Im Visier der Jagdgesellschaft

Er sei so etwas wie ein juristischer Witwenschänder und Handtascherl-Räuber, überdies auch noch ein selbsternannter Winkeladvokat, der sich gewissermaßen hochstaplerisch in die Anwalts-Zunft eingeschlichen habe. All das muß sich Martin Graf dieser Tage jeden Morgen aufs Neue in den heimischen Mainstream-Gazetten anhören. Und er ist damit voll ins Visier der politisch korrekten Jagdgesellschaft geraten.

Der Autor dieser Zeilen weiß, was dies bedeutet. Vor gut zwanzig Jahren war er als „Umvolker“ auch für Wochen und Monate das Ziel diffamierender Medienberichte, wurde als Rassist und Rechtsextremist, als Nazi und unverbesserlicher Ausländerhasser denunziert. Jene ethnisch-kulturellen Überschichtungsprozesse, die er damals mit dem Wort „Umvolkung“ bezeichnen wollte, sind indessen längst von der Realität mehr als übertroffen worden und kaum jemand kritisiert ihn noch wegen seiner damaligen Aussagen.

Auch FPÖ-Chef HC Strache weiß, was es bedeutet, im Visier der Jagdgesellschaft zu stehen. Vor wenigen Jahren, als Jugendphotos von martialischen Waldspielen an die Medien gespielt wurden, wurde er auch wochenlang durch die Gazetten geprügelt und als Neonazi und Wehrsportler diffamiert. Auch er kann also nachfühlen, wie es Martin Graf gegenwärtig geht.

Wie es diesem geht, wenn er den Forderungen der Jagdgesellschaft nachkommt, konnte man indessen bereits erkennen, als er als Stiftungsvorsitzender zurücktrat: Es nützt gar nichts. Und wenn er nunmehr als Nationalratspräsident resigniert, wird das genauso wenig nützen. Dann wird man die Aufgabe des Nationalratsmandats fordern. Sollte er dem nachkommen, wird er weiterhin als Skandalpolitiker durch die Gazetten geprügelt.

Wenn man aber analysiert, wessen sich Martin Graf wirklich schuldig gemacht hat, bleibt kaum etwas übrig. Allenfalls Unvorsichtigkeit bei der Kontrolle seiner Berufsbezeichnung auf eingereichten Wahllisten – der Unterfertigte, der selbst etliche Male auf solchen kandidiert hat, hat dies ebenfalls noch niemals kontrolliert. Und natürlich die Gründung einer Stiftung auf Wunsch einer alten Dame, was in Zeiten der damals noch existenten Schenkungs- und Erbschaftssteuer (von 60 Prozent für Außenstehende) eine Idee war, die seinerzeit viele hatten. Bei der Debatte ist nämlich untergegangen, daß die alte Dame Martin Graf zeitweise offenbar auch als Erben einsetzen wollte. Aus heutiger Sicht mag die Stiftungsgründung und die Übernahme des Vorsitzes unklug gewesen sein. Unklug jedenfalls auch die offenbar nicht entsprechend erfolgte psychologische Betreuung der Stifterin. Und kein Mensch weiß, ob es Frau Meschar indessen Leid tut, daß sie einen Vernichtungsfeldzug gegen ihren einstigen Protegé losgelöst hat? Ein Vernichtungsfeldzug, der in erster Linie nur dazu dienen soll, jene Gesinnungsgemeinschaft zu schädigen, der sich die betagte Dame einst offenbar zugehörig fühlte.

Die Jagdgesellschaft triumphiert also vorläufig, die Freiheitlichen werden viel innere Solidarität benötigen und Martin Graf eine unglaublich dicke Haut, um all das durchzustehen. In unserer kurzlebigen Medien-Realität wird dies aber der Fall sein. Und als einzige Verliererin wird Frau Meschar übrig bleiben. Und das ist traurig.

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One Response to Im Visier der Jagdgesellschaft

  1. Bloody Mary sagt:

    Wenn der FPÖ etwas Stimmen kostet, dann ist es das Festhalten an der EU.

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