Umerzieher Harald W. oder Von der Torheit des Tugendterrors

Doktor Harald W., Bildungssprecher der heimischen Grünen im österreichischen Nationalrat, ist ein ehrenwerter Mann. Mit Leib und Seele hat er sich dem posthumen Widerstand verschrieben. Weshalb auch kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht in heimischen Medien vor alten oder neuen Nazis, verblichenen oder frischen braunen Flecken warnt. Und das im Vollbewusstsein der eigenen politisch korrekten Tugend.

Wer da böswillig meinen sollte, Herr Harald W. sei nur ein wild gewordener Mittelschullehrer, der gerne Robespierre oder zumindest Großinquisitor spielen wolle, irrt natürlich. Man betrachte nur die letzten Schlachten, die Herr Harald W. geschlagen hat: etwa gegen Heinz Fischer, den Bundespräsidenten himself, weil dieser die Wahl des Freiheitlichen Peter Fichtenbauer zum Volksanwalt gebilligt hat (siehe den Gastkommentar in der „Presse“ vom 7.5.).
Oder nun auch gegen Verteidigungsminister Klug, dessen burschenschaftervertreibende Mahnwache vor der Krypta auf dem Heldenplatz eben doch auch den Gefallenen der beiden Weltkriege und laut Harald W. auch jenen der horribile dictu Waffen-SS gegolten habe und nicht ausschließlich den alliierten Befreiern und den Opfern des NS-Regimes.
Die permanente Verschwörung
In der Causa Volksanwalt ist Harald W.’s Argumentation ohnedies sonnenklar: Umgeben von geläuterten Alt-Kommunisten und Ex-Maoisten wie Peter Pilz, Karl Öllinger und anderen weiß Harald W. natürlich, wie man sich glaubwürdig von anti-demokratischen und totalitären Bewegungen distanziert. Was sind die chinesische Kulturrevolution und Stalins Archipel Gulag schon gegen Fichtenbauers Ferialverbindung Waldmark.
Was seinerzeit unter dem roten Stern dem idealistischen Ziel der Umerziehung verbohrter Reaktionäre diente, ist bei obgenannter Waldmark zweifellos eine dauerhaft angelegte Verschwörung sich als liberale Biedermänner tarnender Antisemiten und Österreich-Feinde. Eine Verschwörung, die offenbar sogar in der Lage ist, den Bundespräsidenten zu täuschen. Dazu bedarf es keiner Belege, vielmehr ist dies ein Fall für die Beweisumkehr, womit Fichtenbauer das Gegenteil zu beweisen hätte.
Auf der Höhe des Zeitgeists
Was das Denkmal des unbekannten Soldaten in der Krypta am Wiener Heldenplatz betrifft, weiß doch jedermann, der einigermaßen auf der Höhe des Zeitgeists ist, dass die Österreicher ihre gefallenen Väter und Großväter, die dumm genug waren zu glauben, „für Gott, Kaiser und Vaterland“ oder gar für „Volk und Führer“ fallen zu müssen, gefälligst zu vergessen hätten. Da sollte man doch viel eher ein Denkmal für Bomber Harris oder für jene Teile der Roten Armee aufstellen, welche bekanntlich der weiblichen Zivilbevölkerung in den letzten Kriegstagen besonders zugeneigt waren.
Aber, wie gesagt, Herr Harald W. ist ein ehrenwerter Mann. Vielleicht nicht ganz so ehrenwert wie Robespierre. Und natürlich verfügt er trotz größter Ambitionen als Tugendterrorist auch nicht über jene Möglichkeiten, die der Wohlfahrtsausschuss in Paris anno dazumal hatte. Aber immerhin.
Es reicht ihm schon, wenn er den Herrn in der Hofburg genauso wie den frischgebackenen Volksanwalt und den Heeresminister an den medialen Pranger stellen kann, sie gewissermaßen auf die moralische Guillotine zu schicken vermag. Ähnlich wie dies sein offensichtliches Vorbild seinerzeit ganz real mit Louis Seize vermochte. Tugendterror ist eben ein Hobby der ganz besonderen Art.

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