Hat sich Kärnten das verdient?

Kärnten, das sei das Land der Gauner und der Narren: Mehr oder minder korrupte Politiker im Verein mit skrupellosen Bankern auf der einen Seite, auf der anderen halblustige Spaßvögel, die zwischen Beachvolleyball, Fête Blanche und Villacher Kirchtag ihr Unwesen treiben. Diesen Eindruck erhält man, wenn man all das für bare Münze nimmt, was in den Medien über Österreichs südlichstes Bundesland in diesen Tagen so berichtet wird.

Mühsam erst ist es vor wenigen Monaten gelungen, europäischen Normalstandard in Sachen Behandlung der ethnischen Minderheit im Lande durchzusetzen. Der Applaus den sich Kärnten, allen voran der Landeshauptmann, damit erwarb, ist angesichts der Vorerhebungen, Prozesse und Gerichtsurteile, denen sich die Kärntner Politiker-Zunft in diesen Tagen ausgesetzt sieht, verklungen.

Der gelassene Umgang des Landeshauptmanns mit den gegen ihn erhobenen, eher marginalen Anwürfen, der stoisch-harte seines Landeshauptmann-Stellvertreters und Parteifreunds mit der Zweitverurteilung und der hilflose, nahezu naive des ÖVP Chefs mit dem ihm gemachten Prozess, aber auch die dumm-dreisten Auftritts des Bärentaler-hinterbliebenen Lebensmenschen, verdecken nur die Wurzeln für diese Kärntner Politik-Malaise.

Da ist einerseits die Tatsache, dass am 11. Oktober 2008 nicht die Sonne vom Kärntner Himmel gefallen ist, sondern der große Blender. Er, der geglaubt hat und seine Adepten auch glauben gemacht hat, dass alles möglich und erlaubt sei, ob im Umgang mit landeseigenen Bankinstituten, im Marionettenspiel mit eigenem politischen Personal und politischen Gegnern in der Popstar-artigen Handhabung der Medien oder ganz allgemein im Umgang mit der Wahrheit, er hat sie alle im Stich gelassen – die eigenen Freunde und auch die Birnbachers und Martinzes, die nun ihrem Urteil entgegen zittern. Und natürlich auch die Lebensmenschen, die die Landestracht mit Niedertracht verwechselten und politisches Ethos mit Solariumsbräune. Es ist des Bärentalers Nachlass, der hier unselig aufgearbeitet wird.

Und andererseits ist es das politische-korrekte Kleingeld-Wechseln der linken Reichshälfte, die die Chance sieht, die Ära Schüssel-Haider in der Republik insgesamt und die Ära Haider selbst in Kärnten speziell als Ganzes zu diskreditieren. Die roten Kärntner Leichtgewichte – wer kennt ihren Namen? – und die grünen Kleinkünstler betreiben gemeinsam mit den Inquisitoren der Korruptionsstaatsanwaltschaft und mit den selbsternannten Groß-Aufdeckern im parlamentarischen Untersuchungsausschuss, sowie mit der einen oder anderen „Infotainment-Gazette“ ihr „Kärnten-Bashing“, das wir längst sattsam kennen.

Und daneben bleibt der ebenso medial hochgespielte Tummelplatz der heimischen Spaßgesellschaft. Der Hexensabbat der Zeitgeistler rund um den Wörthersee und die Berufs-Lustigen der Kärntner Kirchtage zwischen Villach und Gotschuchen sie genießen in diesem Jahr den einzigen Vorzug, dass sich die politische Kaste dort wohl nicht so zentral wie üblicherweise präsentieren wird.

Alles in allem: Armes Kärnten. Auch wenn das Wetter gemeinhin schön, die Seen blau, die Berge hoch und die Menschen liebenswert bleiben, dieses Land mit seiner zweitausendjährigen Geschichte, mit seiner kulturellen Vielfalt, mit der künstlerischen Begabung seiner Menschen und der zauberhaften Schönheit seiner Landschaft, es hat sich diesen Ruf nicht verdient.

3 Antworten zu Hat sich Kärnten das verdient?

  1. Bloody Mary sagt:

    „Papier ist geduldig“, pflegte meine Kinderfrau zu sagen. Was über Kärnten geschrieben wird, könnte man über jedes Bundesland schreiben. „Politisch Lied, ein garstig Lied!“ Leider sind lauter Gauner an vorderster Front und auch bei den Medien. 🙄

  2. karloa sagt:

    man kann hrn. stadlers reden im eu-parlament auf youtube sehen, ein bzö-mitarbeiter hat sie offenbar hochgeladen. ich wusste gar nicht, dass man das eu-parlament live sehen kann. interessant. warum sieht man Sie nicht auf youtube?

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