Totgesagte leben länger

Eine spezielle Disziplin für die österreichischen Medien ist das Totbeten der oppositionellen Freiheitlichen. Seit dem Aufstieg der Haider-FPÖ und den Erfolgen der Strache-Partei versucht das politisch-mediale Establishment immer wieder, die politische Herausforderung durch die viel gescholtenen rot-weiß-roten „Rechtspopulisten“ mittels der Konstruktion von Krisen und gemutmaßten Abstürzen zu bremsen. Das, was man im Jahre 2002 mit „Knittelfeld“ schaffte, nämlich die von außen initiierte Implosion der damaligen Regierungspartei, versucht man offenbar nunmehr im Anschluss an das Kärntner Wahldebakel des FPK mit der aufstrebenden Oppositionspartei.

Dementsprechend titelt ein Nachrichtenmagazin „das Ende der Rechten“ und der Boulevard überschlägt sich in Schlagzeilen über gemutmaßte Richtungskämpfe und des Parteichefs – offenbar heftig gewünschtes – Scheitern und seine behauptete mangelnde Durchsetzungsfähigkeit. Kurios dabei, dass just der dritte Nationalratspräsident Martin Graf, mit dem der Autor dieser Zeilen während der letzten Woche gemeinsam in Südamerika war, zum Haupt einer rechtsnationalen Fronde gegen Parteichef Strache hochgeschrieben wurde, obwohl er sich selbst abwesenheitsbedingt zu den Vorgängen nicht einmal äußern konnte. Der Innenpolitiker der „Krone“ und der Herausgeber von „Österreich“ überschlugen sich nichtsdestotrotz in mehr oder weniger deutlichen Appellen an den FPÖ-Chef, sich doch endlich gegen den „rechten Flügel“ der Partei durchzusetzen.

Vergessen wurde dabei, dass es nach Ansicht eben derselben etablierten Medien, eben der rechte, der nationale Flügel war, der bei der Abspaltung Haiders im Jahre 2005 in der FPÖ übrig geblieben ist. Die Strache-FPÖ ist also der nationale Flügel. Und die hektisch herbei geschriebenen Flügelkämpfe samt Obmanndebatte existiert nur in den politisch-erotischen Träumen der etablierten Medienmacher.

Dessen ungeachtet haben die oppositionellen Freiheitlichen natürlich ein strategisches Problem: wie begegnet man scheinbar fundamental-oppositionellen Bewegungen wie der italienischen Nihilistenpartie des Beppe Grillo oder dem politischen Alzheimer-Protest eines Frank Stronach. Wenn die Menschen über die herkömmliche Politik derart frustriert sind, dass sie jede Vogelscheuche wählen würden, wenn sie es damit nur „denen da oben“ hineinsagen könnten, werden natürlich auch Clowns oder milliardenschwere Wichtigmacher gewählt. Das Problem der FPÖ ist dabei, dass sie offenbar von einem Teil der Protestwähler zur herkömmlicher politischen Szenerie, wenn auch als oppositionelle Kehrseite der Medaille, gerechnet wird. Lösen können Straches Freiheitliche dieses Problem nur, wenn sie klar machen, dass sie die einzige Alternative zum etablierten politischen System in Österreich darstellen.

Den Wunsch–Denkern von wegen „Ende der Rechten“ sei allerdings ins Stammbuch geschrieben, dass Totgesagte bekanntlich länger leben.

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