Die Krise hat uns eingeholt

Ach, was haben sie doch groß und wohltönend daher geredet, die EU-Fanatiker und EURO-Phoriker: Es sei doch bloß Angstmache, wenn EU-Kritiker von der Überdehnung der Währungszone gewarnt haben. Es sei nur lächerliche Unwissenheit, wenn die drohende Pleite Griechenlands an die Wand gemalt wurde. Und es sei schlicht und einfach undenkbar, dass ein Land aus der Euro-Zone ausscheiden müsse, geschweige denn, dass der Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung drohen könnte.

Nun spricht man in den Mainstream-Medien längst davon, dass Griechenland so gut wie sicher pleite sei und zum Drachme zurückkehren müsse. Der bundesdeutsche Spiegel, zweifellos ein Leitmedium und die österreichische Presse – angeblich hoch seriös – verkünden durchaus kritisch, dass man auch den Gedanken hegen müsse, dass die Europäische Union ohne eine gemeinsame Währung auskommen sollte. Thilo Sarrazins neues Buch „Europa braucht den Euro nicht“ wird nach anfänglicher Hysterie längst wohlwollend besprochen und als durchaus vernünftig eingestuft und allenthalben scheint man sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es mit dem Euro und damit mit Europa nicht so weitergehen könne, wie bisher.

Spätestens nach der Griechenland Wahl am 17. Juni werden wir wissen, ob es für ein Euroland einen geordneten Staatsbankrott und einen ebenso geordneten Austritt aus der Währungszone mit der damit verbundenen Rückkehr zur nationalen Währung geben kann. Gewiss, alle wissen auch, dass dies ein teurer Spaß für das übrige Europa wird, wohl aber trotzdem die einzige Möglichkeit für Griechenland, sich mittelfristig zu sanieren und für die Eurozone wieder auf die Beine zu kommen. Offen ist allerdings was mit Portugal und Irland und in der Folge mit Spanien und Italien sowie auch Frankreich geschieht. Lässt sich die Gemeinschaftswährung gesund schrumpfen und mittels strenger Budgetdisziplin aller Beteiligten, sowie gepaart mit entsprechenden Wachstums-Konzepten doch noch sanieren? Oder ist der Abmarsch in eine harte Nord-Währung, die letztlich nur von wenigen Staaten rund um Deutschland getragen werden kann, bereits programmiert?

Fest steht allerdings auch heute schon, dass das EU-Establishment in weiterer Zentralisierung bis hin zu einer angeblich „wirklichen politischen Union“ das Heilmittel sieht und nicht gewillt ist, aus der Krise die Lehre zu ziehen: Dass eine Renationalisierung weiter Bereiche auch der Währung die europäische Integration nicht behindern müsste, sondern viel mehr auf einen vernünftigen Weg bringen könnte.

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4 Responses to Die Krise hat uns eingeholt

  1. O. S. Wald sagt:

    Natürlich will das EU-Establishment eine „politische Union“, also einen zentralistsichen europäischen Bundesstaat. Fraglich erscheint jedoch, ob das Kalkül, daß die derzeitige Krise die Erreichung dieses Ziels beschleunigen kann, aufgehen wird. Wenn nämlich das Chaos von Griechenland auf Spanien, Portugal, Italien und andere Länder überschwappt, dann könnte es Eurozone und EU zerreißen – womit die Chance für einen Neuanfang gegeben wäre.

  2. Bloody Mary sagt:

    Appell an die Regierungen der EU von Roland Hureaux, Mitglied im Wissenschaftskomitee der Charles de Gaulle-Stiftung:“ Die Auflösung der EU muss bald erfolgen – in geordneten Bahnen. Es braucht wieder die Anerkennung der Unterschiede, basierend auf der Realität und der Kulturen, dem Respekt und nicht auf der Missachtung. Die wahren Europäer sind wir, die für ein Europa der Vaterländer einstehen.“

  3. Bloody Mary sagt:

    Wer sagt das der FPÖ, die die EU von innen reformieren will? http://www.euaustrittspartei.at 😆

  4. Bloody Mary sagt:

    Bundestagsprotokoll 28.4.1998: „Ich bin ganz sicher, daß diejenigen, die heute nein zum EURO sagen, schon in wenigen Jahren leugnen werden, da´ß sie je eine solche Meinung vertreten haben.“ Sagte Bundeskanzler Kohl. Es ist doch immer wieder hübsch zu hören, wie weitsichtig diese hochbezahlten Bonzen sind. Ich bin keine Poltikerin, aber ich habe gesagt, daß ich niemals mit einem Spanier, Italiener oder sonst einem Südländer ein gemeinsames Geschäft anfangen würde.Das nennt man Hausverstand, zum Unterschied von „Weltverstand“ meine Damen und Herren Politiker. Anwesende NICHT ausgenommen!d. 😉

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