Wir und die Willkür

Gleich vorweg: Eine gewalttätige Demo gegen Ballbesucher, ist kein Holocaust. Und Attacken mit Wurfgeschossen und Pfefferspray noch längst keine „Reichspogromnacht“. Und natürlich sind die nationalfreiheitlichen Korporationsstudenten des Jahres 2012 nicht in einer vergleichbaren Situation wie das europäische Judentum nach der Wannseekonferenz. Aber eines ist klar, alles beginnt mit dem Hass, mit der Diskriminierung und mit der Willkür, die man gegen Individuen und Menschengruppen übt. Und Österreichs korporierte Studentenschaft, ist in diesen Tagen Zielobjekt für Hass, für Ausgrenzung, Diskriminierung und Willkür.

Was Heinz Christian Strache im kleinen Kreis mit Freunden auf einem Ball so plaudert ist primär einmal seine Privatsache. Dass man hier zulande ausspioniert, bespitzelt und denunziert wird, von sich selbst als Undercover-Helden füllenden Zeitgeistjournalisten, ist peinlich genug. Wenn er gesagt hat, er sei sich vorgekommen wie seinerzeit ein Jude in der „Reichskristallnacht“ mag das überzogen gewesen sein. Es ist aber eine private Aussage, die in einem freien Land, mit dem freien Wort jedermann zusteht. Und es ist vielleicht irgendwo verständlich, wenn man Teil einer Minderheit ist, die der Willkür ausgesetzt ist. Einer Minderheit, die sich nicht frei und unbehelligt versammeln kann, die einen hochnoblen Ball begeht und über verwinkelte Hintertüren in den Ballsaal schleichen muss, der es verwehrt wird, über den offiziellen Eingang diesen Ballsaal zu betreten. Einer Minderheit, deren Mitglieder tätlich und verbal massiv insultiert werden. Die sich in den Medien als Staatsfeinde, Rassisten und Extremisten an den Pranger stellen lassen müssen und die letztlich das Gefühl haben müssen vogelfrei zu sein.

Jeder einigermaßen geschulte Antifaschist wird jetzt sofort mit der sogenannten Täter-Opfer-Umkehr kommen. Ganz so, als wären die Korporationsstudenten von heute die Täter von Auschwitz, die sich nunmehr als Diskriminierungsopfer darstellen. Täter-Opfer-Umkehr ja, aber genau in dem Sinne, dass die Gewalttäter von der letzten Freitagnacht die vermummten Randalierer sich nunmehr als Opfer rechtsextremer Umtriebe darstellen. Und die Medien machen fleißig mit und die Spitzen der etablierten politischen Parteien ebenso. Die perfide Heuchelei einer Frau Glawischnig in diesen Fragen ist ja bekannt. Die Dummheit der BZÖ-Vertreter und der Zynismus der Spitzen-Genossen. Weniger verständlich und schwerer erträglich sind da schon die Aussagen des schwarzen Vizekanzlers und seines Generalsekretärs – im übrigen eine Position, die in der ÖVP offenbar nur mehr durch das Verbot der Überschreitung intellektueller Mindeststandards definiert wird. Was sie alle dem freiheitlichen Oppositionsführer, der offenbar gegenwärtig wirklich zu gefährlich zu drohen wird nachsagen, ist so und so perfide Heuchelei, dass es mit Ironie alleine nicht mehr erträglich ist. Und der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, den der Hass offenbar bereits in völlig irrationale Gefilde getrieben hat, will Straches angebliche Ball-Äußerungen nunmehr strafrechtlich als Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinne ahnden lassen.

Das Verbot der Burschenschaften und anderen nationalfreiheitlichen Korporationen, wird wohl bald allen Ernstes gefordert werden und dann gleich das Verbot der FPÖ, die Internierung ihrer Spitzenvertreter und warum nicht gar dann auch ihre Füsilierung.

Alles beginnt mit der Intoleranz und dem Hass, geht weiter über die Ausgrenzung und Diskriminierung, bis hin zum Absprechen des Mit-Menschentums. Heute sind freiheitliche Korporationsstudenten Teil einer Minderheit, die der medialen, der politischen und auch der ganz real gewalttätigen Willkür ausgesetzt sind. Morgen sind sie vielleicht das Objekt für Verbote und entsprechende strafrechtliche Verfolgung. Ob Herr Muzicant bereits darüber nachdenkt für unbelehrbare Rechtsextremisten Anhaltelager einzurichten? Er sollte doch lieber den österreichischen Philosophen Friedrich Heer lesen, der den Dialog, das Gespräch unter Gegner, ja auch unter Feinden gefordert hat.

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9 Responses to Wir und die Willkür

  1. Der Bub sagt:

    Es ist ein Wahnsinn, was sich hierzulande mittlerweile abspielt! Das kann es doch wirklich nicht geben, dass Aussagen, heimlich bespitzelt, vollkommen unreflektiert wiedergegeben werden können und ein Mensch damit denunziert wird, dass ärger nicht geht! Auch ein HC kann die Zeit nun mal nicht zurück drehen und was passiert ist, ist nun mal passiert – das ist traurig genug!!!! Aber was soll Strache und der Rest der FPÖ nun tun? Sich täglich mehrmals auf den Boden werfen und gestehen: „mea culpa, mea maxima culpa!“? Irgendwo hat alles seines Grenzen und eine wurde längst überschritten!

  2. Mrs. poppins sagt:

    Ich muss gestehen, ich war im ersten Moment auch schockiert, was ich da lesen musste. Nur spätestens als ich HC in der ZIB2 sah musste auch ich feststellen: so kann es wirklich nicht weitergehen! Da werden Menschen einer legetimierten, mittlerweile sogar sehr starken Partei öffentlich an den Pranger gestellt – und das natürlich komplett ohne Konsequenzen für den Verursacher – der hat freilich Zeugen für HC’s Aussage! Würde Strache sagen, er habe auch Zeugen, dass die aussage komplett aus dem Zusammenhang gerissen wurde, dann würden die freilich nicht zählen – sind ja alle verbandelt miteinander! Wie oft muss sich Strache, Mölzer und Co. eigentlich noch vom Dritten Reich mit seinen unfassbaren Abscheulichkeiten distanzieren? Wieso dürfen die „richtig“ weil „gut“ denkenden Menschen die Freiheitlichen imer noch alles mögliche unterstellen?

  3. Michael Frohne sagt:

    Wir befinden uns offenbar auf dem besten Wege in den Gesinnungsstaat. Wie tief ist die Presse eigentlich gesunken, daß Privatgespräche belauscht und dann verdreht werden?

  4. O. S. Wald sagt:

    Auch wenn der Vergleich mit der „Reichskristallnacht“ überzogen ist, so ist doch folgendes festzuhalten: Korporierte, Freiheitliche, politisch Rechtsstehende sind von den linken Moral- und Tugendwächtern für vogelfrei erklärt worden, ihnen werden Rechte kollektiv als Gruppe abgesprochen. Das haben die Nationalsozialisten Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre auch mit den Juden gemacht und so das geistige Klima für den millionenfachen Judenmord aufbereitet.

    Und noch etwas: Gruppen pauschal für vogelfrei zu erklären war auch ein Mittel, welches die Kommunisten verwendet haben und der direkt zum stalinistischen Terror und Millionen Opfern geführt hat.

  5. Bertha sagt:

    Der Kommentar des Herrn Strache war bestimmt nicht korrekt, aber korrektes Verhalten ist eine Tugend, die Menschen nicht immer erfüllen können. In einem Land wie Österreich, wo die Meinung frei ist, und jeder demonstrieren und protestieren kann, darf es aber wirklich nicht sein, dass Ball-Besucher, am Weg zur Veranstaltung vom vermummten ausländischen Demonstranten mit Steinen beworfen werden. Die Ball-Besucher tun ihre Meinung kund, aber gesittet und ohne andere anzugreifen, was man von den Demonstranten nicht sagen kann…wo ist hier die Meinungsfreiheit? Ich kann sie nicht erkennen.

  6. Franz L. sagt:

    Ich bin sicher alles andere, als ein Rechtsextremist, aber ich hab mir am letzten Freitag die Demonstration angeschaut und das Wort „fremdschämen“ bekam einen neuen Charakter. Wie kann man solchen Hass auf eine Interessensgruppe entwickeln, dass man ältere, elegant gekleidete Damen mit Pfefferspray attackiert und Ball-Besucher mit Raketen bewirft?

  7. Bloody Mary sagt:

    Ich erinnere mich dunkel an die Reichskristallnacht. Da war genau der gleiche Pöbel zugange!
    Und nochwas: als ich den BP darauf aufmerksam machte, daß Grüne in Wien ein Plakat im Schaufenster haben mit einem Dackel und einer österr. Fahne mit dem Slogan: „Nimm dein Flaggerl für dein Gagerl“ ließ mir der BP schreiben, daß er es persönlich nicht gesehen habe. So und den „Sager“ des HC hat er persönlich gehört?

  8. Bloody Mary sagt:

    Ich kann garnicht sagen, wie sehr ich diese Journalisten und linken Politiker verachte. Um sie zu hassen bin ich mir zu gut. 😎

  9. Britta sagt:

    Trotzdem, wem man so wie HC Strache in Österreich an die Spitze der Regierung will, muss er sich mit seinen Äußerungen, ob privat oder nicht privat in der Öffentlichkeit zurückhalten. Das muss er und jeder andere wissen, die im Focus stehen.( Aus den bereits gemachten Fehlern von Dr. Haider sollte Hr. Strache doch gelernt haben) und sich nicht über so sensible Themen ungefiltert öffentlich zu unterhalten . Da kann ich nur sagen wie kann man seinen Gegnern nur so in die Hand spielen, ist mir leider unverständlich.

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