismatischen Frontmänner. Es waren – dreimal durfte der werte Leser raten – Michael Häupl und Erwin Pröll, die beiden großen alten Strippenzieher im Hintergrund ihrer jeweiligen Partei.

Nun mag der eine oder andere Leser meinen, die Bezeichnung „Polit-Titanen“ mag für die beiden Herren ein wenig übertrieben sein. Man bedenke aber, dass in Zeiten, in denen die Sonne tief steht, auch Zwerge lange Schatten werfen. Und so dürfen angesichts der Mediokrität unseres politischen Personals Erwin und Michael durchaus das titanenhafte für sich in Anspruch nehmen. Sicher ist, dass sie die Gründerväter und Taufpaten der neuaufgelegten rot-schwarzen Schrumpfkoalition sind. Und sie haben damit ihren persönlichen Einfluss auf die Geschicke der Republik für weitere fünf Jahre prolongiert. Dass sie ihre beiden Parteien damit an die Wand fahren dürften und die Republik selbst in den Graben, spielt da eine untergeordnete Rolle. Und was weiß man schon – so dürften sie nach zwei, drei Achterln Veltliner resümiert haben – was in fünf Jahren sein wird. Haben wir vielleicht längst wieder europaweite Hochkonjunktur, die Türkei hat die EU-Ratspräsidentschaft inne und der Strache ist längst Geschichte. So wahrscheinlich die Wunschträume der beiden hohen Herren. Allein, wünsche ans Christkind sind nur in der Adventzeit legitim.

Aber es kam eben wie es kommen musste. Die beiden Großmogule von Rot und Schwarz haben ihren Parteifreunden gezeigt, wo Gott wohnt. Österreich hat wieder die Regierungskoalition, die es offenbar verdient. Und wenn es hart auf hart geht wird in St. Pölten und im Wiener Rathaus entschieden. Nirgendwo anders, schon gar nicht im Parlament oder am Ballhausplatz.

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